11.03.2026
PERSONALIE

VÖSI-Präsidentin Doris Lippert wird Geschäftsführerin von Cloudflight Österreich

Der IT-Dienstleister Cloudflight besetzt die Leitung seiner Österreich-Tochter neu: Doris Lippert, zuletzt in der Geschäftsführung von Microsoft Österreich, übernimmt mit 1. April 2026 die Geschäftsführung in Wien. Die Personalie ist Teil einer umfassenden Neuausrichtung der Unternehmensgruppe in Richtung KI.
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Doris Lippert | (c) Andreas Schwanzer
Doris Lippert | (c) Andreas Schwanzer

Mit Doris Lippert wechselt eine erfahrene Managerin von Microsoft Österreich zur Österreich-Tochter des IT-Dienstleisters Cloudflight mit Hauptsitz in München. Bei Microsoft verantwortete sie zuletzt als Teil der Geschäftsführung das Partner- und Technologie-Ökosystem. Lippert ist zudem als Präsidentin des Verbandes der Österreichischen Software Innovationen (VÖSI) – brutkasten berichtete – eine zentrale Figur in der heimischen IT-Interessenvertretung.

Fokus auf europäische KI-Lösungen

In ihrer neuen Funktion soll Lippert den Standort Österreich innerhalb der Gruppe weiterentwickeln. Laut einer Aussendung liegt ihr Fokus dabei auf der Etablierung von Cloudflight als „KI-first“-Unternehmen. „Mein Ziel ist es, Cloudflight in Österreich so weiterzuentwickeln, dass aufbauend auf österreichischen Werten Technologie gestaltet wird, die international erfolgreich ist“, kommentiert Lippert.

„Europäische Technologieunternehmen müssen heute mehr Verantwortung übernehmen“, so die neue Geschäftsführerin. Und nur durch den Aufbau einer „starken Softwarelandschaft mit messbarem wirtschaftlichem Nutzen“ könne man die langfristige Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen stärken. Neben der technologischen Umsetzung betont die Managerin zudem die Relevanz von Diversität und nachhaltigem Wirtschaften für den Sektor.

Strategischer Umbau der Cloudflight Group

Die Bestellung Lipperts erfolgt zeitgleich mit einer personellen und strategischen Neuausrichtung auf Gruppenebene. Bereits am 1. Februar 2026 hat André Holhozinskyj die Rolle des Chief Executive Officer (CEO) der Cloudflight Group übernommen. Holhozinskyj, der zuvor als CEO der synvert Group und in leitender Funktion bei Accenture tätig war, soll den Konzernumbau leiten.

Das Unternehmen begründet diesen Schritt mit dem massiven Wandel durch Künstliche Intelligenz. Unter dem Schlagwort der „agentischen Transformation“ – womit die Integration autonom handelnder KI-Systeme in Geschäftsprozesse gemeint ist – möchte Cloudflight den Schritt von isolierten Pilotprojekten hin zu skalierbaren Anwendungen im operativen Geschäft vollziehen.

Kooperation mit Daten-Spezialist paiqo

Um diese Strategie technisch zu unterlegen, forciert Cloudflight die Zusammenarbeit mit dem Daten- und KI-Spezialisten paiqo. Die beiden Unternehmen hatten sich bereits im Oktober 2025 zusammengeschlossen. Das nun vorgestellte integrierte Angebot kombiniert strategische Beratung mit Software-Engineering und Datenarchitektur.

Cloudflight beschäftigt mehr als 800 Mitarbeitende an 17 Standorten in Europa, darunter Österreich, Deutschland und Polen. Das Unternehmen positioniert sich als Full-Service-Partner für digitale Transformation und setzt dabei laut Eigendefinition verstärkt auf offene und technologisch unabhängige Architekturen.

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Prewave
Harald Nitschinger, Gründer von Prewave | (c) Prewave

Es nennt sich Quantified Resilience und soll zeigen, was Lieferkettenrisiken tatsächlich kosten. Das neue Portfolio des Wiener Startups adressiert die Risikolandschaft für globale Lieferketten, die sich seit Covid, der Chipknappheit sowie dem Krieg im Iran und in Russland verändert hat. Unternehmen haben in den vergangenen Jahren darauf reagiert und auf mehr Transparenz gesetzt, mehr Lieferanten überwacht und mehr Signale und Warnmeldungen verfolgt. Doch Einkaufsteams wollen nicht mehr Informationen, meint Co-Founder und seit Jänner alleiniger CEO Harald Nitschinger. „Sie wollen eine belastbare Entscheidungsgrundlage“, sagt er und bezieht sich auf eine Gartner-Studie aus 2026 mit dem Titel: „Market Overview for Supplier Risk Management Solutions.“ Teams, die ihre Zeit damit verbringen, schwer fassbare Risiken bei Sub-Tier-Lieferanten zu recherchieren und zu bewerten, hätten kaum Kapazitäten, um langfristige Resilienz aufzubauen.

