08.04.2024
FÜR EXPANSION

WeAreDevelopers holt Millionenfinanzierung

WeAreDevelopers holt sich Kapital von der auf Revenue-Based-Financing spezialisierten Gesellschaft Round2 Capital. Mit dem Kapital soll die Expansion der Karriereplattform im Vereinigten Königreich und den Niederlanden vorangetrieben werden.
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Das WeAreDevelopers-Team | (c) WeAreDevelopers
Das WeAreDevelopers-Team | (c) WeAreDevelopers

International bekannt ist das Wiener Unternehmen WeAreDevelopers vor allem für seinen WeAreDevelopers World Congress, der – ursprünglich in Wien gestartet – jährlich in Berlin stattfindet und bereits mit Keynote-Speakern wie Steve Wozniak, Tim Berners-Lee oder Garry Kasparov aufwartete. Das Geschäftsmodell des 2017 gegründeten Unternehmens stützt sich allerdings primär auf die auf Developer fokussierte Karriere-Plattform.

Round2 Capital liefert Revenue-Based-Finanzierung für WeAreDevelopers

Für die weitere Expansion der Plattform holte sich WeAreDevelopers nun eine siebenstellige Finanzierung – die genaue Höhe wurde nicht genannt. Das Kapital kommt von der in Wien und London ansässigen Gesellschaft Round2 Capital. Diese ist auf Revenue-Based-Financing spezialisiert, kauft also keine Unternehmensanteile, sondern sichert sich Umsatzbeteiligungen. Es handelt sich bei der aktuellen Finanzierungsrunde also nicht um ein klassisches Eigenkapital-Investment, wie es im Startup-Bereich üblich ist.

Kapital für Expansion im Vereinigten Königreich und den Niederlanden

Konkret will WeAreDevelopers mit dem Kapital die Expansion im Vereinigten Königreich und den Niederlanden vorantreiben. „Diese Zusammenarbeit [mit Round2 Capital] ist ein wichtiger Meilenstein auf unserem Weg und schafft die Voraussetzungen dafür, dass wir das Wachstum unserer Entwickler-Community und unseren Einfluss auf die Tech-Branche insgesamt weiter verstärken können“, kommentiert Co-Founder und CEO Sead Ahmetović.

„Entwicklung in der DACH-Region unterstreicht Erfolgspotenzial auf der internationalen Bühne“

Stefan Nagel, Managing Partner von Round2 Capital, sagt: „WeAreDevelopers‘ Entwicklung in der DACH-Region unterstreicht ihr Erfolgspotenzial auf der internationalen Bühne. Da Software im Mittelpunkt unserer Investitionsstrategie steht, glauben wir an ihre Vision, eine starke Community und ein Ökosystem im Developer-Bereich aufzubauen, und freuen uns, Teil der nächsten Wachstumsphase zu sein.“

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Korbinian Kasinger will mit kW-Solutions "zum SAP für die Logistik" werden. | Foto: Paul Gruber

Eine große Gründungsvision stand am Anfang nicht. Nach dem Studium stieg Kasinger in die Unternehmensberatung ein und arbeitete viel in Deutschland, unter anderem an einem Strategieprojekt für einen großen deutschen Automobilkonzern. Dort kam er erstmals intensiv mit der Automobilwirtschaft in Berührung, eine Zeit, die ihn fachlich prägte. Mit der Zeit reifte der Wunsch, etwas Eigenes aufzubauen. Gemeinsam mit einem Freund aus Innsbruck setzte er ihn um: Benjamin Walch brachte den technischen Hintergrund mit, Kasinger das Betriebswirtschaftliche. Am 3. September 2021, einen Tag vor seinem 29. Geburtstag, trugen die beiden ihr Unternehmen ein. Das Thema: Ladestationen.

Vom Projektgeschäft zum Software-Unternehmen

Der erste Ansatz war B2C, ein Bundle aus Hardware, Förderabwicklung und Installation. Kasinger erkannte früh das größere Potenzial im wiederkehrenden Geschäft, drehte Richtung B2B und ins Betreiben von Ladepunkten. Große Kund:innen kamen rasch: Magna, die Falkensteiner Hotelgruppe, Casinos Austria sowie der Lebensmittelhändler HOFER – allesamt darf kW-Solutions mit einer Vielzahl an Ladepunkten im In- und Ausland, betreuen.

