19.12.2025
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Wie UNIQA Zusammenarbeit konzernweit über Ländergrenzen hinweg organisiert

Wie gelingt echte Zusammenarbeit in einem globalen Konzern mit tausenden Mitarbeitenden? Im Interview geben Cristina Anculescu und Simon Prior Einblick in das commUNIties-Konzept der UNIQA Insurance Group und erklären, warum es sich zu einem Treiber für Innovation, Lernen und Kulturwandel entwickelt hat.
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Cristina Anculescu und Simon Prior im Studio-Talk. | © brutkasten

Zusammenarbeit gilt in vielen Organisationen als Schlüssel für Innovation. Doch zwischen dem Anspruch, Silos zu überwinden, und der Realität des Arbeitsalltags liegt oft eine große Lücke. Meetings nehmen zu, Abstimmungen werden komplexer. Dennoch bleibt die echte gemeinsame Wirkung aus.

UNIQA suchte daher  früh nach Wegen für Zusammenarbeit  jenseits von Projektplänen und Hierarchien. Die Lösung sind die commUNIties: freiwillige, themenbezogene Netzwerke von Mitarbeitenden aus unterschiedlichen Ländern, Funktionen und Disziplinen, die an strategischen Fragestellungen arbeiten.

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Ein starkes Netzwerk, das wächst

„commUNIties sind wirklich ein sehr schönes Konzept, bei dem wir Menschen aus unterschiedlichen Regionen, Abteilungen und Bereichen zusammenbringen, die gemeinsam an realen Business-Herausforderungen arbeiten“, beschreibt Cristina Anculescu, Head of Group Talent Acquisition and Development Experience bei UNIQA, den Grundgedanken.

Seit 2021 baut UNIQA ihre commUNIties Schritt für Schritt auf. Inzwischen gibt es  13 dieser Netzwerke – von Transformation über Operations bis hin zu People und Sales – mit Mitarbeitenden aus allen Ländern der Gruppe.

Dabei geht es um konkrete Fragen aus dem Arbeitsalltag: Wie gestalten wir eine Organisation, die nicht nur effizient, sondern auch anpassungsfähig und resilient ist? Wie schaffen wir Kundenerlebnisse, die Vertrauen und Begeisterung stiften – heute und in Zukunft? Und wie entwickeln wir eine Kultur des Lernens und der Zusammenarbeit, die Innovation über Länder- und Fachgrenzen hinweg ermöglicht?

Freiwilligkeit statt Hierarchie

Ein zentrales Prinzip der commUNIties ist die Freiwilligkeit. Mitarbeitende entscheiden selbst, ob und wo sie sich einbringen möchten, erklärt Simon Prior, Head of Transformation & commUNIties bei UNIQA. Diese bewusste Abkehr von klassischen Projektzuweisungen verändert die Dynamik spürbar. „Menschen beteiligen sich freiwillig – getrieben von hoher Motivation, reale Herausforderungen zu lösen“, ergänzt Anculescu.

Dennoch sind die commUNIties klar strukturiert: Orchestrator:innen verantworten Ausrichtung und Fokus, sogenannte Chapter Leads vertiefen einzelne Themenfelder, während die Mitglieder aktiv an Use Cases und Initiativen mitarbeiten. „Wir sind keine formalen Führungskräfte. Unsere Rolle ist es, andere zu befähigen“, erklärt Prior. Hierarchische Linien spielen dabei kaum eine Rolle. Vielmehr entsteht ein Raum, in dem Expertise zählt, unabhängig von Titel oder Herkunftsland. „Plötzlich verschwinden Ländergrenzen. Es gibt keine Konkurrenz mehr zwischen Ländern, sondern echtes gemeinsames Arbeiten“, beschreibt Anculescu den kulturellen Effekt.

Vom Austausch zur Wirkung

Bleibt es bei Diskussionen, oder entsteht echte Veränderung? Die Operations-commUNIty liefert die Antwort: Mitarbeitende aus zwölf Ländern entwickelten gemeinsam ein Zielbild für den Kundenservice der Zukunft.

Darauf aufbauend identifizierten die Teams länderspezifische Hürden, tauschten Erfahrungen aus und entwickelten Lösungsansätze, etwa zu Self-Service-Angeboten oder Prozessautomatisierung. „Erst schafften die Teams eine gemeinsame Sprache, um dann Pain-Points und Herausforderungen zu identifizieren und gemeinsam eine Lösung zu finden“, erklärt Prior.

Use Cases kommen direkt aus der Praxis bzw. realen Problemstellungen und werden laufend mit der Unternehmensstrategie UNIQA 3.0 Growing Impact abgestimmt. „Wir balancieren sehr bewusst Bottom-up-Initiativen mit klarer strategischer Richtung von oben“, ergänzt Anculescu.

