30.01.2025
MOBILITY

Wie der heimische Standort vom Mega-Deal zwischen TTTech Auto und NXP profitieren soll

Der Deal mit NXP sichert TTTech nicht nur finanzielle Ressourcen, sondern soll auch den heimischen Technologiestandort stärken, wie TTTech-Mitgründer Georg Kopetz am Mittwoch in einem Pressegespräch betonte.
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(c) TTTech

Die Übernahme von TTTech Auto durch den niederländischen Halbleiter-Riesen NXP hat in Österreich Anfang Jänner für Aufsehen gesorgt. Im Zuge eines 625 Millionen schweren Deals erwarb der Chip-Hersteller 100 Prozent der Anteile an TTTech Auto – zuletzt hielt der Wiener Tech-Konzern rund um Mitgründer Georg Kopetz noch 38,5 Prozent seiner Anteile an der Autosparte. Zu den weiteren Gesellschaftern zählten unter anderem Audi, Samsung, Infineon sowie der Autozulieferer Aptiv.

Bereits Anfang Jänner kündigte TTTech an, das Kapital in Kernbereichen reinvestieren zu wollen, um seine sicheren Netzwerk- und Steuerungslösungen von TTTech schneller voranzubringen. Dazu zählen unter anderem auch intelligente und autonome Maschinen im Bereich der Luft- und Raumfahrt (brutkasten berichtete).

Mitte Jänner machte TTTech-Mitgründer Georg Kopetz in einem Hintergrund-Pressegespräch gegenüber brutkasten deutlich, dass man bewusst keinen Börsengang anstrebte, sondern das Angebot des Halbleitergiganten NXP vorzog. Ein strategischer Investor wie NXP biete nicht nur raschen Zugang zu Kapital, sondern vor allem globale Marktzugänge und entscheidende Synergien im Bereich Software- und Chip-Entwicklung.

Neue Ressourcen für TTTech

Am Mittwoch gab Kopetz im Zuge eines Pressegesprächs im Hotel Sacher gemeinsam mit Vertretern von NXP sowie Wirtschaftsminister Martin Kocher und FFG-Geschäftsführerin Henrietta Egerth-Stadlhuber weitere Einblicke zu den Hintergründen des Deals und dessen Bedeutung für den Innovationstandort Österreich.

Aus Sicht von Kopetz geht es bei der Übernahme nicht nur um die Integration in einen Konzern, sondern um finanzielle und strategische Ressourcen, die TTTech für weiteres Wachstum braucht. „Die Eigenkapitalverstärkung der TTTech-Gruppe durch diese Transaktion ist natürlich ein Teil davon“, betonte er. Kopetz wies darauf hin, dass gerade in einer Phase, in der viele Unternehmen weltweit Sparprogramme umsetzen, eine Übernahme wie diese „antizyklisch“ sein kann. TTTech könne damit Kapital in jene Bereiche lenken, die das Unternehmen als Wachstumsmärkte sieht: Edge-Computing in Baumaschinen, autonome Landmaschinen oder Luftfahrt-Automatisierung.

Dass TTTech Auto dabei weiter in Wien verankert bleibe, unterstrich Kopetz mit dem Hinweis auf die dezentrale Kultur von NXP. Für ihn ist es entscheidend, dass die Firmenkultur zwischen beiden Unternehmen passt und dass Innovation möglichst lokal entsteht. Gerade in Österreich, so Kopetz, seien die Wege kurz: Politik, Universitäten und Unternehmen könnten sich schnell vernetzen. Das begünstige rasche Innovationszyklen und neue Ideen, die wiederum in globale Märkte einfließen können.

Software-Defined Vehicle als Megatrend

Zudem muss der Deal zwischen auch vor dem Hintergrund eines Megatrends bewertet werden: das Software-Defined Vehicle. Autos werden zunehmend zu Computern auf Rädern, die immer mehr datenbasiert agieren und durch Updates verbessert werden können.

