06.10.2025

USPD: Stablecoin aus Wien startet nach 1,5-Mio.-Investment mit Public-Beta-Phase

Ein Team in Wien arbeitet an einem dezentralen Stablecoin und hat dafür ein Pre-Seed-Investment von 1,5 Mio. US-Dollar erhalten - unter anderem vom US-Investor Tim Draper. brutkasten hat mit Martin Froehler und Thomas Wiesner gesprochen, die an dem Projekt arbeiten.
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Morpher-CEO Martin Fröhler
Martin Fröhler (Archivfoto) | © brutkasten/Schauer-Burkart

Martin Froehler und Thomas Wiesner kennt man in der österreichischen Krypto-Szene vor allem aufgrund ihrer Rollen bei Morpher: Froehler ist Co-Founder und CEO, Wiesner CTO des im Bereich Decentralized Finance (DeFi) aktiven Unternehmens, das 2019 gestartet ist und seither mehrere Millionen an Investmentgeldern eingesammelt hat – unter anderem vom bekannten Silicon-Valley-Investor Tim Draper. Draper ist nun auch beim neuen Projekt an Bord, das Froehler und Wiesner gestartet haben: USPD.

Damit wollen sie einen Stablecoin auf den Markt bringen, der tatsächlich dezentral ist. Dafür hat das dahinter stehende Unternehmen Permissionless Technologies schon im Mai eine Finanzierungsrunde in der Höhe von 1,5 Mio. US-Dollar abgeschlossen – mit Draper als Lead-Investor. Die Gesellschaft hat ihren Sitz in den USA, maßgebliche Teile des Teams sitzen jedoch in Wien.

Permissionless Technologies ist als Spin-off von Morpher entstanden, Morpher wird auch weitergeführt. „Die Teams überlappen sehr stark“, sagt Froehler im Gespräch mit brutkasten, für das er sich aus Singapur zugeschalten hat, wo er an der Krypto-Konferenz TOKEN2049 teilnimmt. „Es gibt aber auch klar separierte Bereiche, das Business Development für USPD sind beispielsweise eigene Leute, die mit Morpher nichts zu tun haben“. Froehler und Wiesner selbst werden in beiden Projekten involviert sein: „Wir sind auf beides fokussiert. Das sind zwei Projekte, die beide sehr wichtig sind.“

Public-Beta-Phase nun gestartet

USPD ist in der Vorwoche nun die Public-Beta-Phase gestartet. Warum eine weitere Stablecoin? Weil die bestehenden Player am Markt nicht dezentral seien, ist die klare Antwort der Gründer. Die beiden größten Stablecoins USDT und USDC werden von den Unternehmen Tether und Circle herausgegeben. Somit gebe es ein klares Emittentenrisiko: „Im Fall von Tether können wir jetzt nur hoffen, dass sie tatsächlich die Reserven haben.“

Auch bei regulierten Anbietern bleibe systemisches Risiko: Als die Silicon Valley Bank im März 2023 strauchelte, verlor USDC zwischenzeitig die Dollar‑Parität – für Froehler ein Beleg, dass Banken‑ und Mittelsmännerrisiken in zentralen Modellen nie ganz verschwinden. Sein Fazit: „Es gibt keine Stablecoin, wo man in Echtzeit überprüfen kann, dass 100 Prozent der Reserven verfügbar sind.“ Dezentrale Alternativen wie Dai überzeugen ihn ebenfalls nicht. „Die ist nicht wirklich dezentral“, sagt Froehler mit Verweis auf die hohe USDC‑Quote in den Reserven.

Wie USPD funktioniert

USPD setzt auf ein nutzergetriebenes Minting‑Verfahren: Wer Stablecoins erzeugen will, hinterlegt den entsprechenden Dollar‑Gegenwert in Form von Ether-Token (ETH) als Collateral im Smart Contract. „Unsere Nutzer erzeugen sich diese Stablecoins selber, indem sie einen Gegenwert in den Smart Contract hineinschicken. Wir wandeln das um in Staked Ethereum (sETH)“, erklärt Froehler. Der Zugriff bleibt non‑custodial beim Nutzer.

