16.04.2026
INSOLVENZ

Viora: Von Kosima Kovar gegründetes Wiener Startup meldet Konkurs an

Den Insolvenzantrag stellte die Gesellschaft selbst unter dem Geschäftsführer Thomas Engelhart. Co-Founderin Kosima Kovar ist seit über einem Jahr nicht mehr operativ im Unternehmen tätig.
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Das Ada Growth-Gründer:innen-Duo Matthew Ziebarth und Kosima Kovar mit der Investor:innen-Runde im Hintergrund | © Philipp Lipiarski
Aus dem Archiv (Jahr 2023): Das Founder-Duo Matthew Ziebarth und Kosima Kovar mit der Investor:innen-Runde im Hintergrund. Kovar ist seit 2025 operativ nicht mehr tätig. | © Philipp Lipiarski

Das Wiener Startup Viora betrieb eine E-Learning-App, die sich an Unternehmen richtete und den sogenannten Confidence Gap zwischen weiblichen und männlichen Mitarbeiter:innen durch Übungen zur Persönlichkeitsentwicklung schließen sollte. Das wiederum sollte Unternehmen attraktiver für weibliche Arbeitskräfte machen. Nun brachte das Startup einen Konkursantrag ein.

Große Kunden und Investor:innen

Die Ursprünge des Unternehmens reichen zurück zu dem Founder-Duo Matthew Ziebarth und Kosima Kovar. Das Unternehmen firmierte ursprünglich unter dem Namen Ada Growth, bevor es sich neu ausrichtete (brutkasten berichtete). Rund eineinhalb Jahre nach der Gründung im März 2021 folgte der Markteintritt und der verlief zunächst vielversprechend.

So konnte das Startup eine beachtliche Kundenliste aufbauen: Verbund, Raiffeisen, Erste Bank, ÖBB, Rewe mit Billa, Bipa und Penny, A1, Drei, Asfinag, EY und voestalpine zählten zu den Referenzkunden (brutkasten berichtete). Außerdem konnte Viora auch große Namen als Investor:innen gewinnen, wie etwa Hansi Hansmann, Christiane Holzinger, Fund F und calm/storm (brutkasten berichtete).

CEO-Rücktritt von Kovar

Im Juni 2025 kam für viele dann eine überraschende Nachricht. Kosima Kovar gab ihren CEO-Posten bei Viora nach viereinhalb Jahren ab. Wer die Rolle dauerhaft übernehmen würde, wurde zunächst nicht kommuniziert. Im Firmenbuch war seit August 2025 eine neue Geschäftsführerin eingetragen: Christiane Holzinger. Sie wiederum bestätigte, die Geschäftsführung lediglich interimistisch zu übernehmen. Welche Rolle Kovar künftig im Unternehmen spielen würde, blieb damals offen.

Ab Februar 2026 wurde dann der Rechtsanwalt Thomas Engelhart als neuer Geschäftsführer im Firmenbuch von Viora eingetragen. Den Umständen entsprechend ist davon auszugehen, dass dieser als Notgeschäftsführer tätig war. Das österreichische Recht schreibt nämlich vor, dass eine GmbH jederzeit über einen handlungsfähigen Geschäftsführer verfügen muss. Fehlt dieser – etwa weil die bisherige Führung das Amt niedergelegt hat – bestellt das Gericht eine Notlösung, die das Unternehmen für die Dauer des Verfahrens rechtlich vertretungsfähig hält.

Was genau in den Monaten zwischen Kovars Abgang und der heutigen Konkurseröffnung passierte, ist nicht öffentlich bekannt.


Hinweis der Redaktion: brutkasten hat versucht, das Unternehmen sowie einzelne beteiligte Personen zu kontaktieren. Sobald Statements eingehen, wird dieser Artikel entsprechend ergänzt.

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RNAnalytics, tecnet
© equity - (v.l.) Christian Laurer, Adriana González Palomo, Viktoria Enkmann, Hannes Burgstaller und Natalija Rajicic.

