23.11.2017

Wien bekommt smarte Fußgängerampeln

Über ein mit der TU Graz entwickeltes Kamerasystem wird erkannt, ob Fußgänger die Kreuzung queren wollen. Das System arbeitet offline.
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(c) fotolia.com - unclepodger: Mit den Ampelpärchen sorgte Wien international für Aufmerksamkeit. Nun sorgt die Stadt mit einer technischen Innovation für mediales Aufsehen.

Bereits seit einem halben Jahr läuft, wie auf wien.orf.at berichtet wird, an einer Kreuzung im 10. Wiener Bezirk (Favoriten) ein „geheimer“ Testlauf. Ein mit zwei Kameras ausgestattetes System analysiert dort das Verhalten von Fußgängern. Erkannt werden soll, ob sie die Straße queren wollen oder nicht. Das Konzept soll, wenn alles nach Plan läuft, bereits ab Frühling 2018 schrittweise Druckknopfampeln in Österreichs Hauptstadt ersetzen. Ein klarer Vorteil gegenüber Bewegungssensoren sei, dass das System tatsächlich nur auf Menschen anspringe, heißt es von der Wiener MA 33. Entwickelt wurde gemeinsam mit der TU Graz. Nach dem internationalen Aufsehen, das die „Ampelpärchen“ erregten, will Wien nun also mit einer technischen Innovation Schlagzeilen mit seinen Ampeln machen.

Offline-Box ohne Datenoutput

Nun wird in Favoriten noch weiter getestet. Bisher wurde das Projekt geheimgehalten, damit Fußgänger sich an der Test-Ampel natürlich verhalten. Die Fehlerquote im Versuch darf 0,5 Prozent betragen, so das selbst gesteckte Ziel von MA 33 und TU Graz. Wird das erreicht, stünde einem Stadt-weiten Rollout im Frühjahr nichts im Wege. Mögliche Bedenken bezüglich Datenschutz wurden bereits vorab ausgeräumt. Das System arbeitet offline. „Die Daten verlassen die Box nicht und können extern auch nicht ausgelesen werden“, sagt TU Graz Vizerektor Horst Bischof gegenüber der Gratiszeitung Heute. Die Rechenleistung sei die eines besseren Smartphones. Preislich liege man mit höchstens 5000 Euro im selben Bereich, wie mit klassischen Druckknopfampeln.

+++ Mit der Digital City möchte Wien zur Smart City werden +++

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Christina Hirschl, Geschäftsführerin von Silicon Austria Labs | (c) Helge Bauer
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Laut internationaler Energieagentur wird sich der weltweite Stromverbrauch der Rechenzentren bis 2030 auf rund 945 Terawattstunden mehr als verdoppeln. Das entspricht etwas mehr als dem gesamten Stromverbrauch Japans heute. Während die EU ein verpflichtendes Nachhaltigkeits-Label entwirft, um den Energie- und Wasserverbrauch der Branche einheitlich bewerten zu können, arbeitet man in Österreich bei Silicon Austria Labs an energieeffizienter KI und Rechen-Hardware.

Stromsparen mittels Chip-Bausteinen und optimierten KI-Modellen

Bei Silicon Austria Labs arbeitete man schon 2025 an einer effizienteren KI, wie brutkasten berichtete. Nun soll Energie mittels Hardware-Beschleunigern gespart werden, also mit Chip-Bausteinen, die KI-Berechnungen mit wesentlich geringerem Energieaufwand ausführen als herkömmliche Prozessoren. So entwickelt das Silicon Austria Labs für das europäische Projekt ISOLDE im Rahmen des Chips Joint Undertaking energieeffiziente Beschleuniger.

„Unsere Stärke liegt darin, KI dort effizient zu machen, wo sie tatsächlich rechnet, im Chip und im Datacenter“, sagt Christina Hirschl, CEO von Silicon Austria Labs. „Wir entwickeln Hardware und Verfahren, die dieselbe Rechenleistung mit deutlich weniger Energie erbringen. Das ist die Grundlage, damit KI in Europa nachhaltig wachsen kann.“

Zudem optimiert Silicon Austria Labs KI-Modelle so, dass sie Daten nicht in große Rechenzentren senden, sondern direkt auf den jeweiligen Geräten laufen, wie etwa Haushaltsgeräten, Sensoren oder Satelliten. Auch an einem energieeffizienten „föderierten Lernen“ wird bei Silicon Austria Labs geforscht. Bei dem Prozess wird KI trainiert, ohne dabei sensible Daten zusammenzuführen.

Energiesparende Elektronik für ein unabhängiges Europa

Laut Silicon Austria Labs geht es bei der Forschung nicht nur um Nachhaltigkeit, sondern auch um die technologische Unabhängigkeit Europas. Durch selbst entwickelte energieeffiziente Chips und Verfahren sei man weniger abhängig von außereuropäischen Anbietern. „Energieeffiziente Elektronik ist ein Standortvorteil für Österreich und Europa“, sagt Hirschl. „Wer die sparsamste Technologie beherrscht, macht sich unabhängiger und verbindet Digitalisierung mit Klimazielen.”

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