11.02.2025
KI-CHATBOT MIT NUDGING

Warum über 30 Prozent der Asfinag-Belegschaft eine KI namens „Agnes“ nutzen

Die Einführung von KI in Unternehmen kann - vor allem bei zahlreichen Mitarbeitenden - schwierig vorangehen. Die Asfinag hat erst letzten Sommer den KI-Chatbot "Agnes" eingeführt, kurze Zeit später nutzten ihn 30 Prozent der Belegschaft. Welche Schritte dafür gesetzt wurden und warum Verpflichtung dabei nicht zum Erfolg führt.
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Foto: Asfinag

Seit 1982 kümmert sich die Asfinag AG um Planung, Finanzierung, Bau, Betrieb und Maut des österreichischen Autobahnnetzes. Mittlerweile zeigt sie sich mit einer neuen KI-Technologie: Dem Chatbot „Agnes“, der auf der Plattform „Ginger AI“ des IT- und Softareexperten Nagarro basiert. Die Einführung gestaltete sich relativ „smooth“, heißt es von der Asfinag: Manche fanden es „sofort cool“, einige Bereiche jedoch waren kritisch.

Ein Drittel der Asfinag mochte „Agnes“ gleich

Schon kurz nach Einführung des Chatbots im Sommer 2024 nutzten über 30 Prozent der Asfinag-Belegschaft die neue KI-Anwendung. Und zwar freiwillig, wie es vonseiten des Infrastrukturdienstleisters heißt.

Der Chatbot „Agnes“ nutzt generative KI und natürliche Sprachverarbeitung – auch unter dem Kürzel „NLP“ für „natural language processing“ bekannt – und wurde als KI-Projekt gemeinsam mit dem IT-Experten Nagarro gestartet.

Die Intention: Mitarbeiter:innen mit KI im täglichen Arbeitseinsatz zu helfen. Implementiert wurde der neue Chatbot schon lange, bevor es ihn tatsächlich gab, wie Thomas Schirgi, Projektmanager bei der Asfinag, erzählt: Schon bevor der Chatbot als „Agnes“ präsentiert wurde, startete die Asfinag interne Schulungen im Rahmen von Live-Events, „um die Teams in Sachen Künstliche Intelligenz zu informieren und Berührungsängste abzubauen“.

„Manche fanden es sofort cool“

Ein wesentlicher Teil der KI-Integration in interne Asfinag-Prozesse war das Aufsetzen eines Netzwerkes an „Content Ninjas“. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk an Mitarbeiter:innen, die in ihren jeweiligen Fachbereichen dafür sorgten, dass die neue KI mit den richtigen Inhalten gefüttert wurde.

Diese Maßnahme förderte die Akzeptanz und Integration der KI in den einzelnen Geschäftsbereichen der Asfinag. Mit der Zeit bekam der neu eingeführte KI-Chatbot seinen Namen: „‚Agnes‘ kann man sich leicht merken. Das sinkt die Hemmschwelle und ist gleichzeitig eine Story. Die Leute sind von Anfang an dabei“, so Projektmanager Schirgi.

Manchmal Kritik und keine Verpflichtung

Dennoch traf „Agnes“ seit ihrer Einführung nicht rein auf Zustimmung: Aus einigen Geschäftsbereichen kam Kritik – unter anderem von Belegschaft, die KI auf den Prüfstand stellt und sehen will, „wie gut sie wirklich ist. Dann sind sie doch überrascht, wie gut der Output ist“, erzählt der Projektmanager weiter.

Verpflichtend ist die KI-Nutzung allerdings nicht: Der Zugriff steh „jedem Asfinag-Mitarbeitenden offen, ist freiwillig und kein Muss“, heißt es. „Agnes“ kann beispielsweise auch direkt im firmeninternen Kommunikationstool MS Teams befragt werden.

Ein Hauptaugenmerk wird hierbei auch auf den Datenschutz gelegt, so Schirgi: Persönliche Daten werden nicht getrackt. Mit diesem Zugang habe man relativ schnell über 30 Prozent der Belegschaft erreicht. Die Nutzungstendenz sei weiterhin steigend.

