17.11.2025
DEEPSEARCH

Wie Roland Fleischhacker eine KI baute, die dem Markt fünf Jahre voraus sein soll

Roland Fleischhacker gründete Deepsearch, eine auf neurosymbolische KI spezialisierte Softwarefirma in Wien. Seine Unternehmergeschichte begann jedoch viele Jahre davor, mit einer Firma, die sich zu einem der bedeutendsten SAP-Partner im deutschsprachigen Raum entwickelte und schließlich einen großen Exit hatte. Was er über das KI-Potenzial in Österreich denkt, erzählt er im Interview mit brutkasten.
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Roland Fleischhacker ist der CEO von Deepsearch. | Foto: Deepsearch

Er beschreibt sich selbst als Techniker und als jemanden, der lieber gestaltet als verwaltet. Bereits 1988, während seines Elektrotechnikstudiums, co-gründete er das Unternehmen SET EDV Beratung. Später fusionierte er dieses mit dem IT-Beratungsunternehmen Plaut. Dort baute er das Team auf mehr als 500 Mitarbeiter:innen in fünf Ländern auf und entwickelte das Geschäftsmodell mit, das Plaut 1999 zum Börsengang führte.

Nach zwei Jahren: Angebot von Plaut

„Ich war damals 24. Am Anfang waren wir ein bisschen mit PCs beschäftigt, aber ich habe sehr schnell erkannt, dass die Zukunft in Standardsoftware liegt”, erzählt Fleischhacker im Interview mit brutkasten.

Bereits zwei Jahre nach der Gründung erhielt er ein Übernahmeangebot vom deutschen IT-Beratungshaus Plaut. Das erste lehnte er noch ab: „Da waren noch zu wenig Nullen dran.“ Als Plaut erneut anklopfte, kam es zum Deal. Sein Unternehmen wurde zu Plaut Österreich. „Wir waren verantwortlich für Österreich und den ganzen osteuropäischen Raum und haben Firmen in Ungarn, Tschechien, Rumänien und Polen gegründet“, so Fleischhacker.

Erste SAP-Partner Österreichs

Parallel dazu etablierte sich ein damals noch kaum bekannter Softwareanbieter mit langem Namen: „Systeme, Anwendungen, Produkte“. „Damals kannte kein Mensch SAP“, sagt Fleischhacker. Sein Unternehmen wurde schließlich der erste SAP-R/3-Partner Österreichs. Und der Markt zog rasant an: „Wir sind extrem schnell gewachsen. Das war eine echte Goldgräberzeit.“

Der Exit erfolgte in zwei Tranchen und übertraf laut Fleischhacker alle Erwartungen. Aus der ursprünglichen Vision von 80 Mitarbeitenden wurde ein 500-Personen-Unternehmen. Nach dem Börsengang war Fleischhacker abgesichert: „Ich war finanziell relativ unabhängig. Erstens durch den Verkauf, zweitens durch den Börsegang.“

Als der Konzern weiter wuchs, merkte er jedoch, dass er sich von seiner eigentlichen Leidenschaft entfernte: „Ich bin kein Verwalter. Ich habe immer gerne neue Dinge erfunden. Ich bin ein Jäger.” 2001 verließ er schließlich die Geschäftsführung von Plaut.

KI, die wirklich versteht

Der Impuls für seine zweite Gründung kam aus folgender Erkenntnis: „Auf den Servern der Firmen gab es erstmals mehr unstrukturierte als strukturierte Daten. Ich dachte mir: Irgendwann wird jemanden interessieren, was in diesen unstrukturierten Daten steht.“ Daraus entstand bei ihm die Vision, Maschinen beizubringen, menschliche Alltagssprache wirklich zu verstehen und nicht nur statistische Muster zu erkennen. 

Das erste Produkt war eine semantische Enterprise-Suche. Technologisch “weit voraus”, aber am Markt schwer zu verkaufen, wie er erzählt. Der eigentliche Durchbruch kam erst durch einen Besuch in einem Wiener Callcenter, als sich das System als Unterstützung für Servicemitarbeiter:innen bewährte. Eine Präsentation bei Wiener Wohnen überzeugte: Der Geschäftsführer „schaute mich an und sagte: ‚Das will ich haben.‘ Das war 2010 der Beginn von Deepsearch”, sagt Fleischhacker.

Heute ist die Kundenservice-Automatisierungsplattform dort weiterhin im Einsatz. Die Technologie basiert auf Natural Language Understanding (NLU), einer Schlüsselkomponente für die Automatisierung kognitiver Aufgaben. Einsatzbereiche finden sich überall dort, wo große Mengen an Anfragen anfallen: bei Energieversorgern, Verkehrsbetrieben, Finanzdienstleistern oder im öffentlichen Bereich.

