05.08.2025
GASTBEITRAG

Venture Building: Von der Idee zur industriellen Anwendung

Im Gastbeitrag im Rahmen der Serie "Corporate Venturing" erklärt Philippe Thiltges, Co-Founder und CEO von whataventure, am Beispiel Pixoanalytics, wie Venture Building in der Praxis funktioniert.
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Phillippe Thiltges über Venture Building | (c) whataventure
Phillippe Thiltges | Foto: whataventure

Die brutkasten-Serie „Corporate Venturing“ is powered by AKELA, Raiffeisen Bank International AG, UNIQA Insurance Group, Mavie Next, Verbund, whataventure — New business. Powered by entrepreneurs. und Wien Energie GmbH.


Wenn wir über New Business Building sprechen, kann das schnell abstrakt klingen. Strategien, Frameworks, Governance. Aber im Kern geht es um etwas ganz anderes: Mut. Dranbleiben. Und vor allem das richtige Timing, um Möglichkeitsfenster zu öffnen, bevor andere überhaupt wissen, dass sie existieren.

Ein gutes Beispiel dafür ist Pixoanalytics. Die Idee dazu wurde im Intrapreneurship-Programm von DHL geboren – einem Programm, das wir als whataventure mit aufgebaut und gemeinsam mit internen Talenten umgesetzt haben. 

Wie Pixoanalytics funktioniert – simpel, smart und effektiv

Im Kern steckt in Pixoanalytics eine Technologie, die Objekte scannt und über KI anhand ihrer Oberflächenstruktur einen digitalen Fingerabdruck erstellt. 

Pixoanalytics nutzt hochentwickelte Computer-Vision- und KI-Algorithmen, die feine Oberflächenstrukturen – beispielsweise auf Papier, Kunststoff oder Holz – wie einen digitalen Fingerabdruck erfassen. Mit handelsüblichen Kameras analysiert die Technologie natürliche, einzigartige Oberflächenstrukturen. Diese Oberflächenstrukturen werden in Millisekunden identifiziert und Objekte dadurch automatisch klassifiziert und getrackt. 

Klingt technisch? War es auch. Und genau deshalb war es so spannend.

Die vielen kleinen Schritte zur Minimum Viable Company

Gemeinsam mit dem Intrapreneur und Gründer Ali Özyigit haben wir für die Technologie erste Anwendungsfelder identifiziert, den Markt analysiert, validiert und Partnerschaften angebahnt. Wir haben Kunden gewonnen und Schritt für Schritt das Geschäftsmodell geschärft. Kurz: Wir haben daraus eine “Minimum Viable Company” gebaut. Mit Egger wurde kürzlich ein weiterer toller Business Case geschaffen. 

Wie Egger die Technologie von Pixoanalytics nutzt

Egger, einer der führenden Holzwerkstoffhersteller Europas, erkannte früh das Potenzial der Technologie und zeigte sich von Anfang an offen und neugierig, sie in der eigenen Produktion zu testen. Nach einem erfolgreichen Piloten auf einer Produktionslinie wurde die Lösung schrittweise auf weitere Linien ausgerollt – mit spürbarem Effekt in mehreren Bereichen.

Die Technologie liefert etwa eine genaue Analyse der Produktionseffizienz, optimiert die Bestandsführung durch Lagerverwaltung, liefert Lieferkettentransparenz gemäß EU-Vorgaben und eine präzise CO₂-Bilanzierung.

Diese enge Zusammenarbeit zwischen Egger und Pixoanalytics – die wir in die Wege leiten durften – basiert auf der gemeinsamen Bereitschaft, neue Wege zu gehen. 

Unternehmerisch denken, heißt Chancen zu nutzen 

Unternehmertum – in Konzernen oder Startups – ist selten geradlinig. Es braucht Raum für Experimente, aber auch klare Entscheidungen. Es braucht Ressourcen – aber vor allem Menschen, die dran glauben, auch wenn der Business Case noch wackelt. Und es braucht Partner, die mit anpacken. Nicht als Berater, sondern manchmal auch als Co-Founder auf Zeit. Dass aus einer internen Idee ein tragfähiges Venture wurde, ist vor allem dem unternehmerischen Drive von Ali Özyigit zu verdanken. 

