05.01.2026
STARTUP INVESTMENTS

Vorbild UK? Steuervorteile bei Startup-Investments

Der Beteiligungsfreibetrag hat in Österreich einen Stammplatz auf der Liste der politischen Forderungen aus dem Startup-Umfeld – doch im Gegensatz zum Dachfonds hat er es wieder nicht ins aktuelle Regierungsprogramm geschafft. Dabei zeigen ähnliche Maßnahmen große Wirkung. Wenn man nach Best-Practice-Beispielen sucht, lohnt ein Blick über den Ärmelkanal.
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UK als Vorbild für Startup-Investments? (c) unsplash/john_thng

Dieser Artikel ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von November 2025 “Verantwortung” erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Im europäischen Länder-Ranking der Startup-Investment-Volumina bleibt der Spitzenreiter seit vielen Jahren unangetastet: das Vereinigte Königreich. Das hat freilich mehrere Gründe, etwa eine generell stärker ausgeprägte Risikokapital-Kultur oder die Bedeutung von London als internationalem Finanzplatz. Ein weiterer wesentlicher Faktor sind steuerliche Vergünstigungen für Investor:innen. „Ich habe nur ein Investment in Österreich, alle anderen in England; wegen der tollen steuerlichen Incentivierung“, sagt Unternehmer und Investor Helmut Schuster im brutkasten-Talk.

Er spricht von den zwei Programmen Enterprise Investment Scheme (EIS) und Seed Enterprise Investment Scheme (SEIS). „Man kann sich damit 30 beziehungsweise 50 Prozent des Investments von der Steuer zurückholen“, erläutert Schuster. Konkret können Investor:innen bis zu eine Million Pfund (aktuell rund 1,1 Mio. Euro) pro Jahr über EIS investieren und bekommen dafür 30 Prozent des investierten Betrags, also bis zu 300.000 Pfund, von der Einkommenssteuer abgezogen. Unternehmen dürfen über das Programm maximal fünf Millionen Pfund pro Jahr aufnehmen. Beim in einer sehr frühen Phase angesetzten SEIS, bei dem die Unternehmen unter anderem maximal drei Jahre am Markt sein dürfen, sind es für Investor:innen sogar 50 Prozent Steuererleichterung bei maximal 200.000 Pfund pro Jahr. Auf Unternehmensseite gilt hier insgesamt eine Grenze von 250.000 Pfund.

Milliarden investiert

Die jüngste Bilanz von offizieller Seite: Im Steuerjahr 2023/2024 wurden über SEIS 242 Millionen Pfund in 2.290 Unternehmen investiert, über EIS gar rund 1,6 Milliarden Pfund in 3.780 Unternehmen. Im Steuerjahr davor (2022/2023) hatte das EIS-Volumen sogar fast zwei Milliarden Pfund betragen. Zum Vergleich: In Österreich betrug das Investmentvolumen in Startups und Scaleups 2024 insgesamt nur 578 Millionen Euro, inklusive großer Kapitalrunden durch internationale VCs, die für ein derartiges Schema gar nicht infrage kämen. Und 2025 dürfte der Wert noch erheblich geringer ausfallen.

Doch das seien noch nicht alle steuerlichen Begünstigungen für Investor:innen im Vereinigten Königreich, erklärt Schuster: „Wenn ein Investment nicht funktioniert, kann ich nochmal mehr absetzen, sodass mein totales Risiko 20 bis 30 Prozent des Investments beträgt.“ Seine Einschätzung: „In Österreich gibt es genug Leute, die investieren wollen. So ein Modell wäre ein Quick Fix.“

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ISS-Aus 2030: Wiener Startup und französischer Raketenbauer wollen neuen Weg ins All öffnen

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Hugues Chopard (SIRIUS Space) und Guillaume Brault (Tumbleweed) auf der World Space Business Week 2026 in Paris

Neue Medikamente entwickeln, reinere Kristalle züchten, Materialien testen: In der Schwerelosigkeit verhält sich Materie anders als auf der Erde. Für Pharma- und Materialforschung führt der Weg ins All bisher fast immer über die Internationale Raumstation ISS, die nach aktuellen Plänen Ende 2030 außer Betrieb gehen soll. Nun wollen das Wiener Weltraum-Unternehmen Tumbleweed und der französische Raketenbauer Sirius Space Services einen weiteren Zugang schaffen.

Pods als Zugang zur Schwerelosigkeit

Das Wiener Startup setzt auf standardisierte „Pods“, mit denen Kund:innen Experimente im All durchführen können. Der Zugang zur Schwerelosigkeit sei dadurch laut Tumbleweed zehnmal günstiger und fünfmal schneller als auf dem herkömmlichen Weg. Dafür haben beide Unternehmen eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) unterzeichnet. Ziel ist es zu prüfen, ob die Forschungsbehälter der Wiener auf den Raketen der Franzosen ins All transportiert werden können.

Der erste Schritt: Suborbitale Testflüge

Den Auftakt der Zusammenarbeit soll der erste Testflug des französischen Unternehmens, „Sirius S1B Ballistic“ (S1B), markieren. Er soll laut Tumbleweed zentrale Raketentechnologien erproben und dabei Schwerelosigkeit bieten. Deshalb wäre die Mitnahme von Forschungsexperimenten möglich. Die beiden Unternehmen prüfen aktuell die technischen Schnittstellen und Betriebsbedingungen.

Einen konkreten Flugtermin nennen die Unternehmen nicht. Auf Nachfrage verrät man gegenüber brutkasten, dass der Testflug S1B, auf dem die Pods mitfliegen könnten, innerhalb der nächsten zwei Jahre stattfinden solle.

Langfristige Pläne: Der Weg in den Orbit

Langfristig zielt die Partnerschaft auf orbitale Missionen ab. Sobald das 2020 gegründete Unternehmen Sirius seine wiederverwendbaren Trägerraketen Sirius-1, Sirius-13 und Sirius-15 in Betrieb nimmt, soll evaluiert werden, wie die Tumbleweed-Pods damit in die Erdumlaufbahn gelangen können. Die Raketenfamilie soll laut Unternehmen Satelliten mit bis zu 1.100 Kilogramm in eine sonnensynchrone Umlaufbahn in 600 Kilometern Höhe bringen.

Einen konkreten Flugtermin nennen die Unternehmen nicht. Laut Medienberichten plant Sirius den Testflug S1B für 2027. Antoine Fourcade, CEO von Sirius Space Services, betont das Ziel, aus der ersten Gelegenheit auf der S1B konkrete Missionen zu machen und „die Grundlagen für künftige Startdienste auf unseren Orbital-Raketen“ zu legen.

Erfolgreiche erste Mission

Während die Kompatibilitätsprüfungen für den ersten Flug laufen, arbeitet das Team von Tumbleweed, das mittlerweile über 20 Mitarbeitende an den Standorten Wien und Delft umfasst, parallel bereits an „Oasis Beta“. Dies soll der rückkehrfähige Nachfolger der im Juli 2026 gestarteten Mission „Oasis Alpha“ werden, die vier Kundennutzlasten an Bord der SpaceX-Falcon-9-Rakete ins All brachte – brutkasten berichtete.

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