30.04.2025
AKADEMISCHE AUSGRÜNDUNGEN

Wie Österreichs Unis mehr Spin-offs generieren könnten

Startups aus der Wissenschaft gelten als Schlüssel für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit – doch der Weg von der Idee zum Spin-off ist oft steinig. Was ist erforderlich, damit Forscher:innen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen?
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Ilya Strebulaev, Professor an der Stanford University, hat mehrere Ideen, wie Universitäten Spin-Offs fördern könnten
Ilya Strebulaev, Wirtschaftsforscher an der Standford University | Foto: brutkasten

Ideen haben viele – doch nur wenige verlassen das Labor. Damit aus akademischem Wissen marktfähige Unternehmen werden, braucht es Mut, Kapital – und bessere Rahmenbedingungen. Wie diese aussehen könnten, hat die Regierung 2024 in einem Spin-off-Leitfaden skizziert. Das Ziel wurde im Jahr 2020 als Teil der österreichischen Forschungsstrategie (FTI-Strategie) gesetzt: die Zahl der akademischen Ausgründungen bis 2030 zu verdoppeln. Denn im Vergleich mit der EU – oder gar den USA – liegt Österreich zurück.

Einer, der die Best-Practice-Beispiele aus den USA kennt, ist Ilya Strebulaev, Wirtschaftswissenschaftler an der Stanford University, Autor des Buches „The Venture Mindset“, Experte in Finanzierungsangelegenheiten. Gemeinsam mit Verantwortlichen aus Österreich stellt er sich die Frage: Was brauchen Unis hierzulande, um in Sachen Ausgründungen nachzuziehen? Christian Hoffmann, Senior Advisor für Innovation und Beteiligungsmanagement an der TU Wien, Rudolf Dömötör, Direktor des WU Entrepreneurship Center, Alexander Schwartz, Partner bei Xista Science Ventures und Ilya Strebulaev liefern praktische Ansätze. brutkasten war bei der Panel-Diskussion vor Ort.

Unternehmertum als Massensport

Die Grundlage: Universitäten müssen unternehmerisches Denken fördern – und zwar über alle Disziplinen hinweg. „Wir müssen Studierende frühzeitig an innovative Ideen heranführen und die Universität als Ort sehen, an dem Dinge ausprobiert werden können“, sagt Dömötör von der WU. Dabei wichtig: Fehler zulassen. Strebulaev plädiert dafür, hier keine voreiligen Entscheidungen zu treffen, Ideen nicht frühzeitig in gut und schlecht einzuteilen. Alle sollten die Chance bekommen, ihre Konzepte zu entwickeln. Genauso wie Massensport für den Spitzensport wichtig sei, komme es auch hier darauf an, den Unternehmergeist breit zu fördern.

Unterschiedliche Disziplinen verbinden

Die Richtung: Strebulaev sieht die interdisziplinäre Natur amerikanischer Top-Universitäten als klaren Vorteil. Europas Universitäten seien oft zu spezialisiert, zu wenig durchlässig, wenn es darum geht, zwischen Fakultäten und Institutionen zusammenzuarbeiten. Es muss einfacher werden, Veranstaltungen von anderen Unis zu besuchen – und sich zu vernetzen. Als positives Beispiel nennen die Unis das WU-Institut für Entrepreneurship & Innovation – in dem Studierende der WU mit Studierenden der TU zusammenarbeiten.

Menschen vernetzen

Die Vorbereitung: Vernetzung. Sie ist das Nervensystem des Innovationsökosystems – ohne sie bleibt jede gute Idee isoliert. Wiener Universitäten und Forschungsinstitutionen entdecken ihre Kraft gerade neu – über disziplinäre und institutionelle Grenzen hinweg. Ob gemeinsame Startup-Kurse von WU, TU und BOKU, ein Programm zur Förderung von Unternehmertum in den Life Sciences oder ein Fonds, der Spin-offs aus dem gesamten Hochschulbereich finanzieren soll: Der Fokus liegt klar auf Kooperation statt Konkurrenz. Entscheidend ist, dass der Wettbewerb global ist, nicht österreichisch. Laut Strebulaev habe Österreich hier durch den kleinen Binnenmarkt sogar einen Vorteil: Wer skalieren will, muss global denken.

