13.04.2017

Voller Erfolg der „Innovation Challenge“ von Wien Energie

Powered by Wien Energie. Nach mehr als 180 Startup-Bewerbungen für die Innovation Challenge von Wien Energie, dem Innovation Camp und mehr als acht Wochen intensiver Arbeit, stehen die Sieger der Challenge fest. Der Wettbewerb sollte ein glückliches Ende für alle Beteiligten nehmen.
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(c) Willinger - Die Innovation Challenge war ein voller Erfolg.
kooperation

Die Anspannung der drei Finalisten beim „Board of Innovation“, dem Abschlussevent der Innovation Challenge, war klar zu spüren. Immerhin ging es für alle Teilnehmer darum, ob ihr Projekt von Wien Energie weiterverfolgt wird oder nicht. Die Finalisten befassten sich mit Chatbot-, Augmented Reality- und Drohnentechnologie.

Sein oder Nichtsein…und eine Reise nach Tel Aviv

Acht Wochen lang haben die Teams, bestehend aus jeweils einem Startup und Mitarbeitern des Energiedienstleisters, an ihren Projekten gearbeitet. Beim „Board of Innovation“ galt es, diese in einem zehnminütigen Pitch zu präsentieren. Als zusätzliches „Zuckerl“ gab es für die Sieger eines Publikumsvotings eine Reise nach Tel Aviv zu gewinnen. Zur Aufgabenstellung zählte jedoch nicht nur die Entwicklung eines Prototyps, sondern auch die Erstellung eines Geschäftsmodells, eine Markt- und Konkurrenzanalyse, sowie ein konkreter langfristiger Plan zur Umsetzung der Technologie.

Wien Energie hält an allen Projekten fest

Die drei Projekte könnten unterschiedlicher nicht sein, eines hatten sie nach den Pitches allerdings alle gemein: Das Interesse und die Begeisterung des Publikums und der Jury waren groß. „Wir haben ganz bewusst unsere gewohnte Welt von Wien Energie mit der neuen, sehr dynamischen Welt von Startup-Unternehmen zusammengebracht“, sagt Geschäftsführer Karl Gruber.

Drohnen, Augmented Reality und Chatbots

Smart Drone Inspection – Birds.ai, Skyability

Mittels einer intelligenten Drohne sollen verschiedene Anlagen auf Mängel überprüft werden. Dadurch werden die derzeit sehr zeit- und kostenintensiven Überprüfungen vereinfacht. Das Projekt fokussiert drei Anwendungsfälle: Windräder, Fernwärmeleitungen und Schornsteine. Die Drohne macht Fotos der Anlagen, eine smarte Software wertet diese aus und schickt einen Mängel-Bericht an den zuständigen Mitarbeiter. Birds.ai hat den Software-Prototyp entwickelt, die Bilder wurden von Skyability gemacht und weitergeleitet.

Chatbot „BotTina“ – Onlim

Hauptziel von „BotTina“ war es, einen Chatbot zum Thema Umzug zu entwickeln, der Anfragen schnell und zuverlässig beantwortetIm deutschsprachigen Raum gibt es aktuell keinen Chatbot bei Energieunternehmen. Weitere Themengebiete wie E-Rechnung und eine Anbindung an Amazons „Alexa“, einer künstlichen Intelligenz für Smarthomes, soll folgen. Der Chatbot entstand in Kooperation mit dem Startup „Onlim“

Maintenance 4.0 – ViewAR

Maintenance 4.0 vermittelt mit Hilfe einer Augmented Reality Brille einen raschen Zugang zu Expertenwissen, stellt alle relevanten Anlagedaten in Echtzeit zur Verfügung und digitalisiert und dokumentiert Wartungsprozesse. Die Brille navigiert und verbindet Anlagenarbeiter mit Experten, die somit nicht mehr extra für Wartungsarbeiten anreisen müssen. Der Experte schaltet sich zu und der Admin sieht, was der User macht. Mitarbeiter bekommen somit ein virtuelles Coaching, was zu tun ist und können Instandhaltungen durchführen, die eigentlich „anderen Experten“ vorbehalten wären. Man verspricht sich von dem Konzept 20 Prozent Effizienzsteigerung.

Smarte Drohne fährt nach Tel Aviv

Der Preis für den besten Pitch ging an das Team von Smart Drone Inspection. Der kollektive Freudenschrei zeugte davon, dass sich die Mitglieder sichtlich über die Reise nach Tel Aviv freuen.

Neuauflage im nächsten Jahr

“Die Innovation Challenge war ein voller Erfolg. Dass alle Lösungen umgesetzt werden, zeigt von der hohen Qualität der Produkte. Damit haben wir anfangs nicht gerechnet“, heißt es von  Seiten des Unternehmens. Man freue sich auch auf die nächste Auflage im kommenden Jahr. Interessierte Startups können sich jetzt schon unter [email protected] mit dem Betreff „Innovation Challenge 2018“ unverbindlich melden und erhalten beim Start sofort die wichtigsten Informationen zur Anmeldung.

