14.04.2025
2MIN2MIO-AUFTRITT

Veatzz: Damn-Plastic-Gründerin und Haubenköchin mit „Zaubermehl“-Startup

Ein Palatschinken-, Waffel- oder Brotteig in je 30 Sekunden - und das vegan, glutenfrei und antiallergen. Das verspricht Veatzz von Damn-Plastic-Gründerin Victoria Neuhofer und Haubenköchin Viktoria Fahringer.
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Victoria Neuhofer und Viktoria Fahringer präsentieren Veatzz bei 2 Minuten 2 Millionen | (c) Gerry Frank Photography
Victoria Neuhofer und Viktoria Fahringer präsentieren Veatzz bei 2 Minuten 2 Millionen | (c) Gerry Frank Photography

„Ich kann nicht kochen“, gesteht Victoria Neuhofer gegenüber brutkasten. Auf ihre Co-Founderin im Startup Veatzz trift das definitiv nicht zu: Viktoria Fahringer ist Österreichs jüngste Haubenköchin. Doch eben jener Umstand, dass sie nicht kochen kann, habe sie ursprünglich auf die Idee des Startups gebracht, erzählt Neuhofer.

„Etwas, das innerhalb von 30 Sekunden geht und trotzdem gesund ist“

„Ich brauchte etwas, das innerhalb von 30 Sekunden geht und trotzdem gesund ist“, erzählt die Gründerin. Warum so ein Stress? Bei Neuhofer kann man es schnell erahnen. Brutkasten-Leser:innen ist sie als Gründerin von Damn Plastic bekannt. Zusammen mit Co-Founderin Stephanie Sinko, die auch bei Veatzz wieder an Bord ist, betreibt sie mit dem Startup Stores für „Impact Products“ – mittlerweile teilweise mit Franchise-System in Österreich und Slowenien und in Kürze auch an zwei Standorten in Deutschland. Daneben ist sie aber auch noch in elfter Generation im Familien-Betrieb tätig, dem Holzverarbeiter Neuhofer Holz. Zwei weitere Unternehmungen leitet sie quasi nebenbei. Außerdem brachte sie kürzlich mit Damn-Plastic-Co-Founderin Sinko ein Buch heraus.

„Zaubermehl“

Und dann ist da eben auch noch Veatzz. Aus der ursprünglichen Idee, einem schnellen gesunden Essen für hustelnde Unternehmer:innen, wurde bald mehr, erzählt Neuhofer. „Viktoria [Anm. Fahringer] hat daraus ein Gourmet-Essen gemacht“, sagt die Gründerin. Veatzz ist ein „Zaubermehl“, so der Marketing-Claim. „Ursprünglich habe ich es Zauberpulver genannt, aber das hat falsche Assoziationen geweckt“, erzählt Neuhofer und lacht. Der Clou: Das Mehl muss nur mit der jeweils passenden Menge an Wasser angerührt werden, um zum Palatschinken-, Waffel-, Brot-, Nudel-, Pizza- oder Sonst-Was-Teig zu werden.

„Kein Kind soll mehr traurig sein, weil’s den Kuchen nicht essen kann“

Dabei ist es vegan, glutenfrei und allergenfrei. „Und zwar frei von sämtlichen gelisteten Allergenen. Kein Kind soll mehr traurig sein, weil’s den Kuchen nicht essen kann“, sagt Neuhofer. Zutaten hat das Zaubermehl nämlich nur vier, „sonst nix“, verspricht die Gründerin: Kichererbsen, Reis, Maniok-Wurzel und Kurkuma. Um jeweils die richtigen Sorten und die optimale Rezeptur zu finden, habe man eineinhalb Jahre gebraucht. Im Vergleich zu Standard-Mehl habe Veatzz 30 Prozent weniger Kohlehydrate, zehn mal mehr Balaststoffe und drei mal mehr Proteine. Und in einer Verkostung mit Haubenköch:innen – was sonst bei der Co-Founderin – habe man voll überzeugt, erzählt die Gründerin. „So etwas gibt es weltweit noch nicht.“

