13.12.2021

Tatzberger: „Bei ViennaUP’22 wird Qualität vor Quantität stehen“

Im Interview spricht Gabriele Tatzberger von der Wirtschaftsagentur Wien über die ersten Details zur ViennaUP'22. Sie wird vom 27. Mai bis zum 3. Juni 2022 als dezentrale Eventwoche über die Bühne gehen.
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Tatzberger
Gabriele Tatzberger (Startup Services) bei der Wirtschaftsagentur Wien | (c) Christian Husar

Vor mittlerweile mehr als einem halben Jahr ging die ViennaUP’21 mit rund 25.000 Teilnehmer:innen aus über 60 Ländern erstmalig über die Bühne. Aufgrund der Corona-Maßnahmen fand das Festival vollständig digital statt. Insgesamt gab es in den zwei Programmwochen rund 100 Online-Veranstaltungen von mehr als 40 Programmpartner:innen. Als Initiatorin sprach die Wirtschaftsagentur Wien damals vom „größten Startup-Event, das in Zentraleuropa jemals über die Bühne gegangen ist.“

2022 soll die ViennaUP’22 nun auf eine Woche verkürzt werden, wobei das Programm auf 50 Events und 20 Programm-Partner:innen limitiert wird. Im Interview mit dem Brutkasten erläutert Gabriele Tatzberger, warum nun „Qualität vor Quantität“ steht und welche Programmpunkte in der Woche vom 27. Mai bis 3. Juni 2022 bereits bestätigt sind.

Welches Ziel habt ihr euch mit der ViennaUP’22 gesteckt? 

Wir stehen mit den Programm-Partner:innen im intensiven Austausch und wissen jetzt schon, dass wir mit der ViennaUP’22 eine große Themenvielfalt haben werden. Im Programm ist für Startups bzw. Scaleups, Investor:innen und Corporates in verschiedenen Themengebieten etwas mit dabei. Unser Motto für nächstes Jahr lautet “Qualität vor Quantität”. Das heißt, dass wir versuchen, die einzelnen Programmpunkte noch besser zu bündeln. 

Warum wird die ViennaUP’22 um eine Woche kürzer sein?

Unser Ziel ist es, die ViennaUP’22 kompakter zu gestalten. Wir haben gesehen, dass bei der ViennaUP’21 ein sehr langer Atem notwendig war, um das sehr dichte Programm über den ganzen Zeitraum von zwei Wochen intensiv zu verfolgen. Unser Ziel ist nicht, wieder die 25.000 Teilnehmer:innen vom letzten Jahr zu erreichen. Demnach werden wir 2022 rund 50 Events von zirka 20 unterschiedlichen Programm-Partner:innen über eine Woche verteilt haben.

Wie wird das Ticketing-System für die ViennaUP’22 aussehen? 

Wir werden das Ticketing-Konzept vom letzten Jahr beibehalten. Die Teilnehmer:innen werden die einzelnen Tickets wieder bei den jeweiligen Programm-Partner:innen erwerben können. Dies bedeutet, dass wir nicht ein Ticket haben, sondern die jeweiligen Programm-Partner:innen ihre Tickets einzeln anbieten werden. In diesem Zusammenhang werden wir sehr klar und deutlich kommunizieren, dass es sich um dezentrales Event handelt. Als ViennaUP bieten wir eine Dachmarke an und versuchen zudem zwischen den Programm-Partner:innen, Synergien zu schaffen. 

Wie wird die hybride Ausrichtung der ViennaUP’21 erfolgen?

Es wird eine Mischung aus Vorort-Events, Streams und digitalen Events geben. Das Ziel ist es, die Teilnehmer:innen wirklich nach Wien zu holen. Uns ist es ein großes Anliegen, die Stadt erlebbar zu machen. Hier haben wir bereits viele Ideen – angefangen von Co-Creation über Touren durch die Stadt bis hin zu Matchmaking. Zudem wollen wir einen Dialog zwischen den Events herstellen. So sollen beispielsweise Teilnehmer:innen einer Investor:innen-Konferenz mit Teilnehmer:innen eines Life-Science-Events in Kontakt treten. Unsere Programm-Partner:innen wünschen sich diesen branchenübergreifenden Austausch.