Mit einem SAFE (Simple Agreement for Future Equity) beteiligt sich tecnet equity am niederösterreichischen TechBio-Startup RNAnalytics. Das von Viktoria Enkmann und Hannes-Oliver Burgstaller gegründete Unternehmen ist im accent Makerspace in Tulln angesiedelt und entwickelt dort Lösungen für die Analyse von Lipid-Nanopartikeln – winzigen Transporthüllen, die Wirkstoffe wie RNA sicher in menschliche Zellen bringen sollen. Mit dem Investment möchte RNAnalytics die Weiterentwicklung seiner modularen Analyse-Toolkits sowie den Ausbau seiner integrierten Softwareplattform vorantreiben. Über die Höhe der Beteiligung wurde Stillschweigen vereinbart. Doch wie brutkasten erfahren hat, handelt es sich inklusive Förderungen um eine Summe im „höheren sechsstelligen Bereich“.

RNAnalytics: Analysen sehr aufwendig

RNA-basierte Medikamente haben durch neue Impfstoffe und Therapieansätze stark an Bedeutung gewonnen. Damit RNA im Körper überhaupt dort ankommt, wo sie wirken soll, braucht sie eine schützende Transporthülle. Dafür werden häufig sogenannte Lipid-Nanopartikel, kurz LNPs, eingesetzt.

Ob diese winzigen Partikel richtig funktionieren, muss während der Entwicklung eines Medikaments immer wieder überprüft werden. Entscheidend sei dabei, die Eigenschaften der Partikel genau zu verstehen, von ihrer Größe und Stabilität über die tatsächlich eingeschlossene RNA-Menge bis hin zu ihrem Verhalten in unterschiedlichen Zellen.

Diese Analysen seien heute oft aufwendig, erfordern teilweise teure Spezialgeräte und würden mangels einheitlicher Methoden nur eingeschränkt vergleichbare Ergebnisse liefern. „Das kostet Zeit und erschwert insbesondere kleineren BioTech-Unternehmen und Forschungslabors den Zugang zu einer Technologie, die für die Entwicklung neuer RNA-Therapien immer wichtiger wird“, liest man in der Aussendung.

Modulare Toolkits

RNAnalytics hat es sich daher zum Ziel gesetzt, diese Analysen einfacher und standardisierter zu machen. Dafür entwickelt das Unternehmen modulare Toolkits, die auf bereits vorhandener Laborausstattung eingesetzt werden können. Sie kombinieren validierte Messmethoden, Reagenzien und Referenzmaterialien und wollen Laboren damit einen „klar definierten Ablauf für die Untersuchung von Lipid-Nanopartikeln“ ermöglichen.

„Die SAFE-Finanzierung gibt uns in dieser frühen Phase die Möglichkeit, unsere Toolkits konsequent weiterzuentwickeln und parallel den Ausbau unserer Softwareplattform voranzutreiben. Mit tecnet equity haben wir dabei einen Partner an unserer Seite, der die Herausforderungen technologieintensiver Gründungen versteht“, sagt Enkmann, CEO von RNAnalytics.

RNAnalytics: Plattform in Entwicklung

Der Ansatz des Tullner Startups geht jedoch über einzelne Labortests hinaus, wie man mitteilt: Parallel zu den Toolkits entwickelt das Unternehmen eine Softwareplattform, in der die bei den Analysen entstehenden Daten zusammengeführt und automatisch ausgewertet werden können.

So entstehe ein umfassendes Bild der relevanten Qualitätsmerkmale eines RNA-Therapeutikums. Statt Messergebnisse aus unterschiedlichen Geräten und Tests einzeln auszuwerten, könnten Labore ihre Daten zentral verarbeiten, verschiedene Qualitätsparameter miteinander vergleichen und standardisierte Berichte erstellen. Die Kombination aus physischen Toolkits und Software soll damit einen bislang stark fragmentierten Analyseprozess in einen durchgängigen Workflow überführen.

„RNAnalytics setzt an einem sehr konkreten Problem in einem technologisch anspruchsvollen und stark wachsenden Bereich der Biotechnologie an. Besonders überzeugt uns der Ansatz, komplexe Laboranalytik durch standardisierte Toolkits zugänglicher zu machen und diese gleichzeitig in einer skalierbaren Softwareplattform zusammenzuführen“, erklärt Christian Laurer, Senior Investment Manager bei tecnet equity. „Die beiden Gründer:innen verbinden fundiertes wissenschaftliches Know-how mit einem klaren Verständnis für die Herausforderungen in der LNP-Analytik und einer überzeugenden Produktvision. Diese Kombination war für uns eine wesentliche Grundlage für das Investment in dieser frühen Phase.“

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