Warrify: So müssen Händler keine Belege drucken und übergeben
Das Klosterneuburger Startup Warrify will sich (mittlerweile) als Anbieter für digitale Belege etablieren. In der Coronakrise lässt der accent-Incubee Händler die Möglichkeit, Rechnungen kontaktlos zu "übergeben", kostenlos testen.
Screenshot: Warrify-Co-Founder Simon Hasenauer, Accent-Geschäftsführer Michael Moll (r.o.) und NÖ Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger (r.u.) bei der virtuellen Betriebsbesichtigung
Bereits vor einigen Jahren begann die Reise des Klosterneuburger Startups Warrify als Projekt an der FH Krems. Die Mission sei von Beginn an gewesen, dass keine Gewährleistungs- oder Garantie-Ansprüche mehr verloren gehen sollen, erzählt Co-Founder Simon Hasenauer bei einer „virtuellen Betriebsbesichtigung“ mit dem niederösterreichischen Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger. Auf der Plattform (als App für iOS und Android verfügbar) können User all ihre Rechnungen und Belege, die sie entweder per Smartphone abfotografieren oder digital ohnehin erhalten haben, übersichtlich ablegen.
Erfasst werden von der Software nicht nur Händler, Beträge und Rechnungsdaten, sondern auch die gekauften Produkte und Details zu diesen. User bekommen dann eine Reihe von zusätzlichen Services angeboten – etwa Reparatur, Weiterverkauf oder Garantie-Verlängerung auf Knopfdruck und sie werden erinnert, bevor Ansprüche ablaufen.
Garantie-App alleine „nicht für die breite Masse geeignet“
Mit dem Konzept holte sich das niederösterreichische Unternehmen Anerkennung von vielen Seiten, gewann Wettbewerbe, bekam Förderungen bewilligt und ergatterte bei 2 Minuten 2 Millionen vor der Kamera ein Invstement, das es im Nachgang von sich aus absagte – der brutkasten berichtete. Wie viele andere Startups musste aber auch Warrify mit seinem B2C-Modell feststellen, dass der Massenansturm der User zunächst ausblieb. Vor etwa einem Jahr gelauncht, stehe man derzeit bei einer „mittleren vierstelligen“ Anzahl an Usern, sagt Gründer Hasenauer. „Wir haben viele Early Adopter, aber das Produkt ist so nicht für die breite Masse geeignet“, räumt der Gründer ein.
Warrify mit B2B-Modell für digitale Belege
Deswegen versucht man sich bereits seit vergangenem Herbst in einem anderen Feld, in dem man eine B2B-Strategie fährt: Als Anbieter digitaler Belege. Händler, die die Warrify-Lösung nutzen, können ihren Kunden anbieten, statt den Beleg zu drucken, einen QR-Code anzuzeigen (üblicherweise auf einem dem Kunden zugewandten Zweitbildschirm, wenn vorhanden). Die Endkunden können den Code per Smartphone scannen und gelangen dann zum digitalen Beleg im Web – eine vorangehende Registrierung, bzw. ein App-Download, sind nicht notwendig. Den Beleg können sie dann als pdf speichern, direkt per Mail versenden oder in der Warrify-App mit den oben beschriebenen Möglichkeiten hinterlegen (die sie dann gegebenenfalls downloaden und sich dafür registrieren können).
Kontaktloser Beleg: Kostenlose Nutzung für Händler in der Coronakrise
Nun in der Coronakrise bietet das Startup Händlern hierfür eine mehrmonatige kostenlose Testphase an, wie der brutkasten bereits berichtete – innerhalb von rund zwei Tagen soll das System implementiert sein. „Natürlich hoffen wir, dass wir in dieser Zeit Händler und Kunden überzeugen, unser Produkt dauerhaft zu nutzen“, sagt Hasenauer. Nach dem Test können die Händler auf ein Saas-Modell mit monatlichen Gebühren auf Basis der Anzahl der Rechnungsterminals umsteigen. Daneben verdient das Startup mit Provisionen für die in der App angebotenen Services Geld.
Gerade jetzt sei die Möglichkeit, dank des digitalen Belegs, an einer weiteren Stelle einen direkten Kontakt zwischen Kunden und Händler-Personal zu vermeiden, ein wichtiges Argument, erklärt der Gründer. „In Krisenzeiten merkt man, dass innovative Menschen sich schnell auf die neuen Gegebenheiten umstellen und nicht nur die Gefahr sehen“, kommentiert Wirtschaftslandesrat Danninger, das wolle man unterstützen.
