06.04.2022

USound: Grazer Lautsprecher-Startup steigt in MedTech-Markt ein

Das Grazer Startup USound hat kürzlich ein sattes Millioneninvestment geholt. Jetzt setzt es zur Eroberung neuer Märkte an.
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USound
(c) USound - Die USound Co-Founder Jörg Schönbacher, Andrea Rusconi Clerici und Ferrucio Bottoni mit frischem Kapital.

Das Grazer Startup USound kann man mit Fug und Recht als Hidden Champion bezeichnen. Die Platz- und Energie-sparenden MEMS-Lautsprecher (micro-electro-mechanical systems) kommen international in Wearables und Consumer Electronics zum Einsatz. Nun will das Jungunternehmen aber auch den Markt für Medizintechnik erobern. Die nicht-magnetischen Lautsprecher sind nämlich auch für den Einsatz in MRT-Geräten geeignet. Dort sollen sie in Kopfhörern verbaut werden, die Patienten in den Maschinen vor lauten Geräuschen schützen.

Ohne Magnetfelder und akustisch besser

In MRT-Geräten kann es sehr laut werden. Geräusche in einem Bereich von 65 bis 130 Dezibel erfordern das Tragen eines Gehörschutzes. Damit dieser auch mit beruhigender Musik bespielt werden kann, sind aber spezielle Lautsprecher erforderlich. Denn gängige Kopfhörer arbeiten mit Magnetfeldern, die aber in der Magnetresonanztomographie nicht verwendet werden können. Das bildgebende Verfahren setzt selbst auf starke Magnetfelder.

Bisher kommen deshalb in MRT-Geräten pneumatische Kopfhörer zum Einsatz, die die Tonqualität stark beeinträchtigen, wie USound-CEO Ferruccio Bottoni erklärt: “Aus akustischer Sicht fügen pneumatische Kopfhörer an den Klang eine Halbwellenresonanz mit mehreren Obertönen im hörbaren Bereich hinzu, was die Tonqualität stark beeinträchtigt. Das ist nicht ideal für die Entspannung des Patienten“.

Von USound selbst kommen die Lautsprecher, die von NordicNeuroLab in entsprechenden MRT-kompatiblen Kopfhörern verbaut werden sollen. NordicNeuroLabist Medizingerät-Hersteller mit Spezialisierung auf den MRT-Bereich. Die hochmoderne Technologie und die überragende Kompetenz von USound ermöglichen es NordicNeuroLab, ein bemerkenswertes und hochentwickeltes MR-kompatibles Audiosystem zu entwerfen, das die Bedürfnisse unserer Kunden und Partner voll erfüllt“, sagt Thomas Omdahl, CEO von NordicNeuroLab.

Die MEMS-Lautsprecher von USound werden von NordicNeuroLab eingesetzt, um Patient:innen maximale Entspannung bei MRT-Untersuchungen zu ermöglichen © USound/NordicNeuroLab
Die MEMS-Lautsprecher von USound werden von NordicNeuroLab eingesetzt, um Patient:innen maximale Entspannung bei MRT-Untersuchungen zu ermöglichen © USound/NordicNeuroLab

25 Millionen Investment für USound

Ende 2021 gab USound eine Finanzierungsrunde über rund 25 Millionen Euro bekannt, die von den Bestandsinvestoren eQventure und Hermann Hauser angeführt wurde. Die neue Generation an USound-Lautsprechern ist wasserdicht und wurde mit einer Horizon2020-Förderung der EU entwickelt.

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(c) Karin Hackl Wirtschaftsagentur Wien

Die Stadt Wien und die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien haben die Einreichphase für ihr gemeinsames Finanzierungsinstrument Wiener Wachstum gestartet. Insgesamt stehen dafür sieben Millionen Euro Startkapital zur Verfügung. Ziel ist es, die Eigenkapitalbasis wachstumsorientierter Unternehmen zu stärken und ihnen die nächsten Entwicklungsschritte zu ermöglichen.

Bereits im April dieses Jahres wurde das Finanzierungsmodell angekündigt. Hinter der Initiative steht eine gemeinsame Gesellschaft der Wirtschaftsagentur Wien und der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien. Beide Partner stellen jeweils 3,5 Millionen Euro zur Verfügung.

„Mit Wiener Wachstum wollen wir KMU in kritischen Wachstumsphasen gezielt begleiten und Investitionen in Innovation, Internationalisierung sowie Technologie ermöglichen“, erklärt Martin Hauer, Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien.

Wer kann sich bewerben?

Das Angebot richtet sich an Wiener Startups, Scaleups sowie KMU aus der Gesundheits- und Digitalwirtschaft. Dazu zählen beispielsweise Unternehmen aus den Bereichen Life Sciences, Medizintechnik, Pharma und Diagnostik sowie Software, Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien und Cybersecurity.

Voraussetzung ist unter anderem, dass die Unternehmen als Kapitalgesellschaft eingetragen sind, über ein tragfähiges Geschäftsmodell verfügen und seit „mindestens zwei bis drei Jahren“ eine Betriebsstätte in Wien haben. Unterstützt werden sollen insbesondere Vorhaben zur Skalierung, Internationalisierung, technologischen Weiterentwicklung oder Erweiterung von Produktionskapazitäten.

Keine klassische Förderung, sondern eine Beteiligung

Bei Wiener Wachstum handelt es sich nicht um eine klassische Förderung, sondern um eine Finanzierung. Die vereinbarte Summe wird vollständig an die Unternehmen ausbezahlt. Im Gegenzug führen erfolgreiche Unternehmen später einen vertraglich vereinbarten Anteil ihrer Gewinne an Wiener Wachstum zurück. Diese sollen künftig für weitere Unternehmensfinanzierungen eingesetzt werden und damit einen langfristigen Finanzierungskreislauf schaffen.

„Wir beschreiten mit Wiener Wachstum einen ganz neuen Weg abseits unserer bestehenden Fördermöglichkeiten“, erklärt Vizebürgermeisterin und Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak. Die Finanzierung stärke die Eigenkapitalbasis der Unternehmen und werde flexibel an deren Anforderungen angepasst.

Pro Unternehmen sind Finanzierungen zwischen 100.000 und 500.000 Euro möglich. Dabei kommen beispielsweise direkte Unternehmensbeteiligungen oder eigenkapitalähnliche Finanzierungen, etwa in Form qualifizierter Nachrangdarlehen, infrage. Bei direkten Beteiligungen liegt die Beteiligungsquote bei maximal 25 Prozent. Der vorgesehene Beteiligungszeit beträgt sieben bis zehn Jahre mit einer klaren Exitstrategie. Die konkreten Konditionen werden individuell vereinbart.

Einreichungen ab sofort möglich

Interessierte Unternehmen können sich ab sofort über die Website der Wirtschaftsagentur Wien für eine Finanzierung bewerben. Eine fixe Einreichfrist gibt es nicht. Nach einer ersten Prüfung der eingereichten Unterlagen folgen Gespräche über ein mögliches Investment sowie eine vertiefte Unternehmensprüfung. Der gesamte Prozess kann laut Wirtschaftsagentur Wien vier bis sechs Monate dauern.

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