Eine Hilfe, „aber kein Ersatz für Expert:innen“

Nach eigenen Angaben treffen vor allem die einfache Bedienung und Niederschwelligkeit des KI-Modells auf Akzeptanz. Wegweisend dafür war unter anderem die von Nagarro empfohlene KI-Integration in die Microsoft-Teams-Applikation sowie der Einbau von spielerischen Elementen, heißt es.

„Wir werden nicht müde zu betonen, dass Künstliche Intelligenz hier und heute eine Hilfe, aber kein Ersatz für die Experten und Expertinnen ist. Diese Brücke zu konstruieren ist es, wofür wir Digitalisierungsberater antreten“, betont Bernd Ruiss bei Nagarro. „Nagarro hat uns mit Themenverständnis und Technologiekompetenz sehr unterstützt“, betont auch Schirgi. „Um KI den Teams näher zubringen braucht man Tools und Maßnahmen, die auch funktionieren, da hat Nagarro seine Erfahrung unter Beweis gestellt.“

Nächster Schritt bereits in Planung

Die Integration von KI soll natürlich weiter gefördert werden. Dahingehend plant man sogenannte Nudges als Erinnerungen und Handlungsempfehlungen für Mitarbeitende. Die Nutzung des internen KI-Chatbots soll damit proaktiv unterstützt werden. Außerdem arbeite man an einer Erweiterung des Funktionsumfangs, etwa durch eine Anbindung des IT-Shops, „wo Bestellungen aufgegeben oder Support-Tickets eröffnet werden können“.

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Ein Elektrobus der Belgrader Verkehrsbetriebe lädt an einer Schnellladestation von Siemens. | (c) Alexandra Polic

Belgrad steht. Auto an Auto schiebt sich durch die Stadt, dazwischen fahren Busse, die ihr erstes Leben woanders verbracht haben: in Deutschland oder in Österreich zum Beispiel. Manche tragen noch die alten Aufkleber. „Notausstieg” steht da auf Deutsch auf einem Fenster, mitten in Serbiens Hauptstadt.

Es verwundert also wenig, dass einem in neun Tagen in Serbien nur eine einzige Haltestelle mit E-Bussen auffällt. Immerhin gab es die zu Lebzeiten der nun serbischen Busse in deutschsprachigen Ländern kaum. Aufhalten lassen sich ausländische Firmen dadurch nicht. In Belgrad verkauft etwa der chinesische Konzern BYD Elektroautos. Nur: Auf der Straße sieht man kaum welche. Trotzdem sollen ausgerechnet hier, in einem Land mit fossilem Antrieb, neue Wasserstoffprojekte entstehen, gefördert aus europäischen Ländern, zum Teil sogar aus Mitteln der EU. Woran liegt das?

Europas große Wette auf grünen Wasserstoff

Zum einen drängen die Ziele: Bis 2030 will die EU zehn Millionen Tonnen grünen Wasserstoff selbst produzieren und ebenso viel importieren. So steht es im REPowerEU-Plan. Es ist eines der ambitioniertesten industriepolitischen Vorhaben der Union und ein zentrales Werkzeug, um im Wettbewerb mit den USA und China zu bestehen. Der Draghi-Report 2024 nennt hohe Energiekosten und Importabhängigkeit als Hauptgrund, warum Europas Industrie zurückfällt. Seine Forderung: dekarbonisieren.

Grüner Wasserstoff kann dabei helfen. Er funktioniert dort, wo direkte Elektrifizierung an Grenzen stößt, etwa in Stahl, Chemie, Schifffahrt und Schwerlastverkehr, und ersetzt fossile Importe. Er ist Klima-, Industrie- und Souveränitätspolitik in einem. Hergestellt wird er in Elektrolyseuren: Anlagen, die Wasser mithilfe von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff spalten. Grün ist er nur, wenn der Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wind, Sonne oder Wasserkraft stammt.

