01.03.2019

Los Angeles: Nicht-Startup aus NÖ gewinnt „Startup-Oskar“

Am Rande der Oscar-Verleihung hat das AußenwirtschaftsCenter Los Angeles auch heuer wieder österreichische Spitzenleistungen am amerikanischen Markt mit dem USA-BIZ AWARD ausgezeichnet. In der Kategorie Startup gewann das 1987 gegründete niederöstereichische Frischteig-Unternehmen Wewalka.
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Wewalka, BIZ OSkar, Walter Koren,
(c) Carmen Porto - WirtschaftsOskar-Moderatorin Angelika Ahrens, Barbara Sprick (Wewalka US Trading, Digital Media & PR Manager) und Walter Koren, "Austrian Trade Commissioner" in LA bei der Übergabe des Startup-Awards.

„Der USA-Biz-Award, der so genannte Wirtschafts-Oskar der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA holt die herausragenden Leistungen österreichischer Unternehmen am hart umkämpften US-Markt auf den roten Teppich und in das mediale Scheinwerferlicht“, sagt Walter Koren, ehemaliger Außenwirtschafts-Chef und nunmehr österreichischer Wirtschaftsdelegierter in Los Angeles, über die heuer zum neunten Mal ausgetragene Verleihung. Der Sieger in der Kategorie Startup wurde dieses Jahr der 1987 gegründete niederösterreichische Frischteighersteller Wewalka.

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Wewalka: Teigexport in 30 Länder

Damals wurde das Unternehmen von Johann Wewalka als Konditormeisterbetrieb in Sollenau, Niederösterreich gegründet. Dei Jahre später übernahm Anton Gsellmann, der heute noch die Firma besitzt. Im Jahr 1994 folgte der Beginn der Herstellung von Frischteigen. „Wewalka ist heute der weltgrößte Frischteighersteller in Familienbesitz und  Partner vieler internationaler Marken und Händler. Wir liefern Produkte in rund 30 Länder“, sagt Sabine Kahrer, Marketing-Chefin Österreich.

US-Vertriebsniederlassung gegründet

Seit rund vier Jahren gibt es in den USA die Vertriebsniederlassung „Wewalka Trading Crop.“ für den Vertrieb des Frischteigsortiments Übersee. Sie konzentriert sich vorrangig auf die Etablierung der Konsumentenmarke Wewalka am US-amerikanischen Lebensmittelhandel. „Der US Markt wird dominiert von Teigen in der Dose. Unser innovatives Frischteigkonzept, Frischteige gerollt auf Backpapier, schlug 2015 bei den convenience-affinen amerikanischen Konsumenten sehr erfolgreich am Markt ein“, sagt Kahrer.

„Frischteigmarkt rund zwei Billionen US-Dollar groß“

Diesem Schritt gingen eine intensive Marktrecherche und Vorbereitungsarbeiten voraus. Es war aber gewiss ein logischer Schritt, sieht man sich die Zahlen in dem Bereich an: „Fertige Frischteige gibt es in den USA bereits seit den 50er Jahren. Heute ist der Frischteigmarkt mit einem hohen ‚Pro-Kopf Teigkonsum‘ rund zwei Billionen US-Dollar groß“, erzählt Kahrer.

Gut skaliert und hohe Umsätze

Das erklärt den Schritt in die Vereinigten Staaten von Amerika, aber noch nicht den Gewinn des WirtschaftsOskars in der Kategorie „Startup“. „Wir wissen, dass Wewalka nicht das typische Startup darstellt, aber sie sind seit 2015 in den USA und haben gut skaliert. Ihr Marketing ist erfolgreich, die Umsätze erreichen zweistellige Millionen-Beträge und sie haben große Kunden“, sagt Walter Koren.

