05.07.2017

Venionaire-Studie: Die Top 20 Accelerators in Europa

In einer aktuellen Studie hat sich die Wiener Venionaire Capital mit Erfolgsfaktoren von Accelerator-Programmen beschäftigt und eine Liste der Top 20 für Europa aufgestellt.
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(c) fotolia.com - Olivier Le Moal

2007 startete mit Seedcamp in London das erste Accelerator-Programm in Europa, nachdem das Konzept zwei Jahre zuvor von Y Combinator im Silicon Valley eingeführt wurde. Danach folgten unzählige weitere Programme in ganz Europa. Allein im Jahr 2016 kamen laut einer nun veröffentlichten Studie von Venionaire Capital 26 neue Accelerators in Europa dazu. Was genau ein Accelerator ist, sei Definitionssache, da der Begriff nicht ausreichend von verwandten Konzepten, wie Inkubator-Programmen abgegrenzt sei, heißt es in der Studie. Man habe daher eine klare Abgrenzung angewandt: Als Accelerator gelten in der Studie demnach Programme, die einen fixen Zeitplan haben, Mentoring und Fortbildungen enthalten und an deren Ende ein Demo-Day und Fundraising stehen.

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Starker Trend zur Spezialisierung

Wie die Studie ergab, herrscht aktuell eine Tendenz zur immer stärkeren Spezialisierung von Accelerators. Dabei wurden Internet of Things (IoT), Software as a Service (SaaS), FinTech und der Mobile-Bereich als die momentan bedeutendsten Felder ermittelt. Auch wurde festgestellt, dass gerade in Europa ein hohes institutionelles Interesse an den Programmen besteht. So beziehen 27 Prozent der untersuchten Accelerators entweder einen Teil oder ihre gesamten Mittel aus öffentlicher Hand. Für ihr Ranking der 20 Top-Accelerators legte Venionaire zwölf Beurteilungskriterien zugrunde:

  1. Gesamtbewertung des Portfolios
  2. Anzahl an Startups, die das Programm durchlaufen haben
  3. „Überlebensrate“ akzelerierter Startups innerhalb eines Jahres nach dem Programm
  4. Anzahl der Exits
  5. Jahre, die es das Programm bereits gibt
  6. Der Pool internationaler Mentoren und Partner
  7. Social Media-Reichweite
  8. Folgeinvestments nach dem Programm
  9. Verhältnis zwischen Bewerbern und aufgenommenen Startups
  10. Durchschnittliche Größe der Exits
  11. Medienvolumen
  12. Dauerhafte Business-Partner

⇒ Link zur Studie

Das Ranking

Sieger des Top 20-Rankings wurde Europas erster Accelerator: Seedcamp aus London. Mit 23 Exits mit einer durchschnittlichen Summe von 35 Millionen Euro bei 235 Startups, die das Programm durchlaufen haben setzt sich Seedcamp gegen den ebenfalls britischen MassChallenge Accelerator (Platz 2) und Wayra aus Spanien (Platz 3) durch. Österreichsicher Accelerator ist keiner unter den Top 20.

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PrixxOne, Klemmbausteine, Lego-Möbel
© PrixxOne

Im Netz kursieren seit langer Zeit witzige Memes und Aussagen solcher Art: „Ja, ein Autounfall tut weh, aber bist du schon Mal auf einen Legostein draufgestiegen?“ Eher das Gegenteil zu Pein, nämlich die Liebe zu den dänischen Bausteinen hat PrixxOne-Gründer Jürgen Sommer schon als kleines Kind entwickelt. Sein He-Man aus der „Masters of the Universe“-Reihe saß damals auf einem Lego-Thron, mit Pölstern aus Watte und Taschentüchern.

PrixxOne: Möbelsystem aus Interlocking-Blöcken

Diese Leidenschaft lebte er später auch als Vater weiter. Als seine beiden Söhne acht und vier waren, baute das Trio ein riesiges Haus aus Lego mit Möbeln darin. „Ich habe mir damals sogar gewünscht, so groß wie eine Lego-Figur zu sein“, gesteht der Founder.

Doch statt wenige Zentimeter groß zu sein, war Sommer vor seiner Unternehmer-Karriere Lehrling bei der Wiener Städtischen und 18 Jahre lang u.a. als Manager bei Uniqa tätig. Dort und auch bei Raiffeisen gestaltete er Prozesse für interne sowie Außenpartner der Versicherungsbranche und verantwortete den Bereich digitale Signaturen.

„Ich habe immer sehr viel gearbeitet, manchmal 16 Stunden am Tag“, sagt er, „also habe ich eine Auszeit genommen und bin dem Projekt nachgegangen.“

© PrixxOne – Jürgen Sommer.

Das Projekt heißt PrixxOne und entwickelt ein Produkt, bei dem es nicht nur nicht wehtut, draufzusteigen, sondern es ist dafür gemacht, sich draufzusetzen. Sommers Startup bietet ein Möbelsystem aus Interlocking-Blöcken (oder Klemmbausteinen) im Maßstab 15:1 an. Patentrechtlich ist diese Prinzip frei nutzbar, denn der ursprüngliche Patentschutz für das Klemmsystem lief 1978 aus und der Europäische Gerichtshof hat 2010 die Form des Steins als Marke zu schützen abgelehnt. Wobei sich Lego immer wieder und auch aktuell in Rechtsstreitigkeiten befindet, zum Design oder bestimmten Bausteinen etwa, wie hier im Juni berichtet wurde.

Made in Austria

Unabhängig davon produziert das durch Investments aus dem familiären Bereich gestützte Unternehmen von Sommer diese Klemmbausteine, die nicht nur zum Möbelstück gebaut werden können, sondern auch designgeschützt sind: Jede Seite des PrixxOne-Bausteins verfügt über eine zwei Zentimeter hohe Ausnehmung, sodass man den Stein ohne jegliches Werkzeug auseinandernehmen, aufbauen, umbauen und erweitern kann – vom Hocker zum Sessel, bis hin zur Couch. Laut Gründer trage die Konstruktion das Gewicht von Erwachsenen – das sei intensiv getestet worden.

Die Bausteine werden in Wien designt und bestehen zu 100 Prozent aus recyceltem Kunststoff. „Wir nehmen Material, das sonst auf Deponien landen würde, und verwandeln es in zirkuläres, langlebiges Design komplett ohne Verschwendung“, sagt Sommer.

So richtig durchstarten möchte er Anfang nächsten Jahres und hat für die Produktion im Sinne von „Made in Austria“ drei potentielle österreichische Partner an der Hand. „Es ist nur noch eine Skalierungsfrage“, sagt Sommer, der mit seiner Idee auch einen Nachhaltigkeitsgedanken verfolgt: „In den vergangenen 25 Jahren habe ich als Operations-Manager und COO große Unternehmensstrukturen optimiert. Mein zentraler Antrieb ist das Lean-Management: Starrheit aufbrechen und Verschwendung radikal eliminieren. Genau dieses Mindset übertrage ich nun von der Unternehmenswelt mit PrixxOne auf die Möbelbranche.“

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