Aber der Hochlauf stockt. Die Produktion ist teuer, die Infrastruktur fehlt. 2024 waren in der EU laut European Hydrogen Markets Monitoring Report 308 Megawatt Elektrolysekapazität installiert. Vorgesehen waren 6.000. Bis 2030, so sieht es die EU-Wasserstoffstrategie vor, sollen es 40.000 werden.

Serbien: Ein Kandidat ohne Plan

Während Spanien als Vorreiter gilt und in Österreich mit 140 Megawatt die bisher größte Elektrolyseanlage des Landes entsteht, versuchen europäische Akteure auch den serbischen Markt zu erschließen. Dabei fehlt Serbien bis heute eine nationale Wasserstoffstrategie.

Politisch ist das Land seit 2012 EU-Beitrittskandidat und aktuell so weit von einer Mitgliedschaft entfernt wie lange nicht. Im jüngsten Fortschrittsbericht attestierte die EU-Kommission Serbien das schlechteste Zeugnis aller Kandidaten, die Reformen seien zum Stillstand gekommen. Proteste, Korruptionsvorwürfe und Neuwahlen Ende Oktober halten das Land in Aufruhr. Kann aus einem Beitrittskandidaten ohne Strategie ein Energiepartner werden? Und was heißt das für alle, die dort investieren wollen?

Im Navigator Business Center in Novi Beograd sind zahlreiche Unternehmen und Startups angesiedelt. | (c) Alexandra Polic

Keine Nachfrage für Wasserstoff

„Alle vier Jahre wird Wasserstoff zum wichtigsten Thema, und dann verschwindet er wieder von der Agenda. Gerade sind wir eher unten auf der Kurve. Die Investitionen rund um Wasserstoff sind so niedrig wie seit Jahren nicht”, sagt Rahul Mishra, Co-Founder von The Energy Bridge. Die Wiener Plattform bringt Forscher:innen, Unternehmer:innen und Investor:innen zusammen. „Serbien ist auf jeden Fall ein interessanter Ort für erneuerbare Energien. Was grünen Wasserstoff betrifft, bin ich mir allerdings nicht so sicher”, sagt Mishra. Grüner Wasserstoff mache nur dort Sinn, wo es bereits einen hohen Anteil an erneuerbarer Energie gebe.

Aber von Serbiens heimischer Energieproduktion entfielen laut Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) 2024 rund 70 Prozent auf fossile Brennstoffe, während Sonne, Wind und andere Erneuerbare zusammen nur etwa 1,4 Prozent beitrugen. Damit fehlt genau die Voraussetzung, die Mishra nennt. Dazu kommt ein Richtungswechsel in Brüssel: Mit ihrem im Juli präsentierten Elektrifizierungsplan setzt die EU-Kommission stärker auf Strom als auf Wasserstoff.

Tiefschwarz

Viele Menschen in Serbien sagen unabhängig voneinander das Gleiche: dass das Land tiefschwarz ist. Schwarz steht in diesem Fall für Kohle. Wasserstoff ist in Serbien ein Thema für einen kleinen Kreis von Fachleuten. Selbst manche Institutionen zeigten sich auf Anfrage überrascht, dass es solche Projekte im Land gibt. Das serbische Energieministerium hat auf Anfragen nicht reagiert.

Warum Projekte feststecken

Dabei haben in den vergangenen Jahren vor allem deutsche Firmen versucht, den serbischen Wasserstoff-Sektor aufzubauen. Laut Informationen der Deutsch-Serbischen Wirtschaftskammer (AHK) steckt ein Pilotprojekt gerade wegen regulatorischer Probleme in der Planung fest. Selbst für Pilotprojekte fehlen also Verordnungen, etwa zur Sicherheit.

Erst im Jänner hat Serbien ein nationales Gesetz zu CO₂-Emissionen eingeführt, das dem EU-Emissionshandel entsprechen soll. Wasserstoff fehlt darin, obwohl er unter den EU-Grenzausgleich CBAM fällt. Die Kammer hatte dessen Aufnahme in der öffentlichen Konsultation gefordert, blieb damit aber erfolglos.

