28.10.2025
STARTUP-PORTRÄT

Wie LifeTaq Tierversuche durch automatisierte 3D-Gewebemodelle ersetzt

LifeTaq entwickelt automatisierte 3D-Gewebemodelle als Alternative zu Tierversuchen – und will damit die Wirkstoffentwicklung beschleunigen. Wir haben mit Gründer Manfred Taschner darüber gesprochen, wie die Plattform „Tissura“ den Weg vom Labor in die Klinik verändern soll.
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Das Team von LifeTaq | (c) LifeTaq-Analystics GmbH

Neun von zehn Wirkstoffkandidaten scheitern zwischen dem Labor und der Klinik. Der Grund ist oft derselbe: Ergebnisse aus Tierversuchen sind nur eingeschränkt auf den Menschen übertragbar. Das TechBio-Startup LifeTaq setzt genau an diesem Bruchpunkt an. Das Klosterneuburger Unternehmen entwickelt seine Plattform „Tissura“. Dabei handelt es sich um ein automatisiertes System, das Zellen und 3D-Gewebemodelle auf qualitative Weise kultiviert.

Die Technologie ist standardisiert, reproduzierbar und bietet eine skalierbare Alternative zu manuellen Labortests, was die Reduktion der Abhängigkeit von Tieren erleichtert. „Das Tier ist einfach anders gebaut als der Mensch, und man sollte viel mehr im Vorfeld an der menschlichen Biologie testen“, sagt CEO und Gründer Manfred Taschner. Der Biotechnologe weiß, wovon er spricht.

Vom Alzheimer-Labor zum eigenen Unternehmen

Bevor Manfred Taschner zum Gründer wurde, arbeitete er als Forscher in einem Wiener Pharmaunternehmen. Dort entwickelte das Team über Jahre hinweg einen Impfstoff gegen Alzheimer – mit großem Budget, großen Hoffnungen und vielen Tierversuchen. Doch nach über einem Jahrzehnt und mehreren hundert Millionen Euro war klar: Die Wirksamkeit beim Menschen war gleich null. „Das Placebo war teilweise besser als das eigentliche Medikament. Das war ein Schock – und ein Wendepunkt für viele von uns.“

Dies führte bei Taschner zu einer Schlüsselerkenntnis: „Ich habe mich gefragt: Wie kann das passieren? Und dann wird einem klar, dass Tiere einfach eine andere Physiologie haben.“ Statt Ergebnisse aus Tiermodellen zu extrapolieren, müsse man direkt mit menschlichem Gewebe arbeiten, so die Schlussfolgerung.

2017 gründete er gemeinsam mit Kollegen aus dem ehemaligen Alzheimer-Team LifeTaq mit der Vision, Tierversuche durch realistische, humane Modelle zu ersetzen. „Wir wollten eine Alternative entwickeln, die besser vorhersagt, wie etwas im menschlichen Körper funktioniert.“

(c) LifeTaq-Analytics GmbH

Automatisierte Fabrik zum Züchten realistischer Mini-Körperteile

Anstatt dass ein Laborant Zellen sorgfältig von Hand in einer Schale kultiviert – ein Prozess, der langsam und fehleranfällig ist – bietet LifeTaq eine vollautomatisierte Kulturmaschine mit integrierter Qualitätskontrolle. Dies adressiert die Infrastruktur- und Reproduzierbarkeitsanforderungen des gesamten In-vitro-Sektors. „Wenn man es manuell macht, können leicht Kontaminationen – Bakterien, Pilze – entstehen, und man muss es wochenlang exakt gleich behandeln. Das ist fast unmöglich.“

Die Plattform kann unter anderem sogenannte biologische Barriere-Modelle kultivieren, jene wichtigen Grenzflächen, die ein Medikament passieren muss, um im Inneren des Körpers seine Arbeit zu verrichten, wie etwa die Darmbarriere, die Lungenbarriere oder die Hautbarriere. Bei diesen konventionellen Modellen (sogenannte Well-Plate-Modelle), die von mehreren Anbietern bereits am Markt sind, kann die Tissura den Prozess automatisieren und skalierbar machen.

„Aktuell optimieren wir die Prozesse für die Lungenbarriere, da sie entscheidend für viele inhalierbare Medikamente ist“, erklärt Taschner. „Das Prinzip kann aber auch auf Haut oder andere Schnittstellen übertragen werden.“ Diese Innovation wurde im Rahmen eines 3,5 Millionen US-Dollar schweren FFG-Leitprojekts (einem bedeutenden Förderprogramm der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft) entwickelt.

