17.10.2023

Volta Trucks: Insolvenz von E-LKW-Startup bringt Steyr Automotive unter Druck

Das schwedische E-LKW-Startup Volta Trucks meldet Insolvenz an. Für Steyr Automotive war es einer der wichtigsten Kunden.
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Volta Trucks: Der Volta Zero wird von Steyr Automotive hergestellt werden
(c) Volta Trucks: Der Volta Zero

Nach der schwierigen Übernahme im Jahr 2021 durch Siegfried Wolf wurde ein Startup für Steyr Automotive zur Zukunftshoffnung. Noch im selben Jahr schloss man einen Vertrag mit Volta Trucks aus Schweden ab. Die Produktion startete 2022 – rechtzeitig, um das Auslaufen eines nicht verlängerten Vertrags des Unternehmens mit MAN abzufangen. Die Pläne waren groß: Schon 2025 wollte man bei einer Produktion von 27.000 LKW pro Jahr sein.

Volta Trucks – Insolvenz für Steyr Automotive „überraschend“

Doch nun meldete Volta Trucks Insolvenz an – für Steyr Automotive laut einer eigenen, knapp gehaltenen, Aussendung „überraschend“. „Wir stehen hierzu in engem Austausch mit unserem Kunden Volta. Wie in derartigen Fällen üblich, muss jedoch auch die weitere Vorgehensweise des Insolvenzverwalters abgewartet werden, um die Situation in Folge genau bewerten zu können“, wird Florian Mayrhofer, Mitglied der Geschäftsführung von Steyr Automotive, dort zitiert.

Volta konnte geplante Mengen bereits nicht abrufen

Nachdem Volta Trucks nach dem Auslaufen des Vertrags mit MAN zum Hauptkunden geworden ist, sind jedenfalls gravierende Auswirkungen für Steyr Automotive zu befürchten. Schon im September wurden vom Unternehmen 260 Mitarbeiter:innen beim AMS zur Kündigung angemeldet, weil Volta nicht die geplanten Mengen abrufen konnte.

Insolvenz eines wichtigen Zulieferers im Hintergrund – keine rettende Finanzierungsrunde

Der Hintergrund: Mit Proterra schlitterte im August ein wichtiger Zulieferer von Volta selbst in die Insolvenz. Seitdem hatten die Schweden mit Lieferprobelmen vor allem bei Akkus zu kämpfen. Nach eigenen Angaben hat das Startup einen Auftragsbestand von 5.000 Fahrzeugen, der scheinbar nicht, oder nur zaghaft abgearbeitet werden kann. Laut Medienberichten verhinderte diese Situation auch den Abschluss einer weiteren, rettenden Finanzierungsrunde. Bislang hatte Volta Trucks rund 300 Millionen Euro Kapital eingesammelt.

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RNAnalytics, tecnet
© equity - (v.l.) Christian Laurer, Adriana González Palomo, Viktoria Enkmann, Hannes Burgstaller und Natalija Rajicic.

Mit einem SAFE (Simple Agreement for Future Equity) beteiligt sich tecnet equity am niederösterreichischen TechBio-Startup RNAnalytics. Das von Viktoria Enkmann und Hannes-Oliver Burgstaller gegründete Unternehmen ist im accent Makerspace in Tulln angesiedelt und entwickelt dort Lösungen für die Analyse von Lipid-Nanopartikeln – winzigen Transporthüllen, die Wirkstoffe wie RNA sicher in menschliche Zellen bringen sollen. Mit dem Investment möchte RNAnalytics die Weiterentwicklung seiner modularen Analyse-Toolkits sowie den Ausbau seiner integrierten Softwareplattform vorantreiben. Über die Höhe der Beteiligung wurde Stillschweigen vereinbart. Doch wie brutkasten erfahren hat, handelt es sich inklusive Förderungen um eine Summe im „höheren sechsstelligen Bereich“.

RNAnalytics: Analysen sehr aufwendig

RNA-basierte Medikamente haben durch neue Impfstoffe und Therapieansätze stark an Bedeutung gewonnen. Damit RNA im Körper überhaupt dort ankommt, wo sie wirken soll, braucht sie eine schützende Transporthülle. Dafür werden häufig sogenannte Lipid-Nanopartikel, kurz LNPs, eingesetzt.

Ob diese winzigen Partikel richtig funktionieren, muss während der Entwicklung eines Medikaments immer wieder überprüft werden. Entscheidend sei dabei, die Eigenschaften der Partikel genau zu verstehen, von ihrer Größe und Stabilität über die tatsächlich eingeschlossene RNA-Menge bis hin zu ihrem Verhalten in unterschiedlichen Zellen.

Diese Analysen seien heute oft aufwendig, erfordern teilweise teure Spezialgeräte und würden mangels einheitlicher Methoden nur eingeschränkt vergleichbare Ergebnisse liefern. „Das kostet Zeit und erschwert insbesondere kleineren BioTech-Unternehmen und Forschungslabors den Zugang zu einer Technologie, die für die Entwicklung neuer RNA-Therapien immer wichtiger wird“, liest man in der Aussendung.

Modulare Toolkits

RNAnalytics hat es sich daher zum Ziel gesetzt, diese Analysen einfacher und standardisierter zu machen. Dafür entwickelt das Unternehmen modulare Toolkits, die auf bereits vorhandener Laborausstattung eingesetzt werden können. Sie kombinieren validierte Messmethoden, Reagenzien und Referenzmaterialien und wollen Laboren damit einen „klar definierten Ablauf für die Untersuchung von Lipid-Nanopartikeln“ ermöglichen.

„Die SAFE-Finanzierung gibt uns in dieser frühen Phase die Möglichkeit, unsere Toolkits konsequent weiterzuentwickeln und parallel den Ausbau unserer Softwareplattform voranzutreiben. Mit tecnet equity haben wir dabei einen Partner an unserer Seite, der die Herausforderungen technologieintensiver Gründungen versteht“, sagt Enkmann, CEO von RNAnalytics.

RNAnalytics: Plattform in Entwicklung

Der Ansatz des Tullner Startups geht jedoch über einzelne Labortests hinaus, wie man mitteilt: Parallel zu den Toolkits entwickelt das Unternehmen eine Softwareplattform, in der die bei den Analysen entstehenden Daten zusammengeführt und automatisch ausgewertet werden können.

So entstehe ein umfassendes Bild der relevanten Qualitätsmerkmale eines RNA-Therapeutikums. Statt Messergebnisse aus unterschiedlichen Geräten und Tests einzeln auszuwerten, könnten Labore ihre Daten zentral verarbeiten, verschiedene Qualitätsparameter miteinander vergleichen und standardisierte Berichte erstellen. Die Kombination aus physischen Toolkits und Software soll damit einen bislang stark fragmentierten Analyseprozess in einen durchgängigen Workflow überführen.

„RNAnalytics setzt an einem sehr konkreten Problem in einem technologisch anspruchsvollen und stark wachsenden Bereich der Biotechnologie an. Besonders überzeugt uns der Ansatz, komplexe Laboranalytik durch standardisierte Toolkits zugänglicher zu machen und diese gleichzeitig in einer skalierbaren Softwareplattform zusammenzuführen“, erklärt Christian Laurer, Senior Investment Manager bei tecnet equity. „Die beiden Gründer:innen verbinden fundiertes wissenschaftliches Know-how mit einem klaren Verständnis für die Herausforderungen in der LNP-Analytik und einer überzeugenden Produktvision. Diese Kombination war für uns eine wesentliche Grundlage für das Investment in dieser frühen Phase.“

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