Hilfe auch in der anderen Krise: Ressourcen schonen mit Warrify
Es gehe aber weiterhin auch um Ressourcenschonung und eine Verringerung der Umweltbelastung durch unnötig gedruckte Belege, erklärt Gründer Hasenauer. Jährlich würden derzeit weltweit 300 Milliarden Belege gedruckt. Diese hätten eine durchschnittliche Lebensdauer von gerade einmal drei bis vier Sekunden, bevor sie im Müll oder irgendwo auf der Straße landen.“Die Registrierkassenverordnung ermöglicht es in Österreich, Kunden einen rein digitalen Beleg zur Auswahl zu stellen und den nur als QR-Code anzuzeigen. Prinzipiell müssen Kunden den Code dann auch nicht scannen, können also dank unserer Lösung auf den Ausdruck verzichten, ohne noch irgendetwas tun zu müssen“, erklärt Hasenauer.
Möglich ist dies bislang in Geschäften von EP (Electronic Partner), dem ersten großen Kunden des Startups mit der Lösung – der brutkasten berichtete. Man sei jedoch derzeit in Gesprächen mit sechs größeren heimischen Händlern und auch deutschen Unternehmen. Eine Kooperation mit einem der großen heimischen Telekom-Anbieter, der die Warrify-Lösung in all seinen Shops anbieten will, soll in Kürze spruchreif sein.
accent unterstütze von Beginn an
Einen „maßgeblichen Beitrag“ zum bisher erreichten habe Accent geleistet, sagt Hasenauer. Das Startup war bereits im ersten Stadium als FH-Projekt im Creative Pre-Incubator (CPI), von wo aus es eine „Learning-Weltreise“ machte und an der Berkeley Summer School teilnahm, und wurde anschließend im accent Tough Tech Incubator aufgenommen. „Wenn das System gut angenommen wird, kann das eine sehr interessante langfristige Perspektive für Warrify bedeuten“, meint accent Geschäftsführer Michael Moll. „Wir sind stolz, Warrify schon seit ihrem Start 2018 im Creative Pre-Inkubator-Programm und jetzt im accent Inkubator begleiten zu dürfen“. In den kommenden Monaten strebt das Startup übrigens eine sechsstellige Finanzierungsrunde an.
KI in Afrika: Eigene Spielregeln statt Nachzügler-Markt
Datenströme, Trainingsarbeit und digitale Aufmerksamkeit flossen jahrelang selbstverständlich zu den großen Tech- und KI-Zentren in den USA und China. Europa diskutiert derweil Regulierung und Eigenständigkeit – und übersieht dabei einen Raum, in dem KI längst eigene Dynamiken entfaltet: Afrika. Abseits der bekannten Achsen entsteht dort kein reiner Nachzüglermarkt, sondern ein vielschichtiges KI-Ökosystem, das mit lokalen Lösungen, politischen Strategien und wachsender Infrastruktur – trotz bleibender Hürden – zunehmend eigene Spielregeln definiert.
KI in Afrika: Eigene Spielregeln statt Nachzügler-Markt
Datenströme, Trainingsarbeit und digitale Aufmerksamkeit flossen jahrelang selbstverständlich zu den großen Tech- und KI-Zentren in den USA und China. Europa diskutiert derweil Regulierung und Eigenständigkeit – und übersieht dabei einen Raum, in dem KI längst eigene Dynamiken entfaltet: Afrika. Abseits der bekannten Achsen entsteht dort kein reiner Nachzüglermarkt, sondern ein vielschichtiges KI-Ökosystem, das mit lokalen Lösungen, politischen Strategien und wachsender Infrastruktur – trotz bleibender Hürden – zunehmend eigene Spielregeln definiert.
Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.
Der Fokus im österreichischen KI-Diskurs ist meist auf die AI-Mächte in Übersee und im Osten beschränkt. Dabei wäre ein Blick zum Nachbarkontinent im Süden bemerkenswert und würde Möglichkeiten für die heimische Innovationsszene bieten.
