Viele Menschen suchen heute nicht mehr nach dem „einen“ Job, dem man sein Leben lang in derselben Firma nachgeht. Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel. Bei beruflichen Entscheidungen hätten einige gerne einen Berater an ihrer Seite. Der Boxer und Unternehmer Wladimir Klitschko weiß, was es heißt, Erfolg zu haben. Auf LinkedIn will er sein Wissen nun weitergeben.
Ein fester Job, in einem soliden Unternehmen, am besten ein Leben lang. Diese Vorstellung ist nicht mehr zeitgemäß. Was gestern noch richtig und wichtig war, ist heute nicht mehr gefragt. Techniken, die gestern hochmodern waren, sind heute Schnee von gestern. Während sich die Arbeitswelt immer schneller dreht, prallen verschiedene Generationen, Bedürfnisse, Lebenssituationen und Weltbilder aufeinander.
Um junge Berufseinsteiger für diese Konflikte zu rüsten, startet das Karriere-Netzwerk LinkedIn eine Initiative in Kooperation mit Wladimir Klitschko und weiteren Coaches unter dem Titel „Are you ready for Tomorrow?“. Man kann auch einen persönlichen, zweitägigen Workshop gewinnen.
„Wer offen und neugierig auf Neues ist, sich immer wieder seine Herausforderungen sucht und sich weiterentwickelt, dem stehen alle Möglichkeiten offen“, ist Boxweltmeister und Sportwissenschaftler Wladimir Klitschko überzeugt. Sein angehäuftes Wissen möchte der Doktor der Sportwissenschaften und Entrepreneur mit Hilfe des Online Netzwerks für Berufstätige nun weitergeben.
Klitschko schreibt in einem Blog-Eintrag auf LinkedIn: „In 25 Jahren Leistungssport habe ich genau das gelernt: Herausforderungen zu erkennen, anzunehmen und zu meistern.“ Er habe festgestellt, dass seine sportlichen Herausforderungen den unternehmerischen gleichen. Er meint: „Wer stehen bleibt, fällt zurück. Wer zurückfällt, verliert.“
Der Box-Star rät, offen zu sein für neue Wege: „Verlassen Sie doch mal den gewohnten Weg, indem Sie zum Beispiel darüber nachdenken, was Ihr Konkurrent eigentlich für Sie tun kann? Warum nicht den Mitbewerber zum Verbündeten machen?“ Man solle tunlichst nicht dem Schwarz-Weiß Denken verfallen.
Wissensmanagement
Eine Studie, die in diesem Zusammenhang, durchgeführt wurde, zeigt außerdem, welche Fähigkeiten die Arbeitnehmer der Zukunft mitbringen sollen. Bei den sogenannten „Hard Skills“ ist und bleibt Wissensmanagement die gefragteste Qualifikation. Dahinter folgt Datenanalyse- und Interpretationsfähigkeiten und Projektmanagement. Aber auch allgemeine Digitalkompetenz und ein Verständnis für Programmierung holen stark auf – dies seien Bereiche, in denen sich Mitarbeiter fort- und weiterbilden sollten.
„Wer stehen bleibt, fällt zurück. Wer zurückfällt, verliert.“, Wladimir Klitschko.
Die wichtigsten sozialen Fähigeiten sind laut Studie Führungskompetenz, gefolgt von Unternehmergeist und Change Management. Unternehmen scheinen zudem mit einer deutlichen Internationalisierung des Geschäfts zu rechnen, „Interkulturelle Kompetenz“ springt bei den sozialen Kompetenzen in zehn Jahren vom vorletzten auf den fünften Platz.
Zusätzlich zur Studie hat LinkedIn analysiert, welche Fähigkeiten Mitglieder in ihren eigenen Profilen angeben. Unter den Top-100 Fähigkeiten der mehr als sechs Millionen DACH-Mitglieder fehlen „Wissensmanagement“, „Kreativität“, „Netzwerkfähigkeit“ und „Entscheidungsfähigkeit“ – alles Eigenschaften, die mindestens 60 Prozent der Entscheider heute und in Zukunft für wichtig halten.
Mehr Spinoffs und weniger Transfer-Personal? ECN warnt vor finanziellen Kürzungen beim Wissenstransfer
530 Startups und Spinoffs haben die Partnerhochschulen des Entrepreneurship Center Network im Vorjahr betreut, um 16 Prozent mehr als 2024. Bei der 6. ECN-Konferenz haben die Hochschulen einen Maßnahmenplan erarbeitet. Im brutkasten-Talk warnen ECN-Gründer Rudolf Dömötör und Sara Matt von der Universität Innsbruck zugleich davor, ausgerechnet jetzt beim Transfer zu kürzen.
Mehr Spinoffs und weniger Transfer-Personal? ECN warnt vor finanziellen Kürzungen beim Wissenstransfer
530 Startups und Spinoffs haben die Partnerhochschulen des Entrepreneurship Center Network im Vorjahr betreut, um 16 Prozent mehr als 2024. Bei der 6. ECN-Konferenz haben die Hochschulen einen Maßnahmenplan erarbeitet. Im brutkasten-Talk warnen ECN-Gründer Rudolf Dömötör und Sara Matt von der Universität Innsbruck zugleich davor, ausgerechnet jetzt beim Transfer zu kürzen.
Zwei Tage lang haben die Entrepreneurship-Verantwortlichen der österreichischen Hochschulen am 13. und 14. Oktober an der Universität Wien und der WU Wien darüber beraten, wie Ausgründungen aus der Wissenschaft leichter gelingen können. Das Entrepreneurship Center Network (ECN), das inzwischen 36 Universitäten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen verbindet, hat rund um seine sechste Konferenz auch neue Zahlen veröffentlicht: 2025 wurden 530 studentische Startups und akademische Spinoffs an den Partnerhochschulen betreut, ein Jahr davor waren es 457.
