11.05.2026
KOOPERATION

Voting zum S&B Award 2026: Welches dieser 10 Spinoffs hat das größte Potenzial?

Voting. Beim S&B Award 2026 des Rudolf Sallinger Fonds treten wieder zehn Teams mit forschungsbasierten Business-Ideen gegeneinander an. brutkasten vergibt auch dieses Jahr einen Sonderpreis (5.000 Euro Mediavolumen), dessen Gewinner hier ermittelt wird.
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S&B Award 2025 - Voting: Welches Spinoff hat das größte Potenzial?
(c) fotolia.com - REDPIXEL

Von Do-it-yourself-Diagnostik über neuartige Speichertechnologien für erneuerbare Energien bis hin zu KI in der Fertigungsindustrie: Die Top 10 des S&B (Science & Business) Award 2026 zeigen einmal mehr das enorme Innovationspotenzial der heimischen Forschungslandschaft. Mit dem Award zeichnet der Rudolf Sallinger Fonds jährlich Forscher:innen und Studierende aus, die wissenschaftliche Erkenntnisse in wirtschaftlich tragfähige Business-Modelle transformieren. Der Preis wird bei einer großen Award Ceremony am 21. Mai vergeben.

S&B Award 2026 Award Ceremony
Wann: 21.05. ab 18:00 (Einlass ab 17:30)
Wo: The Space, Mozartplatz 1, 1040 Wien

Voting zum brutkasten-Sonderpreis beim S&B Award 2026

Neben dem Hauptpreis der Fachjury, der mit 20.000 Euro dotiert ist, und einem Sonderpreis von OnsightVentures, gibt es auch in diesem Jahr wieder den brutkasten-Sonderpreis über 5.000 Euro Mediavolumen zu holen. Wer das Rennen macht, entscheidet wie immer ihr! Kurzbeschreibungen und Videos zu allen Finalisten findet ihr unten. Herangezogen werden alle Stimmen, die bis Montag, 18. Mai 2026 um 18:00 Uhr hier abgegeben werden:

Poll Maker

Das sind die zehn Finalisten des S&B Award 2026

Auch dieses Jahr haben es wieder zehn sehr unterschiedliche Business-Ideen ins Finale geschafft. Hier werden alle kurz (mit Video) vorgestellt:

anoMLix by MUST Visibility – TU Graz

Das Team von MUST Visibility rund um Muaaz Abdul Hadi und Stefan Trabesinger will mit anoMLix die Qualitätssicherung in der Fertigungsindustrie revolutionieren. Ihre KI-basierte Softwarelösung soll eine Fehlererkennung und Materialqualitätsbewertung in Echtzeit ermöglichen – und zwar direkt während des Fertigungsprozesses. „Oft werden Fehler in der Metallindustrie erst bei Qualitätskontrollen am Ende der Produktionslinie erkannt, wenn es bereits zu spät ist“, erklärt Muaaz Abdul Hadi. „Wir haben einen patentierten, sensorlosen Ansatz entwickelt, der Fehler in einem Werkstück und die Werkzeuglebensdauer während des Bearbeitungsprozesses in Echtzeit erkennt.“

arterioscope – TU Graz

Das Projekt von Sascha Ranftl, Vahid Badeli und Hermann Moser widmet sich der Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die KI-Lösung soll es möglich machen, Gefäßerkrankungen in elektrischen Signalen zu erkennen, die bisher im herkömmlichen EKG nicht sichtbar waren. „Herzinsuffizienz tritt nicht plötzlich auf, sondern kündigt sich oft schon Jahre vor den ersten Symptomen leise an“, so Vahid Badeli. „Wir haben eine KI entwickelt, die herkömmliche EKGs nutzt, um versteckte Risiken bei Routineuntersuchungen durch Hausärzte aufzudecken.“ Die Technologie soll die kardiovaskuläre Gesundheitsversorgung künftig breiter zugänglich machen.

BioCore Loop – Medizinische Universität Graz

Christoph Grimmer und Falko Skrabal möchten mit BioCore Loop ein DIY-Diagnosegerät auf den Markt bringen, das klinische Präzision in den Alltag holen soll. „BioCore Loop ist ein Do-it-yourself-Gesundheitscheck für das gesamte Herz-Kreislauf-System“, erklärt Co-Founder Grimmer. „Damit können wir 15 Biomarker in nur fünf Minuten ganz ohne medizinisches Personal messen.“ Nutzer:innen sollen ihre Ergebnisse im Anschluss auf einer simplen Farbskala direkt aufs Smartphone erhalten und so auf den ersten Blick den Gesundheitszustand ihres Herzens erkennen können.