Afrika ist gesamtkontinental schwer zu fassen, dennoch lässt sich festhalten: Die KI-Entwicklung befindet sich hier in einer Phase vergleichbar mit dem unerwarteten Boom der Telekommunikation und des mobilen Bezahlens in den frühen 2000er-Jahren.
Das ist auch die Analogie von Kwame Odame-Darkwah, Consultant des Distributed AI Research Institute (DAIR) und Fellow des International Strategy Forum (ISF), einer von Eric und Wendy Schmidt gegründeten globalen Fellowship an der Schnittstelle von Technologie, Geopolitik und Demokratie: „Ein bekanntes Beispiel aus der frühen Mobilfunkära zeigt, wie schwierig es ist, die Verbreitung neuer digitaler Infrastrukturen linear vorherzusagen. Anfang der 80er-Jahre wurde das Potenzial von Mobiltelefonie deutlich unterschätzt. Afrika wurde später zu einem der stärksten Gegenbeispiele zu solchen Annahmen; nicht, weil der Kontinent einfach bestehende Modelle kopierte, sondern weil mobile Netze, Mobile Money, digitale Durchdringung und finanzielle Inklusion eigene Leapfrogging-Dynamiken entwickelten. Beim Roll-out von KI sehen wir heute eine ähnliche Möglichkeit. Der Ausgangspunkt ist infrastrukturell herausfordernd, aber das Wachstum kann sehr schnell kommen, wenn die Technologie reale lokale Probleme löst“, sagt Odame-Darkwah.
Kwame Odame-Darkwah | Foto bereitgestellt
Afrika umfasst 55 Länder mit diversen Entwicklungsständen. Faktoren wie der Zugang zu Elektrizität beeinflussen Industrialisierung und Automatisierungsmöglichkeiten weiterhin. „Andererseits merkt man im Austausch mit Regierungsvertretern und Akteuren aus dem Privatsektor eine große Begeisterung. Diese wollen von bloßem Enthusiasmus zu konkretem Handeln übergehen“, so Odame-Darkwah.
OpenAI und Anthropic in Afrika
Auf staatlicher Ebene entstehen Partnerschaften mit lokalen wie internationalen Unternehmen. OpenAI etwa hat eine starke Präsenz bei afrikanischen Regierungen und bietet Zugangsstufen wie „Lower-Cost-Access“ für Studierende in Schwellenländern. Anthropic arbeitet mit der Regierung von Ruanda zusammen, um KI-Systeme in das Bildungssystem zu integrieren.
„Eine übergreifende kontinentale KI-Strategie wird von der Afrikanischen Union vorangetrieben, die mit der ‚Agenda 2063‘ verknüpft ist“, erklärt Odame-Darkwah. Diese Strategie zielt auf Wohlstand, Einheit und nachhaltiges Wachstum bis 2063. „Auch im Privatsektor entstehen zunehmend sogenannte Talent-Hubs.“
Afrika zwischen individuellem Handeln und Kontinental-Agenda
Während Europa auf eine einheitliche Herangehensweise setzt, kristallisiert sich in Afrika eine Mischform heraus: eine kontinentale Strategie als Rahmen, ergänzt durch nationale Ansätze. „Ein weiteres Beispiel ist der südafrikanische Entwurf einer nationalen KI-Policy, der auf mehr als drei Jahren gesellschaftlicher Konsultation basiert“, erklärt Odame-Darkwah. „Er steht im Einklang mit der Strategie der Afrikanischen Union, ist aber zugleich auf die spezifischen Bedürfnisse Südafrikas zugeschnitten. Auch Ghana hat inzwischen seine nationale KI-Strategie vorgestellt.“
Zentrales Thema ist die Datensouveränität. Afrikanische Datensätze sind in globalen KI-Modellen unterrepräsentiert; gleichzeitig wollen Regierungen Ausbeutung verhindern. „Afrikanische Regierungen machen nun Souveränitätsansprüche geltend, indem sie Gesetze erlassen, die sicherstellen, dass einheimische Datensätze nicht ausgebeutet werden. Sie verlangen beispielsweise, dass Daten von lokalen Bankkunden auch in Rechenzentren innerhalb des Landes verbleiben“, so Odame-Darkwah.
