05.11.2020

Van der Bellen über Spin-offs: „Forschungsergebnisse für reale Herausforderungen“

Am 25. November veranstalten Hermann Hauser und Herbert Gartner die Spin-off Austria Conference. Auch Bundespräsident Alexander van der Bellen betont die Wichtigkeit dieses Themas.
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Bundespräsident Alexander van der Bellen
Bundespräsident Alexander van der Bellen. (c) Peter Lechner/HBF
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Der Computer Entrepreneur und Risikokapitalgeber Hermann Hauser lädt gemeinsam mit Herbert Gartner, Serienunternehmer und CEO von eQventure, zur ersten Spin-off Austria Conference. Das kostenlose Online-Event findet am 25. November 2020 statt. Das Thema: Über Spin-offs mehr Entrepreneurship in österreichische Universitäten bringen. Der brutkasten ist Partner für die digitale Umsetzung des Events.

Van der Bellen: Spin-offs als „Dritte Säule“

Begeisterung für dieses Vorhaben zeigt auch Bundespräsident Alexander van der Bellen. In einem schriftlichen Statement unterstreicht er vor allem die Bedeutung von Unternehmertum als „dritte Säule“  – neben Forschung und Lehre – für Österreichs Universitäten und Fachhochschulen.

Das Statement des Bundespräsidenten (aus dem Englischen übersetzt) im Wortlaut:

„Ich begrüße die Spin-off Austria Konferenz und ihre Bemühungen zur Förderung der „Dritten Säule“ zusätzlich zu Lehre und Forschung an österreichischen Universitäten und Fachhochschulen. Die „Dritte Säule“ befasst sich mit der Überleitung von Forschung zum Nutzen der Gesellschaft. Dies darf nicht mit der Veröffentlichung großartiger Forschungsarbeiten enden, sondern muss die Anwendung der Ergebnisse auf reale Herausforderungen wie den Klimawandel, die Elektrifizierung des Verkehrs und die Effizienzsteigerung unserer Industrie und die Verringerung der Abfallproduktion einschließen. Ein wichtiger Teil des Überleitungsprozesses sind Spin-offs, und ich hoffe, dass diese Konferenz zu einer raschen Beschleunigung der Gründung von Spin-off-Unternehmen aus österreichischen Forschungseinrichtungen beitragen kann“.

Van der Bellen hatte bekanntermaßen selbst von 1976 bis in di4e 1990er Jahre als Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre in Innsbruck und Wien gelehrt.

Video: Hermann Hauser über die Spin-off Austria Initiative

Im nachfolgenden brutkasten-Talk spricht Entrepreneur und Risikokapitalgeber Hermann Hauser über die Spin-off Austria Initiative, die Entrepreneurship im Hochschulbereich stärken soll. Im Rahmen der Spin-off Austria Conference wird Hauser zudem seine Sichtweisen für ein florierendes Spin-off-Ökosystem in Österreich skizzieren.

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Mathias Lipp-Rosenthal, Gründer der KI Schmiede | Foto: Lipp-Rosenthal

Das im August veröffentlichte Gesamtstaatliche Lagebild 2026 des Krisensicherheitsberaters im Bundeskanzleramt enthält einen Satz, der bislang wenig Beachtung fand: Angesichts der Cyberbedrohung rücke digitale Souveränität weiter in den Fokus der nationalen Sicherheit. Daraus leitet es eine unbequeme Handlungsoption ab, nämlich die Förderung von EU-Anbietern und den Verzicht auf externe Anbieter bei künftigen Beschaffungen. Im (ersten) Lagebild 2025 kam der Begriff nicht vor. Aus einem Standortthema wurde binnen eines Jahres eine Sicherheitsfrage.

Der Ist-Zustand ist bekannt. Verwaltung und Wirtschaft in Österreich laufen weitgehend auf Infrastruktur dreier US-Konzerne. Der CLOUD Act erlaubt US-Behörden den Zugriff auf Daten, die diese Unternehmen verarbeiten, unabhängig vom Standort des Rechenzentrums. Als Microsoft im Frühjahr 2025 plötzlich das Konto des Chefanklägers des Internationalen Strafgerichtshofs sperrte, wurde sichtbar, dass die Verfügbarkeit einer digitalen Grundleistung an einer Entscheidung außerhalb Europas hängen kann. Die Leistungsfähigkeit der Hyperscaler steht außer Streit. Zu klären ist, welche Funktionen ein Staat in fremder Hand belassen kann.

