31.08.2015

Warnung vorm Reichtum: Startup-Milliardär am Rande der Verzweiflung

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(c) tsb: Mincraft-Gründer Markus Persson tweetet über sein einsames Lebens als Millionär.

Einfach ehrlich: Viele Gründer träumen davon, mit ihrer Idee das große Geld zu machen. Und tatsächlich, erfolgreiche Beispiele zeigen, dass Startups durchaus der Weg zum Erfolg sein können. Dass die Prozentchance jener Unternehmen, die tatsächlich “unermesslich viel Kohle” ihren Gründern bringen, einem Lottoschein gleicht, wird oft abgetan. Immerhin, viele arbeiten schließlich an einer Idee, an die sie glauben, und für die es sich auszahlt, die Nächte durchzuarbeiten und an den großen Durchbruch zu glauben.

Einer, der es geschafft hat, ist Minecraft-Gründer Markus Persson (Viele kennen ihn unter “notch”). Durch den Verkauf seiner Firma an Microsoft soll er heute ein vom Magazin Forbes geschätztes Vermögen von 1,3 Milliarden Dollar haben. Schon früh hatte Persson begonnen, Computerspiele zu entwickeln. Bereits mit sieben Jahren programmierte der heute 36-Jährige wild herum, bis ihm mit dem Internetspiel “Minecraft” der durchschlagende Erfolg gelang. Der schwedische Programmierer wurde wie ein Popstar gefeiert.

Richtig glücklich scheint er aber deswegen nicht zu sein: Auf Twitter ließ er dieses Wochenende tief in seine Seele blicken. Einsam scheint er zu sein, verzweifelt und er klagt über falsche Freunde. “Lunger rum in Ibiza mit ein paar Freunden und feiere mit Promis, kann tun, was immer ich will und fühle mich einsam wie nie”, lässt er seine Follower auf Twitter teilhaben. Es klingt nach einem Hilferuf und gleichzeitig wie eine Warnung für all jene Erfolgreiche, die Bodenhaftung verlieren: Am Ende macht Reichtum eben nicht glücklich.

Bildschirmfoto 2015-08-31 um 11.37.00

Privat scheint es beim einsamen Milliardär ebenfalls nicht gut auszusehen: “Ich fand ein tolles Mädchen, aber sie bekam Angst vor mir und meinem Lifestyle – nun ist sie mit einem normalen Typ zusammen”.

Er beantwortet quasi sich selbst auch die Frage, wieso er nicht noch einmal etwas startet oder wie Tesla-Grüner Elon Musk versucht, “die Welt zu retten”: Persson habe Angst, wieder die gleichen oder ähnliche Leute zu treffen, die ihn dazu gebracht haben, Minecraft zu verkaufen. Alles Gute, notch! 

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ooia-Gründerin Kati Ernst: “Wir sind erfolgreicher als Männer”

Entgegen widriger Fremdkapital-Umstände hat Kati Ernst mit ooia ein Imperium für Frauenbedarf hochgezogen. Wie sie das geschafft hat und wieso Carsten Maschmeyer dabei keine Hilfe war, schilderte sie brutkasten am diesjährigen 4Gamechangers-Festival.
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ooia-Gründerin Kati Ernst auf der Global Stage des 4Gamechangers-Festivals.

Female Funding Gap, unbezahlte Care-Arbeit, Frauenmangel in Führungspositionen: Die Probleme, mit denen sich Frauen im Arbeitsleben konfrontiert sehen, wurden bereits erkannt, benannt und „x-fach diskutiert“, wie 4Gamechangers-Mitgründerin Nina Kaiser es formuliert. „Und trotzdem kommen wir nicht wirklich weiter.“ Um den Diskurs anzufachen und hoffentlich etwas schneller in Richtung Problemlösung zu peitschen, wurde Equality zu einem Leitthema des diesjährigen 4Gamechangers-Festivals erklärt. Das Resultat: Ein Programm gespickt mit Keynotes, Panels und Chats, in denen Vorreiterinnen aus Wirtschaft und Technik über ihre Erfolge referierten – und über den Hürdenlauf dorthin.

ooia: Erfolg against all Odds

Eine davon ist Kati Ernst, Co-Gründerin des deutschen Periodenwäsche-Imperiums ooia. Auf der Bühne sprach sie mit Mahdis-Gharaei, CEO von „The Female Factor“, über ihren Erfolg als Unternehmerin, Podcasterin und Mutter. Mittlerweile rühmt sich die deutsche Startup-Szene mit ihrem Namen, 2021 wurde ooia sogar in die Top 10 der Startup Brands in Deutschland gereiht. Von diesem Support war zu Anfangszeiten noch keine Spur. „Die Investmentsuche gestaltete sich deutlich schwerer, als wir uns das vorgestellt haben“, so Ernst.