Wird es die Plattform B2B-Match wieder geben? 

Die Programm-Partner:innen werden die Plattform wieder nutzen. Als Dachmarke werden wir das aber nicht mehr tun, da wir die Erfahrung gemacht haben, dass es die Teilnehmer:innen teilweise verwirrt. Viele Leute haben nämlich geglaubt, dass man mit nur einem Login auch bei allen Events angemeldet ist. Hier wollen wir bei der ViennaUP’22 in der Kommunikation klarer sein.

Gibt es bereits erste Programm-Bestätigungen?

Ja, erste Programmbestätigung gibt es bereits. Es wird beispielsweise die “Lead Today. Shape Tomorrow” Konferenz von Female Founders wieder stattfinden. Zudem wird im Rahmen der ViennaUP’22 auch der Startup-World-Cup über die Bühne gehen und von Startup-Live eine globale Edition erfolgen. Auch der Connect-Day von FFG und GIN hat seine Teilnahme bereits zugesagt. Für das Publikum an Investor:innen ist zudem die 0100 Venture Capital Konferenz geplant. Darüber hinaus wird es die Smart City Konferenz und die Creative Days geben. Die einzelnen Programmpunkte werden ab Februar auf der Website der ViennaUP’22 veröffentlicht.

Wird es einen thematischen Schwerpunkt geben? 

Im Prinzip ist die ViennaUP’22 thematisch sehr offen konzipiert. Uns ist es aber wichtig, dass die definierten Stärkefelder in der Innovationsstrategie der Stadt Wien aktiv bespielt werden – angefangen von Smart City über Life Science bis hin zur Kreativwirtschaft.

Was sind die nächsten Schritte in der Planung der ViennaUP’22?

Aktuell haben wir aufgrund des Lockdowns in Bezug auf die Kommunikation einen Soft-Launch vollzogen. Im Frühjahr werden wir dann eine internationale Medienkampagne starten. Zudem bearbeiten wir aktuell sehr stark den CEE-Markt. Hier sind wir bereits mit zahlreichen Vertreter:innen aus der internationalen Startup-Szene in Kontakt.


Tipp der Redaktion:

Als Initiatorin der ViennaUP’22 informiert die Wirtschaftsagentur Wien in regelmäßigen Abständen über die Website der ViennaUP’22 oder ihren Newsletter über die Programminhalte.

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V.l.n.r.: Damian Izdebski, techbold Gründer und Hauptaktionär; Matthias Stieber und Gerald Reitmayr, Vorstände der techbold technology group AG © techbold

Eine Geschichte, die das Leben schreibt: „Zwölf Jahre lang war ich ‚der mit der Pleite‘. Ab heute bin ich ‚der mit dem Comeback'“, sagt Damian Izdebski Freitagmorgen gegenüber brutkasten. Sein 2015 gegründetes Unternehmen techbold technology group AG wird von der deutschen accompio Gruppe übernommen – zu einer Bewertung von knapp 40 Millionen Euro, wie brutkasten in Erfahrung brachte. 2014 hatte Izdebski mit seinem damaligen Unternehmen DiTech Insolvenz anmelden müssen, was damals landesweit für Schlagzeilen sorgte.

28 Millionen Euro Umsatz im Mittelstand

Techbold ist auf IT-Outsourcing, Cloud-Lösungen sowie Cybersecurity für kleine und mittlere Unternehmen spezialisiert. Über das letzte Jahrzehnt akquirierte das IT-Unternehmen ganze 18 Unternehmen, um seine Expansion voranzutreiben wie brutkasten engmaschig verfolgte. Nun wird techbold selbst zum Gekauften. Die entsprechenden Verträge wurden bereits unterzeichnet, der Vollzug steht noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die zuständige Wettbewerbsbehörde, wie das Unternehmen heute morgen per Aussendung mitteilte.

