27.06.2025
LIFE SCIENCE

Wachstum im Wiener Life-Science-Sektor: Umsatz und Beschäftigung steigen

Der Wirtschaftssektor der Life Sciences boomt in Wien: Das sagt ein neuer Report der Wirtschaftsagentur Wien. Der Umsatz habe sich um 22 Prozent gesteigert, auch die Beschäftigungszahlen steigen.
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Life Sciences boomen in Wien | Foto: Adobe Stock

Umsätze steigen, die Beschäftigungszahlen auch – zumindest im Wiener Life-Science-Sektor. Das hebt der neue Branchenreport der Wirtschaftsagentur Wien hervor. Verkündet wurde die positive Branchenentwicklung bereist Ende April. Nun ist der Report in voller Länge downloadbar.

Umsatzsteigerung um 22 Prozent

Mehrere positive Ergebnisse reihen sich in den knapp 135 Seiten der Erhebung. Unter anderem die Zahl der Organisationen, die im Sektor „Life Science“ tätig sind (aktuell insgesamt 754 an der Zahl). Zwischen den Jahren 2020 und 2023 sei der Jahresumsatz dieser nämlich um rund 22 Prozent gestiegen. Das entspricht einer Umsatzsteigerung von 18,6 Milliarden auf 22,7 Milliarden Euro.

Biotech- und Pharma im Spitzenfeld

Am stärksten vertreten ist der Biotech- und Pharma-Sektor: Auf ihn entfallen rund 81 Prozent des Gesamtumsatzes – konkret 18,4 Milliarden Euro.

Auch die Zahl der Beschäftigten zeigt positive Tendenzen: Im gegebenen Zeitraum (2020 bis 2023) wuchs sie um acht Prozent auf über 49.000 Mitarbeitende. Knapp die Hälfte (47 Prozent) davon arbeitet im Biotech- und Pharma-Sektor. 22 Prozent sind in der Medizintechnik und 26 Prozent in Forschungseinrichtungen tätig.

Zahlen und Fakten zu Life Sciences in Wien | Foto: Wirtschaftsagentur Wien

„Mehr als die Hälfte“ in Wien

Aktuell zählt Wien 646 Unternehmen, 19 Forschungseinrichtungen und 89 weitere Organisationen im Life-Science-Sektor. Laut der Wirtschaftsagentur Wien beheimatet die Stadt damit „mehr als die Hälfte der österreichischen Branche“.

Das Wachstum kam jedoch nicht plötzlich: Seit fünf Jahren wird der Sektor „kontinuierlich größer und zunehmend vielfältiger“. Digitale Technologien würden nicht nur das wirtschaftliche Wachstum, sondern auch die Entwicklung neuer Therapieansätze in der Branche begünstigen – vor allem im Bereich der Diagnostik und Medikamentenentwicklung.

Wissenschaft und Ausbildung

Auch in puncto Wissenschaft liegt Wien im österreichweiten Rennen vorne: Aktuell beheimatet die Bundeshauptstadt sechs Universitäten, zwei Fachhochschulen sowie elf außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, die gemeinsam rund 12.60 Mitarbeiter:innen beschäftigen.

Auch die Zahl der Studierenden im Life-Science-Sektor hat sich auf über 34.100 erhöht. Aktuell gäbe es indes 8.800 Publikationen in internationalen Fachzeitschriften, die die Forschungsleistungen aus Wien belegen.

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REEDuce-Gründerin Birgit van Duyvenbode (Mitte) bei der Eröffnung der neuen Schilf-Lärmschutzwand | (c) Strabag

An der A1 Westautobahn bei Völlerndorf nahe St. Pölten geht eine neue Lärmschutzanlage in Betrieb. Statt auf herkömmliche Materialien wie Beton oder Aluminium setzt diese auf Schilf, Thermoholz und Lehm. Dahinter steckt das Wiener Startup REEDuce rund um Gründerin und CEO Birgit van Duyvenbode. Gemeinsam mit der Asfinag und dem Baukonzern Strabag wurde die Technologie nun auf einem rund einen Kilometer langen Autobahnabschnitt umgesetzt.

REEDuce-Geschäftsführerin Birgit van Duyvenbode, Infrastrukturminister Peter Hanke und ASFINAG-Vorstand Hartwig Hufnagl bei der Präsentation der neuen Schilf-Lärmschutzwand an der A1.

4.000 Schilfbündel für einen Kilometer Lärmschutz

Die Anlage entstand im Zuge der Sanierung der A1 zwischen St. Pölten und Völlerndorf. Auf einer Fläche von rund 2.690 Quadratmetern wurden Lärmschutzelemente mit einem Rahmen aus thermisch behandeltem Holz, einer Lehmfüllung und beidseitiger Schilfabdeckung verbaut.

Das verwendete Schilf stammt aus dem Raum Neusiedler See. Für den rund einen Kilometer langen Abschnitt wurden insgesamt 4.000 Schilfbündel benötigt. Das entspricht etwa 1,5 Prozent der gesamten österreichischen Schilfernte. Die Nutzung des Rohstoffs soll gleichzeitig zur Pflege des Ökosystems am Neusiedler See beitragen.

Anders als konventionelle Lärmschutzwände soll die Konstruktion nach Angaben von REEDuce vollständig kreislauffähig sein. Zugleich soll sie dieselben technischen Anforderungen hinsichtlich Lärmschutz und Haltbarkeit erfüllen, wie herkömmliche Systeme.

„Mit dem ersten Autobahn-Kilometer unserer Lärmschutzwand aus Schilf, Thermoholz und Lehm erreichen wir einen wichtigen Meilenstein“, sagt Gründerin van Duyvenbode. Die Technologie zeige, dass Lärmschutz und Umweltschutz gemeinsam funktionieren können.

Von der Idee des Vaters zum Startup

Der Ursprung der Idee reicht bis ins Jahr 2008 zurück. Damals entwickelte das Sägewerk von van Duyvenbodes Vater im Rahmen eines EU-Forschungsprojekts eine ökologische Lärmschutzwand, die an der A22 bei Langenzersdorf errichtet wurde. Die Gründerin griff die Idee später auf und entwickelte die Technologie unter dem Namen REEDuce weiter.

Bereits Anfang 2022 berichtete brutkasten über das Startup. 2023 wurde REEDuce bei der #glaubandich Challenge zum „Startup des Jahres“ gekürt. Im selben Jahr folgte ein erstes Pilotprojekt mit der Asfinag: An der S33 bei Herzogenburg wurde eine 16 Meter lange Testwand errichtet, um die Technologie unter realen Bedingungen zu erproben.

Mit der neuen Anlage an der A1 kommt die weiterentwickelte Technologie nun in deutlich größerem Umfang zum Einsatz. Für die Asfinag ist das Projekt zugleich eine Möglichkeit, weitere Erfahrungen mit der Bauweise aus regionalen Naturmaterialien zu sammeln.

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