Cairos Carbon Transformation Technology – Montanuniversität Leoben

Andreas Krammer und Martin Peham haben eine Technologie entwickelt, die biogenes CO2 und grünen Wasserstoff in erneuerbares synthetisches Erdgas umwandelt. „Stellen Sie sich eine Welt vor, in der wir unser eigenes erneuerbares Erdgas produzieren können, anstatt uns auf fossile Brennstoffe aus instabilen Regionen zu verlassen“, so Andreas Krammer. „Wir erzeugen synthetisches Erdgas, das ins Gasnetz eingespeist oder zu denselben Kosten wie Diesel als Kraftstoff für Lkw genutzt werden kann“, ergänzt Martin Peham. Die skalierbare Technologie soll künftig eine zentrale Rolle in der Produktion von grünem Gas spielen.

ChromeTrust – Universität Wien

Das ChromeTrust-Team, Laura Maggini, Davide Bonifazi, Vincent Simon Königstein, Dominik Bachleitner und Alma Krpuljevic-Hanic, möchte mit visuellen Smart Labels die Überwachung von Kühlketten revolutionieren. „Jedes Jahr gehen lebensrettende Medikamente im Wert von 40 Milliarden Dollar durch Unterbrechungen der Kühlkette verloren“, hält Dominic Litschka fest. Die patentierte Technologie löst einen sofortigen und irreversiblen Farbwechsel aus, sobald Temperaturgrenzen überschritten werden. Dies soll Fehler beim Transport von Biopharmazeutika auf einen Blick sichtbar machen.

Diamens – JKU Linz

Diamens rund um CEO Marlene Rezk-Füreder sowie Clara Ganhör, Angelika Lackner, Eva Scharnagl und Peter Oppelt verfolgt das Ziel, die Diagnose von Endometriose, an der weltweit rund 190 Millionen Frauen leiden, signifikant zu beschleunigen (brutkasten berichtete bereits mehrmals). Da eine Diagnose derzeit im Schnitt sieben Jahre dauert und oft Operationen erfordert, arbeitet das Team an einem Test auf Basis von Menstruationsblut. „Endometriose betrifft weltweit eine von zehn Frauen. Doch die Diagnose dauert im Schnitt sieben Jahre. Wir wollen das durch eine einfache Probenentnahme von zu Hause aus ändern“, so Rezk-Füreder. Der Test soll die Diagnose für Betroffene künftig schmerzfrei, zugänglich und erschwinglich machen.

Duramea – TU Graz

Das Spinoff von Sebastian Rohde, Rene Maiberg, Chetna Madan, Maximilian Grandi und Viktor Hacker konzentriert sich auf die effiziente Erzeugung von grünem Wasserstoff. Das Team entwickelt spezielle Membran-Elektroden-Einheiten (MEAs) für Elektrolyseure. „Grüner Wasserstoff kann lokal produziert werden und bietet eine Lösung, um Europas Energieabhängigkeit zu verringern“, erklärt Sebastian Rohde. Die patentierte MEA-Technologie von Duramea soll die Systeme langlebiger und leistungsstarker machen, was wiederum die Produktionskosten für grünen Wasserstoff senken soll, um ihn wirtschaftlich konkurrenzfähig zu machen.

PureSurf – Universität Graz

Markus Hochegger-Krawanja, Katalin Barta Weissert, Jacquin October, Balint Batha, Stefan Schwaiger, Theresa Schwaiger und Markus Köck entwickeln mit PureSurf biobasierte Hochleistungstenside aus nachwachsenden Rohstoffen. „Über 70 Millionen Tonnen Tenside werden jährlich produziert, doch sie sind entweder fossil und leistungsstark oder nachhaltig – aber nie beides“, erläutert Hochegger-Krawanja. Die patentierten Tenside des Teams sollen eine hohe Reinigungskraft bei gleichzeitig deutlich reduzierter Toxizität für die Umwelt bieten und so eine nachhaltige Alternative für die chemische Industrie darstellen.

SPOTlight – TU Wien, Linköping University, MedUni Graz, TTK (Research Centre for Natural Sciences)

Das interdisziplinäre Team um Sebastian Hecko, Marton Bojtar, Marle Vleugels, Johannes Bintinger und Hannes Mikula arbeitet an einer Technologie zur präzisen Medikamentenfreisetzung bei der Krebsbehandlung. Ein winziges Mikroimplantat soll direkt am Tumor platziert werden, wo Wirkstoffe mittels Lichtimpulsen aktiviert werden. „Chemotherapien verursachen oft schwere Nebenwirkungen, da sie sich im ganzen Körper verteilen“, so Hecko. Durch die lokale Aktivierung mit SPOTlight soll gesundes Gewebe geschont und die Effizienz der Krebsbehandlung gesteigert werden.

