17.12.2025
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Warum tech2b auf MedTech und GreenTech setzt

Der oberösterreichische Inkubator tech2b unterstützt Tech-Startups aus allen Bereichen. Mit MedTech und GreenTech wurden aber gleichzeitig zwei besondere Fokusfelder definiert - mit besonderen Chancen und Herausforderungen.
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Clemens Zillner verantwortet bei tech2b den GreenTech-Bereich, Nina Gruber den MedTech-Bereich | (c) tech2b
Clemens Zillner verantwortet bei tech2b den GreenTech-Bereich, Nina Gruber den MedTech-Bereich | (c) tech2b

„Gründungen in dem Bereich brauchen noch mehr Unterstützung – mehr Geld, mehr Zeit und mehr Spezialwissen“, sagt Nina Gruber. Sie spricht von MedTech-Startups – ein Feld, das sie beim oberösterreichischen Inkubator tech2b verantwortet. „Und wir bleiben auch dabei, wenn’s durchs Tal der Tränen geht“, ergänzt sie.

Starkes regionales Netzwerk als Basis für MedTech-Schwerpunkt

Seit etwas mehr als sechs Jahren ist MedTech eines der Fokusfelder von tech2b. Nicht zufällig, wie Gruber erklärt: „Die ersten Pilotprojekte hatten wir im Zuge der Gründung der medizinischen Fakultät an der Uni Linz.“ Von Beginn an war dabei auch der Medizintechnikcluster von Business Upper Austria als Partner an Bord. „Es ist von Anfang an extrem gut gelaufen und aus dem Pilotprojekt wurde ein dauerhaftes Angebot“, erzählt Gruber.

GreenTech: Unterstützung nicht nur für spezialisierte Startups

Auch GreenTech ist bereits seit mehr als drei Jahren ein Fokusfeld des Inkubators. „Es war für uns klar, dass Startups einen entscheidenden Beitrag zur Lösung der Herausforderungen von Heute liefern können“, sagt Clemens Zillner, der den Bereich bei tech2b leitet. Unterstützt werden von seinem Team aber nicht nur explizite GreenTech-Startups. „Wir stoßen alle inkubierten Startups an, sich mit Impact-Themen wie etwa der Lieferkette oder dem CO2-Fußabdruck zu befassen“, so Zillner. Und nicht nur das: „Wir müssen auch als tech2b das vorleben, was wir sagen und setzen eine ganze Reihe von Maßnahmen um.“

„Diese Startups schaffen Fortschritt dort, wo er am dringendsten gebraucht wird“

Es sind zwei auch für die Gesellschaft besonders relevante Felder, wie tech2b-Geschäftsführer Lukas Keplinger betont: „Wir sehen bei tech2b täglich, wie stark nachhaltige Innovation sein kann. Diese Startups schaffen Fortschritt dort, wo er am dringendsten gebraucht wird.“ Gruber ergänzt: „Alle in diesem Ökosystem sehen sehr stark die Möglichkeiten, etwas zum Wohle der Menschheit beizutragen. Das motiviert.“

Unterstützung ganz von Beginn an

Und wie werden die Startups konkret unterstützt? „Wir haben uns eine 360-Grad-Betreuung auf die Fahnen geschrieben. Es ist ein individualisiertes Angebot, das liefert, was Gründer:innen wirklich benötigen“, erklärt Nina Gruber. Schon zu Beginn helfe man etwa im sehr wissenschaftlich geprägten MedTech-Bereich, Gründer:innen aus der Forschung mit solchen mit betriebswirtschaftlichem Know-how zusammenzubringen.

„Sorgen quasi dafür, dass die Gründer:innen nicht gleich mit einem Fuß im Gefängnis stehen“

„Auch sonst gibt es gerade im MedTech-Bereich, aber auch generell viele Dinge, die man gleich zu Beginn richtig machen sollte, um später keine Probleme zu bekommen. Wir sorgen quasi dafür, dass die Gründer:innen nicht gleich mit einem Fuß im Gefängnis stehen“, so Gruber. Es ist ein Ansatz, den Clemens Zillner auch in seinem Bereich so sieht: „Nachhaltigkeit sollte jedes Startup von Beginn an mitdenken – und dabei unterstützen wir. Dinge später umzustellen, wird schwierig.“

