03.04.2025
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Wie Kwizda Agro Innovation und Landwirtschaft vereint

Digitale Technologien revolutionieren den Pflanzenschutz. Brutkasten sprach mit Geschäftsführer Ronald Hamedl und Head of Digitalization Mark Winkler von Kwizda Agro, die gemeinsam mit Startups ein digitales Ökosystem aufbauen – für präzisere Anwendungen, mehr Effizienz und nachhaltige Landwirtschaft.
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Mark Winkler, Head of Digitalization, und Ronald Hamedl, Geschäftsführer | (c) Kwizda Agro & citronenrot

Die Landwirtschaft steht heute vor enormen Herausforderungen: Unberechenbare Wetterextreme, erhöhter Schädlings- und Krankheitsdruck, strengere regulatorische Vorgaben und wirtschaftlicher Druck prägen den Alltag in den Betrieben. „Der administrative Aufwand ist hoch, Fachkräfte sind rar und viele Wirkstoffe verschwinden vom Markt“, sagt Ronald Hamedl, Geschäftsführer von Kwizda Agro. Gleichzeitig steige der Bedarf an Lösungen, die Pflanzenschutz möglichst ressourcenschonend und effizient gestalten – sowohl ökologisch als auch ökonomisch.

Nachhaltig und ressourcenschonend: Digitalisierung als Schlüssel

Kwizda Agro ist seit Jahrzehnten ein führender Anbieter chemischer und biologischer Pflanzenschutzmittel und Teil der österreichischen Kwizda Unternehmensgruppe. Mit rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an Standorten in Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Ungarn, Rumänien und den USA steht das Unternehmen für ein breites Spektrum an Expertise in der Produktion komplexer, hochwertiger Formulierungen. „Wir wissen, wie wichtig ein standortgerechter, nachhaltiger Pflanzenschutz ist und welche Herausforderungen Landwirte haben“, erklärt Hamedl. „Doch traditionelle Methoden allein reichen nicht mehr aus. Wir müssen innovative Wege gehen.“

Copyright: Kwizda Agro | Kwizda Xperience (KX) bietet Landwirten und Winzern vier digitale Microservices für gesunde Pflanzen.

Digitale Werkzeuge gelten heute in vielen Branchen als Effizienztreiber. Auch in der Landwirtschaft können sie einen nachhaltigen Beitrag leisten. Denn nicht nur, dass sich der Krankheitsdruck und das Infektionsrisiko erhöht haben, spielt auch zunehmend der Umweltschutz eine entscheidende Rolle: Pflanzenschutzmittel dürfen nur noch streng reguliert eingesetzt werden, und auch Verbraucher fordern mehr Transparenz. Die klimatischen Veränderungen führen zudem zu Extremwetterlagen, die den Pflanzenschutz komplizierter machen.

Daher baut Kwizda Agro sein Portfolio seit einiger Zeit konsequent in Richtung Digitalisierung aus. „Daten sind das Betriebsmittel der Zukunft für Landwirte“, betont Hamedl. Er ist überzeugt, dass sich mithilfe moderner Technologien nicht nur die Pflege und Schutz der Kulturpflanzen, sondern auch betriebliche Abläufe optimieren lassen. „Uns geht es darum, gezielte Entscheidungen zu ermöglichen und fehlende Alternativen im Pflanzenschutz zu kompensieren, damit Landwirte langfristig erfolgreich und nachhaltig wirtschaften.“

Kooperationen für ein „Ecosystem Agriculture“

Um diese digitale Transformation voranzutreiben, hat Kwizda Agro bewusst den Weg der Zusammenarbeit gewählt. „Es gibt so viele Startups mit innovativen Ideen. Wir wollen nicht nur beobachtend daneben stehen, sondern uns aktiv einbringen und Partnerschaften aufbauen“, erklärt Hamedl. Das Ziel: Ein vernetztes „Ecosystem Agriculture“, in dem verschiedene Anwendungen, Datenquellen und Vorhersagemodelle zu einer Gesamtlösung verschmelzen.