Lernen als Teil der Zusammenarbeit

Neben Prozessverbesserungen haben die commUNIties einen zweiten, oft unterschätzten Effekt: kontinuierliches Lernen. „Menschen lernen kontinuierlich in den commUNIties und nehmen dieses Wissen mit in ihre Länder und Bereiche. So wirkt das Gelernte weit über die Mitglieder hinaus auf die gesamte Organisation“, sagt Anculescu. In den vergangenen Monaten wurden über 80 Trainings- und Lernsessions direkt aus den commUNIties heraus organisiert – häufig initiiert von den Mitarbeitenden selbst.

Unterstützt wird dieser Ansatz durch eine interne Talent-Intelligence-Plattform. Sie macht sichtbar, welche Fähigkeiten in den commUNIties vorhanden sind und wie sie sich weiterentwickeln. Lernen wird damit nicht als isolierte Maßnahme verstanden, sondern als integraler Bestandteil der täglichen Zusammenarbeit.

© Marie Feichtinger

Sicherheit als Fundament

Was viele Beteiligte besonders schätzen, ist die Atmosphäre innerhalb der commUNIties, erzählt Anculescu. Sie gelten als geschützte Räume, in denen Experimente willkommen sind und Scheitern nicht als Fehler gilt. „Es ist okay, wenn ein Use Case am Ende kein Ergebnis liefert. Dann haben wir zumindest daraus gelernt“, führt sie aus. Initiativen dürfen bewusst gestoppt werden, wenn sie keinen Mehrwert bringen. „Kurz iterieren, ausprobieren und auch bewusst abbrechen, wenn kein Impact absehbar ist“, ergänzt Prior.

Diese Sicherheit ist kein Selbstläufer. Sie wird vom Konzern aktiv gefördert, unter anderem durch klare Sponsorships aus dem Top-Management. „Ohne diese Unterstützung von Vorstand und lokalen Managements wären wir heute nicht hier“, betont Prior.

commUNIties Summit 2025 erlaubt Blick in die Zukunft

Wie lebendig dieser Ansatz ist, zeigte sich zuletzt beim diesjährigen commUNIties Summit. Rund 120 commUNIty-Mitglieder aus allen Ländern kamen zusammen, um sich zu vernetzen, voneinander zu lernen und Zukunftsszenarien zu erproben. In einer realitätsnahen Business-Simulation mussten die Teilnehmenden unter Zeitdruck strategische Entscheidungen treffen, Partnerschaften verhandeln und auf disruptive Marktveränderungen reagieren. Die Teilnehmenden wurden dabei in 20 Teams aufgeteilt, erhielten jeweils einen strategischen Kontext und individuelle Teamziele, um die Simulation möglichst praxisnah und dynamisch zu gestalten.

Der Summit bot nicht nur interaktive Erfahrungen, sondern auch inspirierende Perspektiven: Rückblicke auf die dynamische Entwicklung der commUNIties und Ausblicke auf kommende Pläne zeigten, wie wichtig vernetzte Zusammenarbeit für Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit ist – und welche zentrale Rolle die commUNIties dabei spielen.

Ergänzt wurde das Programm durch externe Impulse: von strategischem Risikodenken bis zu moderner Organisationsentwicklung. Der Summit machte deutlich: commUNIties sind mehr als ein internes Format – sie sind ein Experimentierfeld für neue Formen der Zusammenarbeit.

© Marie Feichtinger

Was andere Organisationen von UNIQA lernen können

Der commUNIty-Ansatz lässt sich nicht einfach kopieren, denn Wirkung hängt stark von Kontext, Kultur und Führung ab. Dennoch gibt es zentrale Learnings: Zusammenarbeit braucht Sponsorship, Zeit und Ressourcen. Sie braucht Strukturen, die Orientierung geben und zugleich Raum für Eigeninitiative. Und sie braucht Werkzeuge, die Transparenz schaffen statt Bürokratie. Vor allem zeigt UNIQA: Innovation entsteht nicht durch einzelne Leuchtturmprojekte, sondern durch konsequent gelebte Zusammenarbeit.

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v.l. Matthias Schabetsberger, Managing Director Polestar Österreich, mit dem stellvertretenden schwedischen Botschafter Anders Lindgren. | © René Lueger

Der Ort war kein Zufall. „Wir sind eine schwedische Marke”, sagte Schabetsberger vor den Gästen in der schwedischen Botschaft, wo Polestar in Kooperation mit der schwedischen Handelskammer seit Jahren regelmäßig zu Gast ist. Neben Design, Performance und Nachhaltigkeit zahlten die Markenwerte stark auf gesellschaftliche Werte ein, die in Skandinavien hoch gelebt würden: Inklusion, Vielfalt, Gender Equality.

Wie schwedisch das Unternehmen ist, machte er an Zahlen fest: Von den etwas mehr als 2.000 Mitarbeitern arbeiten mehr als zwei Drittel in Schweden. Entwickelt, abgestimmt und designt wird in Schweden, wo die Verbindung zur Schwestermarke Volvo nach wie vor eng ist. Entstanden ist Polestar vor rund zehn Jahren aus einem schwedischen Rennteam, mit einem klaren Bekenntnis zum reinen Elektroantrieb. “So wollen wir als kleine schwedische reine Elektroauto-Marke der Challenger sein für die große Automobilindustrie”, so Schabetsberger.