Veatzz bei Spar, Metro und Transgourmet

In Sachen Vertrieb kann Veatzz bereits einige Erfolge vorweisen. Aktuell ist das Zaubermehl bereits bei den Großhändlern Metro und Transgourmet gelistet sowie im Einzelhandel österreichweit in zahlreichen Spar und Interspar-Filialen zu finden. „Zusätzlich zu normalen Platzierung beim Mail sind wir auch in etwa 1.500 Filialen im ‚Urban & Young‘-Regal zu finden“, sagt Neuhofer. In Kürze sollen außerdem die ersten Listungen bei mehreren großen Supermarkt-Ketten in Deutschland bekanntgegeben werden.

Die Händler werden von einer Fertigungsanlage in Polen beliefert, die das Startup selbst betreibt. „Wir haben auch mit anderen Produzenten geredet, aber die konnten alle mit ihren Maschinen nicht einmal garantieren, dass das Zaubermehl dann allergenfrei ist. Das ist aber der Sinn der Sache“, sagt Neuhofer. Die eigene Fabrik aufzubauen, sei für sie kein Problem gewesen. „Ich komme mit dem Familienbetrieb aus der Maschinenwelt – wenn ich was kann, dann Maschinen bauen, auch wenn ich das eigentlich nie wollte.“

13.600 Packungen in sechs Stunden

Mit der einen bestehenden, 24 Meter langen, vollautomatischen Fertigungslinie könne Veatzz 13.600 Packungen in sechs Stunden produzieren, erklärt die Gründerin. „Und das jeden Tag mal drei. Damit kommen wir noch eine Zeit lang aus. Wenn wir mehr brauchen, können wir jederzeit eine zweite Linie dazustellen – die Lieferzeit ist drei Monate.“ Und warum Polen? „Alle Zutaten außer Kurkuma kommen aus Europa und Polen ist das einzige europäische Land mit direkter Zugverbindung nach China. Wir haben uns ausgerechnet, dass wir damit den geringsten CO2-Fußabdruck haben“, so Neuhofer. Schließlich würden auch hier für sie die selben Prinzipien gelten, wie bei Damn Plastic.

Veatzz bei 2 Minuten 2 Millionen

Eine weitere Parallele zu ihrem ersten Startup gibt es am Dienstag: Nach Damn Plastic 2021 ist Neuhofer gemeinsam mit Mitgründerin Viktoria Fahringer in der Puls4-Show 2 Minuten 2 Millionen zu sehen (dazu veranstaltet das Startup auch ein Public Viewing in Wien). Ob sie dort ein Investment erhalten hat, darf die Gründerin natürlich noch nicht verraten. In jedem Fall dürfte der Auftritt für weitere Aufmerksamkeit sorgen.

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Zwei Tage lang hat die Community rund um Andreas Tschas auf dem Otto Wagner Areal in Wien an einem „neuen Betriebssystem für unsere Wirtschaft“ gearbeitet. Ein Besuch beim ersten Conxious Picnic.
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Business Angel Hansi Hansmann und Conxious-Gründer Andreas Tschas | (c) Luisazzoe / StudioZucker

Es braucht seine Zeit, bis man oben ist. Wer zum Conxious Picnic will, muss hinauf auf die Baumgartner Höhe in Wien-Penzing, fernab der hektischen Innenstadt. Der Ort ist bewusst gewählt.

Das Otto Wagner Areal wurde vor rund 120 Jahren als Heil- und Pflegeanstalt eröffnet und umfasst rund 50 Hektar. Das entspricht der Fläche von rund 70 Fußballfeldern. Nach einem Jahrhundert klinischer Nutzung wird das denkmalgeschützte Jugendstilensemble neu belebt. 2030 oder 2031 soll hier die Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK) einziehen. Bis dahin wird das Gelände zwischengenutzt, unter anderem von Kreativkollektiven und für Kunst- und Kulturveranstaltungen.