Strategiearbeit im Fokus
Auch die Konferenz selbst ist gewachsen. „Als wir 2021 die erste ECN-Konferenz hier in Wien organisiert haben, hatten wir so 25 bis 30 Teilnehmer, und heuer waren über 80 Teilnehmende dabei”, sagt Rudolf Dömötör, Direktor des WU Entrepreneurship Center und Gründer des Netzwerks, im brutkasten-Talk. Statt Keynotes und Workshops gab es heuer Strategiearbeit: In Kleingruppen wurden zuerst die größten Probleme bei Ausgründungen gesammelt, dann ein Wunschzustand formuliert und daraus Maßnahmen abgeleitet.
(c) Ruiz Cruz
Mehr Role Models?
Diskutiert wurde dabei auch, wen das Thema überhaupt erreicht. Sara Matt, Leiterin der Transferstelle Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft der Universität Innsbruck, sieht die bisherigen Role Models fast ausschließlich im MINT-Bereich. „Ganz viele helle Köpfe kommen nicht aus der Technik, sondern aus den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Die muss man auch abholen.“ Und nicht jede Person mit unternehmerischen Fähigkeiten müsse ein eigenes Unternehmen gründen: „Die könnten zum Beispiel Betriebsnachfolgen übernehmen oder in bestehenden Unternehmen Innovation vorantreiben.”
Im Rahmen der Konferenz wurde – in Anwesenheit von Sektionschef Elmar Pichl aus dem BMFWF – auch der neue Ausgründungsrahmen für diese sog. SHAPE-Disziplinen vorgestellt. SHAPE steht für Social Sciences, Humanities and the Arts for People and the Economy, also für Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften sowie die Künste. Dieser Rahmen ergänzt den 2024 erarbeiteten Ausgründungsrahmen für den technischen und naturwissenschaftlichen Bereich.
Die Frage des Budgets?
Die Ergebnisse der Konferenz treffen auf einen schwierigen Moment. Wie sich das Universitätsbudget in den nächsten Jahren entwickelt, ist offen, mehr Geld wird es nach Einschätzung von Dömötör wohl nicht geben. Die Frage sei, wo gespart werde: bei etablierten Bereichen oder im Transfer, „der noch nicht so etabliert ist und auch keine starke Lobby in Budgetdiskussionen hat”. Das Budget sei deshalb ein Leitmotiv der Konferenz gewesen: „Was können wir tun, um dieses weiterhin zwar größer werdende, aber immer noch zarte Pflänzlein, das in den letzten fünf bis zehn Jahren entstanden ist, zu schützen?”
(c) Ruiz Cruz
Matt beobachtet die Folgen bereits. An einigen Universitäten sei das Personal im Transferbereich zurückgefahren worden. „Das finde ich einen falschen Ansatz, weil gerade jetzt müssen wir darauf achten, Innovation voranzutreiben.” Dass überall gespart werden müsse, sehe sie ein, „aber für die langfristige Sicht eines Wirtschaftsstandortes ist es nicht die richtige Entscheidung, an der Innovation zu sparen”.
Konkret bedauert Matt, dass es im Herbst keine Fellowship-Ausschreibung gab. Eine Handvoll Forscher:innen an ihrer Universität hätte gerne eingereicht. Wenn man in dieser Situation doch die akademische Karriere wähle, sei das nachvollziehbar, weil man es sich auf dem Weg dorthin kaum leisten könne, ein paar Jahre für einen unternehmerischen Versuch liegen zu lassen. Eine bei der Konferenz diskutierte Maßnahme sei deshalb ein Forschungsfreisemester, „damit diese Entscheidung nicht so früh fallen muss: Unternehmertum oder Forscherkarriere”.
Gründen soll in der akademischen Laufbahn zählen
Genau an diesem Punkt setzt der Maßnahmenplan an, den das ECN aus der Konferenz ableitet und Ende des Jahres veröffentlichen will. Gründen soll ein gleichwertiger Karriereweg werden, der auch in der akademischen Laufbahn anerkannt wird. „Kulturwandel bedarf auch der entsprechenden Incentives”, sagt Dömötör. „Wie wird es von meiner Uni gewürdigt, wenn ich gründe? Werde ich nur für die traditionellen Kernaufgaben einer Universität belohnt, Forschung und Lehre, oder wird auch die Third Mission stärker berücksichtigt?” In den letzten Jahren habe es eine positive Entwicklung gegeben, „aber da ist immer noch Luft”.
Der zweite Kernpunkt richtet sich an den Gesetzgeber: Das ECN fordert einen klaren Rechtsrahmen für Ausgründungen im Universitätsgesetz (UG) und im Fachhochschulgesetz (FHG). Dazu kommen österreichweite Standards für IP und Beteiligungen sowie Entrepreneurship Education für alle Studierenden. Die Details sollen im Plan Ende des Jahres folgen.
Verbündete in der Politik?
Unterstützung erhofft sich das ECN aus der Politik. Elisabeth Zehetner, Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, stellte sich bei einem Kamingespräch den Fragen der Community. Für Dömötör „ein sehr wertschätzendes Signal”. Man nehme aus dem Gespräch mit, „in ihr eine Verbündete zu haben”. Für die Änderungen an UG und FHG, die das ECN anstrebt, ist allerdings nicht ihr Ressort zuständig, sondern das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung.
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