22.01.2019

Verbund & Origami: Gerüstet für die Smart Meter-Datenflut

Der Umstieg der Energiebranche auf den Smart Meter bringt eine Masse an wertvollen Daten, die genutzt werden wollen. Im Rahmen des Verbund X Accelerators holte sich Verbund dafür auch Unterstützung vom englischen Startup Origami Energy.
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Verbund: Smart Meter gelten als großer Gamechanger in der Energiebranche
(c) Verbund: Smart Meter gelten als großer Gamechanger in der Energiebranche
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Der Smart Meter gilt als großer Gamechanger der kommenden Jahre in der Energiebranche. Doch der Umstieg auf die „intelligenten“ Zähler mit all ihren Annehmlichkeiten ist alles andere als trivial. „Die große Datenmenge, die uns in den kommenden Jahren aufgrund des Smart Meter-Rollouts erreichen wird, wird eine große Herausforderung sein“, erklärt Franz Eisner von Verbund Energy4Business. Bei Verbund, dem größten Energieanbieter Österreichs, arbeitet man auf vielen Ebenen am großen Zukunftsthema der Branche. Für das von Eisner angesprochene Big Data-Thema, holte man sich im Rahmen des Verbund X Accelerators nun auch Unterstützung von einem Startup: Origami Energy mit Sitz in Cambridge im Vereinigten Königreich.

Das Unternehmen ist auf die Verarbeitung von Echtzeit-Daten im Energiesektor spezialisiert. Gemeinsam wolle man die Abweichungen zwischen dem Ist-Verbrauch der Verbund-Kunden und den Prognosen des Energieanbieters automatisiert überwachen und daraus abgeleitet automatisiert verschiedene Aktionen setzen, erklärt Eisner. „Unser Ziel ist es, hochautomatisierte, hochgradig skalierbare und hochwertige Lösungen zu liefern, die Verbund dabei unterstützen, für die Zukunft gerüstet zu sein und weiter zu wachsen“, ergänzt Mark Watts Jones von Origami Energy.

„Wir ergänzen uns sehr gut“

Als eines von sechs Finalisten-Teams im Accelerator arbeiten Mitarbeiter Verbund Energy4Business und Origami seit Herbst intensiv am gemeinsamen Projekt. „Die Zusammenarbeit war aus unserer Sicht bislang fantastisch“, meint Watts Jones. Seitens Verbund biete man hervorragende Einsicht in die aktuellen Herausforderungen. Und Eisner ist überzeugt: „Wir ergänzen uns sehr gut. Origami bringt einen ganz anderen Blickwinkel mit und ist bei der Lösungsfindung sehr dynamisch. Wir für unseren Teil bringen einen unglaublichen Datenschatz und die inhaltliche Expertise mit“.

Ursprünglich hatten sich mehr als 300 Startups aus 43 Ländern für die Teilnahme im Verbund X !!Accelerator beworben. In einem mehrstufigen Auswahlprozess wurden schließlich die sechs Teams, die sich derzeit in der Acceleration-Phase befinden, bestimmt. Drei Teams werden dabei von Verbund selbst gestellt, jeweils eines von den Partnern OMV, Post und BIG. Die Zielsetzung der Projekte ist klar, wie auch Franz Eisner betont: „Wenn alles gut läuft, werden wir die Kooperation natürlich fortsetzen und auch so schnell wie möglich in den Regelbetrieb übergehen“.

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fluctus, aws
© fluctus - Anna Kurpierz und Christian Sattlecker von fluctus.

Der Bedarf an Bandbreite und enormen Datenvolumina steigt rasant. Doch während der globale Ausbau der physischen Infrastruktur voranschreitet, hinkt die digitale Verwaltung oft hinterher. Gerade kleine Regionen und lokale Netzerrichter stünden vor großen Herausforderungen. Zudem arbeiten mittelständische und große Unternehmen häufig mit starren, unzureichenden Systemen, denen es an Flexibilität fehlt, so die Erfahrung des fluctus-Gründerduos Anna Kurpierz und Christian Sattlecker.

fluctus mit End-to-End

„Wir haben bei unseren Projekten festgestellt, dass der österreichische Ausbau oft große Lücken hinterlässt – kleinen Regionen und Netzbetreibern fehlt der Zugang zu zukunftsträchtigen Technologien“, sagt Kurpierz. Um diese Lücken zu schließen, hat das oberösterreichische Startup ein von Grund auf neues Management-System für „Open-Access-Netze“ entwickelt.

Dabei setzt fluctus auf ein „New-Generation Open-Access-Tool“, das den Datenaustausch zentralisiert abwickelt. Das System funktioniert als reine „Zero-Touch“-Anwendung.