Das Jugendstiltheater am Otto Wagner Areal in Wien-Penzing war Schauplatz des Conxious Picnic. Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Am 30. September und 1. Oktober war das Jugendstiltheater mit seinen Gärten Schauplatz des ersten Conxious Picnic. Schon beim Hineingehen weiß man: Hier geht es anders zu als bei einem üblichen Business-Event. Man spricht sich mit Vornamen an. Teilweise umarmt man sich bei der Begrüßung.

Das Betriebssystem von morgen

Hinter dem Format steht Andreas Tschas, Gründer von Conxious. Seine Vision fasst er im Gespräch mit brutkasten in einem Satz zusammen: „Ein neues Betriebssystem für unsere Wirtschaft, das auf Vertrauen und innerer Klarheit beruht.“ Nach diesem Gedanken sei auch die Veranstaltung aufgebaut gewesen. Es gehe darum, Wirtschaft wieder menschlicher zu machen: „Weg vom Business, hin zur Wirtschaft, zum Wirt.“ Der Wirt sei jemand, der auf die Ressourcen schaue, ein Host, der auf die Community achte.

Rund 200 Gäste waren laut Andreas Tschas an den beiden Tagen durchgehend vor Ort. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Das Interesse war größer als erwartet. 250 Personen waren laut Tschas angemeldet, durchgehend seien rund 200 vor Ort gewesen. Die Gäste kamen auch aus anderen europäischen Ländern, darunter die Niederlande, Portugal, Deutschland und Italien.

Was man mitbringen muss

Wer mitmachen will, braucht vor allem Zeit. Die Veranstalter baten ihre Gäste vorab, an beiden Tagen zu bleiben. Das Picknick sei als ein Bogen gedacht, bei dem jeder Akt auf dem vorigen aufbaut.

Dazu kommen Neugier, Präsenz und die Offenheit für Menschen, die man noch nicht kennt. So stand es in der Einladung an die Gäste. Wer wollte, brachte eine Blume mit, einen Kuchen zum Teilen oder ein Sitzkissen für die Wiese. Einen Dresscode gab es nicht, Farbe war ausdrücklich willkommen.

Wer sitzt, kann etwas vorbringen

Am zweiten Tag geht es im Jugendstiltheater um Träume. Bianca Gfrei von Conxious steht in der Mitte des Raums. Rund um sie sind Vintage-Möbel des Wiener Generationencafés Vollpension aufgereiht, dazwischen liegen Sitzkissen. Wer hier Platz nimmt, soll die Augen schließen und seine Wünsche benennen.

Bianca Gfrei von Conxious leitete am zweiten Tag die Runde zu den Träumen der Gäste. | Foto: Luisazzoe| / StudioZucker

Dann öffnet Gfrei die Runde. Gefragt wird nach Themen: Wer hat einen Traum, wenn es um Business geht? Wer, wenn es um Räume geht? Wer in der Runde sitzt, kann etwas vorbringen und sagen, welche Unterstützung er oder sie braucht.

Auch Tschas bringt einen Traum ein, und der betrifft Bildung. Inhalte für Kinder würden künftig viele Unternehmen liefern, entscheidend sei das Erlebnis rundherum. Mit „Conxious in the Garden“ treffen sich bereits Familien an Wochenenden. Er sei nicht überzeugt, dass sich das Bildungssystem in Österreich so schnell anpassen könne wie nötig. Zugleich gebe es sehr gute Schulen, nur brauche es mehr davon. Für das Vorhaben sucht er einen CEO, ein Investor sei bereits interessiert.

Vertrauen als Business Case

So weich das klingt, Tschas argumentiert wirtschaftlich. Das Fundament von Conxious sei Vertrauen, und das Picknick habe mit genau diesem Gedanken begonnen: „Trust as a Business Case“. Er erzählt dazu von Business Angel Hansi Hansmann, einem der Founding Partner von Conxious. Der habe ihm gesagt, dass es um Vertrauen gehe, sei für ihn ein No-Brainer. Für Tschas ist das der Punkt: „Du lernst den Menschen kennen und du vertraust ihm einmal.“ Daraus seien die großen Erfolgsgeschichten entstanden.