Prewave: KI-Agenten übernehmen Recherche

Hier soll Quantified Resilience helfen, die globalen Risikodaten von Prewave mit den eigenen Daten eines Unternehmens zu verbinden, darunter Stücklisten, Lagerbestände, alternative Bezugsquellen und Umsatzzahlen. Spezialisierte KI-Agenten würden dann die Recherche übernehmen, Risiken priorisieren und deren mögliche finanzielle Auswirkungen auf das Unternehmen bewerten.

Ein Bestandteil des neuen KI-Portfolios heißt Prewave Respond und beinhaltet KI-Agenten, die Signale aus der gesamten Plattform bündeln und Risikosituationen danach ordnen, wie dringend Handlungsbedarf besteht. Risikomanager würden so auf einen Blick sehen, welche Situationen jetzt Aufmerksamkeit erfordern und welche warten können. Die Agenten lassen sich an die eigenen Prozesse und Prioritäten des jeweiligen Unternehmens anpassen.

Plattform zeigt Betroffenheit

„Die Bewertung einer Störung hat unser Risikoteam früher einen halben Tag gekostet, plus Abstimmung mit den Konzerneinkäufern, um die Auswirkungen auf die Lieferanten zu verifizieren“, erklärt Verena Rausch, Group Risk Manager bei der Vaillant Group, wie Prewave den Aufwand bei der Bewertung einzelner Störungen reduziert. „Beim Erdbeben von Kumamoto hat Prewave rund 50 aufgezeigte Lieferanten auf 11 eingegrenzt, die geprüft werden mussten, und einen unmittelbaren Produktionsstopp aufgezeigt. Das verkürzt den Zeitaufwand für jede Bewertung.“

Der Schlüssel zu dieser Priorisierung liege darin zu verstehen, was eine Störung für das Geschäft bedeutet. Die Prewave-Plattform kombiniert Informationen zu globalen Ereignissen, Lieferantenstandorten, Tier-n-Beziehungen und Rohstoffabhängigkeiten mit den eigenen Lieferketten- und ERP-Daten des Unternehmens. Sie zeige so, welche Lieferanten, Materialien oder Produkte tatsächlich betroffen sind.

Für Nitschinger ist Quantified Resilience der nächste Schritt im Umgang mit zunehmend komplexen Lieferkettenrisiken: „Unseren Kunden fehlt es nicht an Informationen. Im Gegenteil, sie werden mit Warnmeldungen, Ratings und Lieferanten-Updates überflutet. Wir geben ihnen jetzt Werkzeuge an die Hand, die diese Signale in eine konkrete Entscheidungsgrundlage verwandeln: Was verdient meine Aufmerksamkeit? Wo bin ich tatsächlich exponiert? Was steht finanziell auf dem Spiel? Und wo sollten wir Resilienz aufbauen, um die größte Wirkung zu erzielen? Quantified Resilience macht diese Zusammenhänge messbar und damit steuerbar.“

Resilienz von Kostenfaktor soll zur Investitionsentscheidung werden

Über die Priorisierung hinaus berechnet Prewave die finanziellen Auswirkungen einer Störung anhand von Daten wie Lagerbeständen, Stücklisten und Umsatz, heißt es. Damit soll die Resilienz von einem Kostenfaktor zu einer Investitionsentscheidung werden. Unternehmen könnten Ausgaben dorthin lenken, wo sie am meisten bewirken, und sie gegenüber Geschäftsführung und Vorstand mit belastbaren Zahlen untermauern.

Künftig will Prewave diesen Ansatz nutzen, um die Lieferketten seiner Kunden ganzheitlich und proaktiv zu optimieren. Prewave Optimise, ein weiteres Tool aus der „Quantified Resilience“-Strategie, das sich derzeit in der Beta-Phase befindet, soll zeigen, wo Absicherungen über das notwendige Maß hinausgehen und wo gefährliche Lücken bestehen. Ziel ist ein Lieferantennetzwerk, das Kosten und Resilienz entsprechend der individuellen Risikobereitschaft eines Unternehmens ausbalanciert.

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