02.02.2023

Wefox: Kündigungswelle halbes Jahr nach 400 Mio. US-Dollar-Investment

Das Berliner InsurTech-Unicorn Wefox ist das nächste Tech-Scaleup, das sich zu umfassenden Kündigungen gezwungen sieht. Noch ist das Unternehmen nicht in der Gewinnzone - das soll sich ändern.
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Das Wefox-Gründerteam | (c) Wefox

Die Kündigungswellen bei Tech-Unternehmen nehmen kein Ende. Nun gibt es auch eine beim Berliner InsurTech-Unicorn Wefox. Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung (SZ) müssen „weniger als zehn Prozent“ der rund 1.400 Beschäftigten gehen – bislang seien 35 Personen informiert worden. „Die Stimmung ist ziemlich mies“, wird eine Mitarbeiterin zitiert.

Nach wie vor rote Zahlen bei Wefox

Dabei hat Wefox erst im Juli 2022, also bereits während der aktuellen Krise, eine 400 Millionen US-Dollar-Finanzierunsrunde verkündet. Bei dieser stieg die Bewertung auf 4,5 Milliarden US-Dollar. Diese beachtlichen Zahlen täuschen jedoch über ein substanzielles Problem hinweg, das viele Tech-Scaleups aktuell haben: Das 2014 gegründete Unternehmen schreibt aufgrund der Wachstumsstrategie der vergangenen Jahre nach wie vor rote Zahlen, weitere Wachstumsfinanzierungen sind aber aktuell schwer zu bekommen. Das soll sich nun ändern, weswegen Wefox auch bei den Personalausgaben den Rotstift ansetzt.

Bereits einmal schwarze Zahlen dank fragwürdiger Kooperation

Dabei hatte das Scaleup in einem Anfang 2021 präsentierten Jahresbericht schon einmal Gewinne von rund 7.000 Euro (kein Tippfehler) bei einem Umsatz von damals 33,8 Millionen Euro ausgewiesen. Einem Bericht des Magazins Finance Forward zufolge kam das aber damals durch eine fragwürdige Kooperation mit dem Unternehmen Expatrio, das Services für ausländische Studierende anbietet, zustande, die später wieder beendet wurde. Demnach sei eine Wefox-Haushaltsversicherung großflächig in Paketen mitverkauft worden, worüber sich viele der Käufer:innen nicht im klaren gewesen seien. Die SZ kommt in ihren Recherchen für 2021 auf 50 Millionen Euro Umsatz und 22 Millionen Euro Verlust. Wie sich die Zahlen vergangenes Jahr weiterentwickelt haben, ist noch unbekannt.

Update: Wefox Österreich dementiert Berichte

Nach Veröffentlichung dieses Berichts erhielt der brutkasten ein ausführliches Statement von Wefox Österreich, das hier auszugsweise im Wortlaut wiedergegeben wird:

Fakt ist: wefox kündigt keine MitarbeiterInnen in einem signifikanten oder außergewöhnlichen Ausmaß. Zudem gibt es weder Pläne noch die Notwendigkeit von Massenkündigungen. wefox hat auf seinem Wachstumsweg eine Vielzahl von Talenten eingestellt und so Standorte in ganz Europa auf- und ausgebaut. Der Zu- und Abgang von Personal ist Teil einer gewöhnlichen Unternehmensentwicklung.

In Österreich sind wir seit unserem Marktstart im Jahr 2016 auf mittlerweile 30 Mitarbeiter gewachsen. Und wir wachsen weiter, wie unsere aktuellen Neubesetzungen und offenen Stellenausschreibungen ja auch zeigen. In unserer monatlichen Mitarbeiterzufriedenheitsumfrage erreichen wir 9 von 10 möglichen Punkten, was uns stolz macht und die positive Stimmung des wefox Teams klar widerspiegelt.

Was wir aber selbstverständlich auch spüren, ist, dass generell in vielen Unternehmen gerade jetzt Mitarbeiter vor dem Hintergrund der sensiblen wirtschaftlichen Situation, ausgelöst durch die jüngsten Krisen – insbesondere dem Ukraine Krieg – sorgenvoll in die Zukunft blicken. Dies drückt sich auch in Jobunsicherheit aus. Das ist zutiefst verständlich, hat aber wenig mit wefox und unserer Unternehmensentwicklung zu tun.

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Das Team des aws Gründungsfonds | (c) aws Gründungsfonds / Bild mit KI erstellt

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 Aufbrechen erschienen.


refinq macht Klimarisiken berechenbar

Dass ein Umspannwerk in einem Überflutungsgebiet steht, weiß der Betreiber – was ihn das pro Jahr kostet, weiß er selten. Genau hier setzt refinq an: Beim Wiener Startup lädt ein Unternehmen seine Standorte hoch und bekommt sie auf einer Karte angereichert mit Klimaszenarien und Naturdaten zurück. Ein Klick auf einen Standort zeigt, welche Gefahren dort drohen, von Hochwasser über Hitze bis Dürre, was sie kosten und welche Maßnahmen das Risiko senken; von der Landkarte zur Kennzahl zum Eurobetrag.

Wie konkret das wird, zeigt die Arbeit mit europäischen Stromnetzbetreibern: In einem Programm von Terna, Elia, Swissgrid und weiteren Netzbetreibern setzte sich refinq gegen mehr als 85 Bewerbungen durch und unterstützt nun bei der Absicherung der Leitungen und Umspannwerke gegen Extremwetter. Auch die Wiener Stadtwerke prüfen mit der Plattform mehr als 5.000 Standorte, um die Wiener Energieversorgung zu schützen. Weil jede Kennzahl offen dokumentiert ist, lassen sich die Ergebnisse zugleich als Nachweis für CSRD, EU-Taxonomie und TNFD exportieren. Im Februar führte der aws Gründungsfonds die Seed-Runde über 2,2 Millionen Euro an.