Gegen ETH‑Preisschwankungen wirken dann sogenannte „Stabilizer“: „Deren einzige Aufgabe ist, das Collateral am Smart Contract gegen Wertschwankungen von Ethereum zu besichern. Und die machen das mit ihrem eigenen Geld“, sagt Froehler.

Mintet jemand 1.000 USPD, legt der Stabilizer 250 US‑Dollar als Sicherheitspuffer im Smart Contract ab und finanziert mit weiteren 250 US‑Dollar eine Short-Position in Höhe von 1.250 US‑Dollar. So soll im Vertrag dauerhaft mindestens 25 Prozent Überdeckung bestehen. Der Stabilizer verdient laut Team an den laufenden Funding‑Gebühren. Aktuell betreibt das Team selbst einen Stabilizer, weitere Akteure sollen aber gewonnen werden – schon alleine, um dem Prinzip der Dezentralität gerecht werden zu können. „Es darf nicht nur an uns hängen“, sagt Froehler.

Abgrenzung zum „Terra/Luna-Desaster“

Thomas Wiesner betont außerdem die Abgrenzung zu einem anderen bekannten bis berüchtigten Stablecoin-Projekt: „Wenn man von algorithmischen Stablecoins spricht, denken viele erst an das Terra/Luna-Desaster“. Der mit dem Luna-Token verbundene Terra-Stablecoin war 2022 kollabiert. „Damals war das Problem, dass der Stablecoin an den eigenen Token gekoppelt war und das zu einer Abwärtsspirale geführt hat“. USPD verfolgt einen anderen Ansatz, wie Wiesner erklärt: „Wir sind nicht an einen eigenen Token gekoppelt, sondern koppeln das Collateral direkt an ETH“.

Dass die Zielgruppe für USPD vorerst vor allem DeFi‑affine Nutzer sind, räumt Froehler ein: „Bei uns im Westen ist das Thema ein Luxusproblem – nicht aber, wenn man sich Länder wie die Türkei, Argentinien, Indien oder Nigeria anschaut. Die Leute brauchen etwas, um sparen zu können oder Gelder an ihre Familien schicken ohne über teure Payment-Provider zu gehen“.

„Wollen die Währung der Decentralized Nation werden“

Was sind also die nächsten Schritt? „Wir monitoren das System aktuell noch sehr stark und schauen, dass alles passt, bevor wir die große Go-to-Market-Strategie starten werden im vierten Quartal“, erzählt Froehler. Das Team plant Partnerschaften mit DeFi-Protokollen sowie „das eine oder andere Börsenlisting“, um Nutzung und Liquidität auszuweiten. Parallel bereitet USPD ein Angebot für Investoren vor, selbst Stablizier für USPD zu betreiben. „In einem ersten Schritt wird es ein Private Offering für qualifizierte Investoren geben“.

Als langfristige „Big-Picture-Vision“ schwebt Froehler vor, „dass wir Alternative zu einem Bankkonto damit anbieten wollen, also dass die Leute ihr Geld auf der Blockchain verwahren können, ohne jemand anderem vertrauen zu müssen und gleichzeitig mit einer ganz normalen Karte dann einkaufen gehen können“. Oder kurz gesagt: „Wir wollen die Währung der Decentralized Nation werden“.


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Noxtua-Gründer Leif-Nissen Lundbæk und Manz-Geschäftsführerin Susanne Stein-Pressl | © Kidizin Sane
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Das Berliner Legal-Tech-Scaleup Noxtua hat seine Series-C-Finanzierungsrunde mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro abgeschlossen. Es ist die bislang größte Geldspritze für ein Rechts-KI-Unternehmen in Deutschland. Im Zuge der Kapitalerhöhung übernimmt der deutsche Fachverlag C.H.Beck die Mehrheit an dem Unternehmen, während die Wiener Manz’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung als neuer Investor einsteigt.

