26.08.2025
THEMENPARTNERSCHAFT

Sprungbrett für Innovation: Wie ACR Startups bei Forschungsaktivitäten unterstützt

Austrian Cooperative Research vereint 19 spezialisierte Institute und macht Laborinfrastruktur, Normenwissen und Förderexpertise für KMU und Deeptech-Startups rasch verfügbar. Wie daraus ein serienreifes Nanopartikel-Analysegerät wurde, verdeutlicht die Kooperation von Brave Analytics und dem Zentrum für Elektronenmikroskopie (ZFE).
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Sonja Sheikh, ACR-Geschäftsführerin | (c) Alice Schnür-Wala

Dieser Text ist im brutkasten-Printmagazin von August 2025 “Schubkraft” erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.

Wer in Österreich über Forschung und Entwicklung im Mittelstand spricht, kommt an Austrian Cooperative Research (ACR) nicht vorbei: Das gemeinnützige Netzwerk vereint aktuell 19 außeruniversitäre Institute und betreut jedes Jahr mehr als 13.000 Kund:innen mit über 22.000 Forschungs-, Prüf- und Entwicklungsaufträgen. Über 800 Expert:innen bringen ihre Erfahrung in Projekte ein und begleiten Vorhaben bis zur Marktreife – egal ob in Wien, Vorarlberg oder irgendwo dazwischen.

1954 gegründet, versteht sich die Vereinigung heute als Brückenbauerin zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Unterstützung kommt dabei vom Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) als Fördergeber. Das thematische Spektrum reicht von nachhaltigem Bauen und modernen Werkstoffen über Umwelttechnik und erneuerbare Energien bis hin zu Lebensmittelqualität und -Sicherheit, Digitalisierung sowie Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Diese breit aufgestellten Kompetenzen ziehen zunehmend auch Deeptech-Startups an, die für ihre Forschung Zugang zu Speziallabors, Normenwissen und Förderexpertise suchen.

Services für Startups

„Wir haben Leistungen, die für Startups extrem relevant sind, die aber in der Community noch nicht so sichtbar sind“, erklärt ACR-Geschäftsführerin Sonja Sheikh. Die Services sind vielfältig und umfassen unter anderem ein erstes Orientierungsgespräch, Machbarkeitsanalysen, Technologierecherchen oder das Feilen an Förderanträgen. „Die ersten Schritte – Kontaktaufnahme, Orientierung, Erstinformation – kosten bei uns nichts“, betont Sheikh. Besonders wertvoll ist das Normen- und Standardisierungs-Know-how der Institute: Wer früh weiß, welche Grenz- oder Prüfwerte sein Produkt erfüllen muss, spart oft teure Umwege in der Entwicklung.

Best Practice: Brave Analytics und ZFE

Wie das in der Praxis funktioniert, zeigt das Grazer Deeptech-Startup Brave Analytics. Die Gründer Christian Hill und Gerhard Prossliner entwickelten zusammen mit ihrem Team ein eigenes Verfahren, mit dem Mikro- und Nanopartikel in Flüssigkeiten einzeln schnell gezählt werden. Der chemische Fingerabdruck dieser Partikel fehlte jedoch noch. Über das ACR-Netzwerk vertieften Hill und Prossliner einen bestehenden Kontakt zum Zentrum für Elektronenmikroskopie (ZFE), das ebenfalls in Graz angesiedelt ist. „Dass wir Weltklasse-Know-how, das wir für das Projekt brauchen, drei Straßen weiter haben, hat uns selbst überrascht“, erinnert sich Prossliner.

Das Startup Brave Analytics und das ACR-Institut ZFE –Zentrum für Elektronenmikroskopie erhielten 2023 den ACR-Startup-Preis.

Gemeinsam mit ZFE-Projektleiter Harald Fitzek verknüpfte Brave Analytics seine optische Partikelzählung mit Raman-Spektroskopie. Dabei wird ein Material mit einem Laser beleuchtet und liest an den winzigen Farbänderungen des zurückgestreuten Lichts ab, aus welchen Stoffen es besteht – ähnlich einem chemischen Fingerabdruck.

„Die Fragestellung war, jedes einzelne Partikel nicht nur zu zählen, sondern auch sein Material eindeutig zu identifizieren“, erläutert Fitzek. Nur drei Monate nach dem Erstkontakt reichten die Partner einen FFG-Bridge-Antrag ein und starteten das Projekt nano-VISION. 2023 wurden sie dafür mit dem ACR-Startup-Preis ausgezeichnet. Der Preis wird seit 2017 jährlich für eine Innovation vergeben, die von einem ACR-Institut begleitet wird.

Die Zusammenarbeit zwischen Brave Analytics und dem ZFE kann sich sehen lassen: Das entwickelte Add-on für das Analysegerät von Brave Analytics ist bereits auf einem guten Entwicklungsstand, Software wird weiter vorangetrieben, hin zu Markteinführung und Serienreife. Zudem liegt auch ein Patent dafür vor. Pilotkund:innen aus Umwelttechnik, Pharma und Batterieproduktion testen das System unter realen Prozessbedingungen. „Ohne Förderung könnte man so ein Projekt nicht stemmen“, sagt Prossliner. Und er ergänzt: „Wir entwickeln einen völlig neuen Ansatz zum Nachweis von Nanopartikeln – praxisnah und skalierbar.“ Die Einsatzmöglichkeiten reichen vom Gewässermonitoring über die Prozesskontrolle in der Impfstoff- und Batterieproduktion bis zum Qualitätsnachweis in der Lebensmittelindustrie.