Auch der Autor und NEOS-Mitgründer Matthias Strolz war vor Ort. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

In Unternehmen sehe er oft das Gegenteil. Wenn er in Abteilungen nachfrage, wie viel Zeit in Konflikte und interne Politik fließe, höre er im Schnitt 70 Prozent. Der Grund sei ein Vertrauensproblem.

Bei Startups zeige sich das im Founder-Konflikt. Der „Return on Investment on emotional well-being“ werde völlig unterschätzt, sagt Tschas. Er kenne nur wenige Investoren, die vorbeugend etwas tun. Komme es zum Konflikt, könne man „mindestens 50 Prozent der Bewertung abschreiben“.

Auch die Freiflächen rund um das Jugendstiltheater wurden bespielt. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Wer dabei war

Auf dem Programm standen unter anderem der Impact-Investor Charly Kleissner, die Kulturanthropologin Bettina Ludwig, der Autor und NEOS-Mitgründer Matthias Strolz, Thomas Funke, Mitgründer der Tomorrow University, und Eversports-Mitgründer Hanno Lippitsch. Unter den Gästen waren laut Tschas zudem viele Gründer, die diesen Weg schon gegangen sind, darunter TTTech-Mitgründer Georg Kopetz sowie Busuu-Mitgründer und Investor Bernhard Niesner. Auch Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll und Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws), waren vor Ort.

TTTech-Mitgründer Georg Kopetz im Gespräch mit Conxious-Gründer Andreas Tschas | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Auch der Unternehmer Klaus Buchroithner war dabei, dessen Firma das Merchandise für Conxious produziert. „Die letzten zwei Tage ist es sehr wenig ums Business gegangen und sehr viel um Persönlichkeitsentwicklung“, sagt er. Es habe Sessions gegeben, in denen man sich bewegt hat, aber auch Vorträge. Eine klassische Business-Konferenz sei es sicher nicht gewesen.

Besonders mitgenommen hat Buchroithner den Beitrag von Ludwig über eine der letzten Jäger-und-Sammler-Gemeinschaften. Dort sei jeder von Geburt an Teil eines größeren Ganzen, weil die Gemeinschaft nur gemeinsam überlebt. Sein Schluss daraus: Egoistische Entscheidungen seien „eigentlich kompletter Unsinn“.

Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Was aus dem Picknick entstehen soll

Beim Reden soll es nicht bleiben. Tschas formuliert eine Hypothese: Unternehmen und Startups, die auf dieser Basis von Vertrauen gegründet werden, funktionieren besser. Aus der Community heraus würden gerade die ersten Unternehmen gemeinsam gestartet.

Konkret denkt man laut Tschas über drei Dinge nach. Ein Magazin, das sich um Bewusstsein in der Wirtschaft dreht. Räume für Meetings, in denen man präsenter und weniger abgelenkt ist. Und eine Schule. In drei bis vier Monaten werde man mehr dazu sagen können.

Das Prinzip dahinter beschreibt er so: „Dem Glück auf die Sprünge helfen, indem wir coole Leute und coole Ideen zusammenbringen und die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen.“


Video-Tipp: Andreas Tschas über Conxious: „Ein neues Betriebssystem für die Wirtschaft“

Andreas Tschas spricht im Talk über sein Projekt Conxious – eine kuratierte Community, die Vertrauen und innere Klarheit ins Zentrum des wirtschaftlichen Handelns rücken möchte.

Im Gespräch erklärt Tschas, warum Vertrauen ein unterschätzter Produktivitätsfaktor in Unternehmen sei, wie aus tiefen menschlichen Verbindungen nachhaltige Projekte entstehen können und wie ein zukunftsfähiges Betriebssystem für die Wirtschaft aussehen soll.

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