10.11.2015

Wie ein Linzer Startup zum „Tesla“ des Getränkemarkts werden möchte

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Die gesunden Chia-Samen werden erstmals in Getränkeform auf den Markt gebracht.

Chia Samen gelten in den USA schon lange als die Wunderwuzis der Ernährungsindustrie. Aber nur wenns ums Essen geht. Jedoch aus Chia-Samen ein Getränk zu machen, galt bis vor einem Jahr noch als nicht umsetzbar. Doch genau damit will das Linzer Startup Chia Birds jetzt den Durchbruch schaffen.

Chia Samen haben mit 21 % einen sehr hohen Eiweißgehalt, normaler Weizen hat vergleichsweise nur 14 %. Die dunklen Körner enthalten viermal so viele Ballaststoffe wie Leinsamen, viermal so viel Eisen wie Spinat, Kalzium, Magnesium und viele Antioxidantien. Auch Omega-3-Fettsäuren sind stark vertreten. Sie zählen somit zu den immer mehr in Trend kommenden „Superfoods“.

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„Ich wollte aus diesen Samen ein Getränk machen, das hält, was Energy-Drinks zwar versprechen, aber nicht halten. Körperliche und geistige Leistungssteigerung – und zwar aus natürlichen und gesunden Zutaten“, erklärt Chia Birds Gründer Denis Richter seine Beweggründe. 4000 Flaschen wurden bisher hergestellt, um den Markt zu testen. Produziert wird in einer Brauerei in Oberösterreich und ab Ende November startet die Produktion im industriellen Stil.

„Mischen“ Impossible

Das Getränk basiert auf grünem Tee. Chia Samen als Feststoff mit Kohlensäure zu versetzen und abzufüllen, galt als nicht durchführbar. „Wir wurden für diese Idee ausgelacht“, erklärt Richter, „aber nach jahrelangem Tüfteln in der Garage haben wir es geschafft, Chia Samen, Kohlensäure und grünen Tee in eine Dose zu füllen.“

Darüber hinaus will der ehemalige Werbefachmann eine Brücke zwischen hippem Lifestyle-Getränk und einem gesunden, nachhaltigen Produkt bauen. „Wir wollen mit Chia Birds der Tesla auf dem Getränkemarkt werden“, so Richter.

„Wir wollen mit Chia Birds der Tesla auf dem Getränkemarkt werden.“

Genehmigung von EU

Um das neue Getränk auf den Markt bringen zu können, war eine Zulassung seitens der EU notwendig. Richter und sein Team haben die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) von ihrem Produkt überzeugen können. Mit Ende November gilt Chia Birds als offiziell genehmigt. „Firmen wie Billa, Spar und dm warten nur darauf, dass wir liefern. Die Bestellungen liegen bereits vor“, bestätigt Richter seine Zuversicht über den Markteintritt.

Richter hofft auch auf Unterstützung aus der Bevölkerung: Er hat ein Crowdfunding-Projekt gestartet und möchte damit die Anschaffungskosten der teuren Maschine für die industrielle Produktion etwas schmälern.

Chia Samen

Auch wenn der Hype hierzulande neu ist, die Samen sind alt: Die Mayas und Azteken haben schon vor tausenden Jahren auf Chia-Samen als Grund- und Kraftnahrungsmittel zurückgegriffen, erzählt Sandra Wallner-Liebmann, Ernährungswissenschafterin und Pathophysiologin an der Medizinischen Universität Graz: „Aus dieser Historie heraus zeigt sich schon, dass die Inhaltsstoffe dieses Korns ganz außergewöhnlich sind.“

In Europa wurden die Körner bis vor wenigen Jahren nur als Tierfutter benutzt. Seit 2009 sind sie als sogenanntes Novelfood zugelassen. Studien über die tatsächliche Wirkung beim Menschen sind aber weitgehends Mangelware – etwa dazu, ob das Korn tatsächlich schlank macht, wie oftmals versprochen wird. „Dadurch, dass Chia-Samen ballaststoffreich sind, sättigen sie“, erklärt Wallner-Liebmann. Das Produkt alleine reiche aber nicht, um damit wirklich Gewicht zu verlieren.

