17.08.2021

Wertvollste Unternehmen Österreichs: Bitpanda nun mehr Wert als Post und Uniqa

Bitpanda schließt mit dem aktuellen Mega-Investment zu den wertvollsten Unternehmen Österreichs auf. Die Top 10 gehen sich aber noch nicht aus.
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die Bitpanda-CEOs Eric Demuth und Paul Klanschek im Brutkasten-Studio - Nach Serie C schließt Bitpanda auf wertvollste Unternehmen Österreichs auf
die Bitpanda-CEOs Eric Demuth und Paul Klanschek im Brutkasten-Studio | Foto: Brutkasten

3,48 Milliarden Euro – das ist nach der heute verkündeten Serie C-Investment-Runde die aktuelle Bewertung des Wiener FinTechs Bitpanda. Das Unternehmen ist damit nicht nur das wertvollste Scaleup des Landes, sondern schließt im Unternehmenswert bereits auf die größten Konzerne Österreichs auf. So hat der Krypto-Anbieter etwa Unternehmen wie Uniqa Insurance (2,4 Mrd. Euro Marktkapitalisierung im ATX Prime mit Stand heute), Immofinanz (2,4 Mrd.) und Österreichische Post (2,8 Mrd.) überholt und ist nun auf einem Level mit Mayr-Melnhof Karton (3,6 Mrd.), Strabag (3,7 Mrd. Euro) und EVN (3,8 Mrd.).

Nur 14 ATX Prime-Unternehmen wertvoller als Bitpanda

Bitpanda dürfte sich damit jedenfalls unter den 25 vielleicht sogar unter den 20 wertvollsten Unternehmen des Landes eingereiht haben. Nur insgesamt 14 im ATX Prime gelistete Konzerne haben mit Stand heute eine höhere Unternehmensbewertung als das Wiener Scaleup – siehe Tabelle. Mit ams kommt auch ein heimisches Unternehmen an einem ausländischen Börsenplatz auf eine höhere Bewertung (umgerechnet 4,5 Mrd. Euro an der Börse Zürich).

Tabelle: Die Top 15 Unternehmen nach Marktkapitalisierung im ATX Prime

1Verbund28,6 Mrd. Euro
2OMV15,6 Mrd. Euro
3Erste Group14,2 Mrd. Euro
4voestalpine7,2 Mrd. Euro
5Raiffeisen7,0 Mrd. Euro
6Vienna Insurance6,6 Mrd. Euro
7Telekom Austria5,0 Mrd. Euro
8Andritz4,9 Mrd. Euro
9Bawag4,5 Mrd. Euro
10Wienerberger4,0 Mrd. Euro
11CA Immobilien3,8 Mrd. Euro
12EVN3,8 Mrd. Euro
13Strabag3,7 Mrd. Euro
14Mayr-Melnhof Karton3,6 Mrd. Euro
15Lenzing3,0 Mrd. Euro
Quelle: finanzen.at

Wertvollste Unternehmen Österreichs: Teils nicht nachvollziehbare Bewertung bei Privatbesitz

Hinzu kommt eine Reihe von nicht börsennotierten Unternehmen, deren Bewertung sich mitunter nicht genau festmachen lässt, etwa weil es schon lange keine Verschiebung der Besitzverhältnisse gab. Ganz oben dürfte bei diesen jedenfalls Red Bull stehen, dessen Wert laut unterschiedlichen Berechnungen um die 30 Milliarden Euro und damit in der Höhe von ATX-Spitzenreiter Verbund (28,6 Mrd.) liegt. Ebenfalls weit oben im imaginären Ranking landen Novomatic und Signa, wobei hier eine genaue Bewertung noch schwerer nachzuvollziehen ist. Daneben sind auch die Salzburger Porsche Holding in Besitz der VW AG und heimische Unternehmen in Familienbesitz mit Milliardenumsätzen wie etwa der Spritzgussmaschinen-Hersteller Engel in Oberösterreich zu nennen, die über Bitpanda liegen dürften.


Disclaimer: Die Bitpanda GmbH ist mit 3,9849 % an der Brutkasten Media GmbH beteiligt.

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Mistral.
© LinkedIn/Canva - Arthur Mensch, Co-Founder und CEO Mistral AI.