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V.l.n.r.: Peter Llewellyn-Davies (Präsident BIOTECH AUSTRIA), Lejla Pock (CEO Human.technology Styria), Marcus Hofer (CEO Standortagentur Tirol) © BIOTECH AUSTRIA

Rund 250 Teilnehmer:innen aus zwölf Ländern, zwei Tage in Innsbruck, ein Motto: „Start up, Scale up, Step up!“ Mit vielen neuen Kontakten und einem guten Gefühl bin ich nach Hause gefahren und mit einer offenen Frage: Die österreichische Biotech-Branche ist so gut vernetzt wie nie, aber woher kommt  künftig das Geld, damit aus exzellenter Forschung Unternehmen werden, die in Europa groß werden?

Am Wissen fehlt es nicht. Ob Europa in der Biotechnologie mitspielt, entscheidet sich an der Finanzierung der Wachstumsphase.

Europa zwischen den USA, Golfstaaten und China

Der Schwerpunkt des Summits lag auf dem Scaleup, also auf dem Schritt vom Startup zum international wachsenden Unternehmen.

Ein Bild für die Zukunft der Pharmatrends zeichnete Claudio Albrecht, ehemaliger CEO der Stada AG. Er sprach darüber, wie Geopolitik, neue Technologien und sich wandelnde Gesundheitssysteme die Pharmaindustrie bis 2035 prägen könnten. Besonders hervorgehoben hat er dabei die Transformation Chinas von einer Service-Industrie zu einem Innovationsmotor sowie die Dynamik in den Golfstaaten. Europa widmete er keine eigene Folie in seiner Präsentation, was vom Publikum hinterfragt wurde. Es wirft die Frage auf, welchen Stellenwert Europa künftig im globalen Wettbewerb überhaupt noch spielen wird.

(c) Hofelich – Claudio Albrecht gab einen Ausblick in die Zukunft.

 Ein Champion, der nicht auswandern muss

Den Gegenentwurf lieferte Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) und ehemaliger Bundeskanzler. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir vor allem ein Satz: „The next champion should not need to leave Europe in order to become a global champion.“ 

(c) Hofelich – Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB).

Das Ziel ist ambitioniert und gerade in der Biotechnologie bislang schwer erreichbar. Entwicklungszyklen dauern hier i. d. R. mehr als ein Jahrzehnt. 

Der Startup- & Scaleup-Dachfonds: eine gute Nachricht mit Fragezeichen

Für die Branche besonders interessant war die Diskussion über den geplanten österreichischen Dachfonds. Stefan Haubner, Founding Partner bei APEX Ventures, widmete sich der Frage, ob Europa ein eigenes Modell für Venture Capital braucht. Dabei ging es auch um den österreichischen Fund-of-Funds. 

Der Dachfonds soll Anfang 2027 starten. Der Staat steuert 100 Mio. Euro bei, institutionelle Investoren sollen weitere 400 Mio. Euro bringen. Das ist ein wichtiges Signal. Weil es ein Dachfonds ist, investiert er aber nicht direkt in Unternehmen, sondern in andere Fonds.

Wie viel von diesem Geld tatsächlich bei Biotech-Unternehmen ankommt, ist derzeit offen.

Life Sciences brauchen Investoren mit Fachwissen und langem Atem. Davon gibt es in Österreich nur wenige. Wenn der Dachfonds vor allem in Generalisten-Fonds fließt, könnte die Biotechnologie leer ausgehen.

Tirol zeigt, wie Standortarbeit aussieht

Auch organisatorisch war der Summit ein Vorzeigeprojekt. Veranstaltet wurde der Summit von BIOTECH AUSTRIA, Human.technology Styria und der Standortagentur Tirol. Vor Ort vertreten waren Peter Llewellyn-Davies, Präsident von BIOTECH AUSTRIA, Marcus Hofer, CEO der Standortagentur Tirol, und Lejla Pock, CEO von Human.technology Styria. Äußerst charmant moderiert hat Damita Pressl.

Die Villa Blanka hoch über Innsbruck bot eine außergewöhnliche Kulisse; ebenso das Gala-Dinner am Abend in der Rooftop-Bar des Hotels aDLERs. Begeistert zeigten sich auch die Teilnehmer:innen, die am Vortag im Rahmenprogramm die Skisprungschanze Bergisel besichtigt hatten. Ich selbst habe mir am Dienstagmorgen den Health Hub Tirol angesehen. Das Technologiezentrum ist seit knapp einem Jahr in Betrieb und bietet noch freie Flächen. Das ist die Art Standortpolitik, die wirkt: Infrastruktur, Netzwerk und ein Treffpunkt, an dem Forschung, Investor:innen und Politik tatsächlich ins Gespräch kommen.

Was es jetzt braucht

Der Summit hat gezeigt, dass die Branche sich der Herausforderungen bewusst ist und weiß, was zu tun ist.

Der nächste Champion muss nicht auswandern. Aber dafür muss das Kapital vor Ort stärker mobilisiert werden. 

Der fünfte Biotech Summit Austria findet am 21. und 22. Oktober 2027 in Graz statt. Bis dahin wissen wir mehr darüber, ob der Dachfonds auch der Biotechnologie hilft.


Disclaimer: Karin Hofelich ist Life Science Lead beim brutkasten-Schwestermagazin VentureCapital. Das VC Magazin war Medienpartner des Summits.

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