19.03.2025
GEGEN ABHOLZUNG

WEME Earth aus Salzburg entwickelt Softwarelösung für transparente Lieferketten

Mithilfe von Satelliten und künstlicher Intelligenz liefert WEME Earth aktuelle Daten zu Plantagen in Südostasien. Das soll Nachweise für die EU erleichtern - und Landwirt:innen zu höheren Erträgen verhelfen.
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Gründerin von WEME Earth: Sabine Pongruber | Foto: WEME Global

Ende 2025 tritt eine neue EU-Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten in Kraft: Unternehmen müssen dann nachweisen, dass ihre Rohstoffe nicht aus abgeholzten Gebieten stammen – ein aufwendiger Prozess, den das Startup WEME Earth mit Satellitentechnologie und künstlicher Intelligenz vereinfachen möchte.

Das 2024 gegründete Unternehmen aus Salzburg bietet Bauern und Händlerinnen dafür eine Softwarelösung. Die Software nutzt geografische Informationen, historische Daten und Satellitenbilder und erstellt automatisierte Due-Diligence-Berichte, die direkt in das EU-Informationssystem hochgeladen werden können.

Fokus auf Satellitentechnik

Die Idee kam Gründerin Sabine Pongruber in ihrem Beratungsunternehmen, der WEME Global. “Wir haben mit der WEME Global Beratungsaufträge für die Wasserkraftindustrie gehabt und konnten da ein spezifisches Thema eines Kunden nicht lösen: Wie bekommt der Kunde aktuelle und verifizierbare Informationen von Baustellen in Indien?”, erzählt Pongruber im Gespräch mit brutkasten.

Eines Abends findet sie die Antwort: mithilfe von Satelliten. Ihre Idee entwickelt sie im Inkubationszentrum der Weltraumagentur ESA weiter. “Daraus ist die WEME Earth entstanden, die sich wirklich nur mit der Satellitentechnik beschäftigt”, sagt Pongruber. Die WEME Earth ist nun als Tochterfirma der WEME Global eingetragen und zu 100 Prozent in deren Eigentum. Pongruber arbeitet in beiden Firmen.

Daten für die Landwirtschaft

Der große Kick-off war für das Inkrafttreten der EU-Verordnung geplant. Weil der Termin von Ende 2024 auf Ende 2025 verschoben wurde, und die Lösung deswegen noch gar nicht alle brauchen, hat Pongruber das Portfolio erweitert. „Satelliten sehen ja viel mehr. Sie können mithilfe von Infrarot-Bildern auch erkennen, wie gesund Pflanzen sind und wo gedüngt werden muss“, sagt die Founderin. Das soll den Einsatz von Chemikalien reduzieren und Erträge erhöhen.

Einsatz in Südostasien

Aktuell nutzen das Produkt Landwirte und Händlerinnen in Südostasien. „Alle haben Plantagen, die 5.000 bis 50.000 Hektar groß sind“, erzählt Pongruber. Mit der Software selbst müssen sie sich nicht auseinandersetzen. „Die Bauern schicken uns einfach eine Mail. Wir arbeiten dann mit ihnen zusammen, um die genauen GPS-Koordinaten ihrer Plantage herauszufinden. Innerhalb von ein paar Tagen bekommen sie von uns dann die PDF-Datei, die der EU vorgelegt wird“, erklärt die Geschäftsführerin.

WEME Earth setzt auf lokale Netzwerke

Um mit den Kund:innen in Kontakt zu kommen, hat das Startup Verkäufer:innen vor Ort. Das sieht Pongruber als großen Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Der Verkauf findet aktuell in Malaysien statt, demnächst startet er auch in Indonesien. Als nächstes plant Pongruber, nach Thailand zu exportieren. “Anwendbar ist unsere Lösung für jeden Markt, wir müssen nur die lokalen Netzwerke etablieren”, sagt sie. In Südostasien liege der Schwerpunkt auf Palmölplantagen, aber die EU-Verordnung gilt unter anderem auch für Soja, Kaffee und Kakao. „Da stehen uns Lateinamerika, Westafrika und Mittel- und Zentralamerika noch offen“, schildert Pongruber.

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Junior Developer
(c) True Agency via Unsplash

„Wer glaubt, mit Künstlicher Intelligenz ließen sich Einstiegspositionen einfach streichen, verwechselt das Werkzeug mit der Person, die es sinnvoll einsetzt“, warnt André Holhozinskyj, CEO der europäischen Cloudflight Group. Die Warnung des Branchenexperten stützt sich auf eine aktuelle Befragung, die das Unternehmen durchgeführt hat. Unter den 1.119 Teilnehmenden – mehrheitlich Studierende und Berufseinsteiger:innen aus Deutschland, Österreich und Rumänien – zeigt sich eine weite Verbreitung, aber auch eine spürbare Reglementierung von KI-Tools im Arbeitsalltag.