Bereits jetzt kooperiert Kwizda Agro mit dem niederländischen Scaleup AppsforAgri, das auf Agrar-Software und -Services spezialisiert ist, und mit dem österreichischen Softwareunternehmen Cubido. Mark Winkler, Head of Digitalization, erläutert: „Gerade in der Kombination von Praxiserfahrung, Cloud-Technologie und intuitiven Apps entsteht ein echter Mehrwert für Landwirtinnen und Landwirte.“ Zudem seien solche Partnerschaften ein wichtiger Teil der Unternehmensstrategie: „Wir wollen unser Geschäft nicht nur vergrößern, sondern auch sinnvoll weiterentwickeln. Der Markt braucht Lösungen, die einfach zu bedienen sind und direkte Vorteile bringen.“

KX – Eine Plattform für die Praxis

Das Leuchtturmprojekt im Digitalbereich heißt KX: Eine Plattform, die Landwirten und Winzern eine Reihe digitaler Services bietet. Anders als reine Software-Insellösungen verbindet KX praktische Expertise mit Datenintelligenz. Dabei ist die Anwendung bewusst so gestaltet, dass auch kleinere Familienbetriebe von ihr profitieren können. „Nicht jeder Landwirt hat Hightech-Geräte und Studien in Agrarwissenschaften“, erklärt Winkler. „KX muss also intuitiv funktionieren und den Anwendern einen direkten Nutzen stiften.“

Copyright: Kwizda Agro | KX Planer In wenigen Minuten können mit dem KX Planner optimierte Spritzpläne – angepasst an regionale Gegebenheiten, Feldgrößen und Rebsorten – erstellt werden.

Ein konkretes Beispiel für den erfolgreichen Einsatz kommt aus dem Weingut Andreas Holzer in Nussdorf/Neusiedl. Dort hilft KX, die punktgenaue Anwendung von Pflanzenschutzmitteln umzusetzen. Winkler berichtet: „Im Weinbau ist Präzision extrem wichtig, weil Trauben sehr empfindlich sind und die Qualität stark vom richtigen Zeitpunkt und der optimalen Dosierung abhängt. KX analysiert Wettervorhersagen, regionale Gegebenheiten wie Rebsorte oder phänologischen Entwicklungsstadien und Krankheitsrisiken. So kann der Winzer rechtzeitig entscheiden, wann, wie und wo er eingreifen muss.“

Copyright: Kwizda Agro | KX Vine Mit dem Infektionsfrühwarnsystem von KX Vine werden Wetterprognosen mit den optimalen Spritzplanbedingungen für einen optimalen Schutz von Weinreben kombiniert.

Daten als Motor für bessere Entscheidungen

Die wichtigste Ressource, die KX zur Verfügung stellt, sind Daten. Jedoch setzt Kwizda nicht auf physische Datenstationen, sondern arbeitet mit virtuellen Datenpunkten, die flexibel von Landwirten auf ihren Feldern gesetzt werden können. „Mit den virtuellen Datenpunkten bündeln wir Wettermodelle und Krankheitsprognosen mit geografischen Daten und kombinieren diese mit unserem landwirtschaftlichen Wissen in Bezug auf Kulturen und Schaderregern“, sagt Winkler. „Die Landwirte erhalten so konkrete Handlungsempfehlungen für den Schutz ihrer Kulturen.“

Auch in puncto Infektionsrisiken ist das wertvoll. Hamedl erklärt: „Wer früh weiß, in welchen Regionen oder bei welchen klimatischen Bedingungen Schädlinge und Krankheiten auftreten, kann gegensteuern. Das vermeidet Ertragsausfälle und ermöglicht einen deutlich reduzierten Mitteleinsatz.“ Letztlich spare das nicht nur Geld und Ressourcen, sondern verbessere auch die Akzeptanz in der Bevölkerung. „Sichtbar weniger Spritzmittel auf dem Feld tragen zu einem positiveren Bild der Landwirtschaft bei“, betont er.

Digital, aber nicht unpersönlich

Kwizda Agro setzt daher auf eine enge Verzahnung von Beratung und Technologie. Das firmeneigene Vertriebsnetzwerk steht den Kunden weiterhin zur Seite, hilft bei der Integration der digitalen Tools und schult die Anwender in deren Nutzung. „So bekommt jede Betriebsgröße die Unterstützung, die sie braucht“, ergänzt Winkler. Trotz aller Technik bleibt der Mensch aber entscheidend.

Warum jetzt?

