Im Februar dieses Jahrs verkündete das Wiener Scaleup vibe moves you die Übernahme des Autoabo-Geschäfts des Welser Startups ocay, wie brutkasten berichtete. Nun folgt die nächste Akquisition. Von einem Startup kann dieses Mal aber nicht die Rede sein. Die Verkäuferin, die Vogl+Co Gruppe aus Graz, feierte schon 2019 ihren 100. Geburtstag. Sie gibt nun das operative Geschäft ihres E-Auto-Abo-Angebots MieteDeinAuto ab. Über den Kaufpreis wurden dabei keine Angaben gemacht.
vibe übernimmt mit MieteDeinAuto mehrere Hundert Abos
Man übernehme damit „mehrere Hundert Abos“, die zu den mehr als 3.500 bestehenden Kund:innen hinzukommen, heißt es von vibe. Weil sich die Autos beim Autoabo-Modell im Besitz des Anbieters befinden, kann bei der Übernahme also von einer durchaus beträchtlichen Summe ausgegangen werden. Die bestehenden Kund:innen von MieteDeinAuto würden nun individuelle Umstiegsangebote erhalten, die laufenden Verträge würden nahtlos weitergeführt. Von ocay aus Wels hatte man im Februar rund 1.000 Kund:innen übernommen.
„Der Markt konsolidiert sich – und vibe ist bereit für den nächsten Wachstumsschritt“
„Mit MieteDeinAuto integrieren wir nun den zweiten regional starken Anbieter innerhalb weniger Monate. Das zeigt: Der Markt konsolidiert sich – und vibe ist bereit für den nächsten Wachstumsschritt“, kommentiert vibe-Geschäftsführer Martin Rada. Erst kürzlich hat das Unternehmen auch seine Expansion nach Deutschland kommuniziert, wie brutkasten berichtete.
Vogl+Co Gruppe wird Partner
Die Vogl+Co Gruppe wird mit der Übernahme auch zum Partner von vibe. „Wir sehen großes Potenzial im Abo-Modell – gerade in Verbindung mit Elektromobilität. Vibe ist dafür der ideale Partner“, kommentiert Vogl+Co-Geschäftsführer Oliver Wieser. „Unser Fokus als 360-Grad-Mobilitätsanbieter liegt neben dem Kerngeschäft künftig auf ganzheitlichen Mobilitätslösungen für Flotten, Gemeinden und Unternehmen.“
„Das gebaut, was uns Diabetikern gefehlt hat“: Diabetes-Startup Carbetic weckt Interesse von Medizintechnik-Riesen
Mit 17 Jahren entwickelte Diego Szekely die Diabetes-Lösung Carbetic. Die App nutzt 3D-Bildanalyse, um den Kohlenhydratgehalt von Mahlzeiten präzise zu bestimmen und sichert sich nach drei Monaten 4.000 zahlende User.
„Das gebaut, was uns Diabetikern gefehlt hat“: Diabetes-Startup Carbetic weckt Interesse von Medizintechnik-Riesen
Mit 17 Jahren entwickelte Diego Szekely die Diabetes-Lösung Carbetic. Die App nutzt 3D-Bildanalyse, um den Kohlenhydratgehalt von Mahlzeiten präzise zu bestimmen und sichert sich nach drei Monaten 4.000 zahlende User.
„Ich war der, der die Waage rausgeholt hat, um meinen Insulinbedarf zu berechnen“, erinnert sich Carbetic-Gründer Diego Szekely an die Zeit nach seiner eigenen Typ-1-Diabetes-Diagnose vor vier Jahren. Bei der Autoimmunerkrankung produziert der Körper überhaupt kein eigenes Insulin mehr, weshalb jede Aufnahme von Kohlenhydraten exakt berechnet und durch externe Insulingaben ausgeglichen werden muss.
