09.03.2023

Viridad: Wiener Plattform zur EU-Taxonomie holt sich Millionen-Investment

Das österreichische Software- und Beratungs-Startup Viridad holt den international tätigen Klimaschutzdienstleister First Climate AG an Bord. Das Investment ist siebenstellig.
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(c) Viridad

Bereits 2022 ging das Wiener Startup Viridad mit seiner Plattform zur EU-Taxonomie an den Start. Über ein Software-as-a-Service-Modell können Kund:innen auf der web-basierten Plattform ihre Geschäftsaktivitäten auf Konformität mit den Vorgaben der EU-Taxonomie analysieren. Als europäisches Regulativ legt die EU-Taxonomie künftig fest, welche Wirtschaftsaktivitäten unter welchen Bedingungen als nachhaltig einzustufen sind. Zudem können Unternehmen die Plattform als digitale Lösung für die nichtfinanzielle Berichterstattung nutzen. Weiters bietet Viridad auch individuelle Beratung in diesem Bereich an, wobei in Zusammenarbeit mit dem AIT Austrian Institute of Technology ein Pool an Fachexpert:innen angeboten wird.

Viridad sichert sich Millionen-Investment

Für die „Weiterentwicklung der digitalen Plattformlösung“ konnte sich Viridad nun ein Investment in Millionenhöhe sichern, wie das Unternehmen am Donnerstag bekannt gab. Als Investor konnte der internationale Klimaschutzdienstleister First Climate AG gewonnen werden. First Climate verfügt über einen Sitz in Frankfurt sowie Zürich und hat sich auf Lösungen in den Bereichen CO2-Management und Energieversorgung spezialisiert. Zudem entwickelt und finanziert das Unternehmen laut eigenen Angaben „weltweit Klimaschutzprojekte“. Erst unlängst beteiligte sich First Climate auch am Wiener Klimaschutz-Startup Glacier – brutkasten berichtete.

Die Kooperation mit First Climate

Mit dem jüngsten Investment erwirbt First Climate 25,1 Prozent der Anteile an Viridad. Durch die Kooperation und den Zugriff auf die Viridad-Softwarelösung zur EU-Taxonomie möchte First Climate laut Aussendung sein Beratungsangebot erweitern.

„Unser Ziel ist es, First Climate zum zentralen Ansprechpartner für alle Aspekte rund um den unternehmerischen Klimaschutz zu machen, und unsere Kunden auf allen Stationen ihrer individuellen Climate Journey mit innovativen Lösungen zu begleiten“, so First Climate CEO, Olaf Bachert.

Hintergrund zur EU-Taxonomie

Mit der EU-Taxonomie wird stufenweise eine Berichtspflicht für Unternehmen und Kapitalmarktteilnehmer eingeführt: Aktuell gilt diese bereits für große börsennotierte Unternehmen und Finanzdienstleister. Bis 2026 wird mit der Einführung der sogenannten Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) die Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung nach den Vorgaben der EU-Taxonomie weiter ausgedehnt. 


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© Wiener Börse/Nik Pichler

Österreichische Unternehmen setzten im bisherigen Jahresverlauf 2026 positive Impulse am Kapitalmarkt, auch wenn die Belebung noch nicht alle Marktsegmente erfasste. Wie das aktuelle IPO Barometer der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY zeigt, stehen vier Neuzugänge an der Wiener Börse, ein neuer ATX-Rekord sowie zwei Börsengänge österreichischer Unternehmen im Ausland zu Buche.

Die zwei Auslands-Listings waren das Unternehmen Asta Energy, das im Jänner in Frankfurt an die Börse ging, sowie Innio Jenbacher mit dem Börsengang im Juni an der Nasdaq. Parallel dazu entwickelte sich der heimische Aktienmarkt stark: Der ATX inklusive Dividenden erreichte am 28. September mit 17.618,00 Punkten ein neues Allzeithoch und liegt seit Jahresbeginn mehr als 30 Prozent im Plus.

