09.04.2026
FINANZIERUNG

ViaThermo: Wiener Startup lässt Kunden „selbst anpacken“

Bau- und Sanierungsprojekte in der Haustechnik sind häufig komplex: viele Gewerke, viele Schnittstellen und für Bauherren oft schwer nachvollziehbare Kosten. Das Wiener Haustechnikunternehmen ViaThermo setzt daher auf ein Modell, das Eigenleistung ermöglicht und Projekte dadurch deutlich erschwinglicher machen soll. Dafür holte man ein sechsstelliges Investment.
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ViaThermo
© ViaThermo

ViaThermo-Gründer Philip Szep bringt langjährige Erfahrung aus der Unternehmensberatung mit und war zuvor am Aufbau eines Unternehmens (CIRC) beteiligt, das mit rund 1.000 Mitarbeiter:innen in zwölf Ländern an Bird verkauft wurde. Danach folgte eine Station im Private-Equity-Bereich, bevor er sich erstmals selbst unternehmerisch betätigte.

ViaThermo: Idee nach schlechter Erfahrung

Ausgangspunkt für die heutige Geschäftsidee war ein persönliches Erlebnis: Beim Ausbau seiner eigenen Wohnung machte er die Erfahrung, wie schwierig und ineffizient die Zusammenarbeit mit Handwerkern sein kann – ein Betrieb musste während des Auftrags gar Konkurs anmelden.

Also tat er sich mit seinem Arbeitskollegen Frederik Hermans zusammen und legte zuerst den Fokus auf Heizungstausch – kam dabei auch mit den Heizma-Foundern für ein Gespräch zusammen – änderte dann aber den Fokus, weil er rasch feststellte, dass dieser Bereich Teil eines größeren Problems sei. In weiterer Folge wurde deshalb das Angebot breiter aufgestellt und umfasst heute mehrere Bereiche rund um Haustechnik und Sanierung. Mittlerweile erwirtschaftet das bisher eigenfinanzierte Unternehmen einen Umsatz im niedrigen einstelligen Millionenbereich und ist profitabel.

Seed-Runde

Anfang des Jahres gab es dafür ein mittleres sechsstelliges Investment von nicht näher genannten Investoren und Business Angels. Mit der aktuellen Kapitalrunde will das Unternehmen nun die nächsten Schritte setzen: Der Ausbau des Teams, die Einführung eines neuen CRM-Systems sowie eine stärkere Kundenbetreuung stehen im Fokus. „Nach zwei Jahren Hustle gibt uns das Kapital erstmals die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren und unser Angebot weiterzuentwickeln“, erzählt Szep im Gespräch mit brutkasten.

Das Team ist seit der Seed-Runde gewachsen und beschäftigt heute über zehn Leute. Ein zentraler Bestandteil des Geschäftsmodells von ViaThermo ist die aktive Einbindung der Kund:innen. Angesichts stark gestiegener Preise im Handwerksbereich setzt das Startup auf einen Ansatz, bei dem Auftraggeber:innen – wenn gewünscht – selbst mit anpacken können. Das Unternehmen stellt dafür Anleitung, Material und Expertise bereit und begleitet die Umsetzung.

So funktioniert das Eigenleistungsmodell

Das Modell von ViaThermo setzt konkret auf eine Kombination aus professioneller Planung und gezielter Arbeitsteilung: Jedes Projekt wird von einem Meister detailliert geplant und in einzelne Arbeitsschritte strukturiert. Während Kund:innen zeitintensive Vorarbeiten selbst übernehmen können, verantwortet das Unternehmen alle komplexen Tätigkeiten wie hydraulische Einbindung und Steuerungstechnik. Ergänzt wird das Angebot durch eine Einweisung sowie die Bereitstellung von Material und Profi-Werkzeug. Die Inbetriebnahme und Abnahme erfolgen durch den Fachbetrieb, wodurch die volle Gewährleistung für das gesamte System erhalten bleibt. Gleichzeitig fungiert ViaThermo durchgehend als zentraler Ansprechpartner und stellt die normgerechte Umsetzung sicher.

Guidance beim Hausprojekt

„Wir sorgen dafür, dass kein Fehler passiert und das Projekt am Ende vollständig umgesetzt wird“, präzisiert Szep. „Das Handwerk ist extrem teuer geworden und es werden wahnsinnige Preise aufgerufen. Viele Bauherren stehen unter erheblichem finanziellen und emotionalem Druck, weil sie gerade die größte Investition ihres Lebens tätigen. Unser Ansatz schafft Struktur und Sicherheit, ohne den Wunsch nach Mitgestaltung oder Kostentransparenz auszuschließen. Wir geben Guidance vor und achten darauf, dass alles gut funktioniert. Dieser Ansatz des Eigenanteils hebt uns vom Markt ab. So etwas gibt es in Österreich noch nicht, oder wenn, dann vielleicht maximal im Sinne einer Nachbarschaftshilfe. Aber in diesem Modell sind wir die ersten in Österreich. Das ist unsere Nische.“

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(c) Ruiz Cruz
(c) Ruiz Cruz

Zwei Tage lang haben die Entrepreneurship-Verantwortlichen der österreichischen Hochschulen am 13. und 14. Oktober an der Universität Wien und der WU Wien darüber beraten, wie Ausgründungen aus der Wissenschaft leichter gelingen können. Das Entrepreneurship Center Network (ECN), das inzwischen 36 Universitäten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen verbindet, hat rund um seine sechste Konferenz auch neue Zahlen veröffentlicht: 2025 wurden 530 studentische Startups und akademische Spinoffs an den Partnerhochschulen betreut, ein Jahr davor waren es 457.

