24.07.2023

USound: Grazer Lautsprecher-Startup und Tech-Vorreiter gewinnt neue Partner

USound könnte zur Revolution auf dem Lautsprecher-Markt beitragen. Die patentierte Technologie ist offenbar sehr gefragt bei Anbietern. Nun präsentierte das Unternehmen zwei neue Partner.
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Foto: USound

Lautsprecher stehen vor einer technologischen Revolution. Der Klang stammt bei bisherigen Geräten von einem Magnet, der eine Drahtspule beinhaltet, welche an einer Membran befestigt ist. Stromimpulse werden dabei in Schwingungen und von der Membran in Luftbewegung überführt – diese nimmt man über das Ohr wahr.

Dieser Ablauf könnte sich bei einigen Produkten verändern. Die MEMS-Technologie (Micro-Electro-Mechanical Systems) vereint diese Teile in einer einzelnen Einheit. Dadurch ist das Konstrukt deutlich kleiner und bietet Flexibilität beim Design. Außerdem soll es bessere Sound-Qualität liefern und weniger Strom verbrauchen. Einer der wenigen Unternehmen, die im MEMS-Bereich als Pioniere gelten, ist das Grazer Startup USound, wie das Wall Street Journal berichtet.

Gefragte Lautsprecher

Ende vergangenen Jahres wurde bekannt, dass das Unternehmen mit dem Apple-Zulieferer Luxshare-ICT zusammenarbeitet. Dieser fertigt unter anderem Airpods sowie die neue Apple-VR Brille an. Nun kommen zwei weitere Kooperationen hinzu.

Zum einen erweitert USound sein Portfolio auf dem MedTech-Markt. Wie einer aktuellen Aussendung zu entnehmen ist, möchte der Hörgerät-Hersteller Linner die MEMS-Lautsprecher-Serie „Conamara“ für die Produktion von diskreten, leichten und energiesparsamen Hörgeräten nutzen. Diese seien zudem wasserdicht und somit auch für Strand oder Dusche geeignet.

Conamara 6mm Foto: USound

Auch der vietnamesische Anbieter Soranik integriert die Technologie von USound, um seine In-Ear-Kopfhörer „MEMS-2“ herzustellen. Diese sollen eine herausragende Klangqualität bieten und einen Frequenzbereich mit ultrahoher Bandbreite von bis zu 80 kHz erreichen.

Über 360 Patente

Doch wie unterscheidet sich der Aufbau von herkömmlichen Kopfhörern? Grob erklärt: Piezoelektrisches Material bewegt sich bei elektrischer Spannung. Bei den MEMS-Lautsprechern von USound werden kleine Mengen piezoelektrisches Material auf hochreinen Silizium geschichtet, um einen Kolben zu bewegen. Dieser ist wiederum an einer Membran befestigt ist. Ohne Drahtspule und Magneten wird Klang erzeugt.

USound, Apple,
(c) USound – Die USound-Gründer Jörg Schönbacher, Andrea Rusconi Clerici und Ferrucio Bottoni.

Das Konstrukt weise eine Dicke von 1 bis 1,5 Millimeter auf. Somit lässt sich an Größe sparen oder es entsteht Platz für andere Teile wie einem größeren Akku. Die Produktpalette des Grazer Startups, das 2014 gegründet wurde, ist mit über 360 Patenten geschützt.

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Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher
Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher / brutkasten

Er ist seit vielen Jahren einer der obersten Punkte auf der politischen Wunschliste der heimischen Startup-Szene: der Beteiligungsfreibetrag. Das Prinzip ist schnell erklärt: Man kann mit ihm Startup-Investments bis zu einem gewissen jährlichen Betrag von der Steuer absetzen. Das soll einen starken Anreiz schaffen, Risikokapital anderen Veranlagungsformen vorzuziehen und somit mehr privates Kapital für Startups mobilisieren.

Die genaue Ausgestaltung wäre bei einer möglichen Umsetzung Gegenstand politischer Verhandlungen. Die Forderungen aus dem Ökosystem gehen bis zu einem Betrag von 500.000 Euro pro Jahr, wie etwa in der „Vision 2030“ von invest.austria, AustrianStartups, Junge Wirtschaft und StartupNOW aus dem Jahr 2024. Großes internationales Vorbild ist das Vereinigte Königreich, das unter anderem dank eines solchen Modells konstant die mit Abstand höchsten Startup-Investment-Volumina Europas vorweist.

Bei der SPÖ nicht durchzubringen

Doch im Gegensatz zur anderen großen Forderung des heimischen Startup-Ökosystems, dem Dachfonds, der mittlerweile im Entstehen ist, schaffte es der Beteiligungsfreibetrag 2025 nicht ins schwarz-rot-pinke Regierungsprogramm. Hinter vorgehaltener Hand wird der Grund dafür in ÖVP-Kreisen klar benannt: Der Vorschlag sei beim Koalitionspartner SPÖ nicht durchzubringen. Im Frühling 2024, also noch in der Opposition, äußerte sich SPÖ-Chef Andreas Babler, konkret auf das Thema angesprochen, gegenüber brutkasten knapp, aber deutlich: „Steuerbegünstigungen für private Investoren, die in der Regel zu den Top 1 Prozent der Einkommens- und Vermögensverteilung zählen, sind keine Priorität der SPÖ.“

Für Zehetner „nächster logischer Schritt“

On the record ging man dem Thema in der ÖVP seit der Regierungsbildung 2025 dagegen mit Verweis auf die Koalitionsvereinbarung lieber aus dem Weg. Bis jetzt. Denn Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner forderte den Beteiligungsfreibetrag nun via LinkedIn-Posting offen ein. Nach dem Dachfonds wäre dieser, „der nächste logische Schritt“, schreibt sie und führt eine EcoAustria-Studie und internationale Vorbilder ins Treffen.

Unverhoffte Schützenhilfe in der Diskussion

Doch woher kommt der plötzliche Mut zur offenen Forderung entgegen dem koalitionären Konsens? Zehetner bekam Anfang dieser Woche eine Steilvorlage aus Deutschland, über die auch brutkasten berichtete. Dort war es nicht etwa CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, sondern mit Lars Klingbeil der amtierende SPD-Chef, Vizekanzler und Finanzminister, der Steuererleichterungen für Startup-Beteiligungen aufs Tapet brachte.

„Deutschland will mehr privates Kapital für Startups mobilisieren. Österreich sollte das auch tun“, schreibt Zehetner und verweist direkt auf die Ankündigung des SPD-Chefs. Das argumentative Kalkül dahinter liegt auf der Hand: Gegen den Vorstoß des deutschen Parteigenossen, dessen Schützenhilfe für Zehetner wohl unverhofft kam, lässt sich in der österreichischen Sozialdemokratie deutlich schwerer argumentieren, als gegen die Dauerforderung aus der liberalen Ecke. Ob dadurch tatsächlich eine offene Diskussion innerhalb der Koalition angestoßen wird, ist freilich zu bezweifeln.

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