Techbold beschäftigt mittlerweile mehr als 170 IT-Spezialist:innen an Standorten in Wien, Oberösterreich und dem Burgenland und betreut rund 1.400 Kund:innen. Zuletzt erwirtschaftete die IT-Firma einen Jahresumsatz von rund 28 Millionen Euro. Für Kund:innen sowie laufende Verträge des Wiener Unternehmens soll sich im Tagesgeschäft laut Unternehmensangaben nichts ändern.

Spektakuläres Comeback

Gründer Damian Izdebski, der 2025 die CEO Rolle zurücklegte und danach im Aufsichtsrat tätig war, meint gegenüber brutkasten: „Zum ersten Mal seit 25 Jahren weiß ich nicht, was als Nächstes kommt. Alle, die mich kennen, wissen: Das dauert nicht lange.“

Dem heutigen Erfolg geht eine weniger erfreuliche Geschichte voran. 2014 musste Izdebski mit seinem ehemaligen Unternehmen DiTech Insolvenz anmelden. Ein Schritt mit dem der Gründer sehr offen umgeht: „Beide Schlagzeilen habe ich mir selbst geschrieben – an der zweiten habe ich nur deutlich länger gearbeitet.“ Er fügt hinzu: „In Amerika ist eine Pleite ein Kapitel im Lebenslauf. In Österreich ein Urteil fürs Leben. Ich habe beschlossen, das Urteil nicht anzunehmen.“

Auch Investor und Aufsichtsratmitglied Hermann Futter freut sich vor allem für Izdebski: „Ich habe immer an Damian geglaubt und bin seit fast 20 Jahren mit ihm befreundet. Er hat allen bewiesen, dass man auch in Österreich scheitern und wieder aufstehen kann! Chapeau.“ Und auch für ihn als Investor habe sich der Exit ausgezahlt, so Futter gegenüber brutkasten.

Reaktionen aus dem Umfeld

An techbold beteiligt waren neben Hermann Futter unter anderem auch Niki Futter, Stefan Kalteis und Hansi Hansmann. Letzterer meint zur Übernahme: „Es war ein sehr erfolgreicher Exit, der sich für mich wirklich ausgezahlt hat. Techbold ist ein wachstumstarkes Unternehmen in einem großen Markt, welches auch ordentlich profitabel ist. Das macht die Firma natürlich zu einem attraktiven Übernahmeziel“

Auch Aufsichtsratmitglied Niki Futter, der die Position von 2017 bis 2025 besetzte, meldete sich auf Anfrage zurück: „Das ist ein ganz tolles Ergebnis und ich gratuliere dem Team rund um Damian ganz herzlich und wünsche alles Beste für die weitere Zukunft. Ich freu mich, dass ich dieses Unternehmen über acht Jahre im Aufsichtsrat begleiten durfte.“

Für die Verhandlungen holte sich Izdebski Unterstützung von Thomas Hillebrand und Nico Zaiser vom Wiener M&A-Spezialisten i5invest. „Ich würde mit Thomas und Nico von „i5invest“ jederzeit wieder ein Unternehmen verkaufen. Die Jungs sind so professionell und erfahren – ich durfte in den letzten Wochen so viel von ihnen lernen. Danke dafür!“, sagt er.

Buy-and-Build-Strategie der Käufer

Auf Käuferseite fügt sich die Übernahme in die Expansionsstrategie ein. Accompio agiert als Managed Security Service Provider und beschäftigt an 22 Standorten in Deutschland, Österreich, Ungarn und Bulgarien insgesamt rund 900 IT-Expert:innen. Von der Head of M&A bei accompio Katrin Wollinger-Zepf heißt es gegenüber brutkasten „Es war ein sehr effizienter und konstruktiver Prozess auf absoluter Augenhöhe.“

„Die Übernahme von techbold ist ein weiterer konsequenter Schritt in unserer Buy-and-Build-Strategie: Wir bauen systematisch die führende IT-Services-Plattform im DACH-Raum auf“, führt Georg Willig, CFO der accompio Gruppe, aus. Man suche für den Ausbau gezielt nach unternehmergeführten IT-Dienstleistern mit starker Marktposition und durch den Zukauf aus Wien baut die Gruppe ihre Präsenz in Österreich nun weiter aus.

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