Deepsearch „dem Markt fünf Jahre voraus“

Fleischhacker grenzt die eigene Technologie klar von heutigen Large Language Models ab: „Wir sind nicht irgendjemand, der um ChatGPT ein schönes Interface baut. Unsere KI hat ein Weltmodell im Bauch. Sie versteht. Sie macht kausale Schlussfolgerungen statt nur Korrelationen.“

Die Technologie wurde 2022 vom IT-Marktforschungsunternehmen „Gartner Ltd.“ zu den fünf weltweit besten im Bereich Natural Language Technologies (NLU) gezählt (brutkasten berichtete). Laut der Analyse (Gartner Hype Cycle, Stand Juni 2025) sei sie dem Markt rund fünf Jahre voraus.

„Geh nach Amerika“

Beim Thema europäische KI-Landschaft findet Fleischhacker deutliche Worte: „Österreicher sehen nicht die Chancen, sondern die Gefahren. In Deutschland ist es besser, aber Amerika spielt in einer anderen Liga.“ Sein Rat an junge Gründer:innen fällt entsprechend klar aus: „Wenn du als Unternehmer erfolgreich sein willst? Geh nach Amerika.“

Deepsearch selbst plante lange den Schritt in die USA. Doch die Strategie wurde überdacht: „Der Markt in Europa hat ein Potenzial von knapp zwei Milliarden Euro. Warum sollen wir das Risiko Amerika eingehen?“ Für die kommenden fünf Jahre konzentriert sich das Unternehmen daher auf die Erweiterung seiner Branchenlösungen im DACH-Raum und eine schrittweise Expansion innerhalb der EU.

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Bernd Greifeneder vor dem in Bau befindlichen neuen Dynatrace Campus in Linz | © Hermann Wakolbinger
Bernd Greifeneder vor dem in Bau befindlichen neuen Dynatrace Campus in Linz | © Hermann Wakolbinger

Seinen Sitz hat der ursprünglich 2005 in Linz gegründete Observability-Spezialist Dynatrace bereits mit dem ersten Exit 2011 in die USA verlegt. 2019 folgte der Börsengang in New York (brutkasten berichtete damals). Österreich blieb dennoch ein zentraler Standort für den nunmehrigen Weltmarktführer im Bereich KI-basierter Observability. Ein neuer Büro-Campus in Linz mit 29.000 Quadratmetern soll demnächst bezogen werden, wie brutkasten berichtete. Von den weltweit aktuell rund 5.600 Mitarbeiter:innen sind etwa 28 Prozent an den sechs österreichischen Standorten in Linz, Wien, Graz, Klagenfurt, Hagenberg und Innsbruck beschäftigt.

Umsatzsprung um weitere 18 Prozent

Im Geschäftsjahr 2024/2025 war die Zahl der Beschäftigten noch bei rund 5.200 gelegen – und der jährlich wiederkehrende Umsatz (ARR) bei 1,7 Milliarden US-Dollar. Wie Dynatrace nun bekanntgab, konnte letzterer im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025/2026 auf 2,054 Milliarden Dollar erhöht werden – ein Sprung um 18 Prozent (bzw. 16 Prozent auf Basis konstanter Wechselkurse). Dabei habe man mit 29 Prozent „bereinigter operativer Marge“ eine „starke Profitabilität“ aufweisen können, heißt es vom Unternehmen.

Noch viel Potenzial bei KI-gestützter Observability

Und man sieht in der eigenen Branche noch enormes Potenzial: Der adressierbare Markt für Observability, Application Security und AI/LLM Observability werde auf 92 Milliarden US-Dollar geschätzt. Rund 10 Milliarden US-Dollar würden davon bereits AI Observability zugerechnet. „Wir sind auf dem Weg zu autonomen digitalen Ökosystemen, die sich selbst verwalten, Leistung sowie Kosten optimieren und Probleme beheben, bevor sie sich auf die Nutzer auswirken. Für diese Systeme ist KI-gestützte Observability unerlässlich, weil sie ansonsten blind für die reale Welt wären“, kommentiert Dynatrace-Gründer und CTO Bernd Greifeneder.

Standort Linz mit zentraler Rolle

Beim Abrufen dieses Potenzials spielt laut Gründer auch die oberösterreichische Hauptstadt mit dem Engineering Headquarter eine zentrale Rolle: „In Linz entwickeln wir nicht nur unser Produkt, das KI tief in seiner DNA trägt, sondern betreiben an der Johannes Kepler Universität auch Forschung, um Deep-Tech-Lösungen zu entwickeln, die es auf dem Markt noch nicht gibt.“

Greifeneder: „Zeigen jeden Tag, dass wir an den europäischen Standorten herausragende Engineering-Talente finden“

Greifeneder betont dabei, Europa könne im KI-Wettbewerb mit China und den USA selbstbewusst sein: „Bei Dynatrace zeigen wir jeden Tag, dass wir an den europäischen Standorten herausragende Engineering-Talente finden. Menschen aus der ganzen Welt entscheiden sich bewusst dafür, hier zu arbeiten und zu leben.“ Europa stehe an der Spitze, wenn es darum geht, Compliance-Anforderungen zu verstehen und ihnen gerecht zu werden. „Bereiche, in denen wir uns jedoch noch verbessern können, sind Geschwindigkeit und der Mut zum Risiko“, so der Gründer.

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