04.01.2022

Vytal: Rika Mader wird neuer Expansion Lead Österreich für Kölner Mehrweg-Startup

Rika Mader wird neuer Expansion Lead Österreich von Vytal und verantwortet ab sofort das Wachstum des Kölner Mehrweg-Startups am österreichischen Markt.
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Vytal
Rika Mader | (c) Vytal

Im Juli 2021 sorgten Alexandra Brandl und Jakob Buchmayer mit dem Exit ihres Startups Herobox für Schlagzeilen. Nur wenige Monate nach Gründung verkauften sie das Unternehmen an das Kölner Startup Vytal, das in Deutschland ebenfalls ein digital unterstütztes und pfandfreies Mehrwegsystem betreibt. Durch die Übernahme – die Marke Herobox ging in Vytal über – konnte das deutsche Startup erstmalig am österreichischen Markt Fuß fassen.

Buchmayer verließ damals das Unternehmen, wohingegen Brandl als neuer Expansion Lead Österreich für das Wachstum am österreichischen Markt verantwortlich war. Im Zuge des Exits hieß es, dass unter „vereinten Kräften“ das größte digitale und pfandfreie Mehrwegsystem aufgebaut werden soll. Die bestehenden Herobox-Partnerbetriebe wurden dabei in das Vytal-Mehrwegsystem integriert (siehe auch Infobox).

Rika Mader wird neuer Expansion Lead Österreich

Rund ein halbes Jahr nach dem Exit verlässt nun Alexandra Brandl ebenfalls das Unternehmen und wechselt in die Welt der Unternehmensberatung zu McKinsey nach Berlin. Als neuer Expansion Lead Österreich folgt Rika Mader nach. Zudem wurde zum Jahreswechsel eine eigene GmbH für die Österreich Geschäfte von Vytal gegründet.

Die gebürtige Steirerin absolvierte an der Fachhochschule des bfi Wien einen Master für International Finance and Banking und war zuvor von Dezember 2018 bis Dezember 2020 als Sales Representative bei der Erste Group im Bereich Wertpapier-Verkauf tätig.

Anschließend wechselte sie zur Goodshares Consulting GmbH rund um den bekannten österreichischen Business Angel Martin Rohla, der sich in der heimischen Gründerszene mit Investments in nachhaltige Unternehmen einen Namen gemacht hat. Ihre letzte berufliche Station absolvierte Mader beim brutkasten, wo sie den Podcast „Rika Gründet“ konzipierte und als Videojournalistin tätig war.

(c) Vytal Österreich

Wachstumspläne von Vytal in Österreich

Mit ihrer Erfahrung soll Mader künftig das Netzwerk an Partnerbetrieben in Österreich weiter ausbauen. Aktuell zählt das Startup in Wien rund 70 Partnerbetriebe. Zudem sind hierzulande auch Mjam und Lieferando mit an Bord. Wie Mader gegenüber Brutkasten Earth erläutert, möchte sie künftig auch verstärkt B2B-Partnerschaften mit Kantinen von Unternehmen eingehen.

Neben Wien sollen 2022 auch andere Städte in Österreich folgen. Nähere Details sind bis lang jedoch noch nicht bekannt. Neben Deutschland und Österreich ist Vytal mittlerweile auch in Frankreich aktiv. Aktuell zählt das Startup europaweit rund 1500 Partner-Betriebe.

Infobox: So funktioniert das Mehrwegsystem ohne Pfand

Kund:innen registrieren sich wie bei anderen Sharing Diensten einmalig in der Vytal App oder kaufen eine Vytal Mitgliedskarte und können damit bei jedem Partner-Restaurant Mehrwegbehälter kostenlos ausleihen und nach der Benutzung zurückbringen. Dafür haben sie 14 Tage Zeit bevor die Leihe kostenpflichtig wird. Dank zahlreicher Kooperation können Vytal-Nutzer:innen auch Lieferessen von Mjam und Lieferando in den Mehrwegbehältern bestellen.