Jens Hinrichsen, Senior Vice President bei NXP, erläuterte, warum TTTech Auto in diesem Kontext so attraktiv ist: „Wenn man Software hat, dann braucht man eine Basis, auf der sie läuft. Und die Kombination aus beiden – und gerade wenn man sie gemeinsam entwickelt – schafft erst die Performance und die Leistungsfähigkeit oder die funktionale Sicherheit auf einem Niveau, das man in Isolation so nicht hinbekäme.“

NXP-Standort in der Steiermark

In Österreich möchte man diese Kombination nun weiter ausbauen. Denn NXP, das über Entwicklungszentren in Graz und Gratkorn verfügt, soll nun enger mit der Wiener TTTech Auto kooperieren. Das soll laut Hinrichsen den gesamten Entwicklungsprozess beschleunigen – und damit Österreich zu einem Knotenpunkt für globale Fahrzeuginnovationen machen. Aktuell beschäftige NXP am steirischen Standort über 800 Mitarbeiter:innen, die maßgeblich an der Entwicklung von Chips für die Automobilbranche, das Industrial IoT und den Mobilsektor arbeiten.

Durch den Deal erwarte man sich zusätzliche F&E-Jobs insbesondere in den Bereichen Bereichen Software, Halbleiterdesign und KI. Unter anderem würden auch neue Kooperationschancen für Startups, Forschungsinstitute und Zulieferer in Österreich entstehen.

Kopetz betonte, dass die Wiener Zentrale von TTTech Auto weiterhin eine zentrale Rolle spielt und die enge Zusammenarbeit mit NXP durch die geografische Nähe in Wien gefördert wird. Dies würde schlussendlich auch die Innovationskraft stärken. „Jetzt geht es darum, dass man Menschen zusammenbringt. Also Innovation entsteht auch immer über Menschen und über das Treffen von Menschen“, so Kopetz.


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Die Horst Brandstätter Group baut ihr ehemaliges Playmobil-Werk in Dietenhofen zu einem Rechenzentrum um. Anthropic wollte ein solches nur wenige Kilometer entfernt zusammen mit der Gemeinde Neuhof an der Zenn errichten. Das gemeinsame Projekt wurde nun gestoppt, denn eine Zusage für den Netzanschluss blieb aus.
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Das Playmobil-Werk in Dietenhofen © Horst Brandstätter Group

Dass sich europäische Firmen gegen Anthropic im IT-Sektor behaupten können, hätte wohl niemand gedacht. In Bayern zieht der KI-Gigant gegen Playmobil nun den Kürzeren. Die Horst Brandstätter Group, zu der Playmobil gehört, baut nämlich ihre einstige Produktionsstätte in Dietenhofen zu einem Rechenzentrum um. Im wenige Kilometer entfernten Hirschneuses wird dafür das geplante Rechenzentrum der Gemeinde Neuhof an der Zenn und Anthropic auf Eis gelegt.

Keine Zusage für Netzanschluss

Das Problem: Man wird nicht an das Stromnetz angeschlossen. „Die N-ergie hat die derzeit verfügbaren Netzkapazitäten zunächst für ein weiteres geplantes Rechenzentrumsprojekt der Firma geobra Brandstätter im Raum Dietenhofen reserviert. Damit fehlt dem Projekt in Hirschneuses gegenwärtig die notwendige Planungssicherheit“, erklärt Claudia Wust, Bürgermeisterin von Neuhof an der Zenn, gegenüber dem BR. Sie wünsche sich eine Aufteilung der vorhandenen Netzkapazitäten auf beide Rechenzentren. Brutkasten fragte bei Wust zur aktuellen Situation nach, eine Antwort steht noch aus.

Warum fiel die Wahl auf die Horst Brandstätter Group?

Gegenüber brutkasten antwortet N-ergie, dass man sich zu konkreten Bauprojekten und dem aktuellen Stand von Netzanschlussfragen nicht äußere. Der Energieversorger betont aber, dass diese Anfragen nach den gesetzlichen Vorgaben bearbeitet werden.

N-ergie erklärt: „In unserem Netzgebiet liegen aktuell mehrere Anschlussanfragen für Rechenzentren vor – zusammengenommen beanspruchen diese Projekte eine Leistung, die in etwa zweimal dem gewöhnlichen Leistungsbedarf der Stadt Nürnberg entspricht.“

Im Fokus sei immer die allgemeine Versorgungssicherheit. Durch derart große Projekte müsse das Stromnetz häufig ausgebaut werden, etwa in Form von neuen oder verstärkten Leitungen.