Wunsch nach Unabhängigkeit
Initiativen wie die „Africa’s AI Factory“ des Telekom-Milliardärs Strive Masiyiwa zielen auf lokale Rechenzentren und GPU-Infrastruktur. Auch Startups mischen mit: Terra aus Nigeria baut eine KI-gestützte nationale Verteidigungsinfrastruktur auf und konnte prominente Backer aus dem Silicon Valley gewinnen.
Die im Juli 2024 verabschiedete „Continental Artificial Intelligence Strategy“ der Afrikanischen Union sowie ergänzende Initiativen positionieren KI gezielt als Treiber sozioökonomischen Fortschritts: durch massive Investitionen, lokale Expertise, digitale Infrastruktur und afrikanische Datensätze – um technologische Abhängigkeiten zu vermeiden und ethisch fundierte Governance-Strukturen zu etablieren.
60-Milliarden-AI-Fonds
Verstärkt wird dies durch die „Africa Declaration on Artificial Intelligence“ und einen geplanten Africa AI Fund von rund 60 Milliarden US-Dollar, die explizit das Leitprinzip „KI mit Afrika, durch Afrika und für Afrika“ verfolgen, wie Carnegie Europe im September 2025 beschrieb. Laut dem „Daily Africa AI Intelligence Report“ von April 2026 ergänzt das Africa AI Policy Lab diesen Ansatz, indem es eine „Dekolonisierung der KI“ vorantreibt und kontextspezifische, auf afrikanischen Werten wie Ubuntu basierende Regulierungsmodelle entwickelt.
Codeswitching
Doch wo liegen die größten Hebel im Alltag? Unter anderem in der Sprache: Viele Menschen wachsen zweisprachig auf und wechseln fließend zwischen Amtssprache (Englisch, Französisch) und lokaler Sprache – eine Art „Codeswitching“.
Odame-Darkwah dazu: „Der gemeinsame Nenner ist der Zugang zu KI-Modellen in lokaler Sprache, die den Kontext nicht nur auf Englisch oder Französisch, sondern in den indigenen Sprachen des Kontinents verstehen. Wenn man KI-Agenten hat, die darauf trainiert sind, Menschen etwa über WhatsApp in einer lokalen Sprache zu antworten, kann man seine Dienstleistungen massiv ausbauen.“
Emerging Markets im Fokus
Deepali Nangia, Speedinvest-Partner Emerging Markets Fintech und „EIF Empowering Equity“-Mentor, wuchs in Indien auf und kennt die Dynamik von Schwellenmärkten. Sie baut den Bereich Emerging Markets bei Speedinvest auf, mit Fokus auf Afrika.
Deepali Nangia | Foto bereitgestellt
Die afrikanischen Portfoliounternehmen setzen laut ihr verstärkt KI ein – für Kreditwürdigkeitsprüfungen, Forderungsmanagement, Automatisierung. „Zum Beispiel nutzt unser Portfoliounternehmen Leta, eine Logistiksoftware-Firma in Kenia, KI zur Optimierung von Fahrzeugauslastung und Fahrereinsatz und trainiert seine Modelle anschließend anhand von Dispatcher-Feedback weiter“, erklärt Nangia. „Außerdem wird KI eingesetzt, um Bestellungen für Lieferungen, die per E-Mail oder in anderen Formaten eingehen, in Echtzeit zu erfassen, wodurch die manuelle Eingabe reduziert wird.“
Zu wenig grundlegende KI-Technologie
Agnes Aistleitner Kisuule indes ging 2019 nach Uganda. Sie bemerkte Fintech-Aktivität, aber zu wenig Early-Stage-Kapital. Mit Selma Ribica gründete sie 2022 First Circle Capital. Unterstützt wurde sie u. a. von Michael Ströck (Calm/Storm Ventures), PSPDFKit-Gründer Peter Steinberger, Hermann Futter und Oskar Obereder.