One Change a Week: Alexandra Brandl über den Exit und die Wachstumspläne von Vytal Österreich

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GoStudent
© brutkasten - Felix Ohswald, Gründer GoStudent.

GoStudent verfolgt weiter seine Offline-Strategie. Bereits 2022 hatte man Studienkreis übernommen – brutkasten berichtete. Der bereits 1974 gegründete Studienkreis galt als Deutschlands größtes Nachhilfeunternehmen mit bundesweit über 1.000 Lernzentren.

Im Mai 2025 vermeldete das Unicorn dann die Erweiterung seines Geschäftsmodells und den Plan, künftig verstärkt auf stationäre Nachhilfestandorte zu setzen – siehe hier.

GoStudent erweitert sich

„Das Franchise-Modell mit stationären Nachhilfestandorten, das wir in Deutschland übernommen haben, hat sich äußerst positiv entwickelt. Deshalb ist es für uns ein logischer nächster Schritt, dieses erfolgreiche Modell nun auf weitere europäische Länder auszuweiten, in denen wir bereits mit unserer personalisierten Online-Einzelnachhilfe aktiv sind“, erklärte damals eine Sprecherin des EdTechs die Gründe für diesen Schritt.

Heute schrieb GoStudent-Gründer Felix Ohswald per LinkedIn-Post, dass man bereits am 28. August den Kaufvertrag mit der Berlitz Corporation für die Berlitz Deutschland GmbH unterzeichnet habe und sich damit nun 50 Sprachzentren in ganz Deutschland, öffentlich geförderte Integrations- und berufliche Qualifizierungsprogramme, das Geschäft mit öffentlichen Institutionen, Sprachprüfungen und Zertifizierungen, ein breites Portfolio an Präsenzkursen für Privatkunden, die Rekrutierung internationaler Fachkräfte sowie Programme für Kinder und Jugendliche einverleibt habe.

Sprachkenntnisse im Fokus

Während Berlitz das Geschäft mit Unternehmenskunden und das Online-Sprachtraining weiterführt, ist die Berlitz Deutschland GmbH seit 1. September in einem separaten Unternehmen organisiert. Die Berlitz Deutschland GmbH bleibt dabei unter der Marke Berlitz und als Franchise-Partner der Berlitz Corporation bestehen. Der Abschluss der Transaktion wird bis zum Jahresende erwartet.

Hintergrund des Deals ist die Bedeutung von Sprachkenntnissen für den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt: Rund die Hälfte aller Arbeitgeber verlangt laut dem Unternehmen mindestens Deutschkenntnisse auf B2-Niveau. Die für öffentlich geförderte Sprachprogramme notwendigen Akkreditierungen wurden über zwei Jahrzehnte aufgebaut. Die operative Führung der Berlitz Deutschland GmbH bleibt bei Mattias Schwarz und dem bestehenden Team.

Drei Beobachtungen

Den Grund für diesen Schritt erläutert Ohswald aus drei Beobachtungen und zwei Hypothesen heraus: Erstens sei Deutsch das meistgebuchte Fach in der Nachhilfe: In der Grundschule werde Deutsch sogar häufiger gebucht als Mathematik – und das gelte für Kinder aller Herkünfte.

Zweitens zeige sich ein Zusammenhang mit der Demografie: In Städten und Kreisen, in denen viele Familien zu Hause mehr als eine Sprache sprechen, sei Deutsch häufiger Bestandteil der Nachhilfeverträge. Gleichzeitig würden Familien mit Zuwanderungsgeschichte laut Bildungsforschung seltener Nachhilfe in Anspruch nehmen, obwohl der Bedarf höher wäre.

Drittens zeige sich die Bedeutung von Sprachkompetenz auch in der Mathematik: Bei der zentralen Prüfung am Ende der zehnten Klasse in Nordrhein-Westfalen würde Sprachkompetenz 14 Prozent der Unterschiede in der Mathematikleistung erklären, während es bei sozialer Herkunft und Migrationshintergrund jeweils ein bis drei Prozent seien. Zwischen dem sprachlich schwächsten und stärksten Drittel der Schüler lag dabei mehr als eine Schulnote.

