17.04.2025
UMFRAGE

Venture Sentiment Index: Stimmung von Investor:innen trotz Trump-Unsicherheit verbessert

Der quartalsweise ausgegebene European Venture Sentiment Index (EVSI) zeigt einen Aufwärtstrend in der Stimmungslage europäischer Investor:innen.
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Der European Venture Sentiment Index deutet eine positive Entwicklung für das nächste Quartal an (c) Adobe Stock
(c) Adobe Stock

Das Tal der Tränen in der Stimmung europäischer Investor:innen ist vorerst überwunden – das legt der European Venture Sentiment Index (EVSI) für das erste Quartal 2025 nahe. Nachdem sich die Stimmung bereits mehrere Quartale lang stetig verbesserte, landete der Index zuletzt auf dem Höchstwert seit dem Boom-Jahr 2021.

Grundlage für die von der Wiener Venionaire Capital umgesetzte Erhebung bildet eine Umfrage unter Investor:innen von Business Angels über regulierte Risikokapitalfonds bis hin zu Family Offices, die den gesamten europäischen Raum sowie alle Startup-Sektoren abdecken soll.

Höchster Index-Wert seit Boom-Jahr 2021

Mit einem Index-Wert von 6,0 liegt der European Venture Sentiment Index im ersten Quartal nicht nur klar im positiven Bereich – der Wert 5,0 ist neutral, alles darunter negativ – er übertrifft auch die im Vorquartal ermittelte Erwartung von 5,9. Zuletzt waren im Boom-Jahr 2021 Werte von 6,0 oder höher erreicht worden. Danach war es relativ steil bergab gegangen mit einem recht konstanten Tal mit Werten knapp über vier von Ende 2022 bis Ende 2023. Seit Anfang 2024 ging es wieder aufwärts.

European Venture Sentiment Index Q1 2025
(c) Venionaire Capital

„Robuste Arbeitsmarktbedingungen, niedrigere Zinsen bei Krediten sowie verbesserte makroökonomische Bedingungen halfen dabei, den Index zum vierten Mal in Folge über der neutralen Linie zu halten“, analysiert man bei Venionaire.

Leichter Rückgang des European Venture Sentiment Index für zweites Quartal erwartet

Doch der zuletzt konstante Anstieg des Indexwerts könnte schon im aktuellen zweiten Quartal ein Ende finden. Die Erwartung der Befragten ergibt einen prognostizierten Wert von 5,9 und damit einen leichten Rückgang auf weiterhin hohem Niveau. Investor:innen würden ein günstiges, aber risikobewusstes Investitionsklima erwarten, heißt es von Venionaire.

Konkret gehen die Befragten von einem Anstieg der Investitionen um 7,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal aus. Auch die Mittelbeschaffungsaktivitäten sollen laut Befragung um ganze 12 Prozent gegenüber dem Vorquartal zunehmen. Allerdings wird zugleich erwartet, dass die Bewertung von Startups um 8,1 Prozent im Quartalsvergleich zurückgehen wird, begleitet von einem Rückgang der Dealflow-Qualität um 6,8 Prozent und einem Rückgang des Wettbewerbs um Deals um 2,6 Prozent.

„Für Verunsicherung sorgen hier vor allem die anhaltenden geopolitischen Spannungen, aber auch die aktuelle Zoll-Politik der USA“, analysiert Venionaire-Chef Berthold Baurek-Karlic. Weitere Bedenken hätten die Befragten bei der Mittelbeschaffung, der Entwicklung der Inflation, aber auch bei der Überlebensquote von Startups, sollte eine Serie-A-Finanzierungsrunde ausbleiben.

Investitionsvolumen stieg zuletzt an

Neben der Stimmung und den Erwartungen der Investor:innen wurden für den aktuellen European Venture Sentiment Index auch die Investment-Deals im ersten Quartal europaweit erfasst: Gegenüber dem Vorquartal stieg das Gesamtinvestitionsvolumen im europäischen Risikokapital-Ökosystem um 6,7 Prozent auf 17,6 Mrd. US-Dollar – ein Anstieg von 26,6 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2024. Die Anzahl der Deals ging gegenüber dem Vorquartal um 6,9 Prozent leicht auf 1.016 zurück, stieg aber ebenfalls gegenüber dem ersten Quartal 2024 leicht an (plus 1,1 Prozent).

(c) Venionaire Capital

„Diese Zahlen zeigen, dass sich das Vertrauen der Investor:innen erholt hat und die Dynamik im Jahr 2025 wieder zunimmt. Es deutet darauf hin, dass der Kapitaleinsatz trotz der anhaltenden geopolitischen und makroökonomischen Unsicherheiten wieder zunimmt“, meint Baurek-Karlic.