„Wenn man heute auf afrikanische Märkte blickt, zeigen sich spannende Entwicklungen vor allem in Ländern wie Südafrika, Ägypten und Marokko sowie punktuell in Subsahara-Afrika“, sagt sie. „Allerdings gibt es insgesamt noch zu wenig Aktivitäten und vor allem deutlich weniger Kapital als in Europa. Was derzeit aufgebaut wird, ist häufig weniger fundamental; viele Startups arbeiten eher mit sogenannten ‚LLM Wrappers‘ – also Anwendungen auf bestehenden Modellen – statt an grundlegender KI-Technologie.“
Regulierung sei oft schwach oder schwer umzusetzen. „Ein wichtiger Grund ist, dass es oft an technischem Wissen und Kapazitäten fehlt. KI spielt in politischen Diskussionen noch keine große Rolle und Regeln werden deshalb häufig nicht durchgesetzt. Oft wird KI einfach laufen gelassen.“ Es gebe Ausnahmen, etwa Kenia, wo ein Datenerfassungsprojekt zum Schutz von Identitäten gestoppt wurde. „Aus afrikanischer Sicht wirkt Europa teilweise überreguliert, während KI in Afrika eher als Chance gesehen wird, besonders wegen der jungen Bevölkerung.“
Kleiner Markt, globales Mindset
Aistleitner Kisuule weiter: „Vor allem im Fintech-Bereich gibt es Investitionen; andere Bereiche sind weniger entwickelt. KI-Tools wie Claude können lokalen Startups helfen, weil die Kosten sinken und der Einstieg leichter wird. Auch Chinas Einfluss wächst, obwohl chinesische KI wegen Sprachproblemen noch weniger genutzt wird. Die Konkurrenz zwischen China und den USA ist aber deutlich spürbar.“
Agnes Aistleitner Kisuule | (c) First Circle Capital
Nangia ergänzt: „In der Regel muss Regulierung mit der Innovation Schritt halten, denn Unternehmer warten auf niemanden. Eine leichte Regulierung ist kurzfristig hilfreich, um schnell zu entwickeln und zu iterieren.“ Langfristig brauche es Compliance, Leitplanken und Datenschutz – auch für Folgefinanzierungen. „Einige afrikanische Märkte arbeiten deshalb derzeit an KI-Gesetzen und -Rahmenwerken, darunter Kenia, Ruanda, Ägypten, Nigeria und andere.“
Es bestehe digitale Abhängigkeit; lokale Infrastruktur und stabile Energieversorgung seien nötig. „Rechenzentrum-Infrastrukturen sind kapitalintensiv und müssen finanziert werden. Hinzu kommt die Koordination über verschiedene Rechtsräume hinweg sowie die Sicherstellung hochwertiger, strukturierter Daten für das Training von Modellen. Veränderungen kommen – aber angesichts des Umfangs und der erforderlichen Investitionen wird es Zeit brauchen, diese digitale Abhängigkeit zu reduzieren“, so Nangia.
Folgen für Österreich
Mit all diesen unterschiedlichen Entwicklungen im afrikanischen KI-Sektor im Hinterkopf stellt sich die Frage, was das für die österreichische Innovationsszene bedeutet und welche Chancen sich für die heimische Startup-Welt erschließen lassen.
Odame-Darkwah sieht klare Ansatzpunkte: „Es gibt das Gesundheitswesen, die Bildung, die Landwirtschaft – das sind die Kerndienstleistungen, auf die jeder Bürger angewiesen ist. Die Bereitstellung dieser Dienste über mobile Netzwerke ist eine großartige Möglichkeit für Zusammenarbeit. Generell gibt es in fast allen afrikanischen Branchen die Chance, Werte zu schaffen. Man trifft auf Regierungen, die so viel wie möglich digitalisieren wollen, und auf eine digital sehr versierte Bevölkerung.“
Der Bericht „Global VCs Entering African AI Markets“ von „aireports.africa“ (Juni 2025) zeigt einen deutlichen Aufschwung: Obwohl diese Summe nur ein Prozent der globalen KI-Investitionen 2022/23 war, flossen rund 641 Millionen US-Dollar in über 100 Deals. Sequoia Capital, Andreessen Horowitz, Microsoft, Google und IBM steigen verstärkt ein. Im Zentrum: Fintech, Agtech, Healthtech. Dabei bleiben jedoch strukturelle Hürden bestehen, etwa der Frühphasen-Fokus, fehlende Cloud-Infrastruktur, und eine unklare Regulierung; zudem gehen nur rund zwei Prozent des Kapitals an von Frauen geführte Startups.