Breites Angebot im Inkubator

Das tech2b-Angebot im Inkubator geht dann natürlich weit über die Anfangsphase hinaus. Es reicht von – für MedTech- und GreenTech-Startups erhöhter – finanzieller Unterstützung über umfassende Netzwerk-Möglichkeiten, einen Arbeitsplatz im Co-Working-Space, zumindest zwei Personen aus dem tech2b-Team, die ihre Expertise einbringen bis zu einem Mentor:innenpool. „Das sind zum Beispiel erfolgreiche Gründer:innen oder Personen aus der für MedTech relevanten Industrie, die das alle mit viel Leidenschaft machen“, erläutert Gruber. „Startups haben damit auf einen Schlag ein großes Team. Das ist eine enorme Erleichterung und hilft ihnen extrem weiter.“

„Wir haben dort für fast jede Fragestellung einen Sparring Partner“

Das bestätigt auch Bioinformatikerin Marlene Rezk-Füreder, Mitgründerin und CEO des inkubierten FemTech-Startups Diamens: „Für uns ist tech2b weit mehr als reine finanzielle Unterstützung. Wir haben dort für fast jede Fragestellung einen Sparring Partner und wenn die Expertise nicht direkt im Haus ist, kennt tech2b immer jemanden, der weiterhelfen kann.“ Besonders wertvoll seien auch die angebotenen Workshops und das ehrliche Feedback. „Gerade als Startup verliert man bei der Fülle an Input schnell den Fokus, und tech2b hilft dabei, diesen zu schärfen“, so Rezk-Füreder.

Von der frühen Phase bis zum Unternehmensaufbau

Ähnlich äußert sich Marco Kner, Co-Founder und CEO des IndustrialTech-Startups COISS, über die Unterstützung im GreenTech-Bereich: „tech2b hat uns von der frühen Phase bis zum Unternehmensaufbau begleitet und uns mit einem starken Netzwerk für nachhaltige Praktiken entscheidend weitergebracht. Am hilfreichsten war das Netzwerk an Mentoren.“

Starkes Netzwerk in der Internationalisierung

Das Netzwerk von tech2b spielt auch eine entscheidende Rolle, wenn es um Unterstützung bei der Internationalisierung geht. „Die MedTech-Branche ist mitunter sehr konservativ. Man kann oft nicht einfach ein Ticket für wichtige Konferenzen kaufen – es braucht enge Beziehungen zu relevanten Partnern“, erklärt Gruber. tech2b unterstütze Gründer:innen aber auch bei sehr praktischen Fragen wie Visa-Bestimmungen oder den Voraussetzungen für internationale Ausgründungen.

Clemens Zillner fasst zusammen: „Was brauche ich, wenn ich den Schritt über die Grenze setzen will? Welche Kriterien muss ich erfüllen? Wir bieten hier einen raschen Zugang zu Kontakten, helfen beim Identifizieren passender Förderungen und bereiten die Gründer:innen auf eine Reihe relevanter Themen vor.“

„tech2b ist so etwas wie der zentrale Treffpunkt für Startups“

Und der Netzwerk-Gedanke spielt letztlich auch innerhalb der Organisation eine große Rolle, wie Diamens-Gründerin Rezk-Füreder betont: „tech2b ist so etwas wie der zentrale Treffpunkt für Startups. Man läuft sich ständig über den Weg, tauscht sich aus und profitiert voneinander.“ 

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Öklo-Geschäftsführer und Gründer Niko Bogianzidis mit
Öklo-Geschäftsführer und Gründer Niko Bogianzidis mit "Golden Shower" | (c) Öklo

Die britische Times, die deutsche Bild-Zeitung und die französische Nachrichtenagentur AFP griffen die Story im Frühling 2025 auf: Das Wolkersdorfer (NÖ) Startup Öklo, nach eigenen Angaben Europa-Marktführer bei Komposttoiletten, kündigte ein Bier aus recyceltem Urin an. Eineinhalb Jahre später setzte das Unternehmen rund um Gründer Niko Bogianzidis das Vorhaben nun in die Tat um.

„Aufs Patriarchat pinkeln“

Gerade einmal 2.500 Flaschen zu je 0,33 Liter umfasst die erste und möglicherweise einzige Charge des Biers mit dem Namen „Golden Shower“. Diese sollen nur im Rahmen spezieller Aktionen verkauft werden und sonst von Öklo selbst in seinem Netzwerk genutzt werden. Mit der stilisierten Abbildung einer Transgender-Person und dem Slogan „aufs Patriarchat pinkeln“ auf dem Etikett sorgt das Bier gewiss für zusätzliche Aufmerksamkeit.