Im Austausch mit anderen Betroffenen stellte er jedoch schnell fest, dass die meisten Diabetiker:innen im Alltag ihren Bedarf lediglich abschätzen. Da ungenaue Werte langfristige gesundheitliche Risiken bergen, entwickelte der heute 18-Jährige Carbetic, um eine verlässlichere, unkomplizierte Lösung im Alltag anzubieten. „Ich hab einfach das gebaut, was uns Diabetikern wirklich gefehlt hat“, so der Gründer.
Mittlerweile ist die Anwendung bereits in 41 Sprachen verfügbar, wobei aktuell die USA, dicht gefolgt von Deutschland, den größten Markt darstellen. Das technische Fundament unterscheidet sich laut dem Gründer aus Perchtoldsdorf vor allem in einem Punkt von klassischen Lifestyle-Trackern.
Statt einer simplen 2D-Bildanalyse setzt Carbetic laut eigenen Angaben auf räumliche Tiefe durch drei schnell geschossene Fotos aus unterschiedlichen Winkeln sowie LiDAR-Sensoren moderner Smartphones. „Die drei Fotos sind wahnsinnig wichtig, um die Dimensionen gescheit abzuschätzen“, betont Szekely.
Aus der Kombination dieser Bild- und Raumdaten berechnet ein feinjustiertes KI-Modell schließlich den Kohlenhydratgehalt der einzelnen Komponenten auf dem Teller, der wiederum für die Bestimmung des Insulinbedarfs benötigt wird. Neben der Foto-Analyse wird das Produkt in der Praxis durch eine integrierte Sprachsteuerung sowie die Option ergänzt, Koch-URLs oder abfotografierte, handschriftliche Rezepte automatisch von der KI auslesen zu lassen.
Conversion im SaaS-Modell
Nach nur drei Monaten verzeichnet die App rund 20.000 Downloads. Interessant ist vor allem die Conversion-Rate: „5.000 Nutzer sind aktuell in einem Probeabo oder bezahlten Abo“, erklärt der Gründer. Von den 5.000 „zahlen bereits 4.000“, so Szekely weiter. Das Geschäftsmodell basiert auf einer Software-as-a-Service-Struktur. Das Einstiegs-Abo für bis zu zehn Analysen am Tag kostet 4,49 Euro im Monat, während die unlimitierte Version für 9,99 Euro angeboten wird.
Auf die Frage, wie man ein solches Wachstum erziele, meint der Gründer: „Gute Frage. Und da ich keine gute Antwort habe, ist die Antwort, das Produkt funktioniert.“ Hauptsächlich über Mundpropaganda und Empfehlungen von Ärzt:innen, die Szekely unter anderem auf Ärztekongressen kennenlernte, wachse das Produkt aktuell organisch. „Wenn mir Patient:innen schreiben, dass die App ihnen hilft, den Alltag ein Stück mehr wie ein gesunder Mensch zu leben, macht mich das einfach so stolz“, so der Gründer.
„Mit allen großen Medizintechnik-Firmen in Kontakt“
Einen langfristigen Wettbewerbsvorsprung will sich der Gründer, der für sein Startup Studienplätze am UCL und King’s College in London sausen lässt, künftig über zwei strategische Säulen verschaffen, die über die reine Nutzer:innenbasis hinausgehen. Neben einer umfassenden Datensammlung zur Optimierung der Algorithmen steht ein digitaler Ärztezugang im Fokus. Über diesen können Mediziner:innen nach expliziter Freigabe die Mahlzeiten ihrer Patient:innen analysieren und die Therapie gezielter begleiten.
Während der aktuelle Fokus auf Typ-1-Diabetes-Patient:innen liegt, zeigt sich Szekely zuversichtlich, dass auch Typ-2-Patient:innen über kurz oder lang auf seine Anwendung zugreifen werden: „Alle Apps, die Typ 1 machen, übernehmen irgendwann auch den Typ-2-Markt. Das ist immer so.“ Zudem startet in Kürze eine Genauigkeitsstudie mit der Universität Wien. Auch gegenüber strategischen Partnerschaften und Investments zeigt sich der Solo-Founder offen: „Ich bin mit allen großen Medizintechnik-Firmen im Diabetes-Bereich in Kontakt. Und die sind alle begeistert.“
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