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Noxtua-Gründer Leif-Nissen Lundbæk und Manz-Geschäftsführerin Susanne Stein-Pressl | © Kidizin Sane
Noxtua-Gründer Leif-Nissen Lundbæk und Manz-Geschäftsführerin Susanne Stein-Pressl | © Kidizin Sane

Das Berliner Legal-Tech-Scaleup Noxtua hat seine Series-C-Finanzierungsrunde mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro abgeschlossen. Es ist die bislang größte Geldspritze für ein Rechts-KI-Unternehmen in Deutschland. Im Zuge der Kapitalerhöhung übernimmt der deutsche Fachverlag C.H.Beck die Mehrheit an dem Unternehmen, während die Wiener Manz’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung als neuer Investor einsteigt.

Susanne Stein-Pressl, geschäftsführende Gesellschafterin bei Manz, ordnet den Schritt in die Unternehmensgeschichte ein: „Seit mehr als 40 Jahren nimmt Manz eine Pionierrolle in der Digitalisierung des Rechtswesens ein“. Das Investment sei vor diesem Hintergrund eine konsequente Fortführung der eigenen Digitalisierungsstrategie. „Deshalb ist für uns die Investitionsrunde der nächste logische Schritt“, so Stein-Pressl.

Manz mit langer Digitalisierungs-Geschichte

Für den 1849 in Wien gegründeten Fachverlag fügt sich die Beteiligung in eine Reihe bestehender Innovationen ein. Manz führte bereits 1986 die Rechtsdatenbank (RDB) in Österreich ein und stellte Anfang 2025 mit „Genjus KI“ einen eigenen Rechercheassistenten vor. Seit 2025 kooperiert der Verlag zudem operativ mit Noxtua an der Lösung „Manz-Noxtua“, um Fachinformationen auf einer gemeinsamen Plattform zu bündeln.

Mit dem Einstieg will das Wiener Verlagshaus die Qualitätsstandards juristischer Inhalte auch im KI-Zeitalter sichern. „Vertrauenswürdige Inhalte der Rechtsverlage bilden dabei schon immer das Fundament, auf dem Rechtsexpertinnen und -experten in ganz Europa arbeiten und das es zu schützen gilt“, betont Stein-Pressl. Als Verlag sehe sich Manz als Garant für die Wahrung dieser Qualität.

Gesellschafterkreis von Noxtua formiert sich um

Die Mehrheit der Anteile liegt nach dem Abschluss der Runde bei C.H.Beck. Der Münchner Traditionsverlag war bereits im April 2025 bei der Series B als Hauptinvestor eingestiegen. Klaus Weber aus der Gesamtgeschäftsführung von C.H.Beck begründet die Aufstockung mit den Veränderungen im Markt: „Die Verbindung qualitativ hochwertiger Daten mit innovativer KI-Technologie ist das Erfolgsrezept in einem sich rasch wandelnden Markt“. Zudem betont er die strategische Ausrichtung der Partner: „Für uns als Traditionsverlag ist dieses Engagement gemeinsam mit Manz auch eine Investition in die Zukunft des Rechts“.

Parallel zum Wechsel der Mehrheitsbeteiligung wird die Gesellschafterstruktur neu geordnet. Bisherige Wagniskapitalgeber wie die Global Brain Corporation, der KDDI Open Innovation Fund sowie Einzelinvestor Dominik Schiener scheiden als Eigner aus. Auch die Wirtschaftskanzleien CMS und Dentons geben ihre Anteile ab, verbleiben aber laut Unternehmensangaben als Ankerkunden. CMS hatte die Entwicklung der Software 2024 mitinitiiert.

Internationale Expansion

Noxtua wurde 2017 auf Basis von Forschung an der Universität Oxford und dem Imperial College London von Leif-Nissen Lundbæk und Michael Huth gegründet. Nach Unternehmensangaben beschäftigt das Scaleup derzeit rund 100 Mitarbeiter:innen an sechs europäischen Standorten – darunter Berlin, Paris, Stockholm, Zagreb, München und Fribourg – und kommt auf mehr als 30.000 Nutzerinnen und Nutzer.

Das frische Kapital soll laut Aussendung vor allem in die Weiterentwicklung der spezialisierten Arbeitsbereiche sowie in die Expansion in weitere europäische Märkte fließen. Die Software deckt typische juristische Arbeitsabläufe wie Recherche, Analyse und Dokumentenerstellung ab und greift dabei auf Daten lizenzierter Fachverlage zurück.

Leif-Nissen Lundbæk, CEO und Gründer von Noxtua, kommentiert den Abschluss der Runde: „Wir entwickeln Noxtua basierend auf den exklusiven Inhalten führender Fachverlage vom ganzen Kontinent und haben so u.a. bereits Europas größte Rechtsdatenbank und Europas größtes Netzwerk unabhängiger Rechtsverlage aufgebaut“. Die Vertiefung der Partnerschaft ordnet er als Signal ein: „Die gemeinsame Investition von C.H. Beck und Manz in Noxtua ist deshalb auch ein starkes Zeichen an den Markt“.

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