Afrika unter prüfenden Blicken
Nangia verweist an dieser Stelle auf Unternehmen wie Moove, LemFi oder Taptap Send, die weit über Afrika hinaus skalieren. „Manche unserer europäischen Portfolio-Unternehmen prüfen Afrika als potenziellen Wachstumsmarkt. Wir erwarten, dass sich dieser Trend verstärkt, da Schwellenmärkte nicht länger ignoriert werden können. Es gibt noch andere Wege der Zusammenarbeit mit Europa jenseits von Kapital: Wir bringen jahrelanges Skalierungs-Know-how und Erfahrung ein und unterstützen Gründer sowie Fonds.“ Mit dem Micro GP Summit in Wien bringt Speedinvest etwa Erst- und Zweitfondsmanager weltweit zusammen.
Afrika blickt auf große Märkte, aber …
Für Aistleitner Kisuule hingegen können kleinere europäische Märkte wie Österreich in Afrika perspektivisch tatsächlich eine wichtige Rolle spielen; aktuell sei diese aber noch begrenzt, warnt sie. Hohe Markteintrittskosten, begrenzte Rechenkapazitäten in vielen afrikanischen Märkten sowie die noch frühe Entwicklungsphase zahlreicher Ökosysteme stellen heute zentrale Herausforderungen dar.
„In den nächsten zehn Jahren könnte sich dies allerdings ändern“, sagt sie. Südafrika sei weit entwickelt, besonders in Healthtech. Fintech bleibe der spannendste Sektor. Chancen für österreichische Startups sieht sie bei Prozessautomatisierung, Analytics und Enabler-Technologien.
„Die Regulierung wird sich kurzfristig nicht grundlegend verändern, während die Dynamik auf der Innovationsseite hoch ist“, fasst Aistleitner Kisuule zusammen. „Insgesamt ist es aber noch ‚too soon to say‘, wie sich das Kräfteverhältnis langfristig entwickeln wird. Zugespitzt gesagt spricht aktuell vieles dafür, stärker auf die Innovationsgeschwindigkeit afrikanischer Märkte zu setzen als auf europäische Regulierungskompetenz.“
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Warrify: So müssen Händler keine Belege drucken und übergeben
Bereits vor einigen Jahren begann die Reise des Klosterneuburger Startups Warrify als Projekt an der FH Krems.
Die Mission sei von Beginn an gewesen, dass keine Gewährleistungs- oder Garantie-Ansprüche mehr verloren gehen sollen, erzählt Co-Founder Simon Hasenauer bei einer „virtuellen Betriebsbesichtigung“ mit dem niederösterreichischen Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger.
Auf der Plattform können User all ihre Rechnungen und Belege, die sie entweder per Smartphone abfotografieren oder digital ohnehin erhalten haben, übersichtlich ablegen.
Inzwischen setzt das Startup mit rein digitalen Belegen auch auf ein B2B-Modell, das vor allem jetzt in der Coronakrise wegen einer weiteren Möglichkeit zur Vermeidung von direktem Kontakt gut angenommen wird.
Es gehe aber weiterhin auch um Ressourcenschonung und eine Verringerung der Umweltbelastung durch unnötig gedruckte Belege, erklärt Gründer Hasenauer.
Das Startup war bereits im ersten Stadium als FH-Projekt im Creative Pre-Incubator (CPI), von wo aus es eine „Learning-Weltreise“ machte und an der Berkeley Summer School teilnahm, und wurde anschließend im accent Tough Tech Incubator aufgenommen.
AI Kontextualisierung
Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?
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Warrify: So müssen Händler keine Belege drucken und übergeben
Bereits vor einigen Jahren begann die Reise des Klosterneuburger Startups Warrify als Projekt an der FH Krems.
Die Mission sei von Beginn an gewesen, dass keine Gewährleistungs- oder Garantie-Ansprüche mehr verloren gehen sollen, erzählt Co-Founder Simon Hasenauer bei einer „virtuellen Betriebsbesichtigung“ mit dem niederösterreichischen Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger.
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Das Startup war bereits im ersten Stadium als FH-Projekt im Creative Pre-Incubator (CPI), von wo aus es eine „Learning-Weltreise“ machte und an der Berkeley Summer School teilnahm, und wurde anschließend im accent Tough Tech Incubator aufgenommen.
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Es gehe aber weiterhin auch um Ressourcenschonung und eine Verringerung der Umweltbelastung durch unnötig gedruckte Belege, erklärt Gründer Hasenauer.
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