08.08.2025
EXIT

Von der TU Wien ins Silicon Valley: emotion3D wird von US-Unternehmen aufgekauft

2011 wurde es als Spin-off der TU Wien gegründet. Mehr als ein Jahrzehnt später geling emotion3D der Exit an ein Tech-Unternehmen in Kalifornien.
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Die Geschäftsführer von emotion3D: CEO Florian Seitner und CTO Michael Hödlmoser | credits: emotion3D

Regelwerke und Bewertungsprogramme für Neuwagen werden weltweit laufend verschärft – mit dem Ziel, Autofahren sicherer zu machen. Neben klassischen Sicherheitsfeatures gewinnen dabei Fahrerassistenzsysteme, Technologien für autonomes Fahren und intelligente Sensoren zunehmend an Bedeutung.

Das 2011 als Spin-off der TU Wien gegründete Unternehmen emotion3D startete mit Lösungen im Bereich Computer Vision und Machine Learning. Ab 2015 folgte die Spezialisierung auf die Automobilbranche mit dem Ziel, die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten zu senken.

Zehn Jahre widmete sich das Team rund um CEO Florian Seitner und CTO Michael Hödlmoser dieser Mission. Nun folgt der nächste große Schritt: emotion3D wird vom kalifornischen Halbleiterhersteller indie Semiconductor übernommen.

Kombination der Technologien

„Die Gründung unseres Unternehmens basierte auf der globalen Sicherheitsinitiative Vision Zero, deren Ziel die Eliminierung aller Verkehrstoten und Schwerverletzten ist. Die Kombination unserer Software mit den Hardwarelösungen von indie wird uns helfen, diesem wichtigen langfristigen Branchenziel einen Schritt näher zu kommen“, sagt Co-Founder Seitner.

Emotion3D entwickelt Software für Innenraumsensorik, Fahrerassistenzsysteme (ADAS) und automatisiertes Fahren, darunter eine KI-basierte Wahrnehmungslösung für eingebettete Fahrzeug-Kamera- und Radarsysteme. „Die Bereitstellung von Software zusätzlich zu unserem Chip-Angebot wird indie einen deutlichen Mehrwert für sein Vision- und Radar-Portfolio und eine hohe Bruttomarge bringen und indie so in die Lage versetzen, optimal von den enormen ADAS-Marktchancen zu profitieren“, sagt Mark Tyndall, EVP für Corporate Development und Investor Relations bei indie.

Auch Seitner sieht in der Kombination große Chancen: „Unsere Softwaretechnologie ist optimal auf die Embedded Vision- und Radar-Hardwarelösungen von indie abgestimmt. Der Zugriff auf hauseigene Chips wird uns helfen, unsere ehrgeizige Multisensor-Roadmap zu beschleunigen.“

Details zum Deal

Laut Presseaussendung fließt beim Abschluss des Deals zunächst eine Geldsumme von 20 Millionen US-Dollar an die emotion3D-Anteilseigener:innen. Hinzu kommen bis zu 10 Millionen US-Dollar in Form von leistungsabhängigen Earnout-Zahlungen, falls vereinbarte Umsatzziele bis Februar 2027 erreicht oder übertroffen werden. Der Abschluss wird im vierten Quartal dieses Jahres erwartet und soll nach Angaben von indie sofort positive Effekte auf den Gewinn bringen.

Vor dem Exit waren folgende Gesellschafter an emotion3D beteiligt:

„Fahrerlebnis der nächsten Generation“

Herzstück des Angebots von emotion3D ist die KI-gestützte Software „Cabin Eye“, die menschliche Handlungen im Fahrzeug erkennt und analysiert. Sie soll nicht nur das Fahren sicherer machen, sondern auch ein Fahrerlebnis der nächsten Generation ermöglichen. Die von den Sensoren erfassten Daten werden mithilfe von Wahrnehmungsalgorithmen ausgewertet, um sowohl die Innen- als auch die Außenumgebung des Fahrzeugs zu interpretieren. So können potenzielle Gefahren erkannt und automatisch Sicherheitsmaßnahmen wie Warnhinweise oder Notbremsungen eingeleitet werden.

Ein besonderes Merkmal der Technologie sei laut Unternehmen die umfassende Nutzung synthetischer Daten. Dadurch sinke nämlich der Bedarf an realen Trainingsdaten, was die Entwicklung beschleunigen, Kosten reduzieren und eine flexible Anpassung an unterschiedliche Kundenanforderungen ermöglichen soll.