Susanne Stein-Pressl, geschäftsführende Gesellschafterin bei Manz, ordnet den Schritt in die Unternehmensgeschichte ein: „Seit mehr als 40 Jahren nimmt Manz eine Pionierrolle in der Digitalisierung des Rechtswesens ein“. Das Investment sei vor diesem Hintergrund eine konsequente Fortführung der eigenen Digitalisierungsstrategie. „Deshalb ist für uns die Investitionsrunde der nächste logische Schritt“, so Stein-Pressl.

Manz mit langer Digitalisierungs-Geschichte

Für den 1849 in Wien gegründeten Fachverlag fügt sich die Beteiligung in eine Reihe bestehender Innovationen ein. Manz führte bereits 1986 die Rechtsdatenbank (RDB) in Österreich ein und stellte Anfang 2025 mit „Genjus KI“ einen eigenen Rechercheassistenten vor. Seit 2025 kooperiert der Verlag zudem operativ mit Noxtua an der Lösung „Manz-Noxtua“, um Fachinformationen auf einer gemeinsamen Plattform zu bündeln.

Mit dem Einstieg will das Wiener Verlagshaus die Qualitätsstandards juristischer Inhalte auch im KI-Zeitalter sichern. „Vertrauenswürdige Inhalte der Rechtsverlage bilden dabei schon immer das Fundament, auf dem Rechtsexpertinnen und -experten in ganz Europa arbeiten und das es zu schützen gilt“, betont Stein-Pressl. Als Verlag sehe sich Manz als Garant für die Wahrung dieser Qualität.

Gesellschafterkreis von Noxtua formiert sich um

Die Mehrheit der Anteile liegt nach dem Abschluss der Runde bei C.H.Beck. Der Münchner Traditionsverlag war bereits im April 2025 bei der Series B als Hauptinvestor eingestiegen. Klaus Weber aus der Gesamtgeschäftsführung von C.H.Beck begründet die Aufstockung mit den Veränderungen im Markt: „Die Verbindung qualitativ hochwertiger Daten mit innovativer KI-Technologie ist das Erfolgsrezept in einem sich rasch wandelnden Markt“. Zudem betont er die strategische Ausrichtung der Partner: „Für uns als Traditionsverlag ist dieses Engagement gemeinsam mit Manz auch eine Investition in die Zukunft des Rechts“.

Parallel zum Wechsel der Mehrheitsbeteiligung wird die Gesellschafterstruktur neu geordnet. Bisherige Wagniskapitalgeber wie die Global Brain Corporation, der KDDI Open Innovation Fund sowie Einzelinvestor Dominik Schiener scheiden als Eigner aus. Auch die Wirtschaftskanzleien CMS und Dentons geben ihre Anteile ab, verbleiben aber laut Unternehmensangaben als Ankerkunden. CMS hatte die Entwicklung der Software 2024 mitinitiiert.

Internationale Expansion

Noxtua wurde 2017 auf Basis von Forschung an der Universität Oxford und dem Imperial College London von Leif-Nissen Lundbæk und Michael Huth gegründet. Nach Unternehmensangaben beschäftigt das Scaleup derzeit rund 100 Mitarbeiter:innen an sechs europäischen Standorten – darunter Berlin, Paris, Stockholm, Zagreb, München und Fribourg – und kommt auf mehr als 30.000 Nutzerinnen und Nutzer.

Das frische Kapital soll laut Aussendung vor allem in die Weiterentwicklung der spezialisierten Arbeitsbereiche sowie in die Expansion in weitere europäische Märkte fließen. Die Software deckt typische juristische Arbeitsabläufe wie Recherche, Analyse und Dokumentenerstellung ab und greift dabei auf Daten lizenzierter Fachverlage zurück.

Leif-Nissen Lundbæk, CEO und Gründer von Noxtua, kommentiert den Abschluss der Runde: „Wir entwickeln Noxtua basierend auf den exklusiven Inhalten führender Fachverlage vom ganzen Kontinent und haben so u.a. bereits Europas größte Rechtsdatenbank und Europas größtes Netzwerk unabhängiger Rechtsverlage aufgebaut“. Die Vertiefung der Partnerschaft ordnet er als Signal ein: „Die gemeinsame Investition von C.H. Beck und Manz in Noxtua ist deshalb auch ein starkes Zeichen an den Markt“.

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