SVAN – Medizinische Universität Wien

SVAN Technologies rund um Gunpreet Coudert Oberoi, Ewald Unger, Christian Bacher, Markus Ortner und Clemens Hacker hat eine intelligente Bohrtechnologie für chirurgische Eingriffe entwickelt. „Herkömmliche Bohrer erkennen nicht, wann sie stoppen müssen, was bei Knochenbohrungen fatal sein kann“, erklärt Coudert Oberoi. Der patentierte Bohrer von SVAN soll den Gewebewiderstand in Echtzeit messen und bei einem Durchbruch automatisch stoppen, was die Sicherheit in der Chirurgie und Notfallmedizin erhöhen soll. In präklinischen Studien habe das System bereits eine Erfolgsquote von 100 Prozent erzielt, heißt es vom Spinoff.

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Marie Pierer, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore, und Nino Groß, Head of Brand & Communications bei Instahelp | © Niki Pommer
Marie Pierer, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore, und Nino Groß, Head of Brand & Communications bei Instahelp | © Niki Pommer

Bunt, warm, lebendig und offen: So beschreibt Instahelp seinen neuen Auftritt. Die 2015 gegründete Plattform für Online-Therapie und psychologische Beratung hat gemeinsam mit Studio Furore Logo, Typografie, Farbwelt, Fotografie und Illustration neu entwickelt. Entstanden ist laut Aussendung alles in Graz.

Der Auftritt soll laut Aussendung ein Gegenentwurf zur häufig cleanen und zurückhaltenden Ästhetik des Gesundheitsbereichs sein. Das in der Aussendung als „schnell“ beschriebene Logo rückt ein Kernattribut der Plattform ins Zentrum: den garantierten Erstkontakt mit Psycholog:innen binnen 24 Stunden.

Nino Groß, seit Jänner Head of Brand & Communications bei Instahelp, formulierte laut Aussendung den Markenauftrag, das Thema in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.

Über sein Netzwerk kam er laut Aussendung mit Marie Pierer in Kontakt, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore. brutkasten hat bei beiden nachgefragt, was Gründer:innen und Marketingverantwortliche aus dem Projekt lernen können.

1. Die Marke laufend hinterfragen

„Man sollte wohl nie damit aufhören, seine Marke kritisch zu betrachten. Auch, wenn man etwas Ikonisches geschaffen hat“, sagt Groß. Spätestens wenn Markenelemente nicht mehr praktikabel oder im Kontext des Zeitgeists nicht mehr zielführend seien, sei es an der Zeit, etwas zu verändern.

Bei Instahelp sei die Ausgangssituation ideal gewesen: ein starkes Fundament und zehnjähriges Bestehen. „Die Grundidee war von Beginn weg, auf dem Bestehenden aufzubauen und es in die Zukunft zu tragen“, so Groß. Die Marke solle Strahlkraft über den Health-Bereich hinaus bekommen.

„Sei mutig.“: Der neue Auftritt von Instahelp soll laut Aussendung nicht klinisch oder distanziert wirken, sondern nahbar und selbstbewusst | © Studio Furore / Instahelp

2. Mit den W-Fragen beginnen

Als erste Best Practice nennt Groß die strategische Annäherung mit den wichtigsten W-Fragen: „Wozu machen wir das, wo wollen wir damit hin, welche Ziele soll die Marke erreichen, die sie bislang noch nicht erreicht hat?“

Pierer beschreibt den Ausgangspunkt ihrer Arbeit so: „Am Anfang steht für uns immer die Frage: Was wollen wir eigentlich vermitteln, wen wollen wir erreichen und was sollen Menschen fühlen, wenn sie mit der Marke in Berührung kommen?“

Darauf aufbauend entwickle Studio Furore ein Konzept mit einer klaren Herleitung. Daraus entstehe Schritt für Schritt die Brand Identity, von Logo, Farben, Typografie und Bildwelt bis hin zu Layoutsystem, Gestaltungselementen und Tonalität. Ziel sei ein Aha-Moment, „bei dem man versteht, warum etwas genau so gestaltet ist“.

3. Innen- und Außenperspektive zusammenbringen

Groß steuerte das Projekt in Abstimmung mit der Geschäftsführung und entwickelte das markenstrategische Konzept. Eingebunden waren außerdem die internen Design-Verantwortlichen, die den bisherigen Markenauftritt verantwortet hatten, sowie der CTO.