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Mathias Lipp-Rosenthal hat mit der KI Schmiede eine eigene KI-Beratung gegründet | Foto: Lipp Rosenthal

Viele Unternehmen wollen KI nutzen. Viele bleiben in der Pilotphase stecken. Diese Beobachtung hat Mathias Lipp-Rosenthal zur Gründung bewogen. Der Kärntner ist im Thema kein Neuling: Er bringt 20 Jahre Erfahrung an der Schnittstelle von Wirtschaft, Technologie und Politik mit, unterrichtet Responsible AI an der DPU in Berlin und hat nach seiner Zeit als stellvertretender Klubdirektor im Neos-Parlamentsklub mit AI Empowered Politics bereits ein KI-Startup gegründet, dessen Plattform Voter AI politische Prozesse transparenter machen sollte (brutkasten berichtete Anfang 2025).

Seit Juni ist seine KI Schmiede am Markt, er ist alleiniger Eigentümer. Je nach Projekt holt er Expert:innen dazu: Thomas Reisinger-Lederer, Berater für Datenschutz, Informationssicherheit und Compliance, verantwortet die AI-Act-Compliance und Datenschutzfragen. Dima Rubanov und Matthias Neumayer, Gründer des Wiener Startup-Studios Run Labs, das mit der Gute-Nacht-Geschichten-App Oscar Stories bekannt wurde (brutkasten berichtete), übernehmen die technische Bewertung und Machbarkeitsanalyse der Use Cases sowie die Produktentwicklung.

Die Beratung richtet sich an Unternehmen im DACH-Raum und begleitet sie von der Analyse ihrer Prozesse bis zu dem Punkt, an dem die Belegschaft KI selbstständig im Alltag einsetzt. KI-Beratung und KI-Schulung sind für Lipp-Rosenthal deshalb keine getrennten Produkte, sondern zwei Etappen desselben Wegs. „Die wollen ja nicht ewig abhängig werden“, sagt er über seine Kund:innen zu brutkasten.

Erst die Daten, dann die KI

Ein Großteil seiner Projekte hat mit generativer KI zunächst wenig zu tun. Es geht um Datenmanagement, um das Aufräumen von Prozessen und das Schaffen von Strukturen. Erst wenn das erledigt ist, setzt Lipp-Rosenthal dort KI-Anwendungen auf, wo sie etwas bringen. „Jeder Prozess, wo die Daten nicht passen, da schaffst du es auch nicht, irgendwie KI darauf aufzubauen.“ Der zweite Baustein ist die Belegschaft: Wer Mitarbeiter:innen nicht einschult und mitnimmt, bekommt aus seiner Sicht die falschen Use Cases.

Von KMU bis zu Konzernen

Gestartet ist Lipp-Rosenthal mit dem Blick auf KMU. Inzwischen arbeitet er nach eigenen Angaben auch für Konzerne, wo es um die Integration von KI in Prozesse und um die Schulung von Mitarbeiter:innen geht. Als Referenz nennt er die Gruppe Hollenstein: Das Unternehmen macht er „KI ready“, unter anderem mit der DSGVO-konformen Plattform Langdock. Ziel ist, repetitive Prozesse zu automatisieren, ohne die Qualität für die Kund:innen zu opfern.

Auf eine Branche legt er sich nicht fest: „Es liegt an den Geschäftsführern, an den Entscheidern. Wenn der Wille zur Veränderung da ist, dann ist die Branche eigentlich nebensächlich.“

Was er bei seinen Kund:innen beobachtet, führt zu seiner zentralen These. Fragen nach Hosting, Lizenzkosten und Eigenentwicklung häufen sich. „Jedes Unternehmen wird viel mehr zu einem Technologie- und Software-Unternehmen werden“, sagt Lipp-Rosenthal.

Boutique statt Beratungskonzern

Die KI Schmiede ist bewusst als Boutique-Beratung angelegt. Lipp-Rosenthals Anspruch ist, „so klein wie möglich und so impactvoll wie möglich“ zu bleiben und im eigenen Betrieb so früh wie möglich zu automatisieren. Skaliert wird über das Expertennetzwerk, nicht über eigenes Personal. Neben der KI Schmiede bleibt Lipp-Rosenthal in der Lehre aktiv, mit Lehraufträgen an der Quadriga Hochschule, der FH Wiener Neustadt und dem ARS Institut in Wien.

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