Pixoanalytics ist für mich ein Beispiel dafür, was möglich ist, wenn man unternehmerisch denkt, statt nur zu verwalten. Wenn man Dinge ausprobiert, bevor sie zu hundert Prozent sicher sind. Und wenn man versteht: Skalieren heißt, Chancen gezielt zu nutzen – durch das Suchen von Möglichkeitsfeldern, tragfähige Use Cases und ein Team, das Verantwortung übernimmt.

Über den Autor

Industrial Goods & Services ...

Philippe Thiltges, Co-founder & CEO whataventure, prägt seit mehr als einem Jahrzehnt die Innovationslandschaft in Österreich und Deutschland. Er hat über 150 Unternehmen bei der Schaffung nachhaltiger Innovationsstrategien und -strukturen unterstützt.

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Bundeskanzler Stocker setzt sich für ein UNO-KI-Zentrum in Wien ein. (c) BKA/Florian Schrötter
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Nach der Wahl in den UNO-Sicherheitsrat strebt die Bundesregierung nach dem nächsten Coup. Österreich soll in Fragen der Künstlichen Intelligenz in Zukunft nicht nur zuschauen, sondern aktiv mitgestalten. Das verkündete heute Bundeskanzler Christian Stocker. Der konkrete Vorschlag: Es soll ein internationales KI-Zentrum unter dem Dach der Vereinten Nationen in Wien entstehen. Der Vorschlag wurde von Staatssekretär Alexander Pröll beim virtuellen internationalen Spitzentreffen zur Kontrolle von Frontier-KI-Modellen eingebracht. Das Treffen hat auf Initiative der Regierungschefs Finnlands und Norwegens stattgefunden.

„Fürchten wir uns nicht vor Künstlicher Intelligenz, sondern geben wir ihr einen Rahmen, der den Menschen Ängste nimmt und Sicherheit gibt. Ein KI-Zentrum unter dem Dach der Vereinten Nationen kann dabei eine zentrale Rolle einnehmen. Wir wollen einen Ort schaffen, an dem Menschen aus der ganzen Welt gemeinsam daran arbeiten, das Potenzial von KI auszuloten, ihre Risiken zu verstehen und ihre Zukunft mitzugestalten“, sagt Stocker

Wien als „der richtige Standort“

Die Bundesregierung sieht Wien als idealen Standort an. Mit der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) und der CTBTO-Vorbereitungskommission sei die Stadt bereits Sitz von Institutionen, die den verantwortungsvollen Umgang mit komplexen Technologien behandeln und langjährige Erfahrung mit multilateralen Verfahren und Standards haben.

„Kein Staat kann diese Herausforderungen allein bewältigen. Die Weichen für die globale KI-Governance werden jetzt gestellt, und Österreich will diesen Prozess aktiv mitgestalten“, betont Staatssekretär Alexander Pröll.

Außenministerin Beate Meinl-Reisinger ergänzt: „Österreich setzt sich konsequent für klare Grenzen und international verbindliche Regeln für KI-Waffen ein. Als einer der vier UNO-Amtssitze wäre Wien bestens als Standort für ein internationales KI-Zentrum geeignet.“

Treffen mit Hinton und Steinberger

Heute Abend trifft Stocker gemeinsam mit Staatssekretär Alexander Pröll den Physik-Nobelpreisträger Geoffrey Hinton und Peter Steinberger, der mit OpenClaw weltweite Bekanntheit erlangte. „Wir sprechen über unsere Initiative, über internationale Regeln für KI und darüber, wie Österreich bei dieser Zukunftstechnologie vorne mit dabei ist“, schreibt Stocker auf X. Hinton und Steinberger sind Gäste von TEDAI in der Wiener Hofburg.

Österreich im KI-Zeitalter

KI scheint im Bundeskanzleramt präsenter denn je zu sein, denn Pröll möchte zum Thema „Österreich im Zeitalter von KI“ am 19. November Stellung nehmen. Der Staatssekretär lädt zu einer Grundsatzrede in die Österreichische Nationalbibliothek ein, bei der er über eine der „größten Gestaltungsaufgaben unserer Zeit“ sprechen wird.

„Künstliche Intelligenz verändert, wie wir arbeiten, entscheiden, schaffen und denken. Was bedeutet das für uns Menschen und was bedeutet es für Österreich?“, heißt es in der Aussendung.

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