Vier Neuzugänge an der Wiener Börse

Am österreichischen Kapitalmarkt verzeichnete die Wiener Börse im laufenden Jahr vier Neuzugänge. Mit dem Handelsstart der Biogena Good Vibes AG am 10. September im Segment direct market plus kam der vierte Neuzugang an die Börse – brutkasten berichtete. Dem Listing ging eine außerbörsliche Kapitalerhöhung mit öffentlichem Aktienangebot voraus. Laut Unternehmensangaben zeichneten mehr als 2.300 neue Aktionär:innen Aktien, wobei sich der Mittelzufluss auf fast 18 Mio. Euro belief. Zuvor gingen dieses Jahr die Emerald Horizon AG im standard market (brutkasten berichtete), die FIT Group AG im direct market plus und die K2G Holding AG im direct market an den Wiener Markt.

Ein klassischer IPO eines österreichischen Unternehmens im geregelten Markt wurde im dritten Quartal hingegen nicht verzeichnet. Seit Anfang Juli ist der direct market plus zudem als EU-KMU-Wachstumsmarkt registriert, was insbesondere Wachstumsunternehmen und KMU den Zugang zum Kapitalmarkt erleichtern soll.

„Für nachhaltige Belebung des IPO-Markts braucht es gut vorbereitete Pipeline börsenreifer Unternehmen“

„Das dritte Quartal zeigt ein differenziertes Bild: Ein klassischer IPO im geregelten Markt blieb zwar aus, zugleich belegen die Neuzugänge und insbesondere das zusätzliche Listing von Biogena, dass der Kapitalmarkt auch für österreichische Wachstumsunternehmen eine relevante Finanzierungsoption sein kann. Dass mehr als 2.300 neue Aktionärinnen und Aktionäre gewonnen und fast 18 Millionen Euro eingeworben wurden, ist ein positives Signal für die Mobilisierung privaten Kapitals“, analysiert Martina Geisler, Partnerin und Leiterin IPO bei EY Österreich.

„Für eine nachhaltige Belebung des heimischen IPO-Markts braucht es nun eine gut vorbereitete Pipeline börsenreifer Unternehmen. Entscheidend sind eine überzeugende Equity Story, transparente Governance, realistische Bewertungsvorstellungen und die Bereitschaft, den Kapitalmarkt frühzeitig in die Wachstumsstrategie einzubinden. Der EU-KMU-Wachstumsmarkt kann dabei helfen, die Einstiegshürden für kleinere und mittlere Unternehmen zu senken“, so Geisler weiter.

Wer den Kapitalmarkt in Betracht ziehe, müsse daher „frühzeitig Börsenreife herstellen und seine Equity Story klar auf die Bedürfnisse eines internationalen Investorenkreises ausrichten“, heißt es von EY.

Erweiterung im global market

Neben den Neuzugängen erweiterte die Wiener Börse am 9. September den global market – das Handelssegment für bereits an anderen Börsen notierte internationale Aktien – um 45 Titel aus dem Nasdaq 100 und dem S&P 500. Damit sind dort nun erstmals mehr als 1.000 internationale Wertpapiere in Euro, zu Inlandskonditionen und während der Wiener Börsenzeiten handelbar. Bei diesen Einbeziehungen handelt es sich nicht um österreichische IPOs.

Im weltweiten Vergleich blieben die IPO-Märkte im dritten Quartal 2026 mit 367 Börsengängen nahezu stabil (Vorjahresquartal: 374), während das Emissionsvolumen um 79 Prozent auf 93,3 Mrd. US-Dollar stieg. „Die hohen Emissionsvolumina dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Erholung des IPO-Markts noch nicht in der Breite angekommen ist. Das dritte Quartal wurde stark von wenigen sehr großen Transaktionen geprägt“, erläutert Geisler.

Weltweit entfielen im dritten Quartal rund 75 Prozent des Platzierungsvolumens auf die Branchen Advanced Manufacturing und Technology. Getragen werde der Markt laut EY von Equity Stories, die auf kritische Infrastruktur und Energie, KI und Robotik sowie Verteidigung einzahlen.

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