Der Zeitpunkt für diesen Schritt ist laut Kwizda Agro ideal. Einerseits verlangen Klimawandel, steigende Kosten und Fachkräftemangel nach neuen, smarten Lösungen. Andererseits wächst der Druck von Gesellschaft und Politik, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln weiter zu reduzieren oder genauer zu kontrollieren. „Wenn wir weiterhin stabile Erträge sichern wollen, müssen wir nachhaltig produzieren. Das geht nicht ohne digitale Unterstützung“, sagt Hamedl. „Denn nur so können wir gleichzeitig gesetzliche Vorgaben einhalten und wettbewerbsfähig bleiben.“

Zudem sieht Kwizda Agro die Digitalisierung als Teil der unternehmerischen Weiterentwicklung. „Wir kommen aus dem klassischen Pflanzenschutz, haben aber erkannt, dass die Zukunft stark datengetrieben ist. Da wollen wir nicht Nachzügler sein, sondern Vorreiter“, sagt er. Und Winkler ergänzt: „Digitalisierung ist kein Trendwort, sondern ein echter Nutzenfaktor. Gerade wenn Daten verarbeitet und ausgewertet werden, entstehen fundierte Entscheidungen. Wir erleben jeden Tag, wie das in der Praxis funktioniert.“

Ausblick: Ein starkes Netzwerk

Um die Digitalisierung im Agrarbereich weiter auszubauen, sucht Kwizda Agro aktiv nach Partnern: von Gründern mit bahnbrechenden Ideen bis hin zu etablierten Unternehmen, die spezialisierte Technologien anbieten. „Ein innovatives Produkt allein reicht selten aus“, sagt Hamedl. „Wir brauchen ein Netzwerk, in dem verschiedene Lösungen nahtlos zusammenwirken. So können wir Landwirten ein Rundum-Paket liefern, das ihre Arbeit wirklich erleichtert.“

Das langfristige Ziel ist klar: „Wir wollen, dass sich alle relevanten Daten in einem Cockpit bündeln lassen. Vom Schädlingsdruck über den Pflanzenzustand bis hin zum genauen Ausbringzeitpunkt einzelner Mittel“, erklärt Winkler. „Dann kann jeder Betrieb individuell anpassen, welche Parameter für ihn relevant sind. Und er findet alle Informationen auf einer Plattform, ohne sich durch verschiedene Software-Insellösungen navigieren zu müssen.“

Einladung zur Zusammenarbeit

Kwizda Agro sieht sich dabei nicht nur als Anbieter digitaler Tools, sondern vor allem als Mitgestalter einer lebendigen Zukunftsbranche. „Wir laden alle ein, die an nachhaltigen und innovativen Konzepten für die Landwirtschaft arbeiten wollen“, so Hamedl. „Unser Weg führt weg vom reinen Produktvertrieb hin zu einem Ökosystem, in dem sich Ideen gegenseitig verstärken und Lösungen schnell in die Praxis gelangen.“

Wer sich dafür interessiert, kann sich direkt an Kwizda Agro wenden. Denn die Türen stehen offen für Kooperationen mit Startups, Scaleups und Forschungseinrichtungen. „So kann sich eine ganze Branche zukunftssicher aufstellen“, fasst Winkler zusammen. “Ob neue Drohnentechnologie, Satellitenbildanalysen oder Pflanzenschutz-Apps – alles kann miteinander verschmelzen, wenn man den Mut hat, sich zu vernetzen.“


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easyvegan Pixelrunner FireStart P4 Therapeutics - Insolvenzen
(c) Adobe Stock

5.139 Unternehmen mussten laut aktueller Hochrechnung des Kreditschutzverbands KSV1870 in den ersten drei Quartalen 2026 in Österreich Insolvenz anmelden. Das entspricht einem Plus von 0,4 Prozent zum gleichen Zeitraum im Vorjahr. Nach Jahren des deutlichen Anstiegs bedeutet das eine Stagnation auf hohem Niveau. Diese erwartet der Verband auch für das gesamte Jahr. Die Passiva sind wegen einer etwas geringeren Zahl an Großinsolvenzen in den ersten drei Quartalen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund sieben Prozent auf etwa sechs Milliarden Euro gesunken. Bei den Branchen – Handel vor Baugewerbe und Gastronomie – gab es „wenig Bewegung“.