Auch das Etikett von „Golden Shower“ sorgt für Aufmerksamkeit | (c) Öklo

Bewusstsein für Wasserverschwendung als Hauptziel

Wer hinter all dem eine Marketing-Aktion vermutet, hat freilich Recht. Noch mehr als die erwähnte politische Message auf dem Etikett betont Gründer Bogianzidis ein anderes Ziel: „Mein Ziel mit Öklo und eben auch unserem nun produzierten Urin-Bier ‚Golden Shower‘ war und ist es, Bewusstsein für Wasserverschwendung zu schaffen und dieser im Sinne der Kreislaufwirtschaft entgegenzuwirken. Wasserknappheit ist auch bereits vor unserer Haustür und in ganz Europa ein Riesenthema, wie dieser Sommer zeigt, und wird noch an Bedeutung gewinnen“, sagt er.

Zudem sei es ein Anliegen des Projekts, Urin als Wertstoff anzuerkennen, etwa wiederverwertet als Brauchwasser oder als hochwertige Phosphorquelle. „Anstatt ihn in Phosphorminen in Afrika & Co. teuer als Langzeitdünger auszugraben, wäre es auch möglich, einen Gutteil des Bedarfs über diesen Weg direkt vor Ort zu decken. Es war und ist viel möglich, wenn Entscheidungsträger nur wollen“, so Bogianzidis.

Nur destilliertes Wasser aus Urin im „Urin-Bier“

Auch für „Golden Shower“ wird nur ein einzelner Bestandteil des aufbereiteten Urins genutzt, nämlich destilliertes Wasser. „Wir haben zuerst den Nährstoff Struvit, der als hochwertiger Langzeitdünger verwendet wird und dann Stickstoff aus dem Urin gefiltert. Anschließend wurde das Wasser mittels des Prozesses der Umkehrosmose und anschließender Destillation final bearbeitet und nutzbar gemacht“, erklärt der Gründer. Das gereinigte Wasser sei dann von einem offiziellen Ziviltechnikerbüro in Prüftests als gesundheitlich unbedenklich und für den Brauvorgang geeignet abgesegnet worden.

Diesen übernahm dann die Mostviertler Bio-Brauerei Erzbräu mit Braumeister Benjamin Bruckner. Den Kontakt habe Öklo-Kooperationspartner Muschikraft, eine feministische Craftbier-Marke, hergestellt. „Wir haben uns für die Produktion eines hochwertigen, nicht gefilterten Märzen, zu Englisch Lager, entschieden. Da destilliertes Wasser nicht wirklich lebt, haben wir die 1.000 Liter Wasser von Öklo sicherheitshalber mit zehn Prozent frischem Quellwasser im Tank angereichert, damit die Hefe als lebender Zellorganismus jedenfalls gut reagieren und arbeiten kann“, erklärt Bruckner.

Erzbräu-Braumeister Benjamin Bruckner | (c) oliacreations

Auch er betont die Zielsetzung der Aktion: „Wir leben in einer sehr ressourcenraubenden, verschwenderischen Gesellschaft. Gerade auch beim knappen Gut Wasser, wie wir selbst in Europa diesen Rekordsommer gesehen haben. Es gibt aber effiziente Wege, dem zu begegnen und gegenzuwirken und darauf wollen wir mit diesem Projekt hinweisen.“

Weitere Chargen laut Öklo „nicht ausgeschlossen“

Ob es bei den 2.500 Flaschen bleibt, ist aktuell noch unklar. Weitere Chargen seien „nicht ausgeschlossen“, heißt es von Öklo dazu lediglich. Indessen treibe man weiterhin das Leuchtturm-Projekt „Öklo-Land“ voran – Gründer Bogianzidis sprach dazu bereits vor einem Jahr im brutkasten-Talk. Auf 13.000 Quadratmetern nahe Wolkersdorf soll dabei ein modulares Biomasse-Recycling-Center und Kompetenzzentrum entstehen, das menschliche Fäkalien und biologische Abfälle in Rohstoffe wie Wasser, Dünger und Pellets sowie in Energie, konkret Biogas, umwandelt.

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