08.01.2015

Wie man ein Mission-Statement richtig verfasst

Ein guter Businessplan ist die Basis für ein erfolgreiches Unternehmen. Mindestens genauso wichtig ist ein Mission-Statement. Bei diesem fasst man kompakt zusammen, welche Ziele das Unternehmen verfolgt und welche Philosophie ihm zu Grunde liegt.
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Wofür das Unternehmen steht ist so wichtig wie der Businessplan. DDRockstar - fotolia.com

Gründer wissen längst, wie wichtig der Business Plan für ihr Unternehmen ist. Dass das Mission Statement (das Unternehmensleitbild) fast genauso wichtig ist, wissen  viele allerdings nicht. Bei diesem fasst man kompakt und in nur wenigen Sätzen zusammen, welche Ziele das Unternehmen verfolgt und welche Philosophie ihm zu Grunde liegt.

Unternehmensaspekte reflektieren

Jeder Aspekt des Unternehmens wird vom Mission Statement reflektiert: die Breite der Produktpalette, die Preispolitik, die Qualität, der Service, die Positionierung im Markt, das Wachstumspotenzial, technische Voraussetzungen, sowie die Beziehung zu Kunden, Mitarbeitern, Lieferanten, Wettbewerbsteilnehmern und der Community. „Das Mission Statement hilft zu spezifizieren, was man für ein Business hat, sowie welche Ziele damit verfolgt werden“, meint Rhonda Abrams, Autorin von „The Successful Business Plan: Secrets and Strategies“.

„Das Mission Statement hilft zu spezifizieren, was man für ein Business hat, sowie welche Ziele damit verfolgt werden“

Praxisbeispiel von Rhonda Abrams

„AAA Inc. ist ein feuriges, fantasievolles Nahrungsmittel- und Dienstleistungsunternehmen, das hochwertige, manchmal ungewöhnliche Lebensmittel zu einer moderaten Preisstruktur und ausschließlich mit natürlichen Zutaten anbietet. Wir verstehen uns als Partner unserer Kunden, Mitarbeiter, unserer Gemeinschaft und unserer Umwelt. Ziel ist es, uns als Marke regional zu positionieren und aus dem nachhaltigen Interesse an südwestlichen und mexikanischen Lebensmitteln zu profitieren. Weiteres Ziel ist es, moderat zu wachsen, profitabel zu sein und unseren Humor beizubehalten“

Die Herangehensweise

Um ein Mission Statement zu verfassen, das widerspiegeln soll, was das Unternehmen ausmacht, muss man sich zunächst die richtigen Fragen stellen. Businessplan Experte David Tucker stellt die wichtigste Frage vorweg: Was tut mein Unternehmen überhaupt? Nachdem man seine Nische bereits gefunden haben sollte, müsste zumindest diese Antwort nicht mehr allzu schwer fallen.

Das Mission Statement sollte dynamische, visuelle Bilder in den Köpfen schaffen und inspirieren.

Anhaltspunkte zum Verfassen eines Mission-Statements

  • Warum bin ich unternehmerisch tätig? Was erwarte ich von mir, meiner Familie und meinen Kunden? Was war der ausschlaggebende Funke, weshalb ich mich entschieden habe, zu gründen? Was wird den Funken am Brennen halten?
  • Wer sind meine Kunden? Was kann ich für sie tun, um ihr Leben zu bereichern – jetzt und in der Zukunft?
  • Welches Bild möchte in von meinem Unternehmen vermitteln? Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter und die Gemeinschaft sollen eine genaue Vorstellung von meiner Firma haben
  • Welcher Natur sollen meine Produkte und Dienstleistungen sein? Welche Faktoren sollen Preisstruktur und Qualität bestimmen? Wie wirkt sich dies auf die Existenz meiner Firma aus? Wie sehr wird sich das mit der Zeit verändern?
  • Welches Maß an Service biete ich an? Die meisten Unternehmen glauben, sie „stellen den besten Service zur Verfügung“. Achtung: Hier muss man genau definieren, was am Service außergewöhnlich sein soll und wieso man sich von anderen abhebt.
  • Welche Rolle spielen meine Mitarbeiter und ich selbst im Unternehmen? Weise Manager entwickeln einen Führungsstil, der das Team nicht nur organisiert, sondern auch das Beste aus jedem einzelnen Teammitglied herausholt.
  • Welche Beziehung werde ich zu meinen Lieferanten haben? Jedes Business steht in einer engen Partnerschaften mit seinen Händlern. Wenn man erfolgreich ist, sind sie es auch.
  • Wie unterscheide ich mich von meinen Mitbewerbern? Viele Unternehmer vergessen, dass sie nicht alleine auf dem Spielfeld sind. Was mache ich daher besser als die Konkurrenz? Bin ich billiger oder schneller? Wie kann ich deren Schwäche zu meinem Vorteil nutzen?
  • Wie setze ich Technologie, Kapital, Produkte und Dienstleistungen richtig ein, um mein Ziel zu erreichen? (Ein Strategieplan sollte erstellt werden)
  • Welche Philosophie oder Werte haben mich zu den obigen Antworten geführt?