Vom Erstgespräch bis zum Markteintritt – der typische Ablauf

Doch wie gelangt ein junges Unternehmen überhaupt zu einem derart greifbaren Ergebnis? Der Erfolg von Brave Analytics und dem ZFE ist kein Zufall, sondern folgt einem klar strukturierten Fahrplan. Alles beginnt meist niederschwellig – mit einem kurzen Telefonat oder einem Treffen. In der Regel nehmen dabei die Unternehmen direkt mit den jeweiligen Instituten aus dem ACR-Netzwerk Kontakt auf. Zunächst konkretisiert das Startup seine Idee, während das Institut die Forschungsfrage schärft und Machbarkeitsrisiken bewertet. Danach legen beide Seiten messbare Meilensteine fest und wählen das geeignete Förderinstrument – vom Innovationsscheck über aws Seed-Financing bis zur FFG-Bridge.

Es folgt die Entwicklungs- und Testphase: Laboranalysen, Simulationen, Prototypenbau sowie Validierung nach einschlägigen Normen laufen Hand in Hand. Dabei fließt das Regulatorik-Know-how der Institute ein, um spätere Zulassungen zu beschleunigen. In Pilotprojekten mit ersten Kund:innen wird die Lösung schrittweise skaliert. Parallel unterstützt ACR bei Patentstrategie, Zertifizierung und der Suche nach industriellen Referenzen, bis Produkt und Geschäftsmodell marktreif sind.

Dank fixer Ansprechpartner:innen im ACR-Netzwerk in jeder Region in Österreich bleibt der bürokratische Aufwand dabei minimal und der Fokus konsequent auf dem Produkt. Ob etablierter Mittelständler oder junges Deeptech-Startup – wer seine F&E-Ressourcen nicht in Eigenregie aufbauen will, findet in der ACR einen Partner auf Augenhöhe: interdisziplinär, praxisnah und ganz auf die Bedürfnisse von KMU und Startups zugeschnitten – schnell, unbürokratisch und ergebnisorientiert.


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Enact, Roboter die fühlen, Roboter, Robotik
© Enact

Roboter können viel. Sie sehen fast alles, sie schweißen, heben, sortieren. Eines fehlt ihnen jedoch: Fingerspitzengefühl. Deshalb bleiben die letzten Handgriffe der Montage Handarbeit: ein Kabel, das einrasten muss, eine Dichtung, die sitzen muss, eine Schraube, die klemmt. Diesem Mangel an Feinfühligkeit stellt sich das Schweizer Startup Enact entgegen und baut Roboter, die Kraft spüren. Sie messen Druck und Widerstand über ihre eigenen Antriebe, wie der Mensch über Muskeln und Sehnen, und ein Modell lernt daraus, heißt es. Der Roboter merkt ohne Zusatzsensoren und ohne künstliche Haut, ob das Teil sitzt.

Enact von Caltech-Forscher gegründet

Dass das mehr als eine Nische ist, zeigen die Zahlen. China etwa hat 2025 354.000 Industrieroboter installiert, fast drei von fünf weltweit (IFR). Europa gewinne dagegen nicht über Masse sondern über Varianz, und genau dort rechnen sich Roboter bisher selten, weil jemand jede Aufgabe einzeln programmieren müsse. Roboter, die durch Vormachen lernen und spüren, ob ein Teil sitzt, sollen diese Einzelprogrammierung ersparen und auch kleine Serien automatisierbar machen. Genau hier setzt Enact an: bei den letzten Handgriffen der Montage.

Gegründet wurde das Zürcher Startup im März 2026 von Manuel Yves Galliker. Der Maschinenbauer der ETH Zürich war Gastforscher am Caltech, leitete bei 1X das Team, das dem Humanoiden NEO das Gehen beibrachte, und arbeitete danach bei Physical Intelligence.

Dort sah er, dass Kamera und Teleoperation für die Fabrik nicht ausreichen, und ging zurück nach Zürich. „Das Silicon Valley hat historisch betrachtet enorme Stärken in Software und KI, aber es fehlt an Spezialisten für Robotik und Hardware-Engineering“, sagt Galliker.

Investment von Mensch

Nun sammelte er mit Enact 30 Millionen US-Dollar in einer Pre-Seed-Runde ein, und das noch bevor es ein Produkt gibt. Das hat einen Grund, wie man in der Aussendung liest: „Das Startup baut alles selbst. Antriebe, Regelung und Modell entstehen unter einem Dach, was am Anfang mehr kostet als ein Modell auf einen fremden Arm zu setzen.“ Die ersten Antriebe laufen, der Ansatz sei laut Enact validiert.

Angeführt wird die Millionen-Runde von redalpine, Notion Capital und firstminute capital. Als Business Angels investieren Yann LeCun (von 2013 bis Ende 2025 Chief AI-Scientist bei Meta), Arthur Mensch (Co-Founder Mistral AI), Andrew Lonsberry (Path Robotics) und David Wallerstein (früher Tencent). Aktuell arbeiten zehn Personen in Zürich, bis Ende 2027 sollen es viermal so viele werden.

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