Kooperation mit OFI und ACR Start-up Preis

Ein wichtiger Partner bei der Entwicklung war das Österreichische Forschungsinstitut (OFI), das die auf der Tissura-Plattform kultivierten Lungengewebe extern validierte und testete. Das OFI agiert als Auftragsforschungsinstitut für zahlreiche Unternehmen im Pharma- und Medizintechniksektor und war auch der erste Anwender der LifeTaq-Technologie. „Die Kooperation mit dem OFI war für uns entscheidend, um die Modelle nach internationalen Standards zu überprüfen und ihre Praxistauglichkeit nachzuweisen“, so Taschner. Für diese erfolgreiche Zusammenarbeit wurden LifeTaq und das OFI 2025 mit dem „ACR Start-up Preis“ von Austrian Cooperative Research (ACR) ausgezeichnet (brutkasten berichtete).

Manfred Taschner im Rahmen der ACR Enquete 2025 | (c) ACR/APA-Fotoservice/Leitner

Der Preis würdigt junge Unternehmen, die in enger Kooperation mit ACR-Instituten marktrelevante Innovationen entwickeln. „Diese Auszeichnung ist für uns ein wichtiges Signal, dass unsere Technologie einen echten Beitrag zur Zukunft der Forschung leistet“, sagt Taschner.

Ein Markt in Bewegung

Dass LifeTaq gerade jetzt an Fahrt gewinnt, liegt auch an der Regulierung und dem Mangel an vielseitigen, skalierbaren, automatisierten Labor-Kultursystemen. In den USA erlaubt der „FDA Modernization Act“ seit Ende 2022 explizit, Daten aus Nicht-Tiermodellen als Basis für klinische Studien zu verwenden. „Seit den 1930er-Jahren war der Tierversuch verpflichtend. Jetzt darf man zum ersten Mal mit In-vitro-Modellen direkt in den Menschen gehen.“

Gleichzeitig verändert Künstliche Intelligenz die Wirkstoffsuche grundlegend. Heute generieren KI-Algorithmen Millionen möglicher Molekülvarianten – weit mehr, als manuell getestet werden könnten. „Das verlangt nach automatisierten Testsystemen, die große Datenmengen schnell verarbeiten können“, sagt Taschner. „Genau hier positionieren wir uns.“

Geschäftsmodell: Vom Service zur Maschine

Der Markteintritt erfolgt bewusst gestaffelt. LifeTaq setzt zunächst auf ein Machine-as-a-Service-Modell: Die Maschine bleibt vorerst im Haus, das LifeTaq-Team nutzt die Protokolle der Kunden für deren Modelle und kultiviert Gewebe für Kundenprojekte, die Abrechnung erfolgt nach Volumen.

(c) LifeTaq-Analystics GmbH

„Viele Unternehmen wünschen zuerst die Sicherheit, dass ihr exaktes Modell wirklich funktioniert.“ Später sollen die Anlagen direkt bei Kunden platziert werden – inklusive „Remote Support“ und digitaler Datenintegration. Die Anschaffung amortisiert sich laut Taschner bei hoher Auslastung innerhalb von ein bis zwei Jahren. Aktuell beschäftigt LifeTaq elf Mitarbeiter und möchte bis Ende 2026 auf rund 20 wachsen – vor allem im Vertrieb und Customer Success. Nach anfänglichen Jahren in Tulln ist das Unternehmen seit 2024 in Klosterneuburg ansässig. „Wir haben jetzt über 400 Quadratmeter Fläche, wo wir uns auch dem Maschinenbau widmen können.“

Förderung, Finanzierung, Wachstum

Finanziell setzt LifeTaq auf einen Mix aus Förderungen, Business Angels und Crowdinvestment. Neben Programmen der FFG, aws und der EU ist ein Brancheninsider aus der Bioprozessindustrie privat am Unternehmen beteiligt. Seit Oktober 2025 läuft zudem eine Crowdinvesting-Kampagne auf Rockets, die innerhalb einer Woche über 200.000 Euro eingesammelt hat. „Das schont unseren Cap Table viel sanfter, und wir können gleichzeitig unsere Community erweitern“, so Taschner.

Nächste Schritte: Vom Pilot zur Markteinführung

Nach der ersten erfolgreichen Validierung der Tissura-Plattform blickt LifeTaq nun klar nach vorn. Im kommenden Jahr sollen weitere Pilotprojekte mit Pharma- und Auftragsforschungsunternehmen folgen, um die Technologie in verschiedenen Anwendungsszenarien zu erproben – von Atemwegserkrankungen bis hin zu toxikologischen Screening-Tests.

Gleichzeitig arbeitet das Team an der Industrialisierung des Fertigungsprozesses, um die Maschinen mittelfristig in Serie zu produzieren und direkt bei Kunden zu platzieren. „2026 wollen wir den Sprung vom Pilotbetrieb zur Kommerzialisierung schaffen“, sagt Taschner.

