06.03.2019

wefox-Gründer: „Wir wollen Versicherungen in Echtzeit anbieten“

Das Berliner InsurTech-Startup wefox hat heute Mittwoch mitgeteilt, dass es in einer Serie-B-Runde ein Investment über 110 Millionen Euro an Land ziehen konnte. Wir haben mit Gründer Julian Teicke über die Zukunftspläne von wefox gesprochen und wofür das Investment eingesetzt werden soll.
/artikel/wefox-gruender-teicke-interview
wefox
(c) wefox - Wefox-Gründer und CEO Julian Teicke mit 100 Millionen Euro neuem Kapital.

Das heute Mittwoch angekündigte 110 Millionen Euro schwere Investment für wefox ist bis dato die größte Series-B-Finanzierungsrunde für ein deutsches InsureTech (der brutkasten berichtete). Das Investment wurde von der Mubadala Investment Company aus Abu Dhabi angeführt, die gemeinsam mit der Softbank aus Japan einen eigenen europäischen Investmentfonds gegründet hat. Wir haben mit wefox-Gründer Julian Teicke darüber gesprochen, wofür er das Investment einsetzen will und wie die Digitalisierung das Versicherungswesen verändern wird.


Die wefox Group hat ein Rekord-Investment von rund 110 Millionen Euro erhalten. Was wollt ihr mit dem Investment künftig umsetzen?  

Wir haben drei große Investitionsbereiche für uns ausgemacht. Der erste Bereich umfasst die Internationalisierung von wefox. Wir werden in den nächsten zwölf bis achtzehn Monaten in alle großen europäischen Märkte vordringen. Für 2020 ist die Expansion in den asiatischen Markt geplant. Japan soll dabei den Anfang machen.

Bei unserer eigenen Versichungsgesellschaft “One” möchten mir hingegen verstärkt in die Innovation von neuen Produkten investieren. Im April werden wir unser erstes geo-triggered Insurance-Modul launchen.

Der dritte Bereich umfasst unsere Technologie-Plattform Nexus, die wir in den letzten Monaten  aufgebaut haben. Sie ermöglicht Versicherungsgesellschaften sich über APIs mit ihren Vertriebskanälen in Echtzeit zu verbinden. Dadurch können sie auch ihre Umsätze in Echtzeit tracken.

+++ Berliner InsurTech Startup erhält Rekord-Investment von 110 Millionen Euro +++

Worum handelt es sich bei bei dem geo-triggered Insurance-Modul, das wefox über die eigene Versicherungsgesellschaft One anbietet?

Dabei handelt es sich um ein Versicherungsmodul, das sich auf Grundlage der Geolocation automatisch ein- und ausschaltet. Damit können Kunden ihre Versicherung besser an das tatsächliche Risiko in Echzeit anpassen.

Wie kann man sich diese automatisierte Anpassung der Versicherungsleistung konkret vorstellen?

Die geo-triggered Insurance-Modul werden wir zu unseren Standardprodukten von One zusätzlich anbieten. Im Prinzip kann man sich das so vorstellen, dass Kunden ihre Basis-Unfallversicherung abschließen und das geo-triggered Insurance-Modul optional hinzubuchen können. So können Kunden beispielsweise ein zusätzliches Modul, wie eine Fahrradunfall-Versicherung abschließen. Wichtig dabei ist, dass man nur für die Dauer zahlt, wenn man tatsächlich am Fahrrad sitzt. Durch die Geolocation und dem Sensor im Telefon, muss ich nichts aktiv aktivieren oder deaktivieren.

Welche Vorteile soll der Kunde dadurch haben?

Der Kunde erhält dadurch ein Versicherungsprodukt, das günstiger ist als One-fits-all-Lösungen. Die individualisierte Versicherung basiert nämlich auf dem tatsächlichen Verhalten. Dementsprechend passt sich die Versicherungsleistung auf die Bedürfnisse des kunden an. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die tatsächlichen Risiken abgesichert werden.

Mit dieser Neuausrichtung kann man nicht nur Risiko abdecken, sondern proaktiv Risiko reduzieren. So können wir über unsere Lösung den Kunden mitteilen, dass sie sich in einem risikoreichen Bereich bewegen.Ziel ist es in den nächsten Jahr hunderte von individuellen Versicherungs-Module zu entwickeln. Mit dem aktuellen Investment haben wir dafür das nötige Kapital aufgestellt.

Welche Ziele habt ihr bis Ende des Jahres?

