11.03.2025
BETEILIGUNG

Warum ROI Ventures in ein B2C-Startup von Hank Ge investierte

ROI Ventures hat heute ein Investment in Bali Curls erstmals öffentlich kommuniziert - ein B2C-Startup. Beteiligt ist das Unternehmen bereits seit 2022.
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Laura Raggl (Gründerin ROI Ventures), Robert Karacic (CEO bei Bali Treatment) und Hank Ge (Gründer Bali Treatments) | Foto: ROI Ventures

In einem LinkedIn-Posting gab Gründerin und Managing Partner Laura Raggl heute bekannt, dass ROI Ventures vor einiger Zeit in das B2C-Unternehmen Bali Treatment von Hank Ge investiert hat. Das überrascht – immerhin zählen zum Portfolio der Angel-Investment-Gruppe ansonsten ausschließlich Startups aus dem Technologie- und B2B-Sektor.

Im Gespräch mit brutkasten erklärt Raggl, wie es zu dem Deal kam: „Hank war der Nachbar von unserem alten Office, wir haben viel über Business-Ideen gesprochen. Vor zwei Jahren hat sich für Hank die Möglichkeit ergeben, Haarpflegeprodukte für lockige Haare zu entwickeln. Und wir haben uns gedacht: spannendes Produkt, gutes Momentum, wir kennen uns – genau nach dem suchen wir als Investoren.“

Serial Entrepreneur Hank Ge

Hank Ge, dessen bürgerlicher Name Hendrik Genotte ist, hatte sich in Wien bereits zuvor einen Namen gemacht – brutkasten berichtete. Mit mittlerweile mehr als 500.000 Followern zählt er zu den einflussreichsten Influencer:innen Österreichs. In Wien wurde er vor allem durch die Gastro-Konzepte Bali Brunch, PizzeriaWolke und die Speakeasy-Bar Fitzcarraldo bekannt.

Bali Curls macht Pflegeprodukte

Seine Marke Bali Curls hat sich auf die Pflege von lockigem Haar spezialisiert. Die Produkte werden mittlerweile in mehreren Ländern verkauft. In diesem Jahr rechnet Raggl mit zehn Millionen Euro Umsatz. „Der größte Umsatz wird über Retail Sales gemacht, wir sind damit jetzt schon in über fünf Märkten vertreten. Die nächsten Schritte sind, weitere Märkte hinzuzufügen und weitere Produkte zu launchen“, sagt die ROI-Ventures-Gründerin.

Keine weiteren Investments in B2C-Startups geplant

ROI Ventures ist bereits seit der Gründung 2022 an dem Startup beteiligt. „Hank war von Anfang an im Lead, aber wir waren der Sparring Partner“, erzählt Raggl. Aktuell hält die ROI Holding GmbH 27,04 Prozent Unternehmensanteile.

Das Investment in ein B2C-Startup soll jedenfalls ein Einzelfall bleiben. „Wir investieren vorwiegend in B2B-Software-Tools und wollen das auch weiterhin so machen. Das war jetzt etwas, das gut funktioniert hat, aber nichts, was wir regelmäßig machen wollen“, sagt Raggl.

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Biotech Summit Austria: Der Wille zum Champion ist da – das Kapital noch nicht

Kommentar: Karin Hofelich war beim Biotech Summit Austria in Innsbruck und fragt: Kommt das Geld aus dem neuen Dachfonds auch bei Biotech-Unternehmen an?
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V.l.n.r.: Peter Llewellyn-Davies (Präsident BIOTECH AUSTRIA), Lejla Pock (CEO Human.technology Styria), Marcus Hofer (CEO Standortagentur Tirol) © BIOTECH AUSTRIA

Rund 250 Teilnehmer:innen aus zwölf Ländern, zwei Tage in Innsbruck, ein Motto: „Start up, Scale up, Step up!“ Mit vielen neuen Kontakten und einem guten Gefühl bin ich nach Hause gefahren und mit einer offenen Frage: Die österreichische Biotech-Branche ist so gut vernetzt wie nie, aber woher kommt  künftig das Geld, damit aus exzellenter Forschung Unternehmen werden, die in Europa groß werden?

Am Wissen fehlt es nicht. Ob Europa in der Biotechnologie mitspielt, entscheidet sich an der Finanzierung der Wachstumsphase.