Diesen Mix zählt Groß zu den Best Practices des Projekts. Es gehe darum, jene, die den Markenkern gebaut haben, mit jenen zusammenzubringen, die ihn weiterentwickeln werden. „Diesen Wissenstransfer braucht es.“ Ebenso wichtig sei, offen und ohne Tabus zu diskutieren, was bleiben darf und was gehen muss. „Greift man die gesamte Identität an, ist das ein schmaler Grat.“

Dass die Entscheidungen im Unternehmen schnell fielen, hat Groß nach eigenen Angaben beeindruckt. Die Marke habe in ihrer Erscheinungsform seit zehn Jahren bestanden. „Von daher ist das keine kleine Intervention, wenn man an die gesamte Identität geht.“

4. Bei der Agentursuche das eigene Netzwerk nutzen

„Wir haben mehrere Angebote eingeholt, das sollte man immer“, sagt Groß. Ausschlaggebend sei im Endeffekt der persönliche Kontakt gewesen. Er kenne die Köpfe hinter Studio Furore schon lange und habe von ihnen nie etwas gesehen, das ästhetisch und handwerklich nicht auf sehr hohem Niveau gewesen sei.

Bei einem Mittagessen mit Pierer und Fotograf Kurt Bauer, der für die Bildwelt verantwortlich zeichnete, sei ihm nach ein paar Sätzen klar gewesen: „Die spüren die Marke.“

Startups und kleineren Unternehmen rät Groß, nach Möglichkeit persönliche Kontakte anzuzapfen, also Personen mit Erfahrung und guten Drähten in die Kreativwirtschaft. „Das spart einerseits Zeit und schützt vor Leerläufen. Andererseits ist es enorm wichtig für die qualitative Einschätzung.“

Der neue Markenauftritt von Instahelp: Die Bildwelt stammt von Fotograf Kurt Bauer | © Studio Furore / Instahelp

5. Konventionen brechen, wenn sie dem Ziel im Weg stehen

Die neue Marke tritt bunt und warm statt klinisch auf. „Ich sehe das eigentlich weniger als Mut, sondern vielmehr als Notwendigkeit“, sagt Pierer dazu. Psychische Themen seien gesellschaftlich schon stark mit Schwere und Unsicherheit behaftet. „Wie soll man Hoffnung vermitteln oder ein Gefühl des Aufatmens schaffen, wenn die Gestaltung genau diese Schwere noch verstärkt?“

Verharmlosen dürfe man das Thema dadurch nicht. „Aber ernst zu nehmen bedeutet nicht automatisch, dass etwas klinisch, kühl oder schwer aussehen muss.“ Dabei müsse jedes Element eine klare Bedeutung haben. „Es geht nicht einfach darum, ein schönes Logo oder eine bestimmte Farbe zu wählen. Die Gestaltung muss in sich stimmig sein und eine Geschichte erzählen.“

Für Pierer hat das Projekt auch eine persönliche Seite. In der Aussendung schildert sie, nach der Geburt ihres ersten Kindes selbst schwierige psychische Phasen erlebt zu haben. „Wenn ich damals von einem Angebot wie Instahelp gewusst hätte, wäre mir der Weg zur Unterstützung mit Sicherheit leichter gefallen.“

6. Mit kleinem Budget: wenige Dinge richtig machen

Startups mit kleinem Budget rät Pierer, sich am Anfang klar darüber zu werden, wofür man steht und was man vermitteln möchte. „Man braucht nicht sofort ein riesiges Branding oder unzählige Gestaltungselemente. Man braucht ein gutes Konzept.“

Ein durchdachtes Logo, eine passende Farb- und Typografiewelt und eine konsistente Bildsprache könnten schon viel bewirken. Pierer rät davon ab, Trends oder andere Marken zu kopieren, nur weil sie gerade gut funktionieren. Man solle herausfinden, was einen selbst besonders macht, und das konsequent sichtbar machen.

Außerdem solle das Erscheinungsbild flexibel bleiben und mit dem Unternehmen wachsen können. „Eine gute Markenidentität muss nicht von Anfang an riesig sein. Sie muss vor allem eine klare Idee haben.“

Die neue Markenidentität von Instahelp ist laut Aussendung inzwischen vollständig ausgerollt. Die Plattform arbeitet nach eigenen Angaben mit mehr als 400 Psycholog:innen und hat bis dato rund 450.000 Beratungen durchgeführt.

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