Grazer USound holte sich weitere 10 Mio. US-Dollar Kapital
Das Grazer Unternehmen USound präsentiert die nächste Generation seiner Mikrolautsprecher. Für den Expansionskurs stockte man die 20 Mio- US-Dollar-Kapitalrunde von vergangenem Jahr nochmal um zehn Mio. Dollar auf.
Eher lapidar heißt es in einer aktuellen Aussendung des Grazer Mikrolautsprecher-Unternehmens USound, man habe „gerade eine zusätzliche Eigenkapitaltranche erhalten, die die letzte Finanzierungsrunde auf insgesamt 30 Millionen Dollar erhöht“. Eine 20 Millionen US-Dollar Runde hatte man vergangenen November kommuniziert. Alleiniger Investor war, wie auch in der Vorrunde, die Grazer eQventure GmbH., die treuhänderisch für ein Netzwerk an Investoren investiert.
Auch die angesprochene Kapital-Erhöhung um weitere zehn Millionen US-Dollar kommt hauptsächlich aus dem Investoren-Netzwerk, sagt eQventure Geschäftsführer Herbert Gartner auf Anfrage des brutkasten. Acht Millionen kommen demnach vom Netzwerk. Dazu kommen zwei Millionen US-Dollar über eine EU-Förderung, zu der aber noch keine Details kommuniziert werden könnten. „Wir hatten diesen Gesamtbetrag von 30 Mio. Dollar bereits von Beginn an angepeilt. Aus unterschiedlichen Gründen ist ein Teil ins erste Quartal 2019 hineingerutscht“, erklärt Gartner. Beteiligt seien unter anderem er selbst, die eQventure-Partner und Hermann Hauser.
Neue Mikrolautsprecher-Generation für längere Akku-Laufzeit
Das Kapital fließe in die Entwicklung der nächsten Generation von Mikrolautsprechern, heißt es von USound. Diese wurde nun erstmals präsentiert und soll im 3. Quartal diesen Jahres auf den Markt kommen. Mit seiner Halbleiter-basierten Lautsprecher-Technologie hatte das Grazer Unternehmen bereits bislang die weltweite Technologie-Führerschaft inne. Die neue Generation biete nun unter anderem eine erhöhte Akkulaufzeit für kabellose Kopfhörer und andere Wearables von bis zu zwölf Stunden. Dazu wurde ein Energierückgewinnungsverstärker integriert. Daneben ist der Mikroplautsprecher kleiner und leichter als bisherige Produkte. Seine Produktion ließe sich zu 100 Prozent automatisieren, heißt es vom Unternehmen.
(c) USound: Die zweite Mikrolautsprecher-Generation (Von einer Pinzette gehalten)
Welche Smartphone-Konzerne sind USound-Kunden?
Die Technologie von USound ist nicht nur für den Kopfhörer-Markt relevant. Noch viel größeres Potenzial hat der Smartphone-Bereich. Und das Grazer Unternehmen dürfte dort bereits einige Großkonzerne als Kunden gewonnen haben. In der Kommunikation ist man jedoch denkbar restriktiv. „Da gebe es so einiges zu berichten. Ich habe dabei selbst sehr viel gelernt. Ich könnte ein ganzes Buch darüber schreiben. Aber halt noch nicht jetzt“, sagt Herbert Gartner, der bei USound als Chairman fungiert, mit Verweis auf Verschwiegenheitsabkommen.
Zwischen San Francisco und Shenzhen
In welche Richtung man sich bei Grazer Unternehmen orientiert, zeigt auch die Liste der Standorte. Neben der steirischen Hauptstadt sind das momentan Wien, San Francisco, Shanghai und Shenzhen. Darauf angesprochen, kommentiert Gartner: „Der Druck, der derzeit zwischen den USA und China herrscht, bietet für europäische Unternehmen eine große Chance. Da haben wir am Standort Österreich – genau in der Mitte – einen Vorteil“. Generell sehe er China für europäische Unternehmen nicht als Bedrohung, wie derzeit häufig kolportiert, sondern als Chance.