Das Team von refinq | (c) refinq

Kickscale befreit den Vertrieb von Admin-Arbeit

Verkaufsgespräche sind die am schlechtesten dokumentierte Ressource vieler Unternehmen: Was im Termin besprochen wurde, landet bestenfalls in einer kurzen Notiz. Kickscale ändert das und geht dabei weiter als ein reiner Notizassistent – die Plattform erfasst Meetings, Calls und CRM-Daten, wertet sie mit KI aus und befüllt die CRM-Felder nach jedem Gespräch automatisch, samt Follow-ups und nächsten Schritten. Dazu kommt Coaching aus echten Gesprächsdaten statt aus Vermutungen: Sichtbar wird, was die besten Verkäufer anders machen – und wie wahrscheinlich der Abschluss eines erfolgreichen Deals ist.

Bei Lufthansa City Centers spart das nach Unternehmensangaben 85 Prozent der Zeit für die Nachbereitung. Mehr als 200 Kunden nutzen die Plattform, der Schwerpunkt liegt im deutschsprachigen Raum, dazu kommen Japan, Polen, Norwegen und die Niederlande. Der Serverstandort in Deutschland, die ISO-27001-Zertifizierung und die Ausrichtung auf die Anforderungen des EU AI Act sind insbesondere für europäische Unternehmen wichtige Kriterien bei der Beschaffung. Die Seed-Runde über 2,1 Millionen Euro wurde vom aws Gründungsfonds angeführt.

Die Gründer von Kickscale | (c) Michael Stabentheiner

Invisible-Light Labs spürt kleinste Spuren auf

Wer wissen will, welche Chemikalie in einer Probe steckt, braucht davon eine entsprechende Mindestmenge. Die Analyse scheitert dabei oft genau dort, wo es interessant wird: bei Nanoplastik in Luft und Wasser, bei Aerosolen in der Atmosphäre, bei Wirkstoffen, die nur in geringsten Konzentrationen vorliegen. Invisible-Light Labs, ein Deeptech-Spinoff der TU Wien, hat dafür EMILIE entwickelt, einen Sensor, der selbst Mengen im Billionstel-Gramm-Bereich und damit bislang kaum messbare Spuren nachweisen kann. Bestehende Infrarot-Spektrometer muss dafür niemand austauschen, und die winzigen Messchips lassen sich dorthin bringen, wo die Proben entstehen. Bei den Innovation Awards des Fachmagazins The Analytical Scientist landete EMILIE 2024 auf Platz eins. Seit 2025 baut eine strategische Partnerschaft mit Bruker Optics die internationale Verfügbarkeit des gemeinsam gebrandeten Systems aus.

An Bord der Tara Polar Station, die im September im Packeis einfriert, schickt ein EPFL-Team die Chips an einem Fesselballon in die Wolken, um kleinste Partikel zu untersuchen und besser zu verstehen, wie sie die Wolkenbildung und die Erwärmung der Arktis beeinflussen. Im Juni 2026 schloss Invisible-Light Labs eine Pre-Seed-Runde über 1,5 Millionen Euro ab, angeführt vom aws Gründungsfonds gemeinsam mit XISTA Science Ventures.

Invisible-Light Labs wurde 2019 als Spin-off der TU Wien gegründet| | (c) Invisible-Light Labs

HeartBeat.bio erkennt Herzrisiken früher

Ob ein Wirkstoff dem Herzen schadet, zeigt sich oft erst spät in der Entwicklung. Genau das will HeartBeat.bio ändern: Das Unternehmen aus dem Vienna Biocenter lässt aus Stammzellen sogenannte Cardioids wachsen: winzige schlagende Herzkammern, die dem menschlichen Herzen näher kommen als herkömmliche Zellkulturen. In automatisierten Testreihen lassen sich daran Risiken früh erkennen und Wirkstoffe gegen Herzerkrankungen suchen.

Angewendet wird das bereits: Mit Boehringer Ingelheim arbeitet HeartBeat.bio an Gentherapien gegen erbliche Herzmuskelerkrankungen, mit Molecular Devices ist eine Testlösung für die Herzsicherheit von Wirkstoffen auf den Markt gekommen. Der aws Gründungsfonds begleitet das Unternehmen seit 2023 und investiert damit in österreichische Spitzenforschung.

Automatisierte Zellkultur im Labor von HeartBeat.bio | (c) HeartBeat.bio

Der aws Gründungsfonds ist ein österreichischer Venture-Capital-Investor mit einem Fondsvolumen von rund 140 Millionen Euro. Er investiert im Rahmen von Frühphasenfinanzierungen in wachstumsstarke österreichische Technologieunternehmen und mobilisiert gemeinsam mit erfahrenen Co-Investoren zusätzliches privates und internationales Kapital. Als langfristiger Partner an der Seite der Gründungsteams begleitet der Fonds Startups über weitere Wachstums- und Finanzierungsphasen bis zum Exit. So trägt er dazu bei, Schlüsseltechnologien langfristig im Markt zu etablieren, international wettbewerbsfähige Unternehmen aufzubauen und den österreichischen Innovationsstandort nachhaltig zu stärken.

Hier könnt ihr mehr über den aws Gründungsfonds erfahren: gruendungsfonds.at

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