Ost- wie Westküste erobert

Die Feierlichkeiten wurden in einer privaten Residenz in Brentwood, Los Angeles, abgehalten. Besonders beeindruckt habe den Wirtschaftsdelegierten sowie die Jury, dass Wewalka in den Staaten „von scratch begonnen habe“, wie Koren sagt. Wewalka habe den Sprung von der Ost- an die Westküste – mit dem Listing beim Handelsgiganten Safeway Albertsons, zusätzlich zu Walmart sowie Kroger national – geschafft. „Uns hat auch gefallen, dass es sich Mal um kein IT-Startup gehandelt hat, sondern um ein Unternehmen aus dem Lebensmittelbereich“.

Tipps für den Weg in den US-Markt

Diese Auszeichnung ist laut Wewalka-Geschäftsführer Werner Schiessl der Lohn für fünf Jahre harte Arbeit, um den amerikanischen Frischteigmarkt mit Frischteigprodukten zu erobern. Damit dies gelingt, gebe es einige Dinge zu beachten, wie man uns wissen lässt: „Konsumentenrelevante Differenzierungsmerkmale zu Mitbewerbern, ausgezeichnete Produktqualität und zielgruppenspezifische Kommunikation haben uns am US-amerikanischen-Lebensmittelmarkt zu einem erfolgreichen Newcomer gemacht. Die enge Zusammenarbeit mit Distributionspartnern und den Retailern, um das Vertriebsnetz auszubauen sind ebenso unerlässlich. Und natürlich, das bekannte Quäntchen Glück – zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein – gehört ebenso zu jedem Startup dazu“, sagt Kahrer.

Weitere Sieger des WirtschaftsOskars

Der WirtschaftsOskar wurde zusätzlich noch in folgenden Kategorien vergeben: Market Footprint (Sieger: KNAPP) , Trendsetter (KTM), Investition (Anton Paar), Innovation (AVL List) und Spectacular (StreamUnlimited). 2019 liegt damit die Steiermark mit drei Unternehmen an der Spitze, gefolgt von je einem Preisträger aus Niederösterreich, Oberösterreich und Wien. „Auch 2020 wird es wieder einen WirtschaftsOskar geben. Die Zutaten für den Gewinn sind das Herausragende, Innovative und Spektakuläre der österreichischen Wirtschaft in den USA, verpackt in einen komprimierten Email-Pitch“, erklärt Koren abschließend.

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Das sonnnig-Gründerteam: Roman Öfferlbauer, Jonathan Buchinger und Lukas Hückel © sonnnig

Dort, wo Technik und Unternehmertum zusammenkommen, kann Großes entstehen. So auch an der TU Wien im „Extended Study on Innovation“-Programm, wo sich das Gründer-Trio, bestehend aus Roman Öfferlbauer, Lukas Hückel und Jonathan Buchinger, zum ersten Mal begegnete. Parallel dazu gründete Öfferlbauer 2023 in seinem Heimatort in Niederösterreich eine Energiegemeinschaft, zu einem Zeitpunkt, an dem das Thema noch jung und „technisch schwierig abzuwickeln“ war, so Öfferlbauer.

Aus improvisierten Tools und selbst geschriebenen Mini-Scripts für den Eigenbedarf wurde ein Jahr später sonnnig. Eine White-Label-Lösung für Abrechnung, Mitgliedermanagement und Datenanalyse von mittlerweile 30 Energiegemeinschaften in ganz Österreich.

Wenn Strom aus der Nachbarschaft kommt

„Unser Blick war eigentlich immer auf Endverbraucher und Verbraucherinnen fokussiert. Also Privatpersonen, Unternehmen, Gemeinden“, erklärt Öfferlbauer im Interview. Eine Mission, die über die letzten zwei Jahre tausende Haushalte in ganz Österreich erreicht hat. Mittlerweile kann man über sonnnig den generierten Strom auch als Mitarbeiter:innen-Benefit oder Spende abgeben. „Im letzten halben Jahr hat sich da aber auch ziemlich viel auf der anderen Seite, also bei den Energieversorgungsunternehmen, getan“, verrät der Co-Founder.