Wie La French Tech Vienna die Innovations-Ökosysteme von Frankreich und Österreich verbinden will
Die französische Startup-Bewegung La French Tech ist nun auch in Wien vertreten. brutkasten war letzte Woche beim Launch-Event in der französischen Botschaft vor Ort. Dort ging es um technologische Souveränität und um die Frage, wie Startups und Investor:innen beider Länder leichter zueinanderfinden.
Wie La French Tech Vienna die Innovations-Ökosysteme von Frankreich und Österreich verbinden will
Die französische Startup-Bewegung La French Tech ist nun auch in Wien vertreten. brutkasten war letzte Woche beim Launch-Event in der französischen Botschaft vor Ort. Dort ging es um technologische Souveränität und um die Frage, wie Startups und Investor:innen beider Länder leichter zueinanderfinden.
Cécile Deterre (Co-Founderin von Blue Planet Ecosystems) und Renaud Viot (CEO und Co-Founder des Startups Lynxia) führen La French Tech Vienna als Co-Präsident:innen | (c) Emma Brycove/Französische Botschaft in Österreich
Im Foyer der französischen Botschaft in Wien läuft an diesem Abend ein Gast auf vier Beinen über den Marmorboden. Auf seinem Rücken sitzt ein Kamerakopf, daneben ragt eine Funkantenne hervor. Im Hintergrund stehen drei Flaggen: die französische, die europäische und die österreichische.
Der Hausherr hält es an diesem Abend betont analog. „Ich muss sagen, meine Rede wurde nicht von ChatGPT geschrieben, sondern von Menschen“, sagt Botschafter Matthieu Peyraud zur Begrüßung. Dann wird er grundsätzlich: Technologische Souveränität lasse sich nur auf europäischer Ebene erreichen, kein Mitgliedstaat schaffe das allein.
Der Anlass für Roboter und Rede am 8. Oktober: der offizielle Start von La French Tech Vienna, laut Peyraud der ersten French-Tech-Community in Österreich. Sie ist Teil von La French Tech, einem Netzwerk mit nach eigenen Angaben mehr als 100 Communities in Frankreich und weltweit, das großteils von Freiwilligen getragen wird.
Zwei Jahre Pilotphase
Neu ist die Initiative nicht. Sie lief zuvor unter dem Namen French Startups Vienna. Peyraud bezeichnet diese Phase in seiner Rede als „eine Art Pilotprojekt“. Seit rund zwei Jahren bringt sie französische und österreichische Gründer:innen, Forschende und Investor:innen zusammen.
Der französische Botschafter Matthieu Peyraud eröffnete am 8. Oktober den offiziellen Start von La French Tech Vienna in der Botschaft in Wien. Seine Botschaft: Technologische Souveränität gelingt nur auf europäischer Ebene. | (c) Emma Brycove/Französische Botschaft in Österreich
„Wir haben sehr klein angefangen, nur mit französischsprachigen Leuten, die mehr über Tech sehen und hören wollten“, sagt Renaud Viot im Gespräch mit brutkasten. Er ist Co-Präsident von La French Tech Vienna und CEO des Startups Lynxia. Er versteht die Initiative als Community: Die Mitgliedschaft ist kostenlos und steht österreichischen wie französischen Startups offen. „Wir verlangen nur, dass die Leute entweder neugierig auf Tech sind oder bereit, ihr Wissen über Tech zu teilen“, sagt er. Das Kernformat sind regelmäßige Events.
Souveränität als Leitthema
Inhaltlich steht der Abend im Zeichen technologischer Souveränität. Künstliche Intelligenz, Cloud Computing, Cybersicherheit, Halbleiter und Dateninfrastrukturen seien zu strategischen Gütern geworden, sagt Peyraud. Frankreich und Österreich hätten starke Forschungseinrichtungen wie das französische CNRS und das AIT Austrian Institute of Technology. Die gemeinsame Herausforderung sei, wissenschaftliche Exzellenz in globale Technologieführerschaft zu übersetzen. Zu oft gelinge es europäischen Innovationen nicht, im Tempo und in der Größe der internationalen Konkurrenz zu skalieren.
Als Beleg dafür, dass es anders geht, nennt der Botschafter Mistral AI. Die Übernahme des Linzer Startups Emmi AI durch Mistral AI zeige, wie Unternehmen aus verschiedenen europäischen Ländern ihre Expertise bündeln. Sie unterstreiche zudem die technologische Stärke Österreichs.