Der stellvertretende schwedische Botschafter Anders Lindgren nannte Polestar ein gutes Beispiel dafür, wie Innovation den Übergang zur Elektromobilität in praktische Lösungen übersetzt. Die Erfahrung Schwedens zeige, dass Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit einander verstärken.

Fünf Jahre Polestar in Österreich: Jubiläumsempfang in der schwedischen Botschaft im 9. Wiener Bezirk. | © René Lueger

“Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup”

Im Gespräch mit brutkasten zog Schabetsberger eine Parallele zur Gründerszene. Polestar sei ein junges Unternehmen: “Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup.” Diese Dynamik habe man bewusst gewählt, ebenso den Anspruch, Dinge anders zu denken als klassische Mitbewerber. Einen typischen Polestar-Fahrer gebe es nicht, die Marke sei über alle Altersklassen hinweg beliebt, mit einem relativ ausgeglichenen Anteil männlicher und weiblicher Kunden. Was sie verbinde: die Einstellung zur Elektromobilität und zu gesellschaftlichen Werten. Als skandinavische Marke sei Polestar Europas einzige rein elektrische Automarke.

Polestar ist darüber hinaus eng mit dem schwedischen Innovationsökosystem verbunden. In Göteborg ist Polestar Partner von MobilityXlab, einem Innovationshub am Lindholmen Science Park, der Tech-Startups mit Unternehmen wie Ericsson, Volvo Group und Zenseact zusammenbringt. Ursprünglich auf Mobilität und Konnektivität fokussiert, öffnet sich die Plattform seit September 2026 auch für weitere Industrien. Ausgewählte Startups arbeiten eng mit Polestar an Proofs of Concept, etwa für digitale Customer Journeys und das Erlebnis im Fahrzeug.

Quiet Luxury statt noch mehr Touchscreens

Auf die Frage nach dem Design antwortete Schabetsberger mit einem Begriff aus der Mode: Quiet Luxury. Für Polestar heiße das: “wir brauchen aus unserer Sicht nicht mehr, sondern besser”. Während viele Premiumhersteller im Innenraum mit Holz, Alu, Leder, vielen Lichtvarianten und immer mehr Bildschirmen arbeiten, gehe Polestar einen anderen Weg: klare Linien, reduziertes, funktionales Design. “Wir finden immer mehr Kunden, die in einer aufgeregten Welt mit ständig neuen Produkten und ständiger Veränderung genau dieses reduzierte Design, diesen Quiet Luxury schätzen.” Das Prinzip gelte auch für den Auftritt der Marke: “Man muss jetzt nicht unbedingt immer laut schreien, um gehört zu werden.”

Der Polestar 5 vor der schwedischen Botschaft in Wien: Der vollelektrische Grand Tourer ist das neue Flaggschiff der schwedischen Marke und leistet in der Performance-Version bis zu 650 kW. | © René Lueger

Weniger Bildschirme heißt dabei nicht weniger Technologie. Beim neuen Polestar 4 SUV zieht mit Google built-in der KI-Assistent Google Gemini ins Auto ein. Dank der engen Partnerschaft mit Google ist dieser sukzessive auch in weiteren Modellen verfügbar. Funktionen wie Vehicle-to-Load und ein Camping Mode kommen per Software-Update. Die Transparenz, die Schabetsberger betont, hat eine Zahl: Für den Polestar 4 SUV weist Polestar den CO2-Fußabdruck bis zum Werkstor aus, 20,2 Tonnen CO2-Äquivalent bei der Rear-Motor-Variante. Bis 2030 will Polestar die Treibhausgasemissionen pro verkauftem Fahrzeug halbieren, bis 2040 in der gesamten Wertschöpfungskette klimaneutral sein. Und Polestar Charge bündelt mehr als 1,25 Millionen Ladepunkte in Europa über ein Konto, inklusive Tesla Supercharger.

Von drei auf 13 Standorte

Gestartet ist Polestar in Österreich mit einem Direct-to-Consumer-Modell und einem Polestar Space in der Wiener Herrengasse, später kamen Graz und Linz dazu. Im Vorjahr wurde das Modell erweitert: Online bestellen geht weiterhin, zusätzlich können Kunden bei regionalen Partnern in einem Agentursystem Probe fahren, kaufen und das Fahrzeug ausgeliefert bekommen. Die Zahl der Standorte wuchs von drei auf 13, von Dornbirn bis Wien.

Dahinter steht eine Marktbeobachtung: Traditionell seien Flottenkunden die Early Adopter gewesen, in den vergangenen zwölf bis 24 Monaten komme das Wachstum aber vor allem von Privatkunden und Kleinunternehmen. Um sie in Vorarlberg, Tirol oder Salzburg zu erreichen, brauche es regionale Partner. Fünf Jahre nach dem ersten Polestar Space blickt Schabetsberger nach vorne, auf “weitere Jahrzehnte in enger Kooperation”.

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