Eine Ex-Unternehmensberaterin von McKinsey und eine vormalige Zalando-Managerin, zuständig für die Unterwäsche-Abteilung – mit ihrer Vorerfahrung rechnete sich das Gründungsduo gute Aussichten beim Fundraising aus. Außerdem, so Ernst, sei das Timing optimal gewesen. 2018, als ooia mitten in der Produktentwicklung steckte, verstärkte sich das feministische Bewusstsein für Periodenartikel. Aus Protest gegen das Duopol von Tampons und Binden – beide umweltbelastend, beide oft mit Unbehagen verbunden – entstand die Nachfrage nach Alternativen. Und ooia hatte sie.

“Nur” was für Frauen

Eine erfahrene Crew und Wind in den Segeln: Günstige Bedingungen für das junge Startup, um ins Fundraising zu stechen. Woher also die Probleme, Investments zu finden? „Ich glaube, es war das Produkt“, so Ernst. Den Periodenmarkt habe damals noch niemand auf dem Schirm gehabt – dementsprechend mussten die Gründerinnen oft erst Aufklärungsarbeit leisten. „Einfach ein total schlecht ausgeprägtes Verständnis in einem extrem männlich dominierten Bereich, wie es eben die Investorenlandschaft auch heute noch ist“, erklärt Ernst.

Eine Reaktion aus der Investmentszene blieb in Erinnerung: Und zwar die von Carsten Maschmeyer in der VOX-Sendung „Die Höhle der Löwen“. Nach dem Pitch der Gründerinnen zog sich der Finanzunternehmer aus den Investmentgesprächen zurück mit dem Argument, es handle sich um ein Produkt, in das eigentlich nur Frauen investieren könnten. „Dabei wissen wir alle, dass die Frauen in der Investorenlandschaft vielleicht auf drei Prozent des Kapitals sitzen, wenn überhaupt. Zu sagen, dass Produkte, die für Frauen sind, nur von Frauen gefundet werden können – genau das macht Ideen von Frauen klein“, so Ernst.

Der Markt hat gesprochen

Klein blieb ihre Idee trotzdem nicht. Innerhalb von drei Jahren schaffte es ooia, achtstellige Umsätze zu erzielen – und das gänzlich ohne Fremdkapital. Das Sortiment umfasst mittlerweile auch Still-BHs, Antitransparenz-Tops, Inkontinenzprodukte und vieles mehr. Mit ihrem Bestseller, der Periodenunterwäsche, schaffte ooia nun auch die Listung im Handel: Seit etwa vier Wochen sind ooia-Panties österreichweit in fast 400 dm-Filialen erhältlich.

Ein besonderer, persönlicher Erfolg für Ernst: Knapp fünfzig Personen beschäftigt ihre Firma, die meisten davon Frauen. „Da bin ich besonders stolz drauf, dass ich so vielen Frauen finanzielle Stabilität gewähren kann. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in unseren europaweiten Produktionsstätten, wo fair produziert wird. Wir als frauengeführtes Unternehmen glauben, dass es nicht reicht, nur die westlichen europäischen Konsumentinnen zu empowern, an die wir vermarkten.“

Kein Akt der Wohltätigkeit

Bis heute ist ooia bootsrapped; zuerst mangels Angebot, später bewusst. „Wir haben von Anfang an gesehen, dass die Firma so gut läuft und hatten dann das Gefühl, dass wir das auch selber hinkriegen. Und dann war’s uns lieber, unsere Freiheit zu behalten“, so Ernst. Der Erfolg von ooia ist ein Paradebeispiel für Märkte, die systematisch unterschätzt werden. „Dafür, dass das wirklich Relevanz hat – nicht nur gesellschaftliche, sondern auch ökonomische, weil es da wirklich um viel Geld geht – dieses Verständnis hat komplett gefehlt“, so Ernst.

Dieses Verständnis müsse schnellstmöglich in allen Köpfen ankommen; denn auf Frauen und Diversität zu setzen, ist kein Akt der Wohltätigkeit, sondern ein wirtschaftlich logischer Schritt. „Statistisch gesehen sind wir ökonomisch erfolgreicher als Männer”, sagte Ernst. Und fügte noch hinzu: “Das ist ein Fakt“. Oder, wie es Weltstar Charlize Theron später bei ihrem Auftritt auf derselben 4Gamechangers-Bühne formulierte: „Women are fucking amazing“.

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