„Noch nicht so sehr am Radar“
Wo es konkret hakt, schildert Arnaud Béasse. Der Managing Director von 1764 Advisory kümmert sich in der Community um die Investorenbeziehungen. „An erster Stelle möchte ich Investoren mit Startups verbinden“, sagt er im Gespräch mit brutkasten. Das gelte in beide Richtungen. Österreicher:innen nach Frankreich zu bringen, habe bisher sehr gut funktioniert. Die größere Aufgabe sei nun der umgekehrte Weg: französische Investor:innen auf das aufmerksam zu machen, was in Österreich entsteht. Das sei bei ihnen „noch nicht so sehr am Radar“.
Das österreichische Deep-Tech-Startup iono Robotics aus Linz hat mit dem WORKMATE den ersten humanoiden Arbeitsroboter „Made in Austria“ entwickelt. | (c) Emma Brycove/Französische Botschaft in Österreich
Béasse nennt dafür mehrere Gründe. Größere Fonds würden oft mit Teams aus Deutschland auf Österreich schauen. „Das genügt nicht“, sagt er. Dazu komme bei manchen Venture-Capital-Fonds die Angst vor der Sprachbarriere. Bei Business Angels sei diese Hürde noch höher.
Seine Rolle sieht Béasse deshalb nicht nur im Vermitteln von Kontakten. Es gehe darum, Investor:innen auch beim Ökosystem und bei der Kultur zu begleiten. Aus französischer Sicht sehe man in Europa zuerst Spanien, Italien, Deutschland und die Benelux-Länder. Österreich müsse man erst aus dem Schatten von Deutschland und der Schweiz holen.
Acht Startups aus Frankreich und Österreich pitchten vor dem Publikum in der französischen Botschaft, abgestimmt wurde per Smartphone. | (c) Emma Brycove/Französische Botschaft in Österreich
Chancen sieht er bei Corporate Venture Capital. Französische Konzerne seien in Österreich vertreten. Hier gebe es derzeit viele Innovationen in den Bereichen Defense und Dual Use, die für solche Gruppen interessant seien.
ABA will Brücke zwischen den Ökosystemen schlagen
Auf österreichischer Seite ist die Austrian Business Agency (ABA) eingebunden. Verena Gruber, Director Western Europe, ist außerordentliches Mitglied im Board der Community. Als Standortagentur der Republik sei die ABA dafür da, französische Startups dabei zu unterstützen, die Chancen in Österreich zu entdecken, sagt sie im Gespräch mit brutkasten. Mit La French Tech Vienna habe man nun „ein tolles Tool“, um Verbindungen herzustellen, bei Investments ebenso wie bei Kooperationen mit Corporates. Am Tag nach dem Launch standen laut Programm Besuche bei der ABA, der Wirtschaftsagentur Wien und ecoplus sowie eine Führung durch die AI Factory Austria (AI:AT) auf dem Plan.
Die Initiative ist noch sehr jung. Als Beispiel dafür, was möglich ist, nennt auch Gruber den Emmi-AI-Deal. Er zeige die Kompetenz Österreichs bei Industrial AI. „Das ist eine Nische, worauf wir uns auch sehr stark konzentrieren können“, sagt Gruber. Damit könne Österreich auch einen Beitrag zur europäischen Souveränität bei Technologie leisten.
Acht Startups auf der Bühne
Nach den Reden pitchen acht Startups, das Publikum stimmt per Smartphone ab. Aus Frankreich kommen Proxima, VirtualBrowser, PleIAs und Manabou, aus Österreich Cyberaci, Eustella, Prop Corn und Ablatic. Sechs der acht ordnet die Event-Website dem Thema Souveränität zu, von europäischen Sprachmodellen bis Cybersecurity.
Manche der französischen Startups sehen laut Renaud Viot einen Market Fit mit Österreich, andere suchen einen Partner vor Ort, wieder andere haben hier bereits Kund:innen. Die beiden Ökosysteme seien einander ähnlich, beide seien stark bei Spinoffs und in der Forschung. Gemeinsam könne man einander „zu Partnern statt zu Konkurrenten“ machen, sagt Viot.
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