Während 99 Prozent der befragten Nachwuchskräfte angeben, KI-Werkzeuge regelmäßig zu nutzen, stoßen sie in der Praxis häufig an organisatorische Grenzen. Rund zwei Drittel der Befragten berichten von Einschränkungen bei der Nutzung, die überwiegend organisatorischer Natur sind. Als Haupthindernis nennen 46 Prozent regulatorische Vorgaben wie Richtlinien von Schulen, Universitäten oder Unternehmen. Weit dahinter folgen Kosten und Lizenzgebühren mit 24 Prozent sowie ethische, rechtliche und datenschutzrechtliche Bedenken mit 23 Prozent. Mangelndes Interesse spielt mit nur zwei Prozent praktisch keine Rolle.

Risiko durch Schatten-IT und Compliance-Verstöße

Die restriktive Haltung in vielen Organisationen birgt nach Einschätzung der Studienautor:innen jedoch Risiken: Wird die Nutzung im Unternehmen untersagt oder komplett eingeschränkt, weichen Mitarbeiter:innen häufig auf private Geräte und nicht freigegebene Consumer-Tools aus – ohne Wissen oder Zustimmung der IT-Abteilung.

Gernot Molin, CTO der Cloudflight Group, warnt vor den unmittelbaren Gefahren für die Datensicherheit: „Tools wie ChatGPT, Gemini oder Claude sind nicht für Unternehmenssicherheit oder Compliance konzipiert, sondern für einfachen Zugang, und das schafft unmittelbare Risiken.“ So könnten etwa proprietäre Algorithmen durch das Einfügen von Code-Schnipseln abfließen, oder Entwickler:innen könnten unbeabsichtigt Kundendaten bei der Analyse von Log-Dateien offenlegen. Unternehmen, die an Richtlinien wie DSGVO, HIPAA oder SOC 2 gebunden sind, riskieren laut Molin bei der Verwendung nicht autorisierter Dienste empfindliche Verstöße. Er plädiert daher für eine kontrollierte Freigabe von KI-Werkzeugen, die direkt in bestehende Entwicklungsumgebungen integriert und durch Sicherheitskontrollen sowie Audit-Trails abgesichert sind.

Vielseitige Nutzung abseits von reinem Code

Die Befragung räumt zudem mit dem Vorurteil auf, KI diene primär dem Schreiben von neuem Programmcode. Der Einsatz zur reinen Code-Generierung liegt bei 18 Prozent und ist damit fast gleichauf mit dem Debugging und Code-Reviews (19 Prozent), administrativen und organisatorischen Aufgaben wie Recherche (19 Prozent) sowie der Code-Optimierung (17 Prozent). Dokumentation (12 Prozent) und Testautomatisierung (10 Prozent) folgen mit etwas Abstand.

Den größten Nutzen sehen die Befragten in der Entlastung bei Routinearbeiten. Fast jede:r Zweite (48 Prozent) nutzt KI vor allem zur Bewältigung repetitiver, zeitaufwändiger Aufgaben wie dem Erstellen von Boilerplate-Code oder dem automatisierten Organisieren von Daten. Ziel sei es, so heißt es aus den offenen Antworten der Teilnehmenden, sich dank der KI auf die interessanten Teile der Arbeit konzentrieren zu können. Zudem schätzen 42 Prozent die Tools als eine Art rund um die Uhr verfügbaren Tutor, der komplexe Konzepte erklären kann. Dieser Effekt könnte nach Einschätzung der Studienautoren vor allem in Regionen mit schwächerer Bildungsinfrastruktur den Zugang zu hochwertiger Programmierausbildung demokratisieren.

Zukunftssorgen und die Rolle der Nachwuchskräfte

Trotz der intensiven Nutzung blickt die junge Generation keineswegs sorgenfrei in die Zukunft. Lediglich 12 Prozent der Befragten geben an, keinerlei Sorge hinsichtlich der Auswirkungen von KI auf ihre eigene Karriere zu haben. Die überwiegende Mehrheit von 88 Prozent äußert leichte bis extreme Besorgnis. Neben der allgemeinen Karriereentwicklung sorgt sich ein Teil der Entwickler:innen auch um den eigenen Lernfortschritt: Es besteht die Befürchtung, durch eine zu starke Abhängigkeit von der KI das eigene Weiterkommen zu bremsen und durch die automatisierten Lösungen „dümmer“ zu werden. Viele wünschen sich daher Erklärungen anstelle von fertigen Antworten.

Für Cloudflight-CEO Holhozinskyj zeigt die Untersuchung, dass Unternehmen umdenken müssen. Künstliche Intelligenz müsse wie eine „virtuelle Mitarbeiterin“ verstanden werden, die ein geregeltes Onboarding benötigt. Wer Juniorstellen aus Gründen der kurzfristigen Kostenersparnis streicht, begehe laut Holhozinskyj einen strategischen Fehler: „Urteilsvermögen entsteht nicht am Reißbrett, sondern über Jahre praktischer Erfahrung, auch aus eigenen Fehlern, und genau diese Erfahrung bauen Unternehmen gerade systematisch ab, wenn sie ihre Juniorstellen kürzen.“ Langfristig drohe den Unternehmen dadurch der Verlust der „Senior-Kompetenz von morgen“ an die Konkurrenz, was sich schnell zum mittelfristigen Wettbewerbsnachteil entwickeln könne.

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