08.05.2023

Wie Recycling das Mikroplastik-Problem verschärft

Recyclingprozesse sollten die Umweltbelastung durch Mikroplastik eigentlich reduzieren. Eine neue Studie zeigt nun, dass durch den Recyclingprozess selbst große Mengen an Mikroplastik in die Umgebung gelangen.
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(c) Adobestock

Was haben menschliche Hoden und die Ozeane dieser Welt gemeinsam? Beide können besorgniserregende Mengen an Mikroplastik enthalten. Eine Pilotstudie hat nun untersucht, inwiefern eine Kunststoffrecyclinganlage in Großbritannien zur Verschmutzung durch Mikroplastik beiträgt.

Schon vor der Studie vermuteten die Autor:innen, dass Mikroplastik durch Recyclingprozesse entstehen könnte. Als Mikroplastik werden Plastikpartikel kategorisiert, die kleiner als fünf Millimeter sind.

Weltweit werden jährlich rund 400 Millionen Tonnen Kunststoff produziert. Circa neun Prozent davon werden recycelt. Laut einer Schätzung einer Autorin der Studie, die im Journal of Harzardous Materials Advances veröffentlicht wurde, könnten jedes Jahr etwa zwei Millionen Tonnen Mikroplastik-Abfälle anfallen.

Recycling kann zu Mikroplastik-Verschmutzung beitragen

Um Plastik im Kreislauf zu behalten, wird es recycelt. Dafür muss es nach Sorten getrennt, gewaschen oder zerkleinert werden. Die in der Studie untersuchte Anlage befindet sich in Großbritannien und sei laut den Forscher:innen hochmodern.

Um zu untersuchen, wie viel Mikroplastik durch den Recyclingprozess in das Abwasser gelangt, haben die Wissenschafter:innen das Abwasser vor und nach der Einrichtungen eines Wasserfiltersystems untersucht. Vor der Errichtung des Filtersystems gelangen jährlich 2.933 Tonnen Mikroplastik in das Abwasser. Danach waren es 1.366 Tonnen.

Das seien etwa sechs Prozent des Kunststoffs, der in der Anlage recycelt wird bzw. 13 Prozent, wenn das Wasser nicht gefiltert wird. 80 Prozent dieser entdeckten Mikroplastik-Partikel waren kleiner als zehn Mikrometer.

Damit konnten 90 Prozent des Mikroplastiks, das über zehn Mikrometer groß war, entfernt werden. Mikroplastik mit einer Größe unter fünf Mikrometer konnte im Allgemeinen nicht entfernt werden. Die Forscher:innen schätzen, dass somit jedes Jahr 59 bis 1.184 Tonnen in das Meer gelangen könnten.

Die Gefahr von besonders kleinem Mikroplastik

Bekannterweise stellt Mikroplasitk eine Gefahr für Lebewesen und Ökosysteme dar. Nicht nur, weil es von Lebewesen aufgenommen wird und dadurch zu Problemen führt. Sondern auch, weil Mikroplastik Schadstoffe aufnimmt und diese so transportiert werden. Mikroplastik wurde beispielsweise, wie Anfangs erwähnt, in menschlichen Hoden oder Blut nachgewiesen.

Vor allem Mikroplastik, das kleiner als zehn Mikrometer ist, wird mit Krankheiten bei Menschen in Verbindung gebracht. Auch für die Angestellten der Kunsstoffrecyclinganlagen ist die Belastung durch Mikroplastik ein Problem. Denn auch in der Luft rund um die Anlage wurden hohe Konzentrationen an Mikroplastik gefunden. 61 Prozent der Partikel waren kleiner als zehn Mikrometer.

Vor allem ab dieser Größe kann Plastik zu Lungenerkrankungen und anderen Atemwegserkrankungen führen. Über einen Einsatz von Masken bei diesen Recycling-Anlagen sollte laut den Forscher:innen nachgedacht werden, um die Arbeiter:innen zu schützen.

Die Forscher:innen fordern Filterung, Rechtsvorschriften und Überwachung

Eigentlich sollte Recycling die Plastikverschmutzung reduzieren. Doch die Studie zeigt, dass solche Verfahren auch eine Quelle der Verschmutzung sein können. Im Vereinigten Königreich, wo die Studie durchgeführt wurde, gibt es keine Rechtsvorschriften zur Kontrolle der Freisetzung von Mikroplastik. Das sollte sich ändern, wenn es nach den Autor:innen geht.

Außerdem brauche es eine bessere Überwachung der Einleitung von Mikroplastik durch Recyclinganlagen, sowie eine Filterung und Vorschriften, um die Menge an Mikroplastik zu minimieren. Die Studie soll laut den Autor:innen nicht dazu animieren, das Recycling von Plastik einzustellen, sondern den Plastikverbrauch an sich zu minimieren.