Europa zwischen den USA, Golfstaaten und China

Der Schwerpunkt des Summits lag auf dem Scaleup, also auf dem Schritt vom Startup zum international wachsenden Unternehmen.

Ein Bild für die Zukunft der Pharmatrends zeichnete Claudio Albrecht, ehemaliger CEO der Stada AG. Er sprach darüber, wie Geopolitik, neue Technologien und sich wandelnde Gesundheitssysteme die Pharmaindustrie bis 2035 prägen könnten. Besonders hervorgehoben hat er dabei die Transformation Chinas von einer Service-Industrie zu einem Innovationsmotor sowie die Dynamik in den Golfstaaten. Europa widmete er keine eigene Folie in seiner Präsentation, was vom Publikum hinterfragt wurde. Es wirft die Frage auf, welchen Stellenwert Europa künftig im globalen Wettbewerb überhaupt noch spielen wird.

(c) Hofelich – Claudio Albrecht gab einen Ausblick in die Zukunft.

 Ein Champion, der nicht auswandern muss

Den Gegenentwurf lieferte Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) und ehemaliger Bundeskanzler. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir vor allem ein Satz: „The next champion should not need to leave Europe in order to become a global champion.“ 

(c) Hofelich – Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB).

Das Ziel ist ambitioniert und gerade in der Biotechnologie bislang schwer erreichbar. Entwicklungszyklen dauern hier i. d. R. mehr als ein Jahrzehnt. 

Der Startup- & Scaleup-Dachfonds: eine gute Nachricht mit Fragezeichen

Für die Branche besonders interessant war die Diskussion über den geplanten österreichischen Dachfonds. Stefan Haubner, Founding Partner bei APEX Ventures, widmete sich der Frage, ob Europa ein eigenes Modell für Venture Capital braucht. Dabei ging es auch um den österreichischen Fund-of-Funds. 

Der Dachfonds soll Anfang 2027 starten. Der Staat steuert 100 Mio. Euro bei, institutionelle Investoren sollen weitere 400 Mio. Euro bringen. Das ist ein wichtiges Signal. Weil es ein Dachfonds ist, investiert er aber nicht direkt in Unternehmen, sondern in andere Fonds.

Wie viel von diesem Geld tatsächlich bei Biotech-Unternehmen ankommt, ist derzeit offen.

Life Sciences brauchen Investoren mit Fachwissen und langem Atem. Davon gibt es in Österreich nur wenige. Wenn der Dachfonds vor allem in Generalisten-Fonds fließt, könnte die Biotechnologie leer ausgehen.

Tirol zeigt, wie Standortarbeit aussieht

Auch organisatorisch war der Summit ein Vorzeigeprojekt. Veranstaltet wurde der Summit von BIOTECH AUSTRIA, Human.technology Styria und der Standortagentur Tirol. Vor Ort vertreten waren Peter Llewellyn-Davies, Präsident von BIOTECH AUSTRIA, Marcus Hofer, CEO der Standortagentur Tirol, und Lejla Pock, CEO von Human.technology Styria. Äußerst charmant moderiert hat Damita Pressl.

Die Villa Blanka hoch über Innsbruck bot eine außergewöhnliche Kulisse; ebenso das Gala-Dinner am Abend in der Rooftop-Bar des Hotels aDLERs. Begeistert zeigten sich auch die Teilnehmer:innen, die am Vortag im Rahmenprogramm die Skisprungschanze Bergisel besichtigt hatten. Ich selbst habe mir am Dienstagmorgen den Health Hub Tirol angesehen. Das Technologiezentrum ist seit knapp einem Jahr in Betrieb und bietet noch freie Flächen. Das ist die Art Standortpolitik, die wirkt: Infrastruktur, Netzwerk und ein Treffpunkt, an dem Forschung, Investor:innen und Politik tatsächlich ins Gespräch kommen.

Was es jetzt braucht

Der Summit hat gezeigt, dass die Branche sich der Herausforderungen bewusst ist und weiß, was zu tun ist.

Der nächste Champion muss nicht auswandern. Aber dafür muss das Kapital vor Ort stärker mobilisiert werden. 

Der fünfte Biotech Summit Austria findet am 21. und 22. Oktober 2027 in Graz statt. Bis dahin wissen wir mehr darüber, ob der Dachfonds auch der Biotechnologie hilft.


Disclaimer: Karin Hofelich ist Life Science Lead beim brutkasten-Schwestermagazin VentureCapital. Das VC Magazin war Medienpartner des Summits.

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