Wir haben unser Business auf zwei Beine gestellt. Das sind einerseits die Basismodule, andererseits die geo-triggered Insurance-Module. Zu den Basismodulen gehört beispielsweise unsere Haftpflichtversicherung oder unsere Haushaltsversicherung. Die gehören eindeutig zu unseren Brot- und Butter-Geschäft.  Die geo-triggered Insurance-Module sehen wir eher als Investitionsinvestment. Ich persönlich glaube daran, dass es der große Durchbruch wird. Was unseren Businessplan angeht sind wir diesbezüglich eher konservativ.

Wie sieht das derzeitige Wachstum von One und wefox aus?

One ist erst vor einem Jahr gestartet. Dahingehend müssen wir erst ein solides Portfolio aufbauen – unsere Ziele für One als auch wefox haben wir aber übertroffen. Bei wefox sind wir sogar mit über 300 Prozent gewachsen. Proportional gesehen erwirtschaftet wefox rund 90 Prozent der Umsätze.

2017 ist wefox auch in Österreich an den Start gegangen. Dabei verfolgte man ein ambitioniertes Ziel rund 100.000 Kunden zu bekommen. 10.000 sind es im ersten Jahr geworden. Was habt ihr aus dem etwas holprigen Start gelernt?

Wir haben in Österreich sehr viel gelernt, was die Internationalisierung von wefox angeht. Es ist wichtig, dass man starke lokale Partner vor Ort hat. Mit diesem Learning haben wir unsere Präsenz in anderen Ländern, wie Italien, Spanien und Frankreich, weiter aufgebaut. Für diese Learnings sind wir sehr dankbar.

Wie wird sich das Versicherungswesen durch die Digitalisierung in Zukunft verändern?

Versicherungen befinden sich derzeit in einem radikalen Wandel. Dieser Wandel wird durch zwei Trends befeuert: Versicherungen basieren darauf, dass sie durch Kapitalerträge Gewinn machen. Bisher mussten sie sich nicht kümmern, kundenfreundlichen Produkte auf den Markt zu bringen, da ein starker Vertrieb dafür gesorgt hat, Geschäfts “reinzubringen”. Das Problem für die Versicherungen ist, dass es einerseits keine großen Kapitalerträge mehr gibt, andererseits die Kunden mehr Serviceleistungen einfordern.

Werden neue Player auf den Markt kommen?

Ja, es werden ganz neue Player auf den Markt kommen. Die Großen werden aber dennoch weiter existieren. Ich sehe uns jedoch nicht als Konkurrenz zu ihnen. Vielmehr möchten wir ihnen nämlich längerfristig anbieten, sich mit unseren digitalen Vertriebskanäle zu verbinden, um so näher am Kunden bleiben zu können.

Versicherungsgesellschafen werden viel mehr zu Datenanalysten werden. Sie werden ihre Produkte schnell auf individuellen Opportunitäten anpassen und in Echtzeit ihre Umsätze tracken können. Ihre Rolle wird sich massiv verändern.


=> zur Page des Startups

Redaktionstipps
Deine ungelesenen Artikel:
20.10.2026

Zweistelliges Millionen-Investment für Novus: Einst Musk abgesagt, jetzt Ex-Tesla-Ingenieur an Bord

Das Braunschweiger Startup Novus hat sein E-Zweirad in Serie gebracht und schließt eine Finanzierungsrunde in Höhe eines zweistelligen Millionen-Dollar-Betrags ab. Lead-Investor ist 468 Capital, insgesamt stehen über 30 Investoren hinter dem Unternehmen, darunter Ex-Tesla-Ingenieur Eric Bach und der frühere On-Co-CEO Martin Hoffmann.
/artikel/zweistelliges-millionen-investment-fuer-novus-einst-musk-abgesagt-jetzt-ex-tesla-ingenieur-an-bord
20.10.2026

Zweistelliges Millionen-Investment für Novus: Einst Musk abgesagt, jetzt Ex-Tesla-Ingenieur an Bord

Das Braunschweiger Startup Novus hat sein E-Zweirad in Serie gebracht und schließt eine Finanzierungsrunde in Höhe eines zweistelligen Millionen-Dollar-Betrags ab. Lead-Investor ist 468 Capital, insgesamt stehen über 30 Investoren hinter dem Unternehmen, darunter Ex-Tesla-Ingenieur Eric Bach und der frühere On-Co-CEO Martin Hoffmann.
/artikel/zweistelliges-millionen-investment-fuer-novus-einst-musk-abgesagt-jetzt-ex-tesla-ingenieur-an-bord
Novus-Gründer und CEO René Renger mit dem Novus One
(c) Novus

Als brutkasten erstmals über Novus berichtete, war das Fahrzeug aus Braunschweig noch ein Projekt mit guter Anekdote: 75 Kilogramm leicht, Vollcarbonrahmen, Motor im Hinterrad, und ein Team, das eine Kaufanfrage von Elon Musk ausgeschlagen hatte. Inzwischen ist aus dem Prototyp ein Serienfahrzeug geworden. Jetzt gibt das 2019 gegründete Unternehmen von Gründer und CEO René Renger, einem ehemaligen Lead Designer bei Volkswagen, eine Finanzierungsrunde in Höhe eines zweistelligen Millionen-Dollar-Betrags bekannt. Angeführt wird sie von 468 Capital mit Sitz in Berlin und San Francisco. Die genaue Summe nennt Novus nicht.