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Das Bending-Spoons-Büro in Milan. | © Bending Spoons

Vor einigen Monaten erreichten Breaking News die Startup-Szene. Im März verkündete das Paschinger Pet-Tech-Scaleup Tractive den vielleicht größten Exit in der österreichischen Startup-Geschichte. Zum genauen Kaufpreis wurden damals keine Angaben gemacht, Gerüchte über einen Verkauf in Milliardenhöhe standen im Raum.

Verkauft wurde an das italienische Tech-Unternehmen Bending Spoons, das für tiefgreifende Einschnitte in Unternehmen nach deren Übernahme bekannt ist. Jetzt scheinen sich diese auch bei Tractive bemerkbar zu machen. Wie der ORF Oberösterreich berichtete, steht das Unternehmen vor einem Stellenabbau. Gründer und Ex-CEO von Tractive, Michael Hurnaus, wurde vom brutkasten für ein Statement angefragt, es kam keine Rückmeldung.

Keine Angaben über betroffene Mitarbeiter:innen

Vor zehn Monaten wurde in einem LinkedIn-Post noch die Auszeichnung Tractives als Unternehmen unter den Top 1% der Leading Employers Austria gefeiert – jetzt werden Stellen abgebaut. Wie viele Personen betroffen sind, ist nicht bekannt. „Man wolle jedoch weiterhin an den Plänen von Tractive festhalten und die Kernfunktionen des Unternehmens ausbauen“, so die Paschinger Firma in ihrer Stellungnahme gegenüber dem ORF.

Umstrittener Exit

Bending Spoons-CEO Luca Ferrari kommentierte den Deal im März sehr positiv: „Wir beabsichtigen, langfristig erheblich in Tractive zu investieren – indem wir seine Gesundheits- und Sicherheitsfunktionen ausbauen [und] Geräte der nächsten Generation entwickeln.“ Die bisherige Historie des italienischen Unternehmens könnte diesen Versprechungen entgegenstehen. So kam es auch bei anderen Firmen, die von Bending Spoons übernommen wurden, zu Kündigungswellen. Darüber hinaus wurden in der Vergangenheit steigende Abo-Preise und Funktionskürzungen bei den übernommenen Apps kritisiert.

Trotz dieser bekannten Begleiterscheinungen – und nach eigenen Angaben trotz anderer Anfragen – entschied sich Tractive bewusst für Bending Spoons. In einem LinkedIn-Post vor einem Monat zeigte sich Hurnaus zuversichtlich: „Nach zahlreichen Anfragen haben wir uns entschieden, die Chance mit Bending Spoons zu ergreifen, anstatt uns für einen Private-Equity-Investor oder einen klassischen strategischen Partner zu entscheiden. Wir sind überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war, einen ‚Forever Owner‘ an Bord zu holen, der unsere Wachstums- und Abo-Mentalität teilt.“ Parallel dazu kündigte Hurnaus nach der Übernahme an, sich zurückzuziehen.

„Teamgeist war Schlüssel zum Erfolg“

Im genannten Post ergänzt Hurnaus, dass gerade das Team und der aufgebaute Teamgeist der Schlüssel zum Erfolg des Unternehmens waren. „Während die 4-Tage-Woche und die Mallorca-Trips zweifellos einen positiven Einfluss hatten, war der wahre Erfolgsfaktor, dass wir Teammitglieder aus fast 50 Ländern haben, die wirklich gerne miteinander arbeiten und ihre Kollegen stets respektiert und unterstützt haben. So etwas kann von der Führungsebene gefördert werden, aber es kann nur dann wachsen, wenn das Team es auch wirklich verkörpert“, so der Ex-CEO.

Wie sich das Team von Tractive in der kommenden Zeit entwickeln wird, bleibt offen.

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