24.11.2020

Wie Pioniere aus Österreich die Klimakrise lösen

Grüne Technologien haben schon lange nichts mehr mit „Idealismus“ und „Weltverbesserung“ zu tun, sondern werden künftig über den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen entscheiden – angefangen beim Kleinstunternehmen, bis hin zum börsennotierten Konzern. Ein Blick auf den österreichischen Wirtschaftsstandort zeigt, dass sich innovative Startups mit ihren Lösungen für den Weltmarkt in Stellung bringen.
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EcoTech
v.l.n.r. Andreas Tschas (Glacier), Katharina Unger (Livin Farms) und René Schader (ummadum) | (c) Natascha Unkart & Isabelle Köhler/LivinFarms/LinkedIn-Profil-Rene-Schader

Anfang des Jahres sorgte Larry Fink, Vorstandsvorsitzender des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, mit seinem alljährlichen CEO-Brief an die wichtigsten Konzernchefs der Welt für Aufsehen „Der Klimawandel ist für die langfristigen Aussichten von Unternehmen zu einem entscheidenden Faktor geworden“, formuliert Fink in seinem Schreiben.

Schon im Jahr davor betonte Fink, dass solide Portfoliokonstruktionen künftig das Thema „Nachhaltigkeit“ berücksichtigen müssen – Stichwort Risikomanagement. Demnach würde sich Blackrock künftig aus Investitionen zurückziehen, die mit zu hohen Umweltrisiken verbunden sind. Zudem mahnte Fink in seinem Schreiben, dass er Vorständen und Aufsichtsräten die Zustimmung verweigern wird, wenn ihre Unternehmen beim Thema Nachhaltigkeit keine Fortschritte machen. Kein unerheblicher Aspekt, bedenkt man, dass Blackrock in mehr als 2500 Unternehmen weltweit investiert ist und in vielen Fällen als größter Anteilseigner auftritt. Insgesamt verwaltet Blackrock laut eigenen Angaben ein Vermögen von 7,4 Billionen Dollar.

Im Nachgang seines Schreibens betonte Larry Fink, dass er den Brief nicht als Umweltschützer, sondern als Kapitalist verfasst habe. Das Interessante daran: Blackrock ist kein Umweltschützer, aber Blackrock erkennt die wirtschaftlichen Risiken und zugleich auch die Chancen, die sich durch Investitionen in „grüne Innovationen“ ergeben. Der „Klimawandel“ oder die „Klimakrise“ – die jeweilige Definition ist Teil eines politischen Diskurses – wird mittlerweile von den Big Playern als marktentscheidend erachtet.

Grüne Innovationen

Mit Investitionen in grüne Technologien lässt sich also Geld verdienen. Davon ist auch Andreas Tschas überzeugt, der das Pioneers Festival mitbegründete und als Vorreiter der österreichischen Startup-Szene gilt. Nach einem kurzen Abstecher als Chef der Digitalisierungsagentur gründete Tschas im Herbst dieses Jahres das Impact-Startup Glacier mit Sitz in Wien – genauer gesagt die Glacier Carbon Reduction GmbH. Mit Glacier möchte Tschas Unternehmen bei der CO2-Reduktion unterstützen.

Andreas Tschas | (c) Natascha Unkart & Isabelle Köhler

Konkret soll dies über einen partizipativen Ansatz erfolgen, indem Unternehmen gemeinsam mit ihren Mitarbeitern an Lösungen arbeiten und diese in weiterer Folge auch direkt in der Firma umsetzen – angefangen von der Fahrt in die Arbeit mit dem Rad bis hin zur Photovoltaikanlage am Betriebsgelände. Glacier vermittelt dabei das nötige Know-how, das im Rahmen eines sogenannten „Climate-Impact-Day“ direkt in den Firmen mit Workshops und Onlinekursen an die Mitarbeiter weitergegeben wird. Über ein eigens mit Partnern entwickeltes Dashboard von Glacier sollen Firmen zudem automatisiert sehen können, welche Wirkung die von ihnen umgesetzten Maßnahmen auf ihren CO2-Fußabdruck haben. Zielgruppe von Glacier sind vorwiegend kleine und mittlere Unternehmen, die sich im Gegensatz zu den Big Playern keine eigene Sustainability-Abteilung leisten können – mehr darüber könnt ihr hier lesen.

Klimakrise als neue Herausforderung

Wie wichtig künftig das Know-how in Sachen CO2-Reduktion für Unternehmen sein wird, zeigt sich laut Tschas nicht nur am steigenden Interesse von Aktionären und Shareholdern, sondern auch auf der Ebene der Mitarbeiter: Talente werden sich laut ihm künftig ihre Arbeitgeber danach aussuchen, ob sie sich der Klimaschutz-Thematik auch wirklich annehmen – kein unerheblicher Aspekt, bedenkt man, dass sich im Zuge der Coronakrise der War for Talents in gewissen Branchen noch verschärft hat. Hier bedient sich Tschas einer Analogie und verweist auf die Digitalisierung: Im Zuge der Transformation unseres Wirtschaftssystems müssen laut ihm Unternehmen künftig nicht nur die Herausforderungen der Digitalisierung, sondern auch des Klimaschutzes und der Nachhaltigkeit meistern – vom Kleinstunternehmen bis zum börsennotierten Konzern.

Doch wie soll diese Transformation gelingen? Neben den vielen kleinen Schritten, die laut Tschas von den Mitarbeitern und Endkonsumenten selbst umgesetzt werden können, bedarf es auch der Zuhilfenahme komplexerer Ecotech-Lösungen, die bereits am Markt zur Verfügung stehen. In diesem Zusammenhang verweist er auch auf österreichische Startups, die sich in den vergangenen Jahren im Ecotech-Bereich einen Namen gemacht haben, und sieht für den österreichischen Wirtschaftsstandort eine große Chance.

Ecotech-Nation

Ein Blick auf den österreichischen Ecotech-Standort zeigt, dass sich in den vergangenen Jahren einiges getan hat. Neben Initiativen wie Greenstart, dem Inkubatorprogramm des Klima- und Energiefonds für Startups, oder dem Impact Hub Vienna, der dieses Jahr sein zehnjähriges Jubiläum feierte, haben sich in der Vergangenheit zahlreiche Ecotech-Startups mit Investments und Förderungen im Millionenbereich für die internationale Skalierung ihrer Geschäftsmodelle in Stellung gebracht.

Die ClimateTech Landcaspe von Glacier und dem Green Tech Cluster. | (c) Glacier

Livin Farms

Eines dieser Unternehmen ist das Wiener Startup Livin Farms rund um die österreichische Gründerin Katharina Unger, das Geräte und Verfahren für die Zucht von Proteinen aus Insekten auf den Markt gebracht hat, um globale Alternativen für eine nachhaltige Eiweißversorgung zu bieten. Zur Aufzucht kommen organische Reststoffe wie Altbrot als Futter zum Einsatz. „Insekten bieten die Möglichkeit, auf minimalem Platz einen maximalen Output an Proteinen zu produzieren“, so Unger über den USP der zukunftsträchtigen Proteinquelle Insekt.

Gründerin Katharina Unger | (c) Livin Farms

2,5 Millionen Euro Förderung

Im Sommer dieses Jahres konnte sich Unger gemeinsam mit ihrem Team für das weitere Wachstum eine Förderung in der Höhe von 2,5 Millionen Euro aus dem European Innovation Council (EIC) sichern – der brutkasten berichtete.

Mit den Fördergeldern soll das Züchten von Insekten im industriellen Maßstab ermöglicht werden. Die gewonnenen Proteine sollen laut Unger in erster Linie für die Tierfuttermittelproduktion zum Einsatz kommen – ein Bereich, in dem es in Europa noch großen Aufholbedarf gibt: Derzeit werden in der Europäischen Union laut Unger 74 Prozent der Proteine für Futtermittel aus Drittstaaten importiert. „Die benötigten Proteine können wir in Europa derzeit nicht selbst produzieren. Unsere Anbauflächen für Soja und Co reichen einfach nicht aus, um Nutztiere ausreichend füttern zu können. Alles, was wir importieren müssen, wie beispielsweise Soja aus Südamerika, hat eine extrem schlechte CO2-Bilanz“, so Unger. Neben der Effizienzsteigerung in Sachen Proteingewinnung geht es ihr aber auch um einen pädagogischen Aspekt: Das Startup bietet für Schulen ein eigenes Demonstrationskit namens „Hive Explorer“ an, mit dem Kinder in einem kleinen Miniökosystem ihre eigenen Insekten mit Reststoffen züchten können.

Produktion von Insekten im großen Maßstab | (c) Livin Farms

Derzeit hat das Startup seinen Sitz im 23. Bezirk, wird aber demnächst in den elften Bezirk umziehen, um dort auf 1.300 Quadratmetern die Produktion von Insekten im großen Maßstab voranzutreiben. Neben dem Standort in Wien betreibt Livin Farms ein Büro in Hongkong mit derzeit fünf Personen. Die Verbindung zur Weltmetropole geht auf die Anfänge des Startups zurück, denn ursprünglich gründete Unger das Unternehmen in Hongkong. Dort konnte Livin Farms ein Investment an Land ziehen und nach Abschluss einer erfolgreichen Crowdfundingkampagne mit der Entwicklung eines ersten Prototyps starten.

Zurück ins Gründerland

Der Weg sollte Unger, die als gelernte Industriedesignerin reichlich Auslandserfahrung gesammelt hat, allerdings wieder zurück nach Österreich führen. Der Grund: Österreich hat ihrer Meinung nach für Forschung und Entwicklung – insbesondere in der frühen Gründungsphase – zahlreiche Standortvorteile zu bieten. „In Europa und in Österreich stehen viele öffentliche Fördergelder für R&D zur Verfügung; und zudem ist der Preis für Platz im Gegensatz zu Weltmetropolen wie Hongkong hier noch erschwinglich“, so Unger. Und sie fügt hinzu: „In Asien wäre für uns nur China sinnvoll gewesen – als Markt extrem spannend, für Forschung und Entwicklung aber aufgrund der politischen Situation für uns als junges Startup mit begrenzten Ressourcen am Anfang noch sehr schwierig.“

Katharina Unger im Rahmen eines TED Talks

Europäische Standards

Für ein Ecotech-Startup, das eine globale Skalierungsstrategie verfolgt, hat Europa laut der Gründerin allerdings auch seine Tücken: „Der Markteintritt in Asien geht wesentlich schneller, weil es insbesondere in der Lebensmittelindustrie weniger Standards gibt.“ Dies sollte laut Unger junge Gründer im Ecotech-Bereich jedoch nicht abschrecken: „Wenn man sein Produkt von Anfang an richtig baut und es den europäischen Standards entspricht, dann erfüllt man die besten Voraussetzungen für eine globale Expansion. Insofern ist Europa als Startup-Ökosystem gar nicht mal so schlecht“, sagt sie. Ganz ohne einen Appell an die Politik geht es dann allerdings doch nicht: „Wenn die EU mit Zulassungen schneller wäre, dann würde das auch den grünen Impact von innovativen Unternehmen fördern und ihnen ermöglichen, Weltmarktführer zu werden. Diese Position können uns jetzt die Asiaten wegnehmen – weil sie einfach schneller in den Markt eintreten können als wir.“

VC-Problematik

Neben den regulatorischen Hürden gebe es hierzulande zudem noch das altbekannte Problem der Risikokapitalfinanzierung zu meistern. „In Österreich hat man am Anfang auf jeden Fall einen Startvorteil, da man in der Anfangsphase schneller Dinge erreichen kann; bei Anschlussfinanzierungen sind die Investoren allerdings weniger risikobereit, da sind die Investoren in Asien und Amerika einfach schneller“, sagt Unger. Eine etwaige Lösung sieht die Gründerin in steuerlichen Anreizen für Risikokapitalinvestments, wobei sie auf das Beispiel Großbritannien verweist.

Millioneninvestments für EcoTech

Auch wenn es hierzulande noch Aufholbedarf in Sachen VC-Finanzierung gibt, zeigt ein Blick auf die österreichische Investitionslandschaft, dass Investments in Millionenhöhe für Ecotech-Startups durchaus möglich sind. Erst im Herbst dieses Jahres sorgte das Tiroler Mobility Startup AlphaHapp mit seinem Tochterunternehmen Ummadum mit einem Investment in der Höhe von zwei Millionen Euro für Aufsehen – der brutkasten berichtete. Ummadum ist eine App, die nachhaltige Mobilität belohnt – egal ob mit dem Rad, zu Fuß oder in einer Fahrgemeinschaft. Dabei setzt das Startup rund um die beiden Gründer Rene Schader und Thomas Angerer auf Gamification:

Die AlphaHapp/ummadum-Gründer Rene Schader und Thomas Angerer mit Hund Waka
(c) Andreas Friedle: Die AlphaHapp/ummadum-Gründer Rene Schader und Thomas Angerer mit Hund Waka (laut Unternahmensangaben der eigentliche Chef)

Wer nachhaltig unterwegs ist und somit CO2 einspart, wird pro zurückgelegtem Kilometer mit Punkten belohnt. Jeder Punkt kann bei Partnerbetrieben eingelöst werden. Um den Wandel des Mobilitätsverhaltens zu begünstigen, kooperiert Ummadum mit Gemeinden und Unternehmen, die sich an der Verkehrsreduktion beteiligen wollen. Teilnehmende Unternehmen haben laut Schader den Vorteil, dass sie nicht nur Parkplätze einsparen können, sondern aufgrund einer besseren Erreichbarkeit auch die Attraktivität des Unternehmens für Mitarbeiter steigern – in ländlichen Regionen kein unerheblicher Aspekt. Zudem soll über das gemeinsame Fahren der Teamzusammenhalt erhöht werden.

Ähnlich wie Tschas mit seinem Impact-Startup Glacier sieht auch Schader in den Unternehmen und deren Beziehung zu den Mitarbeitern einen Keyplayer für die CO2-Reduktion. Der Vorteil liegt laut Schader auf der Hand: „Unternehmen haben bereits bestehende Kommunikationskanäle zu ihren Mitarbeitern.

Ecotech Lösungen für den Weltmarkt

Livin Farms und Ummadum sind nur zwei Beispiele von vielen, wie sich österreichische Startups mit skalierbaren Geschäftsmodellen derzeit in Stellung bringen, um am internationalen Markt für Ecotech Lösungen Fuß zu fassen. Trotz des Aufholbedarfs in Sachen Venture Capital zeigt sich hierzulande schon jetzt: Eine neue Generation an Entrepreneuren ist mit dem Anspruch angetreten, Ecotech Lösungen „made in Austria“ global zum Durchbruch zu verhelfen. Die Reduktion auf „Idealismus“ und „Weltverbesserung“ gehört im Wirtschaftszweig Ecotech längst der Vergangenheit an. An deren Stelle sind nun Wirtschaftlichkeit, die Innovationskraft der Gründer und die – teils noch ausbaufähige – „Risikobereitschaft der Investoren getreten. Das Thema Nachhaltigkeit ist wie die Digitalisierung kein einmaliges Trendthema, sondern gekommen, um zu bleiben – eine Herausforderung, die künftig nicht nur börsennotierte Konzerne und Giganten wie Blackrock bewältigen müssen, sondern auch die vielen kleinen und mittleren Unternehmen in diesem Land.


Dieser Beitrag erscheint am 15. November als Cover-Interview in gedruckter Form im brutkasten Magazin #11 „Comeback des Pioniers“ – stay tuned!

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Impression vom VERBUND Venture Day 2026 | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Impression vom VERBUND Venture Day 2026 | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

„Von der Innovation zur Skalierung und von der Skalierung zu einem stärkeren Europa“ mit diesem einen Satz könne man das große Ziel für den europäischen Energiesektor zusammenfassen, sagt VERBUND-X-Geschäftsführer Franz Zöchbauer in seinen einführenden Worten zum VERBUND Venture Day 2026, der erstmals beim neuen Energy-Launchpad-Partner WU Wien stattfand. „Wir haben die Lösungen, aber es dauert zu lange, bis sie am Markt sind. Wir müssen skalieren, aber kein Player kann das alleine. Es braucht ein Ökosystem und hier zählen die Menschen“, so Zöchbauer.

Franz Zöchbauer | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Franz Zöchbauer | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Die Zusammenarbeit im Ökosystem als Motto beim VERBUND Venture Day ist nicht neu, der Diskurs, in den das Motto dieses Jahr eingebettet ist, durchaus: Auch hier dominiert das große Thema europäische Souveränität. Der Titel des diesjährigen Events lautet „Scaling Beyond Borders“.

10,25 Billionen Euro für die Energiewende

Zöchbauer drückt die Ambition hinter der eingeforderten Skalierung in Zahlen aus: Es brauche Schätzungen zufolge 10,25 Billionen Euro, um das Energiesystem Europas bis 2040 zu transformieren. „Das ist 70 mal das Volumen des Marshallplans oder das Volumen von 25 Jahren globale VC-Investments“, so der VERBUND-X-Geschäftsführer. Es handle sich also um eine epochale Investment-Chance. Doch er erinnert: „Zahlen ändern die Welt nicht. Menschen tun es.“

Achim Kaspar | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Achim Kaspar | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Dabei sei die Energiewende keineswegs nur ein Wunsch, sondern eine Notwendigkeit, betont VERBUND-COO Achim Kaspar in einer Panel-Diskussion unter dem Titel „Owning the Future“: „Wir sind an einem Wendepunkt. Man liest jeden Tag von Problemen beim Transport fossiler Energieträger. Wir müssen auf erneuerbare umsteigen.“ Für VERBUND sei dabei schon lange klar: „Wir wollen nicht das nächste Kodak werden.“

„Es laufen mehrere Energiewenden parallel“

Diese europäische Sicht auf die Energiewende setzt Angela Wilkinson, CEO des World Energy Council, im Panel und bei ihrer Keynote in die globale Perspektive: „Es laufen mehrere Energiewenden parallel. In Europa geht es um den hundertprozentigen Umstieg auf erneuerbare Energieträger. Im nahen Osten etwa geht es um Technologien, um den CO2-Ausstoß auch mit fossilen Energieträgern auf Null zu bringen.“

Angela Wilkinson | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Angela Wilkinson | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Bei der Souveränität gehe es letztlich um die Möglichkeit, sich seine Abhängigkeiten auszusuchen, „nicht um teuren Isolationismus“, meint Wilkinson. Was ihr insgesamt fehle, sei eine kollektive Vision für eine bessere Zukunft. „Wir haben klare Ziele bei der CO2-Reduktion, aber keine gemeinsame positive Perspektive. Wir haben die Energiewende zwar an die Wall Street gebracht, aber nicht auf die Hauptstraße, wo die Menschen sind.“

Konsequenter Fokus auf die Kund:innen

Darum, wie die Transformation direkt zu den Menschen gebracht werden kann, ging es in einem Talk von VERBUND-CEO Michael Strugl und Greg Jackson, Gründer von Octopus Energy. Strugl sieht das britischen Unternehmen dabei als Vorbild: „Octopus ist ein echter Champion, wenn es um Kundenservice geht.“ Als er Jackson zum ersten Mal nach dessen Geschäftsmodell gefragt habe, sei die Antwort denkbar simpel gewesen: „Ich will den Kunden weniger verrechnen.“ Dieser konsequente Fokus auf die Kund:innen sei der Schlüssel, sagt Strugl.

Michael Strugl | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Michael Strugl | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Viele Energieunternehmen würden Kund:innen bisher nur als reine Abnehmer verstehen, meint Jackson. Octopus setze stattdessen auf radikale Vereinfachung und digitale Flexibilität: „Statt schwer lesbarer, regulierter PDFs nutzen wir einfache E-Mails, auf die man direkt antworten kann.“ Diese Kundennähe gepaart mit intelligenter Steuerung – etwa beim Laden von Elektrofahrzeugen – sei der Treiber für das rasante Wachstum des Unternehmens. Für Strugl ist das eine klare Orientierung für die gesamte Branche: „Innovatoren und Disruptoren helfen uns dabei, das gesamte System in ein erneuerbares, dezentrales und digitalisiertes Energiesystem zu verwandeln.“

Tragende Rolle für Gründer:innen – Unis entscheidend

Es sind also nicht nur Politiker:innen und Verantwortliche in Energiekonzernen, sondern auch Gründer:innen, die bei der Energiewende eine tragende Rollen spielen. Hier wiederum sind die Universitäten entscheidende Akteure, wie Franz Zöchbauer am Panel gemeinsam mit WU-Wien-Rektor Rupert Sausgruber und TU-Wien-Rektor Jens Schneider erläutert. „Es gibt im Energiesektor so viel Potenzial, aber man braucht nicht nur viel Geld sondern auch die Ideen“, bringt es Schneider auf den Punkt.

Jens Schneider (l.) und Rubert Sausgruber (r.) | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

„Starke Gründer:innen, aber viele Hindernisse am Weg“

Dass natürlich auch die Politik ihren Beitrag leisten muss, um die Skalierung über die Grenzen hinaus zu ermöglichen, erörtert Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner in ihrer Keynote. Man müsse die Herausforderung angehen, Startups in Europa zu halten. „Wir haben starke Gründer:innen, aber viele Hindernisse am Weg“, sagt Zehetner und spricht nicht nur das bekannte Thema Wachstumskapital, sondern unter anderem auch die Ausgründungsbedingungen für universitäre Spinoffs an.

Elisabeth Zehetner | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Elisabeth Zehetner | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Als konkrete Maßnahmen – teils auf europäischer, teils auf nationaler Ebene – nennt die Staatssekretärin etwa den European Scaleup Fund und den heimischen Dachfonds und die Notwendigkeiten, die europäische Kapitalmarktunion zu stärken und die Mitarbeiter:innenbeteiligung auch durch steuerliche Anreize weiter zu verbessern. Denn letztlich sei das Ziel – ganz getreu dem Motto des Venture Days – klar: „Erfinde dein Produkt hier, bau dein Unternehmen hier und skaliere hier, aber verkaufe dein Produkt in die ganze Welt.“

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AI Summaries

Wie Pioniere aus Österreich die Klimakrise lösen

  • Anfang des Jahres sorgte Larry Fink, Vorstandsvorsitzender des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, mit seinem alljährlichen CEO-Brief an die wichtigsten Konzernchefs der Welt für Aufsehen „Der Klimawandel ist für die langfristigen Aussichten von Unternehmen zu einem entscheidenden Faktor geworden“, formuliert Fink in seinem Schreiben.
  • Schon im Jahr davor betonte Fink, dass solide Portfoliokonstruktionen künftig das Thema „Nachhaltigkeit“ berücksichtigen müssen – Stichwort Risikomanagement.
  • Mit Glacier möchte Tschas Unternehmen bei der CO2-Reduktion unterstützen.
  • Eines dieser Unternehmen ist das Wiener Startup Livin Farms rund um die österreichische Gründerin Katharina Unger, das Geräte und Verfahren für die Zucht von Proteinen aus Insekten auf den Markt gebracht hat, um globale Alternativen für eine nachhaltige Eiweißversorgung zu bieten.
  • Im Sommer dieses Jahres konnte sich Unger gemeinsam mit ihrem Team für das weitere Wachstum eine Förderung in der Höhe von 2,5 Millionen Euro aus dem European Innovation Council (EIC) sichern – der brutkasten berichtete.
  • Livin Farms und Ummadum sind nur zwei Beispiele von vielen, wie sich österreichische Startups mit skalierbaren Geschäftsmodellen derzeit in Stellung bringen, um am internationalen Markt für Ecotech Lösungen Fuß zu fassen.

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

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  • Schon im Jahr davor betonte Fink, dass solide Portfoliokonstruktionen künftig das Thema „Nachhaltigkeit“ berücksichtigen müssen – Stichwort Risikomanagement.
  • Mit Glacier möchte Tschas Unternehmen bei der CO2-Reduktion unterstützen.
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  • Im Sommer dieses Jahres konnte sich Unger gemeinsam mit ihrem Team für das weitere Wachstum eine Förderung in der Höhe von 2,5 Millionen Euro aus dem European Innovation Council (EIC) sichern – der brutkasten berichtete.
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