Zudem habe Stanford bewiesen, dass räumliche Nähe von Fakultäten, durchlässige Strukturen und ein starkes Alumni-Netzwerk essenzielle Bedingungen für eine lebendige Gründungskultur seien – Ansätze, die nun auch in Österreich verstärkt adaptiert werden.

Mehr Risikokapital für Spin-offs

Der Status Quo: Viele der angesprochenen Punkte wollen die Unis umsetzen. Was ein Wermutstropfen bleibt: Der Zugang zu Risikokapital für Spin-offs, der in Österreich schwieriger ist als in den USA. Initiativen wie jene von Xista Science Ventures wollen das verändern. Auch die WU arbeitet bereits an einer Investmentgesellschaft. Warum das Mindset noch nicht überall angekommen ist? „Wir wollen uns ungern von unserem Schumpeter-Verhalten verabschieden – weil wir dabei viel verlieren würden“, erklärt Xista-Partner Schwartz. Soll heißen: Die Angst vor dem Verlust von Vermögen und Sicherheit macht uns risikoscheu.

Nur: Menschen sind mobil. Sie bewegen sich dorthin, wo es die besten Ideen, Universitäten und Forschungseinrichtungen gibt. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Österreich ein solcher Ort werden muss. Die Ziele jedenfalls sind gesetzt.

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Foto: epilogy.photography

Während der ViennaUP wurde Wien einmal mehr zur internationalen Drehscheibe der Startup-Welt. Inmitten dieser Woche voller Begegnungen, Ideen und Innovationen setzte ein Event einen ganz besonderen Akzent: Im Wien Museum, mit weitem Blick über den Karlsplatz, kamen zahlreiche Founder, Investor:innen, Corporate-Partner und Wegbegleiter:innen zusammen, um ein Jubiläum zu feiern, das sinnbildlich für den internationalen Fokus des österreichischen Innovationsstandorts steht: 10 Jahre Global Incubator Network Austria (GIN).

Schon beim Eintreten wurde spürbar, was GIN über das vergangene Jahrzehnt ausgemacht hat – das Zusammenspiel aus österreichischen Wurzeln und globaler Reichweite. Gründer:innen aus Wien trafen auf asiatische Startups, die diese Woche in der Stadt zu Gast waren, um in Europa Fuß zu fassen.

Foto: epilogy.photography

Eine von ihnen war Nga Chi Lydia Yip, Co-Founderin und CSO von Elleon Biotech aus Hongkong. Ihr Startup hat ein Reagenz entwickelt, mit dem sich markierte Zellen – etwa Krebs- oder virusinfizierte Zellen – mit bloßem Auge oder per Smartphone sichtbar machen lassen, ganz ohne teure Mikroskope oder geschultes Personal. „Ich habe in den letzten Tagen mehr wertvolle Leads getroffen als in zwei Jahren in Hongkong“, erzählte sie. Über das GIN-Programm war sie auf der Suche nach einem strategischen Partner für die Antikörper-Produktion – und wurde bei einem der Networking-Momente tatsächlich fündig. „Ich liebe den Vibe hier. Die Leute sind wirklich da, um einander zu helfen.“

Genau diese Atmosphäre baut GIN seit 2016 systematisch auf: Verbindungen, die weit über ein einzelnes Programm oder eine Delegationsreise hinausreichen.

Ein Jahrzehnt Brückenbauen zwischen Österreich und Asien

Seit seiner Gründung 2016 verfolgt GIN ein klares Ziel: innovative Startups beim internationalen Wachstum zu unterstützen und gleichzeitig Österreich als zentralen Innovationsstandort zu stärken. Unter dem Leitgedanken „Connecting the Circles of Growth“ hat sich daraus ein Netzwerk entwickelt, das weit über klassische Förderprogramme hinausgeht.

Die Bilanz nach zehn Jahren spricht für sich: 756 unterstützte Startups, 71 internationale Programm-Batches, 7 zentrale Partnerregionen und über 30 internationale Innovationspartner. Im Zentrum stehen die beiden Programme GO ASIA und GO AUSTRIA, die den Austausch in beide Richtungen ermöglichen – ein zweiseitiger Ansatz, der GIN zu einer einzigartigen Brückenbauerin macht. Geschichten wie jene von Elleon Biotech zeigen, was das konkret bedeutet.