Auch regulatorisch laufen die Vorbereitungen: Neben der ISO-Zertifizierung wird an weiteren Compliance-Standards für die pharmazeutische Produktion gearbeitet. Parallel dazu plant LifeTaq, den Exportmarkt zu erschließen – mit Fokus auf Deutschland, Skandinavien und die USA, wo die FDA-Modernisierung das größte Marktfenster bietet. „Wir haben bewiesen, dass unsere Technologie funktioniert – jetzt geht es darum, sie in den Forschungsalltag zu bringen.“

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Rivero
© Rivero - (v.l.) Stephan Wächter, Fatemeh Nikayin und Thomas Müller.

Rivero, die europäische Plattform für Zahlungsoperationen, hat heute bekanntgegeben, dass Elevator Ventures, der Corporate-Venture-Capital-Fonds der Raiffeisen Bank International (RBI), als Investor beim Schweizer Fintech eingestiegen ist. Die Partnerschaft soll Riveros weitere Expansion in Europa unterstützen, mit besonderem Fokus auf die Märkte in Zentral- und Osteuropa. Über die genaue Summe ist nichts bekannt.

Rivero: Kajo und Amiko

Rivero wurde von Thomas Müller, Fatemeh Nikayin und Stephan Wächter gegründet, um Intelligenz und Automatisierung in einige der besonders komplexen operativen Herausforderungen der Zahlungsbranche zu bringen. Die Technologie soll es Finanzinstituten ermöglichen, stark regulierte und ressourcenintensive Zahlungsprozesse zu modernisieren und manuelle Arbeitsabläufe durch intelligente Automatisierung zu ersetzen.

Die Compliance-Plattform von Rivero heißt Kajo und soll die Compliance in Zahlungsnetzwerken vereinfachen, indem sie Updates automatisch verteilt, eine Übersicht auf einen Blick liefert und fragmentierte Dokumente und Anforderungen der Zahlungsnetzwerke in ein KI-gestütztes Wissensverzeichnis verwandelt.

Die KI-gestützte Anwendung Amiko indes bringt agentische KI in das Streitfallmanagement (Dispute Management) und die Betrugsrückgewinnung. Die Lösung sortiere Fälle intelligent vor, koordiniere die nächsten sinnvollen Schritte und automatisiere Dispute-Workflows vom Eingang bis zur Lösung, während sie Agent:innen bei komplexen Fällen anleitet, die menschliche Spezialist:innen erfordern. Das soll Instituten helfen, Gelder schneller zurückzuholen, den operativen Aufwand zu reduzieren und ein besseres Erlebnis für Karteninhaber:innen zu bieten.

„Elevator Ventures von strategischer Relevanz“

Während Rivero in Europa expandiert, konzentriert sich das Unternehmen zunehmend nicht nur auf den Ausbau seiner Technologie, sondern auch auf die Stärkung seiner Position im breiteren europäischen Bankenökosystem. Für die nächste Entwicklungsphase von Rivero sei Elevator Ventures von besonderer strategischer Relevanz: Durch die Verbindung zur RBI Group und das Netzwerk in Zentral- und Osteuropa verfüge Elevator Ventures über umfangreiche Erfahrung darin, Technologieunternehmen, die Finanzinstitute bedienen, zu unterstützen und ihnen bei der Orientierung und Expansion in europäischen Bankenmärkten zu helfen, heißt es.

„Europas Finanzinstitute suchen nach besseren Wegen, zunehmend komplexe Zahlungsoperationen zu managen, und wir sehen eine große Chance, Riveros Technologie zu vielen weiteren Instituten auf dem Kontinent zu bringen“, sagt Thomas Müller, CEO von Rivero. „Da wir nun in die nächste Wachstumsphase eintreten, wollen wir Investor:innen am Tisch haben, die sowohl die Komplexität des Bankgeschäfts als auch die Märkte verstehen, in denen wir tätig sind. Die Expertise von Elevator Ventures im Finanzdienstleistungsbereich und ihr besonders starkes Netzwerk in Zentral- und Osteuropa machen sie zu einem hoch relevanten strategischen Partner für Rivero.“

Maximilian Schausberger, Managing Director bei Elevator Ventures, ergänzt: „Rivero adressiert eine Reihe operativer Herausforderungen, die für Banken und Zahlungsinstitute in ganz Europa immer wichtiger werden. Das Team verbindet tiefgehende Zahlungsverkehrsexpertise mit Technologie, die speziell auf die Anforderungen regulierter Finanzinstitute ausgelegt ist. Wir sehen eine starke Übereinstimmung zwischen Riveros Ambitionen und unserer Erfahrung und unserem Netzwerk im europäischen Bankwesen und freuen uns darauf, das Unternehmen bei seiner weiteren Expansion zu unterstützen.“

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