Strategiearbeit im Fokus

Auch die Konferenz selbst ist gewachsen. „Als wir 2021 die erste ECN-Konferenz hier in Wien organisiert haben, hatten wir so 25 bis 30 Teilnehmer, und heuer waren über 80 Teilnehmende dabei”, sagt Rudolf Dömötör, Direktor des WU Entrepreneurship Center und Gründer des Netzwerks, im brutkasten-Talk. Statt Keynotes und Workshops gab es heuer Strategiearbeit: In Kleingruppen wurden zuerst die größten Probleme bei Ausgründungen gesammelt, dann ein Wunschzustand formuliert und daraus Maßnahmen abgeleitet.

(c) Ruiz Cruz

Mehr Role Models?

Diskutiert wurde dabei auch, wen das Thema überhaupt erreicht. Sara Matt, Leiterin der Transferstelle Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft der Universität Innsbruck, sieht die bisherigen Role Models fast ausschließlich im MINT-Bereich. „Ganz viele helle Köpfe kommen nicht aus der Technik, sondern aus den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Die muss man auch abholen.“ Und nicht jede Person mit unternehmerischen Fähigkeiten müsse ein eigenes Unternehmen gründen: „Die könnten zum Beispiel Betriebsnachfolgen übernehmen oder in bestehenden Unternehmen Innovation vorantreiben.”

Im Rahmen der Konferenz wurde – in Anwesenheit von Sektionschef Elmar Pichl aus dem BMFWF – auch der neue Ausgründungsrahmen für diese sog. SHAPE-Disziplinen vorgestellt. SHAPE steht für Social Sciences, Humanities and the Arts for People and the Economy, also für Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften sowie die Künste. Dieser Rahmen ergänzt den 2024 erarbeiteten Ausgründungsrahmen für den technischen und naturwissenschaftlichen Bereich.

Die Frage des Budgets?

Die Ergebnisse der Konferenz treffen auf einen schwierigen Moment. Wie sich das Universitätsbudget in den nächsten Jahren entwickelt, ist offen, mehr Geld wird es nach Einschätzung von Dömötör wohl nicht geben. Die Frage sei, wo gespart werde: bei etablierten Bereichen oder im Transfer, „der noch nicht so etabliert ist und auch keine starke Lobby in Budgetdiskussionen hat”. Das Budget sei deshalb ein Leitmotiv der Konferenz gewesen: „Was können wir tun, um dieses weiterhin zwar größer werdende, aber immer noch zarte Pflänzlein, das in den letzten fünf bis zehn Jahren entstanden ist, zu schützen?”

(c) Ruiz Cruz

Matt beobachtet die Folgen bereits. An einigen Universitäten sei das Personal im Transferbereich zurückgefahren worden. „Das finde ich einen falschen Ansatz, weil gerade jetzt müssen wir darauf achten, Innovation voranzutreiben.” Dass überall gespart werden müsse, sehe sie ein, „aber für die langfristige Sicht eines Wirtschaftsstandortes ist es nicht die richtige Entscheidung, an der Innovation zu sparen”.

Konkret bedauert Matt, dass es im Herbst keine Fellowship-Ausschreibung gab. Eine Handvoll Forscher:innen an ihrer Universität hätte gerne eingereicht. Wenn man in dieser Situation doch die akademische Karriere wähle, sei das nachvollziehbar, weil man es sich auf dem Weg dorthin kaum leisten könne, ein paar Jahre für einen unternehmerischen Versuch liegen zu lassen. Eine bei der Konferenz diskutierte Maßnahme sei deshalb ein Forschungsfreisemester, „damit diese Entscheidung nicht so früh fallen muss: Unternehmertum oder Forscherkarriere”.

Gründen soll in der akademischen Laufbahn zählen

Genau an diesem Punkt setzt der Maßnahmenplan an, den das ECN aus der Konferenz ableitet und Ende des Jahres veröffentlichen will. Gründen soll ein gleichwertiger Karriereweg werden, der auch in der akademischen Laufbahn anerkannt wird. „Kulturwandel bedarf auch der entsprechenden Incentives”, sagt Dömötör. „Wie wird es von meiner Uni gewürdigt, wenn ich gründe? Werde ich nur für die traditionellen Kernaufgaben einer Universität belohnt, Forschung und Lehre, oder wird auch die Third Mission stärker berücksichtigt?” In den letzten Jahren habe es eine positive Entwicklung gegeben, „aber da ist immer noch Luft”.

Der zweite Kernpunkt richtet sich an den Gesetzgeber: Das ECN fordert einen klaren Rechtsrahmen für Ausgründungen im Universitätsgesetz (UG) und im Fachhochschulgesetz (FHG). Dazu kommen österreichweite Standards für IP und Beteiligungen sowie Entrepreneurship Education für alle Studierenden. Die Details sollen im Plan Ende des Jahres folgen.

Verbündete in der Politik?

Unterstützung erhofft sich das ECN aus der Politik. Elisabeth Zehetner, Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, stellte sich bei einem Kamingespräch den Fragen der Community. Für Dömötör „ein sehr wertschätzendes Signal”. Man nehme aus dem Gespräch mit, „in ihr eine Verbündete zu haben”. Für die Änderungen an UG und FHG, die das ECN anstrebt, ist allerdings nicht ihr Ressort zuständig, sondern das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung.

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