15.01.2026
DIGITALE SICHERHEIT

Wie das Grazer Startup SilentSurf für digitale Kindersicherheit sorgen will

Begonnen hat alles mit einer Situation, die viele Eltern kennen dürften. „Ich dachte lange, ich mache eigentlich alles richtig“, sagt Jennifer Kellner, Gründerin von SilentSurf. Bildschirmzeit war begrenzt, YouTube eingeschränkt, Apps wurden überprüft. Und trotzdem blieb dieses ungute Gefühl. „Was passiert eigentlich, wenn mein Kind einfach im Internet surft? Wenn es googelt oder auf scheinbar harmlose Seiten klickt?“
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Jennifer Kellner ist Gründerin der Brainonomy GmbH (c)Laura Me Photography

Diese Frage wurde zum Ausgangspunkt für SilentSurf, einem Grazer Startup, das beim Thema digitale Kindersicherheit auf technologischen Schutz und einem Fokus auf Datenschutz setzt.

Ein Problem, das kein Erziehungsfehler ist

Im Austausch mit anderen Eltern merkte Kellner schnell, dass sie mit ihren Sorgen nicht allein ist. „Ich höre immer wieder dieselben Sätze: Mein Kind ist zu viel am Handy. Ich weiß nicht, was es wirklich sieht. Werbung und Influencer beeinflussen mein Kind. Und ich verliere langsam den Überblick“, erzählt sie.

Für die Gründerin ist klar: „Das sind keine Erziehungsfehler. Das sind Systemprobleme.“ Smartphones, Apps und Websites seien für Erwachsene entwickelt worden, mit Geschäftsmodellen, die auf Aufmerksamkeit, Verweildauer und Daten basieren. „Kinder treffen online auf dieselben Mechanismen wie Erwachsene, nur ohne Erfahrung, ohne Filter und ohne Einordnung.“

Schutz durch Technik statt Überwachung

Genau hier möchte SilentSurf ansetzen. Das Produkt ist ein datenschutzfreundlicher Browser für Kinder und Familien. Problematische Inhalte wie Pornografie, Gewalt oder Glücksspiel werden automatisch blockiert, SafeSearch wird erzwungen, Werbung und Tracking werden stark reduziert.

Der entscheidende Unterschied zu klassischen Parental-Control-Lösungen liege im technischen Ansatz. „Unser Prinzip lautet Schutz durch Technik statt Kontrolle durch Datensammlung“, sagt Kellner. SilentSurf erstellt keine Nutzerprofile, versichert, keine Verhaltensdaten zu sammeln und überwacht Kinder nicht. „Kinder brauchen Schutz im Netz. Aber sie brauchen auch das Recht auf Privatsphäre“, erläutert die Gründerin.

Stattdessen arbeitet der Browser mit mehreren technischen Schutzebenen direkt auf dem Gerät. Inhalte sollen lokal geprüft und voneinander isoliert werden, um Risiken durch schädliche Skripte, aggressive Werbung oder unerwünschte Weiterleitungen zu minimieren. „Alle Entscheidungen passieren am Endgerät. Es gibt keine Cloud-Auswertung und keine versteckten Datenflüsse“, so die Gründerin.

Privacy-first als Geschäftsmodell

ein Kind hält ein Smartphone in der Hand, auf der der SilentSurf-Browser zu sehen ist

SilentSurf positioniert sich bewusst als Privacy-first-Alternative im Bereich der Kindersicherheit. Datenschutz sei das Fundament des Produkts. „Wir wollten eine Lösung schaffen, die Kinder schützt, ohne dabei neue Datenschutzprobleme zu erzeugen, gerade im europäischen und DSGVO-konformen Kontext“, erklärt Kellner.

SilentSurf ist kostenlos downloadbar, der volle Schutzumfang wird über ein transparentes Abo-Modell freigeschaltet. „Unsere Monetarisierung erfolgt über faire In-App-Abos für erweiterte Schutzfunktionen. Es gibt keine Werbung und keinen Verkauf von Daten“, sagt die Gründerin.

Wachstum im DACH-Raum und darüber hinaus

Kurzfristig konzentriert sich das Team auf den Ausbau im DACH-Raum. Geplant sind Kooperationen mit Schulen, Elterninitiativen und Medien sowie laufende Produktverbesserungen. „Wir bekommen sehr viel Feedback aus der Praxis, das direkt in die Weiterentwicklung einfließt“, so Kellner.

Mittelfristig stehen zusätzliche Schutzfunktionen, UX-Optimierungen und eine internationale Expansion auf der Roadmap. Hinter SilentSurf steht die im August 2025 gegründete Brainonomy GmbH, die aktuell eigenfinanziert ist. Der Fokus liegt derzeit auf der Validierung von Product-Market-Fit und Reichweite, parallel werden strategische Partnerschaften und mögliche Förderungen evaluiert.

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Rebel Music Distribution
© Rebel Music Distribution - Marko Celesty, Gründer Rebel Music Distribution.