Energieversorgungsunternehmen stünden zunehmend vor einem Einkaufs- und Prognoseproblem. In der Regel verbraucht die Kundschaft ihren Strom nach einem Standardprofil, mit dem der jeweilige Versorger seine Stromeinkäufe prognostiziert. Sind die Abnehmer:innen aber Teil einer Energiegemeinschaft, verschiebt sich dieses Profil radikal: Ein großer Teil des Energiebedarfs wird jetzt von der Energiegemeinschaft gedeckt und nur noch die Restmengen werden durch den Energieversorger geliefert. „Der Energieversorger hat die Energiemenge aber schon im Vorhinein eingekauft“ – und müsse sie kurzfristig wieder verkaufen, erklärt Öfferlbauer. Ein teures Ausgleichsenergie-Problem, das mit wachsendem Energy-Sharing-Anteil immer größer wird.

Sonnnig als potenzieller Partner für Energieversorger

Genau hier setzt das neue Produkt an, für das sonnnig gerade die dritte Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) erhalten hat: eine White-Label-Lösung zum Energy Sharing, die Energieversorger direkt in ihr eigenes Kund:innenportal einbinden können. Im Hintergrund liefert sonnnig die Restlastprognose auf 15-Minuten-Basis, damit Versorger gezielter am Großhandel einkaufen können.

Möglich macht das die Prognosefähigkeit, die sonnnig über Jahre mit echten Energiegemeinschaften aufgebaut hat. Ziel ist es, Versorgern einen besseren Einblick in ihre Stromverläufe zu geben und ihnen zu helfen, selbst ein Geschäftsmodell rund um Energy Sharing aufzubauen, auch als Beitrag zur Kund:innenbindung, erklärt Öfferlbauer. Am Markt kommt das gut an: „Energieversorgungsunternehmen spüren das Problem und sind zunehmend auf der Suche nach Lösungen und neuen Geschäftsmodellen im Energy-Sharing-Bereich, deshalb reden sie auf einmal mit uns“, sagt der Co-Founder. Davor sei die Beziehung eher einseitig gewesen. Zwei Pilotbetriebe hat sonnnig für das geförderte Projekt bereits akquiriert und zeigt sich offen für weitere Kooperationen.

Von First bis Seed: Der aws-Weg

Möglich wurde diese Entwicklung durch drei aufeinanderfolgende aws-Förderungen. Mit aws First Incubator, einem Programm für sehr junge Teams, teils noch vor der Firmengründung, kam das Startup zu ersten Beratungsleistungen und Mentoring. Mit aws Preseed – Innovative Solutions wurde zunächst die inhaltliche und wirtschaftliche Machbarkeit des Vorhabens überprüft und der Proof of Concept entwickelt. Darauf aufbauend unterstützt aws Seedfinancing – Innovative Solutions die Weiterentwicklung bis zum Markteintritt sowie die ersten Skalierungsschritte. In diesem Rahmen werden nun der Aufbau und der Launch des neuen B2B-Produkts finanziert.

Erwarteter Boom durch neues Elektrizitätswirtschaftsgesetz

Als besondere Meilensteine nennt Öfferlbauer Referenzprojekte mit bekannten Unternehmen wie Hartl Haus, der Nationalbank-Tochter IG Immobilien oder der Volkshilfe Wien sowie die wiederholte Verdopplung des Jahresumsatzes. Im ersten Halbjahr 2026 hat sich die geteilte Energiemenge, die über sonnnig abgewickelt wurde, laut eigenen Angaben gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Investor:innen hat das fünfköpfige Team bislang bewusst keine an Bord geholt, da laufende Umsätze und eine halbe Million Euro an lukrierten Entwicklungsförderungen das Team organisch tragen.

Rückenwind kommt bald auch auf politischer Ebene: Im Oktober tritt das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) in Kraft, das Energy Sharing über bilaterale Peer-to-Peer-Verträge statt über eine juristische dritte Instanz wie einen Verein oder eine GmbH erlaubt. Für sonnnig eine freudige Entwicklung: „Das baut natürlich extrem viele Hürden ab. Und deswegen erwarten wir auch einen ziemlichen Boom an neuen Mitgliedern und das nehmen auch Energieversorgungsunternehmen wahr.“


Disclaimer: Der Artikel entstand in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws).

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