USound: Grazer Lautsprecher-Startup und Tech-Vorreiter gewinnt neue Partner
USound könnte zur Revolution auf dem Lautsprecher-Markt beitragen. Die patentierte Technologie ist offenbar sehr gefragt bei Anbietern. Nun präsentierte das Unternehmen zwei neue Partner.
Lautsprecher stehen vor einer technologischen Revolution. Der Klang stammt bei bisherigen Geräten von einem Magnet, der eine Drahtspule beinhaltet, welche an einer Membran befestigt ist. Stromimpulse werden dabei in Schwingungen und von der Membran in Luftbewegung überführt – diese nimmt man über das Ohr wahr.
Dieser Ablauf könnte sich bei einigen Produkten verändern. Die MEMS-Technologie (Micro-Electro-Mechanical Systems) vereint diese Teile in einer einzelnen Einheit. Dadurch ist das Konstrukt deutlich kleiner und bietet Flexibilität beim Design. Außerdem soll es bessere Sound-Qualität liefern und weniger Strom verbrauchen. Einer der wenigen Unternehmen, die im MEMS-Bereich als Pioniere gelten, ist das Grazer Startup USound, wie das Wall Street Journal berichtet.
Gefragte Lautsprecher
Ende vergangenen Jahres wurde bekannt, dass das Unternehmen mit dem Apple-Zulieferer Luxshare-ICT zusammenarbeitet. Dieser fertigt unter anderem Airpods sowie die neue Apple-VR Brille an. Nun kommen zwei weitere Kooperationen hinzu.
Zum einen erweitert USound sein Portfolio auf dem MedTech-Markt. Wie einer aktuellen Aussendung zu entnehmen ist, möchte der Hörgerät-Hersteller Linner die MEMS-Lautsprecher-Serie „Conamara“ für die Produktion von diskreten, leichten und energiesparsamen Hörgeräten nutzen. Diese seien zudem wasserdicht und somit auch für Strand oder Dusche geeignet.
Conamara 6mm Foto: USound
Auch der vietnamesische Anbieter Soranik integriert die Technologie von USound, um seine In-Ear-Kopfhörer „MEMS-2“ herzustellen. Diese sollen eine herausragende Klangqualität bieten und einen Frequenzbereich mit ultrahoher Bandbreite von bis zu 80 kHz erreichen.
Über 360 Patente
Doch wie unterscheidet sich der Aufbau von herkömmlichen Kopfhörern? Grob erklärt: Piezoelektrisches Material bewegt sich bei elektrischer Spannung. Bei den MEMS-Lautsprechern von USound werden kleine Mengen piezoelektrisches Material auf hochreinen Silizium geschichtet, um einen Kolben zu bewegen. Dieser ist wiederum an einer Membran befestigt ist. Ohne Drahtspule und Magneten wird Klang erzeugt.
(c) USound – Die USound-Gründer Jörg Schönbacher, Andrea Rusconi Clerici und Ferrucio Bottoni.
Das Konstrukt weise eine Dicke von 1 bis 1,5 Millimeter auf. Somit lässt sich an Größe sparen oder es entsteht Platz für andere Teile wie einem größeren Akku. Die Produktpalette des Grazer Startups, das 2014 gegründet wurde, ist mit über 360 Patenten geschützt.
Diamens gewinnt den S&B Award 2026, Duramea holt den brutkasten-Sonderpreis
Zehn forschungsbasierte Business-Ideen traten beim S&B Award 2026 des Rudolf Sallinger Fonds gegeneinander an. In einer feierlichen Award Ceremony wurden nun die Sieger-Teams prämiert.
Diamens gewinnt den S&B Award 2026, Duramea holt den brutkasten-Sonderpreis
Zehn forschungsbasierte Business-Ideen traten beim S&B Award 2026 des Rudolf Sallinger Fonds gegeneinander an. In einer feierlichen Award Ceremony wurden nun die Sieger-Teams prämiert.
Beim S&B Award 2026 wurden vielversprechende Spinoffs prämiert | (c) Hannes Winkler
„Nächstes Jahr haben wir die 100 voll“, sagt Elisabeth Mayerhofer. Sie moderierte auch dieses Jahr die Vergabe des S&B Awards des Rudolf Sallinger Fonds – gemeinsam mit Philipp Horvath. Mit 100 meint Mayerhofer Finalisten-Spinoffs, die beim Award gegeneinander antreten. Stand 2026 gab es bislang nämlich 99 davon – der Award wurde nun zum zehnten Mal vergeben.
Prominente Alumni
Welchen Impact der S&B Award hat, erläuterte nicht nur die frühere Casinos-Generaldirektorin Bettina Glatz-Kremsner, die als langjährige Vorsitzende des Kuratoriums des Rudolf Sallinger Fonds im vorigen Jahrzehnt den entscheidenden Anstoß zu dessen Schaffung gegeben hatte. Auch prominente Alumni kamen bei der Award Ceremony zu Wort.