„Wir sind derzeit die Einzigen, die am europäischen Open-Access-Markt eine komplett zentralisiert managebare End-to-End-Lösung (E2E) anbieten“, erklärt die Gründerin weiter. „Da sämtliche Marktbegleiter von den Kunden eine Implementierung der Logiken in deren Netz voraussetzen.“

Der entscheidende Vorteil für Kunden sei hierbei, dass im Gegensatz zu Konkurrenzprodukten Netzbetreiber keine komplexen Logiken mehr selbst in ihr eigenes Netz implementieren müssten.

Wettbewerb steigern

„Ziel unseres Systems ist der Zugang zu einem offenen Netz für alle Breitbandteilnehmer“, so die Founderin weiter. „Einerseits wird damit der Wettbewerb unter den ‚Internet Service Providern‘ gesteigert und verbraucherseitig entsteht zudem ein Nutzen aus qualitativ hochwertigen Produkten, ein großer Pool aus Anbietern und Produkten sowie niedrigere Preise. Durch die Entstehung eines Polypols auf der Angebotsseite und den daraus entstehenden größeren Markt ergeben sich intensivere Preis- und Qualitätswettbewerbe.“

Zudem würden offene Netze einen fairen Zugang für alle Anbieter ermöglichen und an jedem Anschluss einheitliche Prozesse sowie technische Mindeststandards garantieren.

„Unser Produkt ist im Wesentlichen ein System für den Glasfaserausbau und -betrieb, welches als zero-touch Anwendung realisiert wird. Durch das ‚New-Generation Open Access Tool‘, welches den Datenaustausch zentralisiert abwickelt, kann eine vergleichbare Angebotslandschaft wie im Mobilfunk geschaffen werden – neben bestehenden Internet-Providern werden auch neue Anbieter im selben Netz entstehen“, erklärt Kurpierz. „Dies führt zu größerer Angebotsvielfalt, wettbewerbsfähigen Preisen und einer höheren Anschlussquote. Es entstehen somit auch neue Möglichkeiten für Discounter, Energy-Drink-Giganten bis hin zur kleinen IT-Firma, im Netz anzubieten.“

Zielgruppen von fluctus

Die Kernzielgruppe von fluctus umfasst Netzbesitzer (wie regionale Infrastrukturbetreiber) sowie große Technologieunternehmen. Ein typischer Use-Case ist der Zusammenschluss bislang getrennt strukturierter Regionen. Durch die Zentralisierung von Netz- und Betriebsprozessen sollen bestehende Infrastrukturen effizienter genutzt und neue Internet-Service-Provider nahtlos integriert werden.

Monetarisiert wird die Technologie über Dienstleistungs- und Wartungsverträge. Nach dem Prinzip „Grow with your business“ bietet fluctus drei flexible Modelle an, die ein E2E-Deployment und den laufenden Betrieb über das hauseigene OSS/BSS-Management-System umfassen. Die Preisgestaltung ist nach Unternehmensgröße gestaffelt. Zusätzlich wird pro Projekt beziehungsweise pro „Point of Presence“ (POP) eine Projektpauschale verrechnet, die sich nach der Größe des Projekts richtet.

Hürden überwunden

Die Entwicklung einer derart tiefgreifenden Technologie ist kapital- und ressourcenintensiv. Das Gründerteam stand beim Aufbau vor massiven Hürden, wie Kurpierz erklärt: „Die Entwicklung und Herstellung unseres Produktes hat hohe Investitionen, sogenannte CAPEX, erzeugt und unzählige Tests erfordert. Erschwerend kommt hinzu, dass es am Markt wenig ausgebildetes Personal in diesem Bereich gibt – die interne Weiterbildung in dieser Nische ist enorm zeitintensiv und führt daher zu höheren Kosten.“

© fluctus – Das fluctus-Team.

Einen entscheidenden Durchbruch hierbei brachte aws Seedfinancing – Deep Tech. Die Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) trug maßgeblich zur Marktreife der Technologie bei, wie die Gründerin erklärt. Zudem konnte das Startup das aws-Netzwerk nutzen, um strategisch wertvolle Kontakte zu knüpfen.

Mit einer fertigen Technologie im Rücken sind die nächsten Meilensteine klar definiert. In den kommenden Jahren möchte sich fluctus als etablierte Größe im DACH-Raum positionieren. Gleichzeitig treibt das Unternehmen die Erschließung weiterer internationaler Märkte voran.


Disclaimer: Der Artikel wurde in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) umgesetzt

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