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TikTok
Mit „Sell Across Europe" sollen heimische KMU künftig EU-weit verkaufen können | (c) AdobeStock

Nach Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Irland und Großbritannien folgt die nächste Ausbaustufe: Am 15. Juni geht TikTok Shop in Österreich, Belgien, den Niederlanden und Polen live. Bemerkenswert: In den Vorab-Berichten internationaler E-Commerce-Medien tauchte Österreich bislang gar nicht auf – die Branche hatte primär Polen, Benelux und Skandinavien als nächste Märkte erwartet.

Laut TikTok nutzen über 2,7 Millionen Menschen in Österreich die Plattform monatlich. Sie sollen künftig direkt in der App über Shoppable Videos, Live-Shopping-Formate und einen eigenen Shop-Tab einkaufen können, ohne TikTok zu verlassen. Für österreichische Unternehmen öffnet sich die Registrierung bereits zwei Wochen früher, am 1. Juni.

Was den österreichischen Markt aus TikTok-Sicht auszeichne?

„Wir expandieren schrittweise. Dieses Jahr ist der richtige Zeitpunkt für Österreich“, erklärt Ningxin Wu, die TikTok Shop in Österreich, den Niederlanden, Belgien und Polen verantwortet. Man wolle „Learnings aus Deutschland, Italien und anderen Märkten direkt einsetzen“.

Was den österreichischen Markt aus TikTok-Sicht auszeichne? Wu nennt drei Punkte: digital affine Kund:innen, eine Vorliebe für lokale und hochwertige Produkte – ein Muster, das man auch in Deutschland beobachtet habe – und Live-Shopping bzw. -Selling, das in dieser Form bisher keinen breiten Player in Österreich habe.

Ein österreichisches Scaleup als Anker

Zum Start setzt TikTok auf ein Einladungsmodell. Als einziger österreichischer Launch-Partner ist das Wiener Scaleup Neoh unter den ersten Marken – bekannt für zuckerreduzierte Riegel und Süßwaren-Innovationen. Das 2016 gegründete Unternehmen hat seine Discovery-E-Commerce-Strategie zuvor bereits in Deutschland erfolgreich erprobt.

„TikTok Shop ist für uns mehr als ein neuer Kanal – es ist eine andere Art zu verkaufen“, sagt Lisa Krapinger-Rüther, SVP Digital bei Neoh. „Das Einkaufserlebnis entsteht direkt im Content, organisch und authentisch. Wir haben in Deutschland gesehen, wie gut das funktioniert: Produkte, die sich über echte Community-Empfehlungen verkaufen, ohne sich wie klassische Werbung anzufühlen.“

Neben Neoh werden zum Start unter anderem deutsche Marken wie Hitschies, Judith Williams, More Nutrition und Svenja Walberg auf dem österreichischen Markt verfügbar sein. Der Roll-out ist schrittweise geplant, User:innen sollen mehr und mehr Marken und Produkte finden können.

„Sell Across Europe“: Die Chance für heimische KMU

Strategisch relevant für die heimische Startup- und KMU-Landschaft dürfte vor allem die Funktion „Sell Across Europe“ werden, die kurz nach dem Launch freigeschaltet wird: Mit einer einzigen Registrierung können Händler:innen in alle EU-Märkte verkaufen, in denen TikTok Shop verfügbar ist. Produktbeschreibungen lassen sich pro Markt lokalisieren, der Versand erfolgt direkt oder über TikTok-Logistikpartner.

„Österreichische Mittelständler haben durch TikTok Shop jetzt eine Plattform, ihre Produkte europaweit zu verkaufen“, sagt Wu. Lokale Produkte – sie nennt Ski-Sportartikel und Delikatessen – seien bisher häufig nur im Inland entdeckbar gewesen.

Eine Größenordnung liefert Christian Blum, Communications Lead bei TikTok Shop: Nach einem Jahr TikTok Shop in Deutschland habe man laut NielsenIQ 15 Prozent Penetration bei den Online-Shopper:innen erreicht. EU-weit – ohne UK – verzeichne man laut Unternehmensangaben dreistelliges Wachstum beim täglichen Umsatzvolumen seit dem Launch, mit über 100.000 lokalen Verkäufer:innen.

Die Temu-Frage: Wie grenzt man sich ab?

Während TikTok Shop wirbt, geraten Plattformen wie Temu und Shein wegen Billigimporten und Produktsicherheit zunehmend unter Druck. Wie grenzt sich TikTok ab? Wu verweist auf “Discovery-E-Commerce” als neue Art des Online-Shoppings, das vorläufige Einladungsmodell und generell eine strenge Listing Policy auf TikTok Shop, die EU-Compliance-Anforderungen wie der seit Dezember 2024 geltenden General Product Safety Regulation (GPSR) entsprechen müsse.

Konkrete Zahl: Laut TikTok seien 2025 weltweit 700 Millionen Produkte präventiv geblockt worden, bevor sie überhaupt gelistet werden konnten. Zusätzlich verifiziere man Identität, Mehrwertsteuernummer und Bankdaten der Händler:innen; neue Verkäufer:innen durchlaufen eine Probezeit.

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