Vorbilder im öffentlichen Sektor

Das Österreichische Bundesheer hat mit der Umstellung auf LibreOffice die Kontrolle über einen zentralen Arbeitsplatzbaustein zurückgeholt, die Schweizer Armee migriert ihr Kommando Cyber auf openDesk.

Am weitesten gehen die Niederlande. Dort stellt die Regierung die gesamte Bundesverwaltung auf digitale Souveränität um. Seit Juli 2026 ist von US-Clouds für E-Mail und Dokumente abzuraten, Daten müssen in Europa bleiben und für jeden Dienst muss ein Ausstiegsplan vorliegen.

Sicherheit als Grundbedürfnis der Wirtschaft

Die Frage stellen sich zunehmend auch heimische Unternehmen. Sie wollen wissen, ob ihre Daten in Europa liegen, wer darauf zugreifen kann und ob der Dienst, auf dem ihr Tagesgeschäft läuft, morgen noch verfügbar ist. Souverän zu arbeiten heißt für sie vor allem, Sicherheit zu haben: dass Daten nicht von Drittstaaten abgegriffen werden können und dass sie sich auf die Infrastruktur, die ihr Geschäft trägt, tatsächlich verlassen können.

Anbieter, die diesen Wechsel möglich machen, gibt es in Österreich und Europa bereits. Sie stellen Rechenleistung, Plattformdienste und KI-Modelle bereit, die europäischem Recht unterliegen und deren Betrieb nachvollziehbar bleibt. Was ihnen fehlt, ist nicht die Kompetenz, sondern die Nachfrage, die sie in jene Größe trägt, in der sie für den Mittelstand zur echten Option werden.

Mehr als ein Hackathon

Im Mai 2026 haben das Bundeskanzleramt und die TU Austria dazu einen Public AI Hackathon veranstaltet. In 48 Stunden entwickelten 25 Talente Prototypen für die öffentliche Verwaltung, präsentiert vor Staatssekretär Alexander Pröll und einer Jury aus Verwaltung, Politik und Forschung. Das Format zeigt, dass der Wille zur Zusammenarbeit zwischen Staat und Nachwuchs vorhanden ist. Es zeigt auch, wo die Grenze liegt. Zwei Tage Hackathon ersetzen keine Strategie, mit der die Startup-Szene dauerhaft in den Aufbau souveräner Infrastruktur eingebunden wird. Auf einen Prototyp sollte eine Beschaffung folgen, auf eine Veranstaltung ein Förderprogramm, auf ein Teilnahmezertifikat ein zahlender Kunde.

Der Hebel heißt öffentliche Nachfrage

Genau hier liegt der Hebel für Österreich. Öffentliche Nachfrage entscheidet, ob heimische Anbieter jene Größe erreichen, die sie brauchen, um für die Wirtschaft eine echte Option zu sein. Wenn Bund, Länder und Förderstellen gezielt bei europäischen und österreichischen Anbietern beschaffen, stärkt das deren Marktposition und signalisiert der gesamten Startup-Branche, dass sich Investitionen in souveräne Technologie lohnen. Souveränität und Innovation stehen dabei nicht im Widerspruch, sie bedingen einander: Wer die Kontrolle über seine Infrastruktur behält, kann auf ihr aufbauen, statt sie nur zu mieten.

Für Österreich heißt das, die Empfehlung des Lagebilds über einzelne Prototypen hinaus zu denken. Jede Ausschreibung, jedes Förderprogramm und jede Anschlussfinanzierung entscheidet mit darüber, ob die österreichische Startup-Branche zu jenem Anbieter heranwächst, von dem Verwaltung, Sicherheitsbehörden und Mittelstand in zehn Jahren abhängen können. Wer Gründerinnen und Gründer heute mit mehr als einem Zertifikat ausstattet, entscheidet mit über die technologische Souveränität von morgen.


Über den Gastautor:

Mathias Lipp-Rosenthal ist Gründer der KI Schmiede, einer im Juni 2026 gestarteten Beratung, die Unternehmen im DACH-Raum bei der Einführung und Schulung von KI begleitet. Zuvor war er stellvertretender Klubdirektor der Neos und Mitgründer von Voter AI; die Gründung der KI Schmiede hat brutkasten hier bereits vorgestellt.

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