Drei Milliarden Euro. Das ist die Summe, die der französische Anthropic- und OpenAI-Herausforderer Mistral in seiner heute verkündeten Series-D-Finanzierungsrunde aufnahm. Es ist die größte VC-Runde für ein Tech-Unternehmen in der europäischen Geschichte – und das für ein gerade einmal drei Jahre altes Unternehmen.

Den Lead in der Runde übernahm mit Samsung – wenig überraschend – ein außereuropäischer Player. Dazu kommen große US-Investoren wie PSG Equity als Co-Lead, a16z und Nvidia, aber auch eine ganze Reihe europäischer Kapitalgeber, darunter der Scaleup Europe Fund der schwedischen EQT als weiterer Co-Lead.

Keine normalen Umstände

Drei Milliarden Euro. Eine Bewertung von 21 Milliarden Euro. Das sollte unter normalen Umständen ein Garant für den großen Durchbruch sein. Zum Vergleich: Meta (damals Facebook) genügten vor seinem Börsengang insgesamt 2,27 Milliarden US-Dollar VC-Kapital, um sich im Social-Media-Wettlauf klar an die Spitze zu setzen und zum Tech-Giganten zu werden.

Doch die Umstände sind nicht normal. Der KI-Wettlauf hat die Volumina an VC-Kapital vor allem in den USA auf ein nie dagewesenes Level gehievt. Anthropic, das Unternehmen hinter Claude, hat allein in seiner Series-H-Runde im Mai dieses Jahres 65 Milliarden US-Dollar aufgenommen und steht bei einer Bewertung von 965 Milliarden Dollar. OpenAI, das Unternehmen hinter ChatGPT, hat diesen März in seiner Finanzierungsrunde sogar 122 Milliarden US-Dollar eingesammelt und steht bei einer Bewertung von 852 Milliarden Dollar.

Beim insgesamt aufgenommenen Kapital steht Mistral (ca. 6 Mrd. Euro inklusive Kredite) in einem Verhältnis von etwa 1:19 zu Anthropic (mindestens 130 Mrd. US-Dollar) und 1:26 zu OpenAI (mindestens 180 Mrd. US-Dollar). Das wird im beinharten internationalen Tech-Wettlauf vermutlich nicht ausreichen.

Digitale Souveränität als Verkaufsargument

Und das weiß man auch beim französischen Scaleup. Der größte Trumpf, den es in der Hand hat, ist, dass es aus Europa kommt. Punkten kann das Unternehmen vor allem bei den Themen Digitale Souveränität und Datensicherheit. Und das wiederum sind Fragen, die im B2B- und vor allem im öffentlichen Bereich deutlich schwerer wiegen als im B2C-Bereich, den aktuell Anthropic, OpenAI und Google dominieren.

„Während der ersten Welle der generativen KI lautete die zentrale Frage: Wer kann das leistungsstärkste Modell entwickeln? Unternehmen und Regierungen stellen sich nun eine andere Frage: „Wie können sie die Leistungsfähigkeit der KI für ihre geschäftskritischen Anforderungen nutzen, ohne die Kontrolle über die Infrastruktur und den Informationskreislauf abzugeben?“, heißt es von Mistral in der Presseaussendung zur aktuellen Kapitalrunde.

Die Frage will man freilich mit dem eigenen Produkt beantworten. „Die Nachfrage nach dieser Kombination aus Leistung, Kontrolle, Auswahlmöglichkeiten und Unabhängigkeit nimmt weltweit zu“, ist man sich sicher. Und Mistral sei das weltweit einzige KI-Unternehmen, das den gesamten Stack entwickle, der dafür erforderlich ist: „Open-Weight-Modelle, die Infrastruktur und die Rechenkapazität, auf der sie laufen, und die Produkte, mit denen sie in den Unternehmen wirksam werden“.

Ausstehender Beweis

Dass diese Argumente angesichts des europäischen Diskurses durchaus valide sind, liegt auf der Hand. Ob die Rechnung am Ende auch betriebswirtschaftlich aufgeht, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Mistral bekommt durch die Mega-Runde genug Luft, um sich innerhalb Europas weiterhin im öffentlichen und im Unternehmenssegment zu etablieren. Doch dass das ausreicht, um das eingesetzte Kapital (mehrfach) zurückzuspielen, muss erst bewiesen werden.

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