Viele Ankündigungen, wenig Umsetzung

Ilija Batas-Bjelić forscht am Institut für Technische Wissenschaften der Serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste (SANU). Er modelliert Energiesysteme, mit dem seines Landes hat er sich umfassend auseinandergesetzt. Sein Fazit: „Im Grunde gibt es hier kein System.” Ein echtes Energiesystem verbindet viele verschiedene Komponenten zu einem funktionierenden Ganzen: Kraftwerke, Netze, Verbraucher:innen sowie unterschiedliche Sektoren wie Strom, Wärme und Transport. In Serbien fehlt diese Verzahnung bisher.

Laut Batas-Bjelić liegt das Land in der Energiewende rund zwanzig Jahre zurück, weil Kohle für das Finanzministerium die zentrale Einnahmequelle bleibt und notfalls sogar importiert wird. Das Energieministerium habe zwar viel Arbeit in Regulierung und Gesetzgebung gesteckt, aber für die Umsetzung fehle alles: das Geld, das Fachpersonal und die Infrastruktur. „Es gibt viele Ankündigungen, aber es passiert nichts”, sagt er.

Wer trotzdem baut

„Generell halte ich Wasserstoff für diese Region für etwas zu teuer”, sagt der Forscher. „Von Fall zu Fall kann sich Wasserstoff wirtschaftlich lohnen und für Banken finanzierbar sein”, erklärt er. Den Anstoß erwartet er vor allem von kleineren Unternehmen. Solarstrom und PV-Anlagen seien billig, die Gasversorgung bleibe unsicher. Wer eine eigene PV-Anlage betreibt, könne damit auch vor Ort Wasserstoff erzeugen.

Die Theorie bestätigt sich in der Praxis. Nach Informationen aus dem Umfeld der deutschen Entwicklungsbank KfW kommt derzeit nur ein Wasserstoffprojekt im Land wirklich voran: das eines privaten Transportunternehmens nahe Belgrad. Es will Strom aus einer eigenen Solaranlage in Wasserstoff für die eigenen Lkw umwandeln, die Tankstelle soll bis Mitte 2027 in Betrieb gehen. Das Projekt ist aus Eigenmitteln finanziert. Der Aufwand für Förderungen stand in keinem Verhältnis zur Summe. Wer in Serbien auf Wasserstoff setzt, ist bisher auf sich allein gestellt. Aber was heißt das für jemanden, der investieren will?

Wo der Markt wirklich liegt

Die Gesprächspartner:innen zeigen alle in dieselbe Richtung, und sie zeigt nicht auf Wasserstoff. Batas-Bjelić beobachtet, dass derzeit ausschließlich kleine Solarprojekte tatsächlich gebaut werden, während größere Vorhaben liegen bleiben, und erwartet den Anstoß von Unternehmen selbst. Wer in Serbien in Erneuerbare investieren will, muss also kleiner denken: bei Anlagen für den Eigenverbrauch von Betrieben.

Die Deutsch-Serbische Wirtschaftskammer verweist auf eine konkrete Lücke, die auch für österreichische Investor:innen interessant sein könnte: Deutsche Firmen haben in Serbien längst selbst Photovoltaik installiert und ihre Prozesse optimiert, um auf das CO₂-Grenzausgleichssystem CBAM der EU vorbereitet zu sein. Ihre kleineren serbischen Zulieferer haben das nicht. Deren Emissionen schlagen nämlich auf die Klimabilanz ihrer internationalen Abnehmer durch. Und genau dort sei Raum für Investitionen.

Für alle Bereiche rät Daniel Schaub von The Energy Bridge, lokale Akteure einzubeziehen. „Wenn die Community rund um ein Projekt dagegen ist, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit scheitern. Die Community einzubinden, senkt dieses Risiko, und das ist bei Investitionen wichtig.” Wissenstransfer und lokale Arbeitsplätze gehören für ihn dazu.

Bei grünem Wasserstoff ist Serbien noch nicht so weit. Wer dort trotzdem investieren will, sollte beim Fundament anfangen, gemeinsam mit den Menschen vor Ort.


Dieser Beitrag ist im Rahmen von „eurotours 2026″ entstanden, einem Projekt des Bundeskanzleramts, finanziert aus Bundesmitteln.

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