Bei der italienischen Stadt Triest werden alte österreichische Gefühle wach. Von 1382 bis 1918 war sie der Haupt- und Seehafen der Habsburgermonarchie. Zudem verstärkt der Hafen, der 1719 unter dem österreichischen Kaiser Karl VI. zum Freihafen erhoben wurde, die wirtschaftlichen Verflechtungen mit Österreich durch zahlreiche Logistikverbindungen. Zusammen mit dem Zollkorridor Triest–Villach/Fürnitz gilt er heute als Logistikdrehkreuz zwischen Asien und Mitteleuropa. In dieser geschichtsträchtigen Stadt entstand 2021 Rebel Music Distribution, ein von Marko Celesty gegründetes Musik-Tech-Startup, das bereits über 25.000 Artists als User:innen vorweisen kann.

Rebel Music Distribution als Schnittstelle

Dem Founder nach ist die Musikindustrie längst auch eine Softwareindustrie. Hinter jeder digitalen Veröffentlichung stünden Metadaten, Plattformregeln, Rechteverwaltung, Abrechnungen und technische Prozesse. Genau an dieser Schnittstelle arbeitet Rebel Music Distribution, das unabhängigen Artists und Labels den Zugang zur globalen digitalen Distribution vereinfachen will.

Seine Perspektive als Musiker prägte die Produktidee von Beginn an: „Distribution sollte nicht nur technisch funktionieren, sondern für Artists möglichst verständlich, flexibel und ohne unnötige Einstiegshürden nutzbar sein“, beschreibt Celesty sein Mindset.

Aus diesem Ansatz entstand die Plattform, über die Künstler:innen ihre Releases verwalten, Metadaten organisieren und Musik an große Streaming- und Download-Dienste ausliefern können. Auch Labels und Nutzer mit mehreren Projekten können verschiedene Artists und Releases über einen zentralen Account verwalten.

Mehrere 10-Millionen-Streams im Monat

Der über die Plattform verwaltete Katalog erzielt nach Unternehmensangaben jeden Monat mehrere zehn Millionen Streams. Gleichzeitig bleibt die operative Struktur bewusst schlank: Das Kernteam besteht aus vier Personen.

Möglich wird diese Skalierung vor allem durch Automatisierung und eigene technische Prozesse. Statt jede Veröffentlichung manuell zu bearbeiten, werden große Teile des Workflows softwaregestützt abgewickelt.

Rebel Music Distribution versteht sich in diesem Sinne nicht nur als Vermittler zwischen Artist und Streaming-Plattform. Ein wesentlicher Teil des Unternehmens ist ebenjene eigene Software-Infrastruktur, die laufend weiterentwickelt wird. Sie bildet den technischen Kern für Release-Management, Datenverarbeitung und die Verwaltung wachsender Kataloge.

Gerade im digitalen Musikvertrieb sei diese technische Ebene entscheidend. Unterschiedliche Anforderungen der Plattformen, große Mengen an Metadaten und eine steigende Zahl von Releases würden vor allem skalierbare Systeme zu einem zentralen Wettbewerbsvorteil machen, so der Gründer.

Rebel Music Distribution: Revenue-Share-Modell

Ein weiterer Bestandteil des Modells von Rebel Music Distribution ist der kostenlose Einstieg in die Musikdistribution. Artists können ihre Musik veröffentlichen, ohne für die reine Distribution zunächst eine klassische jährliche Abo-Gebühr zahlen zu müssen. Ergänzt wird das Angebot durch ein kostenloses Online-Mastering-Studio, monatliche Royalty-Auszahlungen und direkten Support.

„Das Angebot richtet sich damit besonders an Independent Artists, Produzenten, Songwriter und kleinere Labels, die professionelle digitale Infrastruktur nutzen möchten, ohne schon vor dem ersten Release hohe Fixkosten einzugehen“, heißt es per Aussendung.

Das Geschäftsmodell von Rebel Music Distribution basiert konkret auf einem Revenue-Share-Modell: Die Musikdistribution ist – wie erwähnt – für Artists grundsätzlich kostenlos, im Gegenzug behält Rebel Music laut eigenen AGB standardmäßig zehn Prozent der über die Plattform generierten Royalties, 90 Prozent bleiben bei den Künstler:innen. Zusätzlich monetarisiert das Unternehmen optionale Services wie YouTube Content ID, für das 25 Euro pro Track sowie 20 Prozent der daraus erzielten Einnahmen verrechnet werden, sowie die „QC Fast Track Validation“ (Fast-Track-Qualitätskontrolle) für 15 Euro pro Release.

Ohne Investoren

Das Startup wurde ohne externe Investoren aufgebaut. Nach Angaben des Unternehmens liegt die heutige Bewertung im Bereich von mehreren Millionen Euro. Die Kombination aus eigener Technologie, internationaler Nutzerbasis und einem stark wachsenden Markt mache das Unternehmen „zu einem Beispiel dafür, wie sich spezialisierte Softwareprodukte auch mit kleinen Teams global skalieren lassen“, so der Claim.

Für Celesty bleibt dabei der Musikerblick zentral, wie er sagt: „Die Technologie soll nicht Selbstzweck sein, sondern Probleme lösen, die unabhängige Künstler:innen im Alltag tatsächlich haben. Genau darin sieht Rebel Music Distribution die Grundlage für weiteres Wachstum.“

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