Playmobil „versperrt niemandem den Weg“

Auf ihrer Webseite reagiert die Horst Brandstätter Group: „Gelegentlich ist zu lesen, ein Rechenzentrum in Dietenhofen stehe anderen Vorhaben im Weg. Diese Lesart nehmen wir mit einem Schmunzeln zur Kenntnis. Ein Campus, der von Anfang an auf viele Partner ausgelegt ist, versperrt niemandem den Weg, er öffnet ihn.“ Playmobil habe sich nie gegen ein anderes Vorhaben ausgesprochen und begrüße jede Investition, die Mittelfranken als Standort für digitale Infrastruktur stärke.

Horst Brandstätter Group: Ein Unternehmen am Rande der Existenzkrise

Der Bau des Rechenzentrums ist für die Horst Brandstätter Group wohl ein weiterer Schritt, um sich aus der wirtschaftlichen Krise zu befreien. Im Geschäftsjahr 2024/25 ging ihr Umsatz laut Konzernabschluss um fast neun Prozent auf 409 Millionen Euro zurück. Der Konzernverlust betrug 115 Millionen Euro. Die Horst Brandstätter Group betreibt die Zweige Lechuza, die Playmobil-FunParks und eben Playmobil. Seit diesem Jahr gibt es in Deutschland keine Produktionsstätte der kleinen Plastikmännchen mehr. Dietenhofen wurde im Juni geschlossen. Die Produktion finde laut FAZ somit nur mehr in Tschechien und Malta statt.

Playmobil digital

Der neueste Zweig des Unternehmens ist Playmobil digital. Das Rechenzentrum richtet sich an Unternehmen aus der Region, klassische Rechenzentrumsbetreiber und internationale Hyperscaler. Playmobil digital sei für alle offen, die Rechenkapazität suchen, „ob im großen Maßstab oder für den eigenen Betrieb“. Gespräche mit internationalen Interessenten würden bereits laufen. Auch Startups erwähnt das Unternehmen als mögliche Kunden.

Man möchte mit Playmobil digital auf die wachsenden Anforderungen durch künstliche Intelligenz und High-Density-Computing reagieren. Die Horst Brandstätter Group werde in den kommenden Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag in den Aufbau des Campus investieren. Auf dem Areal besteht bereits eine 110-kV-Netzanbindung. Ein 100-Megawatt-Strompfad sei vorgesehen und der Standort sei für Ausbaustufen darüber hinaus ausgelegt.

„Eine der wichtigsten Infrastrukturen der digitalen Zukunft“

„Wo über Jahrzehnte Playmobil produziert wurde, wollen wir künftig eine der wichtigsten Infrastrukturen der digitalen Zukunft ermöglichen. Wir transformieren ein bestehendes Industrieareal, statt neue Flächen auf der grünen Wiese zu erschließen. Dietenhofen kann damit zu einem bedeutenden Standort für KI, Digitalisierung und digitale Souveränität in Deutschland werden“, sagt Matthias Fauser, Vorstand der Horst Brandstätter Group.

René Feser, ebenfalls Vorstandsmitglied, ergänzt: „Mit dem Aufbau des Campus setzt die Stiftung ein klares Bekenntnis zu Dietenhofen und Bayern als Innovationsstandort.“

Die Nutzungsmodelle

Der Campus setzt auf vier unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten. Unter dem Modell „Land & Power“ kann ein Betreiber ein erschlossenes Baufeld mit Stromanschluss pachten und dort ein Rechenzentrum selbst errichten. „Powered Shell und Private Suite“ nennt sich jenes Modell, bei dem Playmobil das Gebäude zur Verfügung stellt und der Partner nur mehr die Rechentechnik einbringen muss. Energie, Kühlung und Sicherheit würden bereitgestellt werden. Unter dem Begriff „Colocation“ bietet Playmobil betriebsfertige Rechenzentrumsflächen an. Als „Sorglospaket“ kann wohl jenes Modell bezeichnet werden, bei dem Kunden fertige Rechenleistung erhalten, ohne eigene Hardware anschaffen zu müssen.  

Eigentümer und Betreiber ist die Horst Brandstätter Group. „Wer seine Daten in Deutschland und außerhalb der Reichweite außereuropäischer Zugriffsrechte wissen will, findet in Dietenhofen einen souveränen Standort“, heißt es von der Gruppe.

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