„Aus diesen Beobachtungen sind zwei Hypothesen geworden, und aus den Hypothesen eine Entscheidung. Sie fällt in einen Markt, dessen Etat der Bund 2027 fast halbieren will, und in Wochen, in denen der Bundestag genau darüber berät. Man kann das den falschen Moment nennen. Wir halten es für den richtigen und erklären, warum“, beschreibt Ohswald seine Gedanken.

Hypothese 1: „Die Arbeitswelt sortiert nach Sprache, bevor sie nach Qualifikation sortiert“

Die erste Sortierung beginne Ohswald zufolge bereits in der Schule. „2021 sprachen noch 62 Prozent der Viertklässler zu Hause immer Deutsch, zehn Jahre davor 84. Jedes vierte Kind verließ die Grundschule, ohne so lesen zu können, wie es die weiterführende Schule voraussetzt. Ein Kind, das zu Hause nie Deutsch spricht, liegt im Lesen 36 Punkte zurück, auch im Vergleich mit Kindern gleicher sozialer Herkunft. Ein Teil des Rückstands ist Armut. Ein Teil ist Sprache. Der zweite Teil ist der, den Bildung beheben kann“, betont Ohswald.

Die zweite Sortierung würde an der Tür zum Arbeitsmarkt stattfinden. Sie treffe Erwachsene, die neu kommen: „Die Hälfte der Betriebe verlangt bei Einstellungen immer mindestens B2, in Gesundheit, Bildung und Finanzen drei Viertel und mehr. Die andere Hälfte stellt auch darunter ein, im Gastgewerbe, in Lager und Verkehr, in der Leiharbeit. Die Sprachschwelle entscheidet nicht, ob jemand arbeitet. Sie entscheidet, in welchem Segment. In den reglementierten Berufen ist sie Zulassungsbedingung: Ärztinnen und Ärzte brauchen überall B2 und eine Fachsprachprüfung auf C1, Pflegekräfte B2, obwohl viele mit B1 einreisen“, erklärt der GoStudent-Gründer.

Als Beispiel führt Ohswald an, dass 72 Prozent der Geflüchteten aus der Ukraine über einen Hochschul- oder vergleichbaren Abschluss verfügen, doch nur fünf Prozent bei ihrer Ankunft gut Deutsch sprechen würden. Laut Studien seien es bessere Sprachkenntnisse, die die Einstellungsbereitschaft deutlich erhöhen, während fehlende Kinderbetreuung und nicht anerkannte Abschlüsse weitere Hürden darstellen. Sprache sei damit eine zentrale Voraussetzung dafür, dass vorhandene Qualifikationen auf dem deutschen Arbeitsmarkt sichtbar und nutzbar werden, so Ohswald.

Hypothese 2: Sprache hört nicht bei B1 auf

Der Integrationskurs – um auf seine zweite These zu kommen – zielt auf B1 ab. Für viele berufliche Wege seien jedoch weitergehende Sprachkenntnisse erforderlich, was für Ohswald bedeutet, dass auch nach dem Spracherwerb berufliche Weiterbildung schlicht ein wichtiger Schritt bleibe.

„Das IAB hat bei Geflüchteten gemessen, was nach dem Sprachkurs wirkt: Ein Sprachkurs mit Aktivierung bringt nach fünf bis sechs Jahren rund 3,5 Prozentpunkte mehr Beschäftigung“, zeigt sich der Founder auf LinkedIn überzeugt. „Eine geförderte Weiterbildung bringt rund 13 Prozentpunkte und etwa 800 Euro mehr Monatsbrutto. Sprache öffnet die Tür. Qualifikation bringt durch.“

All dies im Hinterkopf, scheint nun klar, was GoStudent mit der Berlitz-Übernahme möchte: Seine beiden Hypothesen in die Praxis übersetzen: Sprache als Schlüssel für Bildung und Arbeitsmarkt – und als Ausgangspunkt für den nächsten Schritt, die berufliche Qualifizierung, und sich weiter als stationärer Anbieter verfestigen.

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