Bettina Glatz-Kremsner (m.) erzählte Moderatorin Elisabeth Mayerhofer (r.), wie alles begann | (c) Hannes Winkler
„Das Preisgeld hat uns damals die Finanzierung eines entscheidenden Patents ermöglicht und die Aufmerksamkeit, die wir bekommen haben, war gerade in der Anfangsphase enorm wichtig“, erzählt Cubicure-Gründer Robert Gmeiner, der mit seinem Spinoff im 3D-Druck-Bereich die erste Ausgabe des Awards gewonnen hat und mittlerweile auf einen 79 Millionen Euro schweren Exit zurückblickt.
Das auf Lieferketten-Monitoring spezialisierte KI-Unternehmen Prewave, das mittlerweile zu den größten Scaleups des Landes zählt, holte sich beim Antritt 2018 zwar nicht den Sieg. Profitiert habe man aber dennoch sehr – sowohl von der Sichtbarkeit als auch von der Nachschärfung des eigenen Modells und Pitchs im Rahmen der Bewerbung, erzählt Co-Founder und CEO Harald Nitschinger. Sein Tipp an die aktuellen Finalist:innen: „Think big!“
Die Alumni Harald Nitschinger (l.) und Robert Gmeiner (m.) gaben den Finalist:innen Tipps aus ihrer Erfahrung | (c) Hannes Winkler
Es ist ein Ratschlag, den sich die Forscher:innen hinter den zehn diesjährigen Finalisten-Projekten – brutkasten berichtete im Vorfeld – gewiss zu Herzen nehmen. Denn zwar sind sie mit ihren Spinoffs mitunter noch in einer sehr frühen Phase, doch die forschungsbasierten Produkte haben denkbar großes Potenzial.
„Furchtbare“ Auswahl aufgrund durchwegs hoher Qualität
Entsprechend schwer war die Auswahl für die Jury, bei der Ceremony vertreten durch Rudolf Dömötör (WU Wien), Gertraud Leimüller (winnovation) und Josef Glössl (BOKU). Juryvorsitzender Dömötör verriet mit einem Augenzwinkern: „Es war furchtbar! Also nicht die Projekte, sondern bei dieser enormen Qualität einen Sieger zu ermitteln,“ und doch habe es, wie immer, nur einen geben können.
Rudolf Dömötör fungierte als Juryvorsitzender | (c) Hannes Winkler
Hauptpreis für Diamens
Den Hauptsieg und damit ein Preisgeld von 20.000 Euro holte sich schließlich das JKU-Linz-Spinoff Diamens (brutkasten berichtete bereits mehrmals). Das HealthTech-Startup entwickelt eine neue, nicht-invasive Diagnose-Methode für Endometriose, an der weltweit rund 190 Millionen Frauen leiden. Der Weg zum Award-Sieg sei ein spannender Prozess gewesen, sagt Co-Founderin und CEO Marlene Rezk-Füreder gegenüber brutkasten: „Die Jury war sehr kompetent und hat nicht die Fragen gestellt, die man sonst immer bekommt.“ Mit dem Preisgeld habe man bereits einen konkreten Plan: „Wir werden damit unser zweites Patent einreichen, um unsere Technologie weiter schützen zu können.“
Das Gründerinnen-Team von Diamens (v.l.n.r.): Clara Ganhör, Angelika Lackner, Marlene Rezk-Füreder und Eva Scharnagl | (c) Hannes Winkler
brutkasten-Sonderpreis für Duramea
Auch dieses Jahr vergab brutkasten einen Sonderpreis über 5.000 Euro Medienvolumen, dessen Sieger per Online-Voting ermittelt wurde. Diesen holte sich das TU-Graz-Spinoff Duramea, das eine Membran-Technologie für die effiziente Erzeugung von grünem Wasserstoff entwickelt. „Wir wollen damit grünen Wasserstoff günstiger machen, als Wasserstoff, der aus Erdöl produziert wird“, erklärt Gründer Sebastian Rohde. Vom S&B Award habe man sich vor allem Sichtbarkeit versprochen. Auch wie man die zusätzliche Sichtbarkeit über das brutkasten-Medienvolumen einsetzen wolle, verrät Rohde bereits: „Wir sind aktuell noch sehr gut durch Förderungen finanziert. Aber mit der weiteren Entwicklung werden wir früher oder später auch auf Investorensuche gehen.“
Duramea vertreten durch Jean Claude Koffi (2.v.l.) und Sebastian Rohde (2.v.r.) holte sich den brutkasten-Sonderpreis | (c) Hannes Winkler
Sonderpreis von Onsight Ventures für Cairos
Und noch ein weiterer Sonderpreis wurde dieses Jahr vergeben – von Onsight Ventures rund um Tech-Pionier und Investor Hermann Hauser. Das Siegerteam erhält ein Ticket für das Hermann Hauser Frontier Lab im Oktober in Graz. Den Preis holte sich das Montanuniversität-Leoben-Spinoff Cairos, das ein Verfahren zur Herstellung von erneuerbarem synthetischen Erdgas entwickelt. „Unser nächstes großes strategisches Ziel ist die erste kommerzielle Anlage und dafür werden wir Kapital brauchen. Da wird uns die Teilnahme am Hermann Hauser Frontier Lab definitiv weiterhelfen“, kommentiert Co-Founder Martin Peham gegenüber brutkasten.
Cairos von Andreas Krammer (2.v.l.) und Martin Peham (2.v.r.) sicherte sich den Sonderpreis von Onsight Ventures | (c) Hannes Winkler
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