Der eigentliche Hebel lag in der eigenen Software. Mit „Charly“ baute kW-Solutions einen intelligenten Energiemanager, der Ladeinfrastruktur, Fahrzeuge, Photovoltaik, Batteriespeicher und Energiemärkte zu einem System verbindet. Elektromobilität soll so nicht isoliert, sondern wirtschaftlich, skalierbar und netzdienlich betrieben werden, indem jede Kilowattstunde zum günstigsten Zeitpunkt verladen wird, bis hin zu negativen Strompreisen, bei denen Laden zwischenzeitlich Geld zurückbringen kann. Im Wohnbau, für Kasinger ein „gigantischer Markt“, ist das Unternehmen nach eigenen Angaben inzwischen Marktführer, mit rund 10.000 vorgerüsteten Stellplätzen und etwa 30 verkauften Projekten allein im ersten Halbjahr 2026. „Mittlerweile sage ich: Wir sind ein Software-Unternehmen.“

Vom Pkw bis zum schweren Lkw: kW-Solutions bündelt Ladeinfrastruktur und Energiemanagement auf einer Plattform. | Foto: Paul Gruber

„Charge with Friends“ und die Wette auf die Logistik

Aus dem Wohnbau heraus stieß das Team auf einen Markt mit höherem Puls: die Transportwirtschaft. Daraus entstand „Charly Transportation“, aufgesetzt auf drei Säulen: Sicherheit über einen lokalen Controller, Optimierung über aktives Flottenmanagement und Vernetzung über die Plattform „Charge with Friends“. Dort öffnen Transportunternehmen ihre Depot-Ladeinfrastruktur gegenseitig, bestehende Anlagen werden besser ausgelastet, und statt 50 Cent aufwärts laden Branchenkolleg:innen zu 30 bis 40 Cent netto, nahe an der Preisparität zum Diesel. Entwickelt wurde das Produkt in nur rund drei Monaten. Bis Jahresende will kW-Solutions ganz Österreich abdecken. „Wir haben einen Nerv der Zeit getroffen, zu hundert Prozent“, sagt Kasinger.

Das Potenzial ist groß: Von rund 75.000 schweren Nutzfahrzeugen in Österreich ist erst etwas mehr als ein Prozent vollelektrisch, bei Neuzulassungen sind es bereits rund zwölf Prozent. Kasinger denkt entsprechend weit: „Ich glaube, wir werden, hinsichtlich wechselseitiger Integrationstiefe sowie Relevanz, in 2 bis 3 Jahren zum SAP für die Logistik.“ Den deutschen Markt geht er strategisch an, gesteuert vom neuen Münchner Standort. Für 2026 erwartet er 60 bis 70 Prozent Umsatzwachstum auf rund vier bis viereinhalb Millionen Euro. Auch beim bidirektionalen Laden meldet das Unternehmen einen Erfolg: den nach eigenen Angaben ersten erfolgreichen V2G-Test im Netzgebiet der Wiener Netze.

Antrieb und Haltung

Anerkennung gab es zuletzt reichlich: den brutkasten „Innovator of the Year 2025″, einen Umweltpreis als Jungunternehmen des Jahres und eine Auszeichnung auf einer großen Immobilienmesse in München. Mit 20 Mitarbeitenden und einem Management-Team rund um CCO Matthias Moldaschl ist die Führung breit aufgestellt. Kasinger weiß genau, wo seine Stärken liegen: im schnellen Gespür für den Markt und in der Beharrlichkeit, Dinge auf den Boden zu bringen. Wichtig ist ihm eine Kultur, in der sich Aufrichtigkeit und Wertschätzung überlappen.

Würde er noch einmal in Österreich gründen? „Ja, ganz klar. Ich fühle mich Österreich sehr verbunden.“ Seine Mission liegt eine Ebene höher: den Strommarkt zu dynamisieren, Nachfrage und Angebot digital in Einklang zu bringen, smarte Netze statt reinem Netzausbau. Die Grundfrage sieht er als entschieden: „Wir haben uns als Gesellschaft darauf verständigt, dass Strom der primäre Energieträger der Zukunft ist. Das läuft schon.“ Es ist dieselbe Haltung, die ihn von Anfang an trägt: einmal entschieden, dann dranbleiben.


Disclaimer: Dieses Porträt entstand im Rahmen des Innovator of the Year 2025.

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