18.08.2021

Facebook muss WhatsApp für Taliban sperren, scheitert aber an Privacy

Die Taliban nutzen den Messaging-Dienst WhatsApp intensiv. Wegen US-Sanktionen müsste Konzernmutter Facebook das eigentlich unterbinden. Doch das ist nicht so leicht.
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(c) Adobe Stock - Aleksei

Es ist schon ironisch: Das bevorzugte Kommunikationsmittel der radikal-islamischen Taliban in Afghanistan kommt aus der liberalen Hochburg des Erzfeinds USA – dem Silicon Valley. Auf ihrem unaufhaltsamen Vormarsch nutzen sie WhatsApp – unter anderem, um die Bevölkerung über ihr Vorgehen zu informieren, wie die Washington Post berichtete.

Privacy: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verhindert Zugriff auf Messages

Dabei gilt für die Konzern-Mutter Facebook aufgrund von Sanktionen eigentlich die klare Weisung, dass dies zu unterbinden ist. Doch das ist aufgrund der in der Software-Architektur des Messaging-Dienstes verankerten Privacy-Standards gar nicht so einfach. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sorgt nämlich dafür, dass WhatsApp gar keine Möglichkeit hat, verschickte Messages zu lesen.

WhatsApp entfernt Profile, „die sich als offizielle Accounts der Taliban zu erkennen geben“

Entsprechend vorsichtig fällt die Erklärung einer Unternehmenssprecherin gegenüber der Washington Post aus: Man befolge die Sanktionen und entferne Profile, „die sich als offizielle Accounts der Taliban zu erkennen geben“. Man ersuche jedoch um weitere Informationen von den US-Behörden. Denn momentan kann die Facebook-Tochter nur über die Analyse von Namen, Fotos oder Profilbeschreibungen versuchen, Mitglieder der sanktionierten Organisation zu identifizieren. Wer also ein relativ unauffälliges Profil hat, wird auch nicht gefunden.

Auch die anderen Teile des Facebook-Konzerns und weitere soziale Netzwerke sind mit Herausforderungen in der Sperrung von Taliban-Inhalten konfrontiert. Man suche diese proaktiv und entferne sie von den Plattformen, sagt etwa Instagram-Chef Adam Mosseri bei Bloomberg TV. Er verweist jedoch darauf, das sich die Situation momentan rapide entwickelt: „Wir werden anpassen müssen, was wir machen und wie wir das machen, um auf sich verändernde Risiken zu reagieren“.

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Matteo Rosoli, CEO von eustella © eustella

„In den USA wird gerade die Ära der Superintelligenz ausgerufen. Europa darf dabei nicht zuschauen“, sagt Matteo Rosoli, CEO von eustella. Das Wiener Startup hat am 20. Oktober die Version 1.5 seiner Plattform für KI-Agenten veröffentlicht. Sie läuft nach eigenen Angaben auf rein europäischer Cloud-Infrastruktur.

Nachtraining statt Neuentwicklung

Eustella entwickelt kein Sprachmodell von Grund auf. Stattdessen setzt das Team auf offene Modelle, deren Gewichte frei verfügbar sind, und entwickelt sie mit eigenen Daten und Verfahren weiter. Ausgangspunkt ist laut Aussendung „das chinesische Basismodell Qwen 3.8 27B”. Die leistungsstärksten offenen Modelle stammten demnach „derzeit überwiegend aus China”. Das Nachtraining soll auch deren Voreingenommenheit reduzieren.

Ergebnisse aus eigener Messung

Wie viel das Nachtraining bringt, hat eustella selbst gemessen, mit 14 gängigen Leistungstests für KI-Modelle (Benchmarks). Laut Unternehmen schneidet v1.5 in allen 14 besser ab als das Basismodell, im Schnitt um fünf Punkte. Am deutlichsten fällt der Zuwachs beim Programmieren (LiveCodeBench, plus 17,1 Punkte), beim Befolgen komplexer Anweisungen (IFBench, plus 10,9) und in mehrstufigen Gesprächen (MultiChallenge, plus 10,8) aus.

Im Vergleich mit US-Modellen zieht eustella folgende Bilanz: v1.5 erreicht mit 27 Milliarden Parametern bei LiveCodeBench 89,1 Prozent, fast identisch mit Claude Opus 5 (89,0). GPT-5.6 Sol kommt auf 82,6. Bei GPQA Diamond, einem Test mit naturwissenschaftlichen Expertenfragen, liegt eustella mit 92,6 Prozent hinter Claude Opus 5 (93,9). Beim Verstehen langer Dokumente (AA-LCR) führt v1.5 laut eigenen Angaben mit 87,5 Prozent vor Claude Opus 5 (79,0) und GPT-5.6 Sol (84,0).

Auch gegenüber dem französischen Anbieter Mistral liegt v1.5 laut eustella in allen sieben vergleichbaren Benchmarks vorn, obwohl Mistral Medium 3.5 rund fünfmal so viele Parameter habe.

Die im Sommer verglichenen Modelle sind allerdings nicht mehr die aktuellsten ihrer Anbieter. Anthropic hat mit Fable 5.1 (seit 1. September) und Opus 5.5 (seit 22. September) zwei jüngere Modelle veröffentlicht. Auch OpenAI und Mistral haben mittlerweile neue Modelle vorgestellt.

Vom Launch zur Unternehmensplattform

Vorgestellt hat eustella seine App am 24. Juni. Beim Start im Juni waren es knapp 5.000 Nutzer:innen, jetzt mehr als 22.000. Die KI-Agenten unterstützen mehrstufige Aufgaben wie Recherchen, Präsentationen oder Reiseplanung. Ende August folgte laut eustella eine Optimierung, die das Achtfache an Nutzung zum gleichen Preis ermöglicht. Mit v1.5 kommen Team- und Enterprise-Pläne: „Orbit” kostet 20 Euro pro Nutzer:in und Monat, „Constellation” mit vierfachem Nutzungsvolumen 80 Euro. Die ersten 25 Partner:innen haben bereits API-Zugriff.

Eigene Technologie in Planung

„Wir haben diesen Sommer gezeigt, dass ein europäisches Team mit offenen Modellen und eigener Forschung an die Weltspitze heranrücken kann”, sagt Rosoli. v1.5 sei „erst der Anfang”. Weitere Forschung ist in Vorbereitung, eigene KI-Technologie will eustella Schritt für Schritt entwickeln.

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