Serienauslieferungen seit dem Frühjahr

Das Novus One im Stadtverkehr
Das Novus One im Stadtverkehr (c) Novus

Die Serienauslieferungen des Novus One in Europa starteten laut Aussendung im Frühjahr 2026, das Fahrzeug ist in mehreren europäischen Ländern in Kundenhand. Die Founders Edition startet bei 21.300 Euro netto. Das Fahrzeug wiegt 121 Kilogramm, beschleunigt in unter zwei Sekunden von 0 auf 50 km/h und erreicht bis zu 130 km/h. Die 6,2-kWh-Batterie bietet laut Hersteller 150 Kilometer Reichweite und lädt in 90 Minuten von 0 auf 80 Prozent.

Novus bezeichnet das Fahrzeug als „Lightbike“ und reklamiert damit eine eigene Kategorie, die die Vorteile von E-Bike, Roller und Motorrad kombinieren soll. Der eigentliche Kniff liegt in der Zulassung: Das Fahrzeug fährt in zwei per Software einstellbaren Leistungsstufen, als Rollerklasse L1e bis 45 km/h und als Motorradklasse L3e bis 130 km/h. In der Einstiegskonfiguration reicht in den USA und in Europa laut Novus ein Autoführerschein, wobei die Voraussetzungen je nach Land und in den USA je nach Bundesstaat variieren. Damit zielt das Unternehmen nach eigenen Angaben auf über 400 Millionen Autofahrer in Europa und Nordamerika statt auf die Nische des Zweiradmarkts.

„Unser Ziel ist nicht, den Motorradmarkt zu elektrifizieren oder nur ein weiteres Zweirad zu bauen. Unser Ziel ist, urbane Mobilität neu zu verteilen. Investoren dieses Kalibers an Bord zu haben, zeigt mir, dass der Markt das genauso sieht“, sagt Renger.

Vom Musk-Nein zum Tesla-Ingenieur an Bord

Das Shareholder-Ökosystem umfasst laut Novus über 30 Investoren. Mit an Bord ist Eric Bach, ehemaliger Chief Engineer bei Lucid Motors und Director of Engineering bei Tesla, der als Investor und Board Advisor an der Fahrzeugentwicklung mitwirkt. Zudem steigt Martin Hoffmann ein, der On vom Schweizer Startup zur globalen Premium-Performance-Marke skaliert und als CFO und Co-CEO an die Börse gebracht hat. Dazu kommen Gründer und Führungskräfte von Kembara VC, Adidas, Audi, BMW, Chrono24, FINN, Grover, Mercedes-AMG, New Balance, Vay und Xiaomi, Venture-Investoren aus dem Silicon Valley und Europa sowie Rennfahrerin Sophia Flörsch. Ein Zweiradhersteller findet sich unter den Gesellschaftern nicht.

„Wir haben uns nicht nach klassischen Mobilitätsinvestoren umgeschaut. Was wir aufgebaut haben, funktioniert eher wie ein eigener Y Combinator“, sagt Hannes A. H. Krieger, CSO und Gründungsmitglied von Novus.

USA 2027, Novus Two Ende 2027

Das frische Kapital soll in den Marktstart in den USA 2027, die Expansion in europäische Lifestyle-Metropolen und die Entwicklung des Novus Two fließen. Das zweite Modell soll die Lightbike-Kategorie zu einem niedrigeren Einstiegspreis in die Breite bringen, der Produktionsstart ist für Ende 2027 geplant.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

wefox-Gründer: „Wir wollen Versicherungen in Echtzeit anbieten“

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

wefox-Gründer: „Wir wollen Versicherungen in Echtzeit anbieten“

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

wefox-Gründer: „Wir wollen Versicherungen in Echtzeit anbieten“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

wefox-Gründer: „Wir wollen Versicherungen in Echtzeit anbieten“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

wefox-Gründer: „Wir wollen Versicherungen in Echtzeit anbieten“

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

wefox-Gründer: „Wir wollen Versicherungen in Echtzeit anbieten“

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

wefox-Gründer: „Wir wollen Versicherungen in Echtzeit anbieten“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

wefox-Gründer: „Wir wollen Versicherungen in Echtzeit anbieten“

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

wefox-Gründer: „Wir wollen Versicherungen in Echtzeit anbieten“