Tipp: Es ist wichtig (wie bei allem, das nachhaltig bestehen soll), sich genügend Zeit zu nehmen, um sich ernsthafte Gedanken darüber zu machen. Viele Entrepreneure finden heraus, dass die Arbeit am Mission Statement an sich, genau so wichtig ist, wie die finale Version zum Schluss. Am Ende hat man eine klare Antwort darauf, wieso man überhaupt das Risiko der Selbstständigkeit tragen möchte und wieso sich die Umsetzung der Idee auszahlt.

Eins, Zwei, Drei… Los!

Nach Fertigstellung, muss man sein Mission Statement unter die Leute bringen! Nicht nur innerhalb, auch außerhalb der Firma sollen die Leute wissen, worum es geht. Die Mitarbeiter sollen sich damit identifizieren und Kunden sollen verstehen, wieso sie gerade die Leistungen dieses Anbieters buchen sollten.

 

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ESNA Operations Director Linda Capusa © ESNA

Um Europa im globalen Wettbewerb zu stärken, wurde 2021, auf Basis von mittlerweile 28 Staaten, die Europe Startup Nations Alliance (ESNA) gegründet. Ihr Ziel ist es, die nationalen Rahmenbedingungen für Gründer:innen durch acht vordefinierte Standards wie „Access to Finance“, „Social Inclusion, Diversity and Protecting Democratic Values“ oder „Attracting and Retaining Talent“ zu harmonisieren. Der jährliche „Startup Nations Standard Report“ dient dabei nicht als klassisches Ranking, sondern als Benchmarking-Instrument. „Wir arbeiten eng mit allen Ländern zusammen, verifizieren Daten und betreiben intensive Recherche“, erklärt Linda Capusa, Operations Director bei ESNA im brutkasten-Interview den kollaborativen Prozess hinter dem Bericht.

Österreichs Trumpfkarte: Die Talentakquise

Mit einem Gesamtwert von 67 Prozent bewegt sich Österreich nahe am europäischen Mittelwert. Besonders beeindruckend schneidet das Land beim Thema Talentakquise ab: Mit einer Bewertung von 88 Prozent liegt Österreich klar über dem EU-Schnitt. Linda Capusa hebt hierbei vor allem die beschleunigten Visaverfahren für Gründer:innen und Fachkräfte hervor, die idealerweise weniger als einen Monat dauern sollten.

„Eine Gründerin kann die beste Idee haben, aber ohne das richtige Talent ist es schwer, das Unternehmen zu skalieren und die Idee umzusetzen“, betont sie im Gespräch. Auch Initiativen zur Rückholung von Talenten nach Österreich sowie Fortschritte bei Mitarbeiterkapitalbeteiligungen (Stock Options) fielen bei der Bewertung laut Capusa positiv ins Gewicht.

Baustellen bei Bürokratie und Frühphasenkapital

Dennoch bleibt beträchtliche Luft nach oben, insbesondere bei der Startup-Regulierung und der Digitalisierung öffentlicher Dienste. Ein konkretes Manko sieht die ESNA-Managerin beim Kapitalzugang. Im Interview betont sie, dass Österreich derzeit keine Steuerbefreiungen für Business Angels anbiete, was sie jedoch als essentiellen Hebel für die wichtige Frühphasenfinanzierung wahrnimmt.

Europa auf dem Weg zum gemeinsamen Markt

Blickt man auf den gesamten Kontinent, zeigt sich ein positiver Makrotrend: Das durchschnittliche Umsetzungsniveau von empfohlenen Maßnahmen sprang signifikant von 61 auf 70 Prozent. Treiber sind laut Capusa europaweit die schnelle, kostengünstige digitale Unternehmensgründung sowie der Ausbau öffentlicher Finanzierungen.

„Regierungen werden sich zunehmend bewusst, dass Startups andere politische Rahmenbedingungen benötigen als traditionelle Unternehmen und welchen positiven wirtschaftlichen Einfluss sie bringen“, erklärt Capusa. Am schwersten tun sich die Staaten weiterhin mit regulatorischen Innovationen, wenngleich sich auch hier Verbesserungen abzeichnen.

„EU Inc“ als Hebel gegen die Marktfragmentierung

Um die Zersplitterung der nationalen Märkte endgültig zu überwinden, setzt Capusa große Hoffnung in die europäische Initiative „EU Inc“. Der Vorschlag für ein einheitliches europäisches Gesellschaftsrecht wird von der Allianz voll unterstützt. „Es würde die Fragmentierung aufheben, den Markteintritt beschleunigen und das Skalieren erleichtern“, betont die Operations Director. „Wir konkurrieren nicht innerhalb Europas, sondern als Kontinent“, fügt sie abschließend hinzu.

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