„Kräftiger Aufschwung gegenwärtig nicht erkennbar“

Insgesamt gibt es seitens des KSV1870 weiter keine Entwarnung. Die schwache Konjunktur, die verhaltene Nachfrage und die hohen Kosten würden Betriebe weiterhin belasten, „ein kräftiger Aufschwung ist gegenwärtig nicht erkennbar“, heißt es vom Verband. „Wo Margen und finanzielle Reserven knapp sind, kann der anhaltende wirtschaftliche Druck schnell existenzbedrohend werden. Entsprechend hoch bleibt die Zahl der Betriebe, die ihre finanziellen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen können und den Weg in die Insolvenz antreten müssen“, kommentiert Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz.

Weiterer Zuwachs bei nicht eröffneten Fällen „alarmierend“

Mehr noch beschäftigt den Verband eine Entwicklung, die sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich verschärft hat, und vom KSV als „besorgniserregend“ eingestuft wird: ein massiver Zuwachs bei den nicht eröffneten Fällen. So ist die Zahl der eröffneten Unternehmensinsolvenzen im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum sogar um 7,2 Prozent gesunken, die Zahl der mangels Masse nicht eröffneten Verfahren dagegen um nicht weniger als 12,6 Prozent gestiegen. Konkret war es laut KSV seit Jahresbeginn bei 2.204 Fällen, also ca. 43 Prozent aller Verfahren mangels Kostendeckung nicht möglich, diese einer geordneten Abwicklung zuzuführen.

„Dass es zwischen den eröffneten und abgewiesenen Fällen mittlerweile nur noch einen zahlenmäßig geringen Unterschied gibt, ist alarmierend. Das ist ein Umstand, den die Gläubiger massiv zu spüren bekommen, da sich in diesen Fällen ihre Verluste weiter erhöhen. Das kann auch für wirtschaftlich gesunde Unternehmen mittel- und langfristig zum Problem werden“, erläutert Götze.

KSV1870 sieht Betrugsbekämpfungsgesetz „zumindest punktuell“ als Auslöser

Die Gründe für die Dynamik laut KSV: Nicht nur werde immer häufiger mit der Insolvenzanmeldung zu lange gewartet, der Verband sieht die Entwicklung auch „zumindest punktuell“ als eine Folge des im Jänner 2026 beschlossenen Betrugsbekämpfungsgesetzes. „Denn infolgedessen ist es vielfach so, dass vor der Änderung der Gesetzeslage durchsetzbare Anfechtungsansprüche nun nicht mehr geltend gemacht werden können, die Zahl der Gläubigeranträge sinkt und auch die Quoten dementsprechend für die Gläubiger zurückgehen“, heißt es vom KSV. In diesem Zusammenhang seien – „wie bereits beim Gesetzesbeschluss seitens des KSV1870 vorausgesagt“ – Folgeinsolvenzen zu befürchten.

Der KSV1870 erwartet auch für das vierte Quartal keine Entschärfung der Insolvenzdynamik und auch keine Verbesserung bei den nicht eröffneten Fällen. „Angesichts dieser Faktenlage ist es höchst an der Zeit, eine gesetzliche Basis zu schaffen, wie mit den mangels Masse abgewiesenen Fällen zukünftig umzugehen ist. Andernfalls wird sich der gesamtwirtschaftliche Schaden weiter erhöhen“, meint Götze.

Deutliches Statement zur Insolvenz-Entgelt-Fonds-Diskussion

Der Verband äußert sich zudem zur Diskussion rund um eine Finanzierungslücke beim Insolvenz-Entgelt-Fonds (IEF). „Aus Sicht des KSV1870 ist dabei ein Punkt wesentlich: Aufgrund der Tatsache, dass sich Österreichs Unternehmen seit einigen Jahren mit massiven wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert sehen, ist eine automatische Anhebung der Dienstgeberbeiträge keine Option“, heißt es dazu. Götze kommentiert: „Dadurch würden die Betriebe finanziell zusätzlich belastet werden, was angesichts der derzeitigen Situation nicht erstrebenswert sein kann.“ Wichtig in der Diskussion sei jedenfalls, „nicht nur den Bedarf für das Jahr 2027 zu bewerten, sondern langfristig zu denken und sowohl die Interessen der Arbeitgeber wie auch jene der Arbeitnehmer zu berücksichtigen“, so der Verband abschließend.

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