Foto: epilogy.photography

Zur Beginn reflektierten Henrietta Egerth (Geschäftsführerin FFG) und Bernhard Sagmeister (Geschäftsführer aws) über die Vision hinter GIN, die gemeinsame Steuerung der beiden Programme und den Blick nach vorne. „Zehn Jahre Global Incubator Network Austria bedeuten zehn Jahre messbaren Impact für das österreichische Startup-Ökosystem und weit darüber hinaus“, betont Henrietta Egerth. „Allein am aktuellen GIN-Programm nehmen 56 Startups aus sieben asiatischen Zielregionen teil – mehr als jemals zuvor.“

Panel: Local Roots, Global Reach

Unter dem Titel „Local Roots, Global Reach: The New Rules of Internationalization“ diskutierte ein hochkarätig besetztes Panel die veränderten Spielregeln internationaler Expansion. Marcus Berger (CEO, Aviloo), Ayashi Das Majumder (Co-Founderin & COO, Sensegrass), Markus Lang (General Partner, Speedinvest) und Andreas Mühlberger (Infineon Technologies Austria) brachten vier sehr unterschiedliche Perspektiven zusammen. Die zentrale Botschaft: Für einen kleinen Exportmarkt wie Österreich ist Internationalisierung essenziell – gleichzeitig aber komplexer geworden, und sie gelingt nur durch starke Partnerschaften und langfristige Begleitung.

Foto: epilogy.photography

Workshop: Impulse für die nächsten zehn Jahre

Im interaktiven Workshop-Teil, moderiert von Viktoria Ilger (Venture Clienting Austria), wurden die Gäste selbst zu Mitgestaltenden. An mehreren Tischen diskutierten sie in kleinen Runden über die zentralen Fragen rund um Internationalisierung. Begleitet wurde der Nachmittag von einem Live-Graphic-Recording-Team, das die wichtigsten Gedanken und Erkenntnisse in Echtzeit visuell festhielt – ein wachsendes Bild, das ebenso entstand wie die Insights selbst und am Ende eindrucksvoll präsentiert wurde.

Foto: epilogy.photography

Blick nach vorne: Indien als nächster Meilenstein

Mit der geplanten Erweiterung von GIN GO ASIA nach Indien ab 2027 wurde ein klares Signal für die nächste Phase gesetzt. Bereits heute holt das aktuelle GO AUSTRIA Programm sieben indische Deep-Tech-Startups nach Österreich. Indien zählt mittlerweile über 130 Startup-Unicorns und entwickelt sich mit enormer Dynamik zu einem der wichtigsten Technologie- und Wachstumsmärkte der Welt. Mit der India-Austria Startup Bridge wurde bereits vor zwei Jahren ein erstes Instrument geschaffen, um indische Startups nach Österreich zu holen – ab 2027 öffnen sich die Türen gezielt auch für österreichische Startups in diesen Zukunftsmarkt. So festigt GIN Österreichs Rolle als europäisches Gateway für Innovation, Technologie und internationale Zusammenarbeit.

Foto: epilogy.photography

Eine Community feiert

Zum Abschluss wurde sichtbar, was GIN über die Zahlen hinaus ausmacht: eine globale Community aus Foundern, Partner:innen, Mentor:innen und Freund:innen. In einem Happy-Birthday-Video schickten Wegbegleiter*innen aus aller Welt ihre Glückwünsche. Das GIN-Team kam auf die Bühne, die Gläser wurden erhoben – und der Nachmittag mündete in eine Feier, die anschließend bei GIN & Friends am Karlsplatz ihre Fortsetzung fand. Für Lydia Yip stand da nur noch ein letztes Meeting an, bevor auch sie dazustieß: „Ich hätte nie erwartet, dass eine Geschäftsreise so viel Freude macht.“


Das Global Incubator Network Austria (GIN) ist eine Initiative der österreichischen Bundesregierung und wird von der Austria Wirtschaftsservice (aws) und der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) umgesetzt. Ziel ist es, Start-ups, Investor:innen und Innovationspartner:innen international zu vernetzen und den Innovationsstandort Österreich